Landesaktionsplan "Gewalt gegen Frauen"

Der Landesaktionsplan „Gewalt gegen Frauen“ (LAP) ist am 9. Dezember 2014 im Kabinett verabschiedet worden. Ziel ist es, Täter zur Verantwortung zu ziehen, Opfer zu schützen und zu unterstützen. Dafür soll folgendes Angebot sorgen:

  • ein bedarfsdeckendes Angebot von Frauen- und Kinderschutzhäusern, Schutzwohnungen und ambulanten psychosozialen Unterstützungsangeboten für gewaltbetroffene Frauen
  • gut aufeinander abgestimmte polizeiliche, psychosoziale, (rechts-) medizinische, zivil- und strafrechtliche Interventionsverfahren,
  • eine nachhaltige Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Um diese Maßnahmen umzusetzen, hat das Land Baden-Württemberg für zwei Jahre rund 3,6 Millionen Euro bereit gestellt.

Überarbeitung geplant:

Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg hat die Landesregierung aufgefordert, den Landesaktionsplan um die Belange zu ergänzen, die speziell auf geflüchtete Frauen zutreffen. Genauer soll berücksichtigt werden, dass bei geflüchteten Frauen häufig geschlechtsspezifische Fluchtursachen vorliegen, Hilfebedarf frühzeitiger erkannt und das Informationsangebot verbessert werden. Der Landesfrauenrat fordert, dass zur Prävention auch männliche Bewohner in den Unterkünften über in Deutschland geltendes Recht aufgeklärt werden sollen und gleichzeitig die Art der Unterkunft so angepasst werden muss, dass Frauen sich auch in getrennte Bereiche zurückziehen können. Sollte es dennoch zu Gewaltsituationen kommen, müsste der Zugang zu Schutz und Beratung vereinfacht und auch die Kosten für eine Psycho- oder Traumatherapie übernommen werden. Die Interventionsketten, die durch den bisherigen Landesaktionsplan bereits festgelegt sind, müssten um ausreichendes, geschultes Betreuungspersonal erweitert werden.


Der Landesfrauenrat setzt sich mit einem Vernetzungstreffen für die Belange geflüchteter Frauen ein. Wir haben darüber mit der LFR-Vorsitzenden Martina Rukavina gesprochen.
Interview


Auszüge aus dem grün-schwarzen Koaltionsvertrag zum Thema „Schutz vor Gewalt an Frauen“:

HUMANITÄRE BEHANDLUNG, MENSCHENWÜRDIGE UNTERBRINGUNG

Wir müssen dafür Sorge tragen, den Bedürfnissen besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge gerecht zu werden. Einen solchen besonderen Schutzbedarf haben vor allem Frauen und Kinder. Alleinreisende Frauen mit oder ohne Kinder wollen wir in gesonderten Einrichtungen unterbringen. Ein besonderes Schutzbedürfnis sehen wir zudem bei Jugendlichen, Schwangeren, gebrechlichen und behinderten Personen. Darüber hinaus wollen wir auch diejenigen schützen, die aufgrund ihres Glaubens oder ihrer sexuellen Identität Diskriminierungen ausgesetzt sind. Das enge, räumliche Zusammenleben in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften gewährleistet nur eine eingeschränkte Intim- und Privatsphäre. Diese Situation kann das Auftreten von Konflikten begünstigen und auch Gelegenheitsstrukturen für Gewalt bieten. Schutz vor Diskriminierung und Gewalt muss Aufgabe von Gewaltschutzkonzepten sein. Eine bedarfsgerechte Unterbringung bedeutet, gesonderte Unterbringungsmöglichkeiten zu berücksichtigen und wo immer möglich vorzuhalten. Dazu gehören die Sensibilisierung der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter für besondere Belange, der Zugang zu spezifischer Information und Beratung sowie die Vernetzung von Flüchtlingshilfe und Zivilgesellschaft.(S.64)

