Die Präsidentschaftskandidaten

Wahlplakate. Foto: MAEE/Antoine Arraou. France Diplomatie: Images de France.
Foto: MAEE/Antoine Arraou. France Diplomatie: Images de France.

Am 19. März 2012 veröffentlichte der Verfassungsrat die Liste der Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2012. Damit trat der Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich in seine heiße Phase. Zehn Politiker nahmen am Kampf ums höchste Staatsamt teil:

  • Nicolas Sarkozy
  • François Hollande
  • Jean-Luc Mélenchon
  • Marine Le Pen
  • Eva Joly
  • Philippe Poutou
  • Nathalie Arthaud
  • Jacques Cheminade
  • François Bayrou
  • Nicolas Dupont-Aigna

Die Liste wurde nach Prüfung der 500 erforderlichen Unterschriften erstellt.

Nicolas Sarkozy

Foto: Nicolas Sarkozy. Bild von א; (Aleph), http://commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 2.5
Bild von א; (Aleph), wikimedia.commons, Lizenz: CC BY-SA 2.5

Nicolas Sarkozy wurde am 28. Januar 1955 in Paris als Sohn eines aus Ungarn stammenden Publizisten und einer französischen Juristin geboren. Er studierter in Paris Rechtswissenschaften und erhielt 1981 das Zertifikat für die Zulassung als Anwalt. Als einer der wenigen französischen Spitzenpolitiker besuchte er nicht die Eliteschule ENA.

Sarkozy ist zum dritten Mal verheiratet und hat vier Kinder.

Politische Laufbahn:

Seine politische Karriere begann Sarkozy schon früh. Bereits 1977, im Alter von 21 Jahren, stieg Sarkozy in das Zentralkomitee der RPR (Rassemblement pour la République) auf. Die RPR ging 2002 in die "Union pour un mouvement populaire" (UMP) über. Im März 1993 wurde Sarkozy Haushaltsminister in der Regierung Édouard Balladurs und unterstützte diesen im Präsidentschaftswahlkampf 1995 gegen seinen Parteichef Jacques Chirac. Dieses Verhalten führte zum Bruch Sarkozy und Chirac. Chirac gewann die Wahl und blieb bis 2007 französischer Staatspräsident. Sarkozy dagegen erhielt im neuen Kabinett keinen Posten mehr.

Erst 2002 kehrte Sarkozy ins Kabinett zurück. Er wurde Innenminister und nutzte den Posten, um durch ein hartes Vorgehen gegen Kriminelle seine Popularität bei den Wählern auszubauen. Im März 2004 stieg Sarkozy noch weiter auf. Nachdem seine Position gegenüber Chirac durch die Niederlage der Konservativen bei den französischen Regionalwahlen gestärkt worden war, setzte er seine Ernennung zum „Superminister“ für Wirtschaft, Finanzen und Industrie durch. Im gleichen Jahr übernahm er den Parteivorsitz der Präsidentenpartei UMP und schafft sich damit die nötige Machtbasis für seine Präsidentschaftskandidatur. 2005 wurde Sarkozy wieder zum Innenminister ernannt. Im Herbst desselben Jahres entwickelte sich Sarkozy für viele Linksorientierte zur Hassfigur, weil er die in den Pariser Vororten randalierenden Jugendlichen als "Gesindel" und "Abschaum" bezeichnete, "welche man mit einem Hochdruckreiniger wegspritzen sollte". Diese Rhetorik missfiel zwar seinen Kritikern, begeisterte aber seine Anhänger. Sarkozy wurde zum Präsidentschaftskandidaten der UMP aufgestellt und am 6. Mai 2007 zum französischen Staatspräsidenten gewählt. Er gewann die Stichwahl gegen die Kandidatin der sozialistischen Partei, Ségolène Royal, mit 53,06 Prozent.

Bei der Präsidentschaftswahl 2012 erhielt Sarkozy im ersten Wahlgang 27,18 Prozent der Stimmen.

