Die Landeszentrale kommt ins Schwabenalter

Die Logos der Landeszentrale im Wandel der Zeit
Geburtstagskind LpB

Im Jahr 2012 kann die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg auf 40 Jahre „Arbeit für die Demokratie“ zurückblicken.

Die alte „Bekanntmachung der Landesregierung von Baden-Württemberg über die Errichtung einer Landeszentrale für politische Bildung“ hatte als Datum den 25. Januar 1972. Im zweitletzten Satz legte sie fest: „Die Landeszentrale nimmt ihre Tätigkeit am 1. März 1972 auf.“ So bleibt dahingestellt, welchen Tag man als Geburtstag feiert.


POLITISCHE BILDUNG IM WANDEL DER ZEIT

FestveranstaltungAm 22. Juni 2012  wurde der 40. Geburtstag mit einer Festveranstaltung im Stuttgarter Rathaus begangen.

Festprogramm und die Reden (als Mp3-Dateien)



Vorgänger „DER BÜRGER IM STAAT“

Überparteiliche politische Bildungsarbeit hat nach den Diktaturerfahrungen des Nationalsozialismus im deutschen Südwesten tiefere Wurzeln, als es das Gründungsjahr 1972 vermuten lässt. Am 21. Dezember 1950 wurde in Stuttgart auf Beschluss der damaligen Regierung von Württemberg-Baden die Arbeitsgemeinschaft „DER BÜRGER IM STAAT“ e.V. gegründet. Das trug der Tatsache Rechnung, dass Demokratie nicht vom Himmel fällt und nicht selbstverständlich ist, sondern immer wieder neu gelernt, erfahren und eingeübt werden muss.

Pluralistisch und unabhängig

Um diese öffentliche Aufgabe mit gebotener Staatsferne in Angriff zu nehmen, wählte man die unabhängige Organisationsform des eingetragenen Vereins. Wichtig war den Akteuren die Einbindung aller politischen und gesellschaftlichen Kräfte wie Gemeinden, Kirchen, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Bauern, Vertriebene, Jugendverbände, Volkshochschulen, Massenmedien usw.

Keimzellen in den Universitätsstädten

Der Gründung der Arbeitsgemeinschaft vorausgegangen waren Vorgängerorganisationen in den Universitätsstädten Freiburg (Gesellschaft für Bürgerrechte), Heidelberg/Mannheim (Gesellschaft zur Wahrung der Grundrechte), Stuttgart und Tübingen. Das Tübinger „Büro für Heimatdienst“ war schon 1946 als staatliche Einrichtung gegründet worden und ist damit überhaupt die älteste Einrichtung zur politischen Bildung im heutigen Bundesgebiet gewesen.

Vom Verein zur staatlichen Einrichtung

Von 1951 bis 1972 arbeitete die Arbeitsgemeinschaft „DER BÜRGER IM STAAT“ auf Vereinsbasis und musste jährlich auf die Gewährung staatlicher Mittel hoffen. Diese Unsicherheit bewog die Mitglieder schließlich dazu, den Verein in eine staatliche Einrichtung zu überführen und damit eine kontinuierliche und verlässliche Arbeit zu garantieren. Trotz zum Teil heftiger Widerstände gegen „Verstaatlichung“ und „Preisgabe der Freiheit“ setzten sich die Befürworter einer Landeszentralen-Lösung schließlich durch.

Prägende Geburtsmerkmale

Die Hauptsitze der Landeszentrale in Stuttgart
Heute erinnern vor allem noch zwei Merkmale der Landeszentrale an die „Bürger-im-Staat-Zeiten“. Die dezentrale Gliederung der Landeszentrale mit ihren Außenstellen ist eine Folge der dezentralen Entstehung. Dieses positive und bürgernahe Strukturmerkmal hat in den letzten Jahren aus Einsparungsgründen stark gelitten. Die Außenstelle Stuttgart und die Außenstelle Tübinger wurden aufgelöst. Das zweite Merkmal erfreut sich guter Gesundheit. Der Name „Bürger im Staat“ lebt fort im Namen der Vierteljahreszeitschrift DER BÜRGER IM STAAT, die als Monatszeitschrift im Januar 1951 das Licht der Welt erblickte.

Glaubwürdigkeit zählt

Heute kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Gründung der Landeszentrale eine gute Entscheidung war. 40 Jahre lang gab es keine Versuche, die Landeszentrale für einseitige parteipolitische Ziele zu instrumentalisieren. Es würde ihr sicherlich auch schlecht bekommen, denn die Bürgerinnen und Bürger merken sehr schnell, wenn die Überparteilichkeit und Unabhängigkeit verloren gehen. Sie sind das Kapital der Landeszentrale und garantieren ihre Glaubwürdigkeit als „Werbeagentur für die Demokratie“.