FRAUEN BESSER VOR GEWALT SCHÜTZEN

Wir wollen den Schutz von Frauen vor jeglicher Gewalt landesweit stärken. Den bereits aufgelegten Landesaktionsplan gegen Gewalt an Frauen werden wir umsetzen und weiter entwickeln. Jede Form von Gewalt, insbesondere aber gegenüber Frauen und Kindern, ist unerträglich und entschieden zu bekämpfen. Opfer von Gewalt sollen zeitnah und niedrigschwellig Hilfe und Beratung erhalten. Hierzu sind der Ausbau der psychosozialen Beratung und Betreuung von Gewaltopfern und die dauerhafte Absicherung der Frauenhausfinanzierung notwendig. Der Zugang zur Beratung und zur Unterkunft in Frauenhäusern muss unabhängig von Einkommen, Wohnort und Aufenthaltsstatus sichergestellt werden. Wir werden eine regionale Mindestplatzzahl in Frauenhäusern prüfen und eine Förderrichtlinie erarbeiten, die die Frauenhausarbeit sicherstellt und den veränderten Anforderungen der Bewohnerinnen gerecht wird. Für von Zwangsheirat betroffene minder- und volljährige Mädchen und Frauen soll es spezifische Notaufnahmeplätze in ausreichender Zahl geben. (S.85)

TRAUMATHERAPIE UND SOZIALE DIENSTE: HELFEN, UNTERSTÜTZEN UND PFLEGEN

Die Therapieangebote für traumatisierte Flüchtlinge und die Dolmetscherdienste sollen in Baden-Württemberg flächendeckend erfasst und bedarfsgerecht ausgebaut werden. Hierzu ist die Expertise der Landesärztekammer und der Berufsverbände einzubinden. Die Therapie der Traumatisierten ist Voraussetzung dafür, sie in die Gesellschaft integrieren zu können. Eine Finanzierung der Behandlung ist sicherzustellen. Die Belange von geflüchteten Mädchen und Frauen werden wir identifizieren und entsprechende Maßnahmen ergreifen. (S.129)

Zahlen aus Stuttgart

Im Jahr 2015 gab es deutlich mehr Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, als noch in den Jahren davor. So wurden der Polizei 760 Fälle bekannt, was ein Anstieg von 29,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist. Am deutlichsten ist das Plus im Bereich „Ausnutzung sexueller Neigungen“. Im Bericht wird das mit vermehrten Kontrollen im Rotlichtmilieu begründet. Dagegen sind Vergewaltigungen und sonstige sexuelle Nötigungen sogar um 14,8 Prozent weniger geworden.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Was als Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zählt, ist im Strafgesetzbuch, §§ 174-184c definiert. So werden dazu etwa sexueller Missbrauch, Nötigung, Vergewaltigung, Förderung von Prostitution und Menschenhandel gezählt.

Insgesamt 440 Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind der Polizei 2015 bekannt geworden. Davon waren 86,1 Prozent weiblich und rund ein Viertel noch Kinder.

Opfer sexueller Gewalt
TatbestandOpfer gesamtmännlichweiblich
GESAMT44061379
Vergewaltigung/ sexuelle Nötigung93390
Sonstige sexuelle Nötigung43043
Sexueller Missbrauch von Kindern1102585
Exhibitionistische Handlungen16228134
Zuhälterei101

Die meisten Frauen, die Opfer von Vergewaltigungen oder sexuellen Nötigungen werden, kannten ihre Täter bereits im Vorfeld.

Opfer-Täter-Beziehung

Quelle: PKS 2015, Polizeipräsidium Stuttgart

PKS 2015 für Stuttgart


Das autonome Frauenhaus in Stuttgart bietet Frauen Schutz, die vor häuslicher Gewalt geflohen sind. Wie das genau aussieht?

Besuch im autonomen Frauenhaus  

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Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

 
Was als Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zählt, ist im Strafgesetzbuch, §§ 174-184c definiert. So werden dazu etwa sexueller Missbrauch, Nötigung, Vergewaltigung, Förderung von Prostitution und Menschenhandel gezählt.

 
 
 
 
 

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