Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989

Fall der Mauer. Foto: public domain, U.S. government National Park
Foto: public domain, U.S. government National Park

Die Berliner Mauer mit einer Gesamtlänge von 155 km rund um Westberlin bildete die Grenze zwischen Ost und West. Bewachung durch Grenzsoldaten, Stacheldraht, Minen und Selbstschussanlagen machten diese Grenzbefestigung nahezu unüberwindlich. Sie war das abschreckendste Symbol des Ost-West-Konfliktes. Von der einen Seite als "Friedensgrenze" und "Antifaschistischer Schutzwall" gepriesen, von der anderen Seite als "kommunistische Schandmauer" verdammt. Ihr Fall markiert auch das Ende des Kalten Krieges. Mehr als ein Vierteljahrhundert Symbol der Teilung Deutschlands fiel die Mauer am 9. November 1989. Dieser 9. November ist fest mit der Deutschen Einheit verknüpft, weit mehr als der eigentliche Staatsakt ein Jahr später. Er erinnert uns auch an erfolgreichen Widerstand und Bürgermut.

Ende Oktober 1989 hatten sich durch die Perestroika nicht nur die herrschenden politischen Standpunkte der SED, sondern auch die der Medien bereits grundlegend verändert. Korrespondenten berichteten offen von Demonstrationen und Kundgebungen, informierten über die Reiseregelungen und über die wirtschaftlichen Folgen für die DDR.

Im November 1989 überschlagen sich die Ereignisse in der DDR. Unter dem Druck der friedlichen Bürgerbewegung musste die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) immer weiter zurückweichen. Die Diktatur befand sich in einer offenen Krise, von der sie sich nicht mehr erholen sollte. Die größte Demonstration fand am 4. November 1989 in der Mitte Berlins statt, zu der sich über eine halbe Million Menschen friedlich versammelten. In der SED-Spitze und im Sicherheitsapparat begann ein Tauziehen um die Frage, ob man die Demonstration verhindern sollte. Schließlich beschloss die SED-Führung, dass die Demonstration genehmigt werden sollte. Eine zentrale Forderung der Demonstranten war die nach Reisefreiheit. Die SED reagierte am 6. November 1989 mit einem Entwurf für ein Reisegesetz, welcher auf breite Ablehnung stieß. Unter andauerndem Druck durch Massenflucht und Demonstrationen sowie durch Einwirkung der "SED-Reformer" trat am 7. November 1989 die DDR-Regierung unter Ministerpräsident Willi Stoph zurück. Daraufhin trat am 8. November auch das gesamte Politbüro des Zