"Schicksalstag" 9. November

9. November

Wohl kein anderes Datum in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts hat derart die Emotionen geschürt und kontroverse Diskussionen hervorgerufen wie der 9. November. Der Schicksalstag 9. November symbolisiert die Hoffnungen der Deutschen, aber auch den Weg in die Verbrechen des Dritten Reiches.

Ein freudiges Datum war der 9. November 1989 für die Deutschen. An diesem Tag fiel die Berliner Mauer, ein Jahr später war Deutschland wiedervereinigt. Der 9. November 1938 gehört dagegen zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte. In der "Reichspogromnacht" brannten jüdische Geschäfte und Synagogen. Das Pogrom steht für den Antisemitismus in Deutschland und den Wandel hin zu einer Entwicklung, die in einer "Endlösung der Judenfrage" im Sinne der Ermordung der europäischen Juden im deutschen Machtbereich mündete.

Am 9. November 1923 scheiterte der "Hitlerputsch" in München, dessen Ziel die "nationale Revolution", d.h. die Absetzung der Bayerischen Regierung und der Reichregierung war. Fünf Jahre zuvor rief Philipp Scheidemann am 9. November 1918 die erste Deutsche Republik aus. Die "Novemberrevolution" am 9. November 1918 führte das Deutsche Reich von einer konstitutionellen Monarchie in eine parlamentarisch-demokratische Republik.


Wissen.de: 9. November - Schicksalstag der Deutschen
Ein ganz spezielles Datum
Am 9. November werden in der Bundesrepublik erneut Feier- und Gedenkstunden abgehalten: Während die Deutschen einerseits den Fall der Berliner Mauer feiern, gilt es zugleich, der Reichspogromnacht im Jahr 1938 zu gedenken. Dass zwei prägende historische Wendepunkte gleichen Datums ein deutsches Freudenfest mit den grausamsten Verbrechen unseres Volkes verbinden, macht die Ambivalenz und Symbolkraft dieses Tages aus.
www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/geschichte/index,page=1309056.html

Wikipedia: 9. November
Da auf dieses Datum eine Reihe von Ereignissen fallen, die in der Geschichte Deutschlands einen politischen Wendepunkt markierten, wird der 9. November auch als „Schicksalstag der Deutschen“ bezeichnet.
http://de.wikipedia.org/wiki/9._November



Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989


Die Berliner Mauer mit einer Gesamtlänge von 155 km rund um Westberlin bildete die Grenze zwischen Ost und West. Bewachung durch Grenzsoldaten, Stacheldraht, Minen und Selbstschussanlagen machten diese Grenzbefestigung nahezu unüberwindlich. Sie war das abschreckendste Symbol des Ost-West-Konfliktes. Von der einen Seite als "Friedensgrenze" und "Antifaschistischer Schutzwall" gepriesen, von der anderen Seite als "kommunistische Schandmauer" verdammt. Ihr Fall markiert auch das Ende des Kalten Krieges. Mehr als ein Vierteljahrhundert Symbol der Teilung Deutschlands fiel die Mauer am 9. November 1989. Dieser 9. November ist fest mit der Deutschen Einheit verknüpft, weit mehr als der eigentliche Staatsakt ein Jahr später. Er erinnert uns auch an erfolgreichen Widerstand und Bürgermut.

Ende Oktober 1989 hatten sich durch die Perestroika nicht nur die herrschenden politischen Standpunkte der SED, sondern auch die der Medien bereits grundlegend verändert. Korrespondenten berichteten offen von Demonstrationen und Kundgebungen, informierten über die Reiseregelungen und über die wirtschaftlichen Folgen für die DDR.