Links zu Nicolas Sarkozy:

François Hollande

Francois Hollande. Foto: Margaux L'Hermite, flickr Francois Hollande, Lizenz: CC BY 2.0
Foto: Margaux L'Hermite, flickr Francois Hollande, Lizenz: CC BY 2.0

François Hollande wurde am 12. August 1954 in Rouen im Norden Frankreichs geboren. Er studierte in Paris Jura. Anschließend absolvierte er gleich drei Eliteuniversitäten, unter anderem die École nationale d'administration (ENA), wo er seine langjährige Lebenspartnerin Ségolène Royal traf. Zurzeit ist Hollande als Abgeordneter im französischen Parlament tätig.

Hollande ist unverheiratet und lebt mit der Journalistin Valérie Trierweiler zusammen. Aus seiner langen Beziehung zur früheren Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal hat er vier Kinder.

Politische Laufbahn:

François Hollande politische Laufbahn ist eng mit der des früheren Präsidenten François Mitterrand verbunden. Schon als 20-Jähriger unterstützte Hollande diesen. 1979 trat Hollande der Parti socialiste (PS) bei, die unter François Mitterrand zur führenden Linkspartei aufstieg und arbeitete im Wahlkampfteam von Mitterrand mit, der ihn nach seinem Wahlsieg 1981 mit einem Posten im Elyséepalast belohnt. Von 1988, nach der Wiederwahl Mitterrands als Präsident, bis 1993 hatte Hollande ein Abgeordnetenmandat im französischen Parlament inne, welches er seit 1997 wieder bekleidet. Ein Regierungsamt hat Hollande nie ausgeübt. Stattdessen war er von 1997 bis November 2008 Vorsitzender der PS. Nachdem er 2008 nicht mehr für das Amt kandidierte, konzentriert er sich auf seine Ämter als Abgeordneter und Regionalrat von Corrèze im Südwesten. In dieser Zeit erwarb er sich den Ruf eines volksnahen Politikers aus der Provinz.

Bei der ersten offenen Vorwahl in Frankreich 2011 wurde Hollande zum Präsidentschaftskandidaten der Parti Socialiste (PS) und der "Parti Radical de Gauche" (PRG) gewählt. Nachdem Dominique Strauss-Kahn nach Vergewaltigungsvorwürfen auf eine Bewerbung verzichtet hatte, war Hollande als Favorit in die Vorwahlen gegangen. Im ersten Wahlgang erhielt er mit 39 Prozent die meisten Stimmen, musste sich aber einer Stichwahl gegen Martine Aubry (30 Prozent) stellen. In der Stichwahl konnte er mit etwa 56 Prozent der Stimmen klar durchsetzten. Hollande erklärte nach seiner Wahl zum Präsidentschaftskandidaten, er wolle ein "normaler" Präsident werden. Diese Formulierung ist bezeichnend für Hollandes Wahlkampfstrategie. Er tritt bewusst als "Anti-Sarkozy" auf, gibt sich bescheiden und mit Bodenhaftung.

Im Wahlkampf möchte Hollande mit einer Reichensteuer punkten und die von Sarcozy eingeführten Steuererleichterungen zurücknehmen. Er verweigert sich einer Schuldenbremse und will die französische Rentenreform teilweise zurücknehmen. Hollande fordert Euro-Bonds und droht, den gerade unter 25 EU-Staaten vereinbarten Fiskalpakt neu aushandeln zu lassen. Bis 2017 will er die Staatsverschuldung auf Null senken. Zudem kündigte er an, 60.000 neue Lehrerstellen zu schaffen, um die drastischen Stellenkürzungen im Bildungssektor unter Sarkozy aufzufangen.

Bei der Präsidentschaftswahl 2012 erhielt Hollande im ersten Wahlgang 28,63 Prozent der Stimmen.

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Marine Le Pen

Marine Le Pen. Foto: Off2riorob. Front National. Lizenz: CC BY-SA 3.0
Foto: Off2riorob. Front National. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Marine Le Pen wurde am 5. August 1968 in Neuilly-sur Seine als dritte Tochter des Gründers der rechtsextremen und rechtspopulistischen Front National (FN), Jean-Marie Le Pen, geboren.