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Grundsätze der Arbeit der Landeszentrale

Die Landezentrale ist eine nichtrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts im Geschäftsbereich des Staatsministeriums Baden-Württemberg. Sie versteht sich aber nicht als „Behörde“, sondern als eine Einrichtung, die unserer Demokratie verpflichtet ist und den Bürgerinnen und Bürgern wichtige Dienstleistungen anbietet. Nach der Bekanntmachung der Landesregierung hat die Landeszentrale die Aufgabe, "die politische Bildung in Baden-Württemberg auf überparteilicher Grundlage zu fördern und zu vertiefen. Sie dient hierbei der Festigung und der Verbreitung des Gedankengutes der freiheitlich-demokratischen Ordnung". Die Überparteilichkeit der Arbeit der Landeszentrale wird durch ein Kuratorium sichergestellt. Es besteht aus 17 Mitgliedern des Landtags und sieben weiteren sachverständigen Persönlichkeiten.

Im Laufe der Jahre hat die Landeszentrale Richtlinien für ihre Arbeit entwickelt, welche in dem Grundsatzpapier „Grundsätze der Arbeit der Landeszentrale für politische Bildung“ und dem von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landeszentrale entwickelten "Leitbild" festgeschrieben sind.

Die theoretische Grundlage für politische Bildung im staatlichen Auftrag ist der 1976 auf einer Didaktiker-Tagung der Landeszentrale formulierte Beutelsbacher Konsens und bekräftigt 1997 mit dem Münchner Manifest.
Er umfasst 3 Regeln für die pädagogische Praxis:

  • Indoktrinationsverbot
  • Beachtung kontroverser Positionen in Wissenschaft und Politik im Unterricht
  • Interessenberücksichtigung
Drei der bisherigen Direktoren der Landeszentrale: Dr. h.c. Siegfried Schiele (1976-2004), Theo Götz (1973-1976) und Lothar Frick (seit 2004). Prof. Dr. Dr. Herbert Schneider kommissarischer Direktor von 1972-1973 ist nicht auf dem Bild.
Drei der bisherigen Direktoren der Landeszentrale: Dr. h.c. Siegfried Schiele (1976-2004), Theo Götz (1973-1976) und Lothar Frick (seit 2004). Prof. Dr. Dr. Herbert Schneider kommissarischer Direktor von 1972-1973 ist nicht auf dem Bild.

Die Arbeit der Landeszentrale

Der LpB-Stand auf der Didacta 1985 und 2011

Die Arbeit der Landeszentrale ist seit vierzig Jahren sehr vielfältig. So führt sie in Zusammenarbeit mit Trägern der Bildungsarbeit Seminare, Tagungen, Vorträge und Bildungsreisen durch, bei denen politische Fragen unter Beteiligung von Wissenschaftlern und Politikern erörtert werden. Dazu zeigt sich die Landeszentrale für den Schülerwettbewerb des Landtages und das FÖJ verantwortlich und engagiert sich in der Gedenkstättenarbeit. Darüber hinaus bietet die Landeszentrale ein weitreichendes Publikationsangebot, das Bücher und Faltblätter, Zeitschriften, Lernmedien und Spiele umfasst und informiert mit ihrem Internetangebot über politische Themen.

Broschüren der Landeszentrale

Faltblatt über die Landeszentrale von 1978Offenes Seminarprogramm von 1980

Haus auf der Alb

Haus auf der Alb. Foto: H. Jütten
Foto: H. Jütten

Seit Februar 1992 hat die Landeszentrale für politische Bildung mit dem „Haus auf der Alb“ eine eigene Tagesstätte. Das vom Bauhaus-Architekten Adolf G. Schneck entworfen und 1929/30 gebaute Kaufmannserholungsheim ist als Baudenkmal von besonderer Bedeutung ins Denkmalbuch eingetragen und gehört zu den herausragenden Beispielen moderner Architektur. Seit 1987 befindet er sich im Besitz des Landes Baden-Württemberg. Heutzutage ist das „Haus auf der Alb“ ein modern ausgestattetes Tagungshaus, in dem jährlich über 200 Veranstaltungen stattfinden. Die meisten veranstaltet die Landeszentrale selbst, doch steht das Haus auch anderen Einrichtungen zur Gastbelegung offen.

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40 Jahre Landeszentrale

 

Politik erklären - Orientierung geben - Menschen verbinden - Demokratie leben. Dokumentation zu 40 Jahre Landeszentrale von 1972 bis 2012
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