Im November 1989 überschlagen sich die Ereignisse in der DDR. Unter dem Druck der friedlichen Bürgerbewegung musste die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) immer weiter zurückweichen. Die Diktatur befand sich in einer offenen Krise, von der sie sich nicht mehr erholen sollte. Die größte Demonstration fand am 4. November 1989 in der Mitte Berlins statt, zu der sich über eine halbe Million Menschen friedlich versammelten. In der SED-Spitze und im Sicherheitsapparat begann ein Tauziehen um die Frage, ob man die Demonstration verhindern sollte. Schließlich beschloss die SED-Führung, dass die Demonstration genehmigt werden sollte. Eine zentrale Forderung der Demonstranten war die nach Reisefreiheit. Die SED reagierte am 6. November 1989 mit einem Entwurf für ein Reisegesetz, welcher auf breite Ablehnung stieß. Unter andauerndem Druck durch Massenflucht und Demonstrationen sowie durch Einwirkung der "SED-Reformer" trat am 7. November 1989 die DDR-Regierung unter Ministerpräsident Willi Stoph zurück. Daraufhin trat am 8. November auch das gesamte Politbüro des Zentralkomitee (ZK) der SED zurück.

In dieser Situation fand am 8. und 9. November das ZK-Plenum der SED statt. Gleichzeitig wurde ein einfaches und weitgehendes neues Reisegesetz ausgearbeitet und im ZK der SED verlesen. Kaum einer der Anwesenden erkannte die Brisanz dieses Entwurfs .

Am 9. November um 18.00 Uhr beginnt die Live-Übertragung der Pressekonferenz mit Günter Schabowski (1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin). Kurz vor Ende der Pressekonferenz um 18:57 Uhr fragte der italienische Journalist Riccardo Ehrman, ob der Entwurf des Reisegesetzes nicht ein Fehler gewesen sei. Schabowski teilt den erstaunten Journalisten mit, dass ab sofort Westreisen für jedermann möglich sind. Viele DDR-Bürger sehen die Mitteilung im Fernsehen. Die Regelung war ursprünglich als Richtlinie für die ständige Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland (ohne Recht auf Rückkehr) gedacht. Sie sollte den anhaltenden Ausreisestrom über die CSSR stoppen.

"Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen. ...Also, Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen, Reiseanlässen und Verwandtschaftsverhältnissen beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt...Das tritt nach meiner Kenntnis, ähh, ist das sofort, unverzüglich."


AP verbreitet als Eilmeldung: "DDR öffnet Grenze"; DPA um 19.41 Uhr: "Die DDR-Grenze ... ist offen." Die Agenturmeldungen werden in der Hauptnachrichtenzeit bis 20.15 Uhr zur TOP-Nachricht in Fernsehen und Hörfunk. Die "Tagesschau" meldet "DDR öffnet Grenze".
Gegen 21.10 Uhr beendet der Bundestag in Bonn aus Anlass der neuen Bestimmungen seine Sitzung mit dem Absingen der Nationalhymne.

Schon gegen 20.30 Uhr treffen die ersten DDR-Bürger am Grenzübergang Bornholmer Straße ein um zu sehen, was los ist. Der Grenzübergang ist aber weiterhin für DDR-Bürger ohne gültiges Visum geschlossen. Es kommen immer mehr Menschen zum Grenzübergang und gegen 21.00 Uhr fordert die Menge die Öffnung der Grenze.
Die Situation spitzt sich zu, die diensthabenden Grenzsoldaten haben bisher keinen Befehl zur Öffnung der Grenze erhalten und die Menge vor dem Grenzübergang ruft: "Tor auf! Tor auf". Es spielen sich tumultartige Szenen ab. Tausende drängen von hinten nach vorn. Am Schlagbaum wird es immer bedrohlicher. Keiner weiß genau, ob es sich nun um ein Gerücht, einen Versprecher oder tatsächlich um eine gültige Entscheidung handelt. Die Grenzsoldaten sind völlig überfordert. Eine halbe Stunde vor Mitternacht entschließen sich einzelne Grenzkommandanten, die Tore einfach zu öffnen. Die Mauer ist gefallen. Auch an anderen Übergängen der innerdeutschen Grenze strömen tausende DDR-Bürger in die Bundesrepublik und werden im Westen begeistert empfangen.