Sie studierte Rechtswissenschaften in Paris. Dort erhielt sie 1992 die Anwaltszulassung und arbeitete anschließend bis 1998 als Rechtsanwältin. Momentan ist Le Pen als Abgeordnete im Europaparlament tätig.

Marine Le Pen ist unverheiratet, lebt aber mit dem Chefideologen des FN, Louis Aliot, zusammen. Zuvor war sie zweimal verheiratet, sie hat drei Kinder.

Politische Laufbahn:

Als Tochter des früheren Parteichefs Jean-Marie le Pen war Marine Le Pen die Politik und gleichzeitig die Parteinähe zur Front National in die Wiege gelegt. 2002 erschien sie erstmals als Vertreterin der Front National in der Öffentlichkeit. Lange Jahre war sie eine von acht Vizepräsidenten und seit 2003 stellvertretende Vorsitzende der FN. Von 1998 bis 2004 war sie Generalrätin von Nord-Pas-de-Calais, seit 2004 sitzt sie im Regionalrat der Île-de-France. Bei der Europawahl 2004 wurde sie ins Europäische Parlament gewählt. Im Januar 2011 wurde sie durch eine Mitgliederbefragung zur Vorsitzenden der FN und damit zur Nachfolgerin ihres Vaters. Im gleichen Jahr erklärte sie bei Präsidentschaftswahl 2012 für die FN zu kandidieren.

Seit sie Vorsitzende ist, versucht Marine Le Pen der Partei ein moderneres Image zu geben. Während ihr Vater mit rassistischen Äußerungen von sich reden machte, will Le Pen die Partei "entdiabolisieren". Inhaltlich unterscheiden sich Vater und Tochter Le Pen allerdings kaum. Ausländerfeindlichkeit, Immigrantenfeindlichkeit und andere rechte Einstellungen sind Teil ihrer Überzeugungen. Sie sieht die meisten Probleme Frankreichs durch die EU, den Euro und die Einwanderer verursacht. Für den Fall eines Wahlsieges hatte Le Pen den Austritt Frankreichs aus der NATO und aus dem Euro und eine protektionistische Wirtschaftspolitik angekündigt.

Bei der Präsidentschaftswahl 2012 erhielt Le Pen im ersten Wahlgang 17,90 Prozent der Stimmen. Das bisher beste Ergebnis eines Kandidaten der Front National bei einer Präsidentschaftswahl.

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Jean-Luc Mélenchon

Jean-Luc Melenchon. Foto: Place au peuple, Lizenz: CC BY-SA 2.0
Foto: Place au peuple, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Jean-Luc Mélenchon wurde am 19. August 1951 in Tanger geboren. Er besuchte die Lycée Pierre-Corneille in Rouen und studierte anschließend Philosophie, bevor er in der Politik tätig wurde. Mélenchon ist Europa-Abgeordneter und Vorsitzender der Parti de Gauche. Für die Parti de Gauche tritt er bei den Präsidentschaftswahlen 2012 als Kandidat an.

Politische Laufbahn:

Mélenchon ist seit 1986 mit Unterbrechungen Mitglied des französischen Senats für das Département Essonne. Von März 2000 bis Mai 2002 war er Minister für Berufsbildung im Kabinett Jospin.

Als es im Mai 2005 um die Unterzeichnung der EU-Verfassung durch Frankreich ging, war Mélenchon einer der Wortführer der Ablehnung. Obwohl sich die Sozialistische Partei (PS) in einer Urabstimmung für ein Ja zur europäischen Verfassung ausgesprochen hat, betrieb Mélenchon Wahlkampf für ein Nein beim französischen Referendum über die Verfassung. Nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft trat er 2008 aus der PS aus, der er Verrat an dem Volksentscheid gegen die EU-Reform vorwarf.

