Februar 2011

Alva Myrdal bei der Verleihung des Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels 1970, Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F032575-0034 / Gräfingholt, Detlef / CC-BY-SA
Alva Myrdal – ein Leben für soziale Reformen und Friedenspolitik

Im Februar 1986, vor genau 25 Jahren, ist eine der wenigen Friedensnobelpreisträgerinnen gestorben: Alva Myrdal, die schwedische Sozialreformerin, Botschafterin und Friedenspolitikerin.

Zeit ihres Lebens stand Alva Myrdal für das gleichberechtigte Nebeneinander von Beruf, Familie und politischem Engagement.

1902 als Anna Reimer in Uppsala geboren, beendete sie die Schule mit der Reifeprüfung – zu dieser Zeit für Mädchen eher unüblich und nur nach Überzeugungsarbeit bei ihren Eltern möglich. Nach einem  kurzen Literaturstudium studierte sie Psychologie, Sozialwissenschaften und Pädagogik in Stockholm, London, Leipzig, New York und Genf gemeinsam mit ihrem späteren Mann, Gunnar Myrdal.

Anfang der 1930er Jahre trat das Paar der schwedischen Arbeiterpartei (SAP) bei. Zwischen 1927 und 1936 gebar die inzwischen verheiratete Alva Myrdal drei Kinder, war neben der Familienarbeit aber stets weiter berufstätig.

So veröffentlichte sie 1934 gemeinsam mit ihrem Mann eine Untersuchung zur Bevölkerungsfrage und nahm damit Einfluss auf die schwedische Sozial- und Familienpolitik, die Grundlage für die Ausgestaltung des schwedischen Wohlfahrtsstaates wurde. Als logische Konsequenz ihrer Kritik an mangelhaften Betreuungsmöglichkeiten für Kinder erwerbstätiger Frauen gründete und leitete sie anschließend das erste Sozialpädagogische Institut Schwedens und bildete dort Vorschullehrerinnen aus (1936-1948).

Daneben war sie Sprecherin der internationalen Frauenbewegung, Präsidentin verschiedener Vereinigungen berufstätiger Frauen und organisierte Kongresse und Studienkreise.

Während des Zweiten Weltkrieges kümmerte sich Myrdal neben ihrer Familie auch um Flüchtlinge. In den Jahren direkt nach dem Krieg veröffentlichte sie das mehrsprachige Flüchtlingsmagazin "Via Suecia".

1947 siedelte die Familie nach Genf um, wo Gunnar Myrdal einen Posten bei den Vereinten Nationen bekommen hatte. Aufgrund des Schweizer Berufsverbots für Ehefrauen war Alva Myrdal eine eigene Erwerbstätigkeit in dieser Zeit nicht mehr möglich.

1949 nahm sie das Angebot an, in New York bei der UNO zu arbeiten und ließ ihre Familie in Genf zurück.

Während der ersten Hälfte der 1950er Jahre war Alva Myrdal Leiterin der UNESCO-Abteilung Sozialwissenschaften in Paris und damit die erste Frau in einer so hohen Position innerhalb der Vereinten Nationen. Die Stellung von Frauen in der Gesellschaft war ihr zentrales Forschungsthema, zu dem 1956 ihr Buch „Die Doppelrolle der Frau“ erschien.

Zwischenzeitlich für 5 Jahre schwedische Botschafterin in Indien, Burma (Myanmar) und Ceylon (heute Sri Lanka), kehrte sie 1961 in ihr Heimatland zurück und war fortan im Außenministerium für die Themen Frieden und atomares Abrüsten zuständig.

Von 1962 bis 1973 war Alva Myrdal als schwedische Chefdelegierte Sprecherin der blockfreien Staaten bei den Genfer Abrüstungsverhandlungen und plädierte dort erfolglos für die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit bei der Kontrolle der Atomtestverbote.

Von 1966 bis 1973 war sie zudem schwedische Ministerin für Abrüstungsfragen. Gemeinsam mit ihrem Mann trieb sie die Gründung und staatliche Förderung des Stockholmer Internationalen Instituts für Friedensforschung (SIPRI) voran.

Der von Alva Myrdal gegründeten unabhängigen Seismologischen Beobachtungsstation gelang es, die Gerüchte über heimliche unterirdische Atomtests der USA und der damaligen Sowjetunion zu widerlegen. Dies sollte dem atomaren Wettrüsten eine entscheidende Grundlage nehmen.
Enttäuscht von ihrer politischen Machtlosigkeit gegenüber den Supermächten im Kalten Krieg, wandte sich Myrdal ab Mitte der 1970er Jahre verstärkt an die Öffentlichkeit, u.a. mit ihrem Buch „Falschspiel mit der Abrüstung“. Auch inspirierte sie die schwedische Initiative zur Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) 1975. 

Gunnar und Alva Myrdal erhielten 1970 gemeinsam den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Alva Mydral wurde darüber hinaus 1980 mit dem Albert-Einstein-Friedenspreis und 1982 gemeinsam mit A. Garcia Robles mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

1984 erkrankte Alva Myrdal an einem Gehirntumor und starb zwei Jahre später einen Tag nach ihrem 84. Geburtstag.

„… ich habe mir nie, nie erlaubt, an Aufgabe zu denken.
Meine Botschaft heute ist:
eines menschlichen Wesens ist es nicht würdig aufzugeben.“

Alva Myrdal bei der Entgegennahme des Albert-Einstein-Preises 1980


Februar 2011 (Johanna Thumm)


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