Mit der Gründung der ersten freien Gewerkschaft Anfang 1989 in Polen begann der Zerfall des sozialistischen Systems. Noch konnte die Sowjetunion ihre Satellitenstaaten kontrollieren, aber mit der Wahl Michail Gorbatschows 1984 änderte sich langsam die Politik im größten sozialistischen Land der Erde. Gorbatschows Reformen, Perestroika und Glasnost sollten das stalinistische System in der Sowjetunion erneuern, aber nicht den Sozialismus beseitigen.
Die Reformen in der Sowjetunion hatten auch große Auswirkungen auf die anderen sozialistischen Länder, besonders aber auf Polen und Ungarn.

Die ungarische Regierung öffnet in der Nacht zum 11. September 1989 die Grenze zu Österreich für DDR-Bürger. Zehntausende reisen in den nächsten Tagen und Wochen über Österreich in die Bundesrepublik aus. Die DDR lenkt auch im Prager Botschaftskonflikt - wohin Tausende DDR-Bürger geflüchtet waren, um ihre Ausreise zu erzwingen - auf sowjetischen Druck hin ein: Außenminister Genscher und Kanzleramtsminister Seiters reisen nach Prag und verkünden die Ausreiseerlaubnis für die Botschaftsbesetzer: "Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise..." Mehr war nicht zu verstehen. Der Rest des Satzes ging unter in einem markerschütternden Aufschrei der Erleichterung der über 4.000 auf dem Gelände eingepferchten Flüchtlinge aus der DDR. In verriegelten Sonderzügen werden einige tausend DDR-Flüchtlinge über das Territorium der DDR in die Bundesrepublik gebracht. Der Eiserne Vorhang war durchbrochen.

DDR im Unterricht

DDR im UnterrichtDas Portal bietet zahlreiche Hilfestellungen und nützliche Hinweise, wie das Lernfeld DDR im Schulunterricht sinnvoll vermittelt werden kann. Es liefert Hintergründe zum Thema DDR-Wissen, stellt Materialien für den Unterricht zur Verfügung, verweist auf Literatur und Medien und informiert über weiterführende Links. Spezifische Unterrichtsvorschläge, die aktuellen Bildungspläne und Informationen über den Wissenstand der Schülerinnen und Schüler sowie die bildungspolitische Debatte dazu bietet die Rubrik "Die DDR im Unterricht". Die "Webquests", eine Methode zum sinnvollen Einsatz von Computern im Unterricht, die das handlungsorientierte und selbstständige Lernen der Schülerinnen und Schüler fördert, vervollständigen den didaktischen Teil. Ein Fotoalbum zur vierzigjährigen Geschichte der DDR dient schließlich der Veranschaulichung und rundet das Angebot ab.

www.ddr-im-unterricht.de


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Links

  • Dokumentationszentrum Berliner Mauer
    Das Dokumentationszentrum wurde am 9. November 1999, dem 10. Jahrestag des Mauerfalls, mit der Werkstatt-Ausstellung "Grenzblicke" eröffnet. Es bietet einen Überblick wie auch vertiefende Informationen zur Geschichte der Berliner Mauer
    www.berliner-mauer-dokumentationszentrum.de