Im Anschluss gründete er mit Marc Dolez Parti durch Abspaltung von der PS die Parti de Gauche. Diese versteht sich als neue linke Sammlungspartei Frankreichs. Ihre Orientierung ist sozialistisch, ökologisch und republikanisch. Bei der Europawahl 2009 in Frankreich war Mélenchon Spitzenkandidat der Partei im Wahlkreis Sud-Ouest und erhielt ein Abgeordnetenmandat.

Bei der Präsidentschaftswahl 2012 erhielt Mélenchon im ersten Wahlgang 11,11 Prozent der Stimmen.

Links zu Jean-Luc Mélenchon:

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Weitere Kandidaten

Nathalie Arthaud
Nathalie Arthaud ist die Präsidentschaftskandidatin der trotzkistische Partei Lutte Ouvrière (LO). Die Kapitalismus-Kritikerin (41) ist die Parteisprecherin der stark in der Arbeiterschaft verankerten Partei. Die ehemalige Anführerin der Partei Arlette Laguiller erhielt als Kandidatin bei den Präsidentschaftswahlen 2002 5,7 % der Stimmen. Arthaud erreichte 2012 nur 0,56 Prozent der Stimmen.

François Bayrou
François Bayrou ist Parteivorsitzender und Präsidentschaftskandidat der christdemokratisch-liberalen Zentrumspartei Union pour la Démocratie Française (UDF). Bayrou ist Lehrer von Beruf, stieg aber schnell in der UDF auf. 1993 wurde er unter Édouard Balladur Bildungsminister. Diesen Posten behielt Bayrou bis 1997, auch als Alain Juppé die Regierung übernahm. Seit 1998 ist er der Vorsitzende der UDF. Bayrou kandidiert bereits zum dritten Mal für das Amt des Staatspräsidenten. Bei der Präsidentschaftswahl 2002 erhielt er 6,8 Prozent der Stimmen und wurde damit Vierter. 2007 erhielt er 18,57 Prozent der Stimmen und wurde Dritter. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 kam er auf 9,13 Prozent und wurde damit Fünfter der Stimmen.

Jacques Cheminade
Jacques Cheminade (71) tritt für die Solidarité et Progrès (S&P) an, deren Vorsitzender er seit 1996 ist. Die S&P gehört zur sogenannten LaRouche-Bewegung, die sich auf die Theorien des Amerikaners Lyndon LaRouche begründet. Kritiker sehen in der LaRouche-Bewegung eine Politsekte. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 erhielt Cheminade lediglich 0,25 Prozent der Stimmen.

Nicolas Dupont-Aignan
Nicolas Dupont-Aignan tritt bei der Präsidentschaftswahl für die neue konservativ-gaullistische Partei „Debout la République“ (DLR) an, deren Präsident er auch ist. Der ehemalige Verwaltungsbeamte (50) war einst UMP-Mitglied und sieht sich politisch zwischen UMP und Sozialisten. Bei der Präsidentschaftswahl kam er auf 1,79 Prozent der Stimmen.

Eva Joly
Eva Joly ist die Präsidentschaftskandidatin der Partei "Europe Écologie-Les Verts" (EELV), den französischen Grünen. Die in Oslo geborene Juristin wurde einer breiten Öffentlichkeit als Untersuchungsrichterin im Elf-Aquitaine-Leuna-Skandal bekannt, einem der größten Korruptionsskandale in Europa. Bei der Europawahl 2009 wurde sie als französische Abgeordnete in das Europäische Parlament gewählt. Innerhalb der Partei hat sie einen starken Rückhalt. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 erhielt sie allerdings nur 2,31 Prozent der Stimmen.

Philippe Poutou
Philippe Poutou (44) ist Mitglied der "Neue Antikapitalistische Partei" (NPA), die 2009 aus der trotzkistisch orientierten Ligue communiste révolutionnaire (LCR) entstandenen ist. Bei der Präsidentschaftswahl erhielt er 1,15 Prozent der Stimmen.

Links zu kurzen Portraits der zehn Präsidentschaftskandidaten:

 

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