  • Multimedia-Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem DeutschlandRadio. Eine historische Einleitung, Bibliographie, Filmliste, kommentierte Links und Originaltöne vervollständigen das Angebot.
    www.chronik-der-mauer.de
  • DW: Materialien für den Unterricht
    Der Mauerfall - eine Unterrichtsreihe
    Die hier präsentierte Unterrichtsreihe von Dirk Reifenberg bietet zum Teil exklusive Materialien. Den Kern bildet eine Reihe von Zeitzeugenberichten, die einen möglichst unmittelbaren Eindruck der damaligen Ereignisse vermitteln soll. Aber auch die Stationen die zum Mauerfall führten, wie die Massenflucht oder die Montagsdemonstrationen werden eingehend geschildert.
    www.dw-world.de/dw/article/0,9729,2340056,00.html
  • rbbonline: Chronik der Wende
    Das multimediale Webangebot zur Serie hat sich zu einer wichtigen Informationsquelle zum Thema Wende im Web entwickelt. chronik-der-wende.de wird immer wieder überarbeitet und aktualisiert.
    www.chronik-der-wende.de
  • tagesschau: Deutsch-deutsche Geschichte in Bild und Ton
    40 Jahre deutsch-deutsche Beziehungen im Rückblick: Immer wieder gab es Annäherungsversuche, immer wieder aber Rückschläge für die, die die Hoffnung auf die Wiedervereinigung nicht aufgeben wollten. tagesschau.de hat die ARD-Jahresrückblicke von 1952 bis 1990 durchforstet.
    www.tagesschau.de/inland/meldung222606.html

Materialien der Landeszentrale 

20 Jahre Maueröffnung
20 Jahre Maueröffnung in Europa
Zeitschrift Deutschland & Europa 58 - 2009
Die Friedliche Revolution von 1989 in der DDR und anderen europäischen Staaten wie Polen und Ungarn ist das Thema der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Deutschland & Europa".
Die Maueröffnung in Deutschland und Europa wird aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben und analysiert. Dabei wird auch die Ära Gorbatschow und die Entwicklung von der Sowjetunion zur Russischen Konföderation berücksichtigt und ebenso auf die Rolle der NATO und der USA eingegangen.
Die politischen und wirtschaftlichen Folgen, die die Umbrüche vor allem für die Menschen in den neuen Bundesländern hatten, werden ebenfalls diskutiert.
Deutschland Ost - Deutschland West
Zeitschrift Der Bürger im Staat Heft 4/2000
Deutschland wächst zusammen - Eine Zwischenbilanz nach zehn Jahren,
Zeitschrift Politik & Unterricht Heft 2/2000 
Berlin Europäische Metropole und deutsche Hauptstadt
Zeitschrift Deutschland & Europa 31/1995
 
Spiele


Geschichte spielerisch lernen.
Der große Wissenstest: Wie war das in der DDR?
62 Fragen und Antworten
„Wir sind das Volk!“ Mit diesem Ruf forderten 1989 Zigtausende von Demonstranten in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) Freiheit und Demokratie. Die friedliche Revolution führte am 9. November 1989 zur Öffnung der Mauer in Berlin und zum Sturz der Diktatur der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Heute wissen viele nur noch wenig über die DDR, das Leben, den Alltag und über die Repressalien, die die Menschen zu erdulden hatten. Warum wurde mitten durch Deutschland eine Mauer mit Stacheldraht und Selbstschussanlagen gebaut? Was war und wie arbeitete die „Stasi“? Wie viele Menschen wurden beim Versuch, die DDR zu verlassen, getötet? Welches Wirtschaftsmodell hatte die DDR? Gab es Religions- und Pressefreiheit?
Deutschland Quartett
Wissenswertes über die 16 deutschen Länder.
Ein unterhaltsames Spiel ab 6 Jahren. Die Zahl der Mitspielenden ist beliebig, mindestens jedoch 2.
Das Deutschland Quartett besteht aus 64 Spielkarten, 4 Karten für jedes Land.
Das Spiel lässt sich als Trumpf-Variante (der höchste Wert gewinnt) oder Quartett-Variante (wer hat die Karte zur Bildung eines Quartetts) spielen.
Schutzgebühr: 4,50 EUR zzgl. Versandkosten.
Deutschland-Puzzle
Vom Greifen zum Begreifen. Aus Teilen ein Ganzes schaffen. Seit 25 Jahren ist das Deutschland-Puzzle ein erfolgreiches Unterrichtsmedium. Unser "Klassiker" ist jetzt in neuer Auflage nur bei der Landeszentrale erhältlich.
Das Puzzle besteht aus 48 Teilen und hat eine Größe von 90 * 120 cm.
Schutzgebühr: 25,- EUR zzgl. Versandkosten.
 


Online Spiel Deutschland-Puzzle
Ziehen Sie die 16 Bundesländer an ihren Platz auf der Landkarte oder klicken Sie mit "nächstes Land" die einzelnen Länder durch (Flash Plugin erforderlich)



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Reichspogromnacht am 9. November 1938


Brennende Synagoge, Foto: LMZ-BWAm 9. auf den 10. November 1938 brannten die Synagogen. Sie brannten in Deutschland. Sie brannten in Österreich. Sie brannten in der Tschechoslowakei. Der 9. November ist der Tag, an dem organisierte Schlägertrupps jüdische Geschäfte und Gotteshäuser in Brand setzten. Es ist der Tag, an dem tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Spätestens an diesem Tag konnte jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden waren. Diese Nacht war das offizielle Signal zum größten und schlimmsten Völkermord in der Geschichte der Menschheit.

Die verharmlosende Bezeichnung Reichskristallnacht, deren Herkunft nicht definitiv geklärt ist, bildete und erhielt sich für den reichsweiten Pogrom gegen die Juden im Deutschen Reich, der am 9./10. November 1938 stattfand. ''Kristallnacht'' bezieht sich auf die überall verstreuten Glasscherben vor den zerstörten Wohnungen, Läden und Büros, Synagogen und öffentlichen jüdischen Einrichtungen. Der Begriff Reichspogromnacht hat sich erst in jüngster Zeit verbreitet und im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt, um das belastete Wort "Reichskristallnacht" zu ersetzen.

Das Pogrom wurde am Abend des alljährlichen Treffens der NSDAP-Führerschaft anlässlich des gescheiterten Hitler-Putsches am 9. November 1923 nach Zustimmung Hitlers von Propagandaminister Josef Goebbels durch eine Hetzrede ausgelöst. Goebbels verwies auf die bereits stattgefundenen Pogrome in Kurhessen und Madgeburg-Anhalt und machte die Bemerkung, dass die Partei antijüdische Aktionen zwar nicht organisieren, aber auch nicht behindern werde. Anschließend gaben die SA-Führer von München aus telefonisch entsprechende Befehle an ihre Stäbe und Mannschaften durch.

Das Attentat am 7. November 1938 auf den Legationsrat der deutschen Botschaft in Paris, Ernst vom Rath, durch den siebzehnjährigen polnischen Juden Herschel Grynszpan wurde zum Anlass für einen gegen die Juden gerichteten und angeordneten Pogrom genommen – eine Mord-, Brandstiftungs- und Plünderungs-, in letzter Konsequenz auch Raub- und Vertreibungsaktion bisher nicht gekannten Ausmaßes. In einem barbarischen Terrorakt setzten SA- und NSDAP-Mitglieder Synagogen in Brand, deren Trümmer später z.T. gesprengt wurden. Sie zerstörten etwa 7000 Geschäfte jüdischer Einzelhändler und verwüsteten Wohnungen der Juden. Sie töteten nach offiziellen Angaben insgesamt 91 Personen. Die Zahl derer, die infolge von Leid und Schrecken umkamen, ist nicht bekannt. An den Aktionen beteiligten sich auch Angehörige der Hitlerjugend und weiterer NS-Organisationen. Der Mob nutzte die Chance zur Plünderung. Die Deutschen wurden Zeuge, wie die Menschenrechte und die Menschenwürde im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten wurden. Unter den Gaffern wurde gejubelt und gejohlt, andere haben schweigend oder gleichgültig hingenommen, was geschah. Die Juden wurden in dieser Nacht nahezu allein gelassen.

SS und Gestapo organisierten die Verschleppung einer nicht exakt festgestellten Zahl jüdischer Männer und Jugendlicher (etwa 26.000) in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen. Viele von ihnen kamen dort infolge von körperlichen und psychischen Schikanen, von Medikamentenentzug u.a. um. Anderen wurde der Verzicht auf Eigentum abgezwungen. Die Masse der Inhaftierten kam erst nach Auswanderungserklärungen frei. Im Anschluss an die Pogromnacht wurden fast alle jüdischen Organisationen aufgelöst und die jüdische Presse verboten. 

Das Geschehen während der "Reichspogromnacht" wird gemeinhin als eines der am besten dokumentierten Ereignisse der nationalsozialistischen Zeit bezeichnet. Nach anfänglichen Diskussionen und Kontroversen gelten für die Geschichtswissenschaft inzwischen folgende Tatsachen als unabweisbar:

  1. Die Aktionen des 9. und 10. November 1938 waren von oben zentral angeordnet.

  2. Sie waren nicht längerfristig geplant oder vorbereitet, sondern kurzfristig nach dem Bekanntwerden des Attentats von Paris initiiert worden.

  3. Sie wurden in erster Linie von Parteistellen der NSDAP und Einheiten der SA sowie Behörden insbesondere der Polizei und Feuerwehr durchgeführt.

  4. Nach ihrer Ingangsetzung nahmen auch nicht organisierte Menschen in fast allen Städten in nicht unerheblichem Maß an den Ausschreitungen teil; dies gilt insbesondere für die Plünderung jüdischer Geschäfte und Wohnhäuser, aber auch für tätliche Angriffe und körperliche Misshandlungen.

Der Novemberpogrom fällt in eine historische Konstellation, in der die "Judenpolitik" des nationalsozialistischen Regimes an einem Wendepunkt angelangt war. Er markiert End- und Anfangspunkt einer Entwicklung. Die "Reichspogromnacht" vom 9. November 1938 steht für den Antisemitismus in Deutschland und den Wandel hin zu einer Entwicklung, die in einer "Endlösung der Judenfrage" im Sinne der Ermordung der europäischen Juden im deutschen Machtbereich mündete.

Die "Reichspogromnacht" am 9. November 1938
in Baden, Württemberg und Hohenzollern.
Auch in Baden, Württemberg und Hohenzollern, so wie im gesamten Deutschen Reich,  brannten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Synagogen. Überall wo Juden lebten gab es Pogrome. Jüdische Geschäfte wurden zerstört, Fenster eingeworfen, tausende Juden misshandelt, verhaftet oder auch getötet. Die Reichspogromnacht gilt als Wendepunkt der nationalsozialistischen „Judenpolitik“. Waren bisher die staatlichen Repressionen vorwiegend rechtlicher Natur, kam es ab jetzt immer häufiger zu gewaltsamen Aktionen, die letztlich im Holocaust mündeten. ...mehr


Literatur

Die Nacht als die Synagogen brannten
- Texte und Materialien zum 9. November 1938
(komplett online)
Trotz einer als hinlänglich gut zu bewertenden Erforschung der historischen Abläufe vor Ort bleibt das Gesamtgeschehen des Novemberpogroms 1938, auch unter Fachhistorikern, für verschiedene Deutungsmuster offen. Vor deren Hintergrund könnte es hier reizvoll sein, bereits bekannte Quellen neu zu lesen und zu interpretieren. 

Links

  • freitag.de: Sprachstreit im Novemberland
    Zum Begriff "Kristallnacht" und "Reichskristallnacht" - Naziwort oder Oppositionsbegriff?
    „Reichskristallnacht“: Datum, Deutung und Erinnerung des Novemberpogroms von 1938.


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Hitlerputsch 8./9.11.1923


Am 9. November 1923 versuchte Adolf Hitler in München zum ersten Mal, politische Macht zu erlangen. Sein Putschversuch wird blutig niedergeschlagen.

Bayern und hier insbesondere München war nach den besonderen Erfahrungen von Revolution und Räterepublik anfällig für rechte Agitation und antidemokratische Strömungen gewesen. Hinzu kam eine föderalistische und eher reichsfeindliche Tradition. Rechtsgerichtete Koalitionsregierungen prägten die bayrische Innenpolitik. Der ehemalige Stabschef der Obersten Heeresleitung Erich Ludendorff und der Vorsitzende der NSDAP Adolf Hitler formierten sich im September im "Deutschen Kampfbund", dessen Programm das Ziel einer nationalen Diktatur zur inneren Reinigung Deutschlands und der Wiederherstellung alter Weltmachtstellung verkündete.

Nach dem Abbruch der Ruhrkämpfe im September 1923 erklärte die bayerische Landesregierung den Ausnahmezustand für Bayern. Außerdem erwog sie, militärisch gegen die Reichsregierung vorzugehen. Es folgte die Ernennung des ehemaligen Ministerpräsidenten und Kopf des bayrischen Rechtskonservatismus, Gustav Ritter v. Kahr, zum mit außerordentlichen Exekutivvollmachten ausgestatteten Generalstaatskommissar. Kahr machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen die Demokratie und die angebliche "rote Reichsregierung". 

Nach einem Artikel im "Völkischen Beobachter" gegen Reichspräsident Friedrich Ebert und den Chef der Heeresleitung, Hans von Seeckt, forderte Reichswehrminister Otto Geßler das Verbot des "Völkischen Beobachters", dem Sprachrohr der NSDAP. Der Kommandeur der bayerischen Reichswehrdivision, Otto von Lossow, sollte das Verbot durchsetzen. Lossow weigerte sich jedoch, dem Befehl nachzukommen und wurde daraufhin seines Amtes enthoben. Daraufhin unterstellte er die bayerische Division seinem alleinigen Kommando und vereidigte sie auf Bayern und seine Regierung. Damit war der offene Bruch mit dem Reich vollzogen.

Diese Situation wollte Hitler ausnutzen. Am Abend des 8. November 1923 stürmten Adolf Hitler und seine Gefolgsleute der NSDAP eine geplante Kundgebung des nationalistischen und monarchistischen Generalsstaatskommissars Gustav von Kahrs vor bürgerlich-nationalistischem Publikum im Münchner Bürgerbräukeller. Die SA umstellte das Lokal, Hitler ließ den Saal mit einem Maschinengewehr in Schach halten und verschaffte sich mit einem Pistolenschuss in die Decke Gehör. Sie erklärten die Reichsregierung für abgesetzt und verkündeten eine nationale Revolution. Noch in der Nacht trafen Kahr, Lossow und der Chef der bayerischen Landespolizei Hans Ritter von Seißer Maßnahmen zur Unterdrückung des Putsches.

Am Morgen des 9. November musste Hitler erkennen, dass sein Umsturzversuch isoliert bleiben würde. Am Morgen des 9. November versuchte Hitler mit einem Marsch auf die Münchner Feldherrnhalle die Staatsgewalt an sich zu reißen. Der Aufstand endete im Kugelhagel der Polizei. Vierzehn Aufständische und drei Polizisten wurden getötet. Hitler entkam leicht verletzt, wurde aber am 11. November festgenommen.

Im Frühjahr 1924 stand Hitler dann unter Hochverratsanklage in München vor Gericht. Allerdings gelang es ihm, sich im Laufe des Prozesses aufgrund seiner rhetorischen Fähigkeiten vom Angeklagten zum Ankläger hochzustilisieren. Mit der Begründung, dass bei einem Mann, "der so deutsch denkt und fühlt wie Hitler" und der sich durch "rein vaterländischen Geist und edelsten Willen" auszeichne, wurde es vom Gericht ausdrücklich abgelehnt, Hitler als verurteilten Ausländer aus Deutschland auszuweisen, wie es § 9 des Republikschutzgesetzes zwingend vorsah. Hitler wird zu fünf Jahren Festungshaft wegen "Verbrechens des Hochverrats" verurteilt.
In der Festung Landsberg diktierte Hitler seinen damaligen Mithäftlingen Emil Maurice und Rudolf Heß Teile des ersten Bandes seines Buches "Mein Kampf". Ende 1924 wurde Hitler vorzeitig aus der Haft entlassen.

Ludendorff stand ebenfalls in München vor Gericht, wurde jedoch freigesprochen.


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Novemberrevolution


Der Erste Weltkrieg (1914 - 1918) forderte fast zehn Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete. Die Novemberrevolution führte das Deutsche Reich von einer konstitutionellen Monarchie in eine parlamentarisch-demokratische Republik.

Die deutschen Soldaten und Arbeiter waren 1918 kriegsmüde und revoltierten gegen die kaiserliche Obrigkeit. Der Befehl vom 24. Oktober zum Auslaufen der Flotte gegen England wurde mit einer Matrosenmeuterei in Wilhelmshaven (30. Oktober) beantwortet. Der Aufstand der Matrosen griff wie ein Lauffeuer auf das gesamte Reich über.

Am 9. November 1918 spitzte sich die Lage dramatisch zu: Die Sozialdemokraten Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann hatten erfahren, dass der linksradikale Karl Liebknecht an diesem Tag die "freie sozialistische Republik Deutschland" ausrufen wollte.
Aus Furcht vor sowjetischen Verhältnissen, entschlossen sich die Machthaber zu spontanem Handeln. Reichskanzler Prinz Max von Baden verkündete in Berlin die Abdankung des Kaisers, seinen eigenen Rücktritt und die Übergabe der Geschäfte an Friedrich Ebert, noch ehe das Telegramm mit der entsprechenden Nachricht den Kaiser in Spa eingetroffen war. Friedrich Ebert wurde mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte beauftragt. Ebert erklärt sich einverstanden – mit den Worten: "Es ist ein schweres Amt, aber ich werde es übernehmen." Ebert begreift sich als Treuhänder der Macht bis zum Zusammentritt der Nationalversammlung. Sein Ziel ist zunächst die Bildung einer Regierung aus Vertretern der Parteien des Interfraktionellen Ausschusses und der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD).

Am 9. November 1918 verkündet der Philipp Scheidemann aus einem Fenster des Reichstags das Ende des Kaiserreichs: "Arbeiter und Soldaten: seid Euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewusst. Unerhörtes ist geschehen, große und unübersehbare Arbeit steht uns bevor. Alles für das Volk, alles durch das Volk. Nichts darf geschehen, was der Arbeiterbewegung zur Unehre gereicht. Seid einig, treu und pflichtbewusst. .... Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen, es lebe das Neue, es lebe die deutsche Republik."

Kurz nach Scheidemann rief Karl Liebknecht vom Berliner Stadtschloss aus die "Freie Sozialistische Republik Deutschland" aus und schwor die Menschen zugleich auf die internationale Revolution ein.

In dieser Situation verständigten sich Sozialdemokratische Mehrheitspartei (MSPD) und USPD auf eine gemeinsame Plattform zur Bildung einer revolutionären Übergangsregierung: Von Seiten der SPD saßen Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann und Otto Landsberg, von Seiten der USPD Hugo Haase, Wilhelm Dittmann und Emil Barth im sog. "Rat der Volksbeauftragten". Am Abend des 10. November wurde die revolutionäre Übergangsregierung auf einer Berliner Versammlung von 3000 Arbeiter- und Soldatenräten im Zirkus Busch nach einem heftigen Rededuell zwischen Ebert und Liebknecht und nach teilweise tumultartigen Szenen bestätigt.

Die Monarchie ist gestürzt, Kaiser Wilhelm muss abdanken und flieht nach Holland ins Exil. Scheidemann wird im folgenden Jahr der erste Reichskanzler der ersten demokratisch gewählten Regierung in Deutschland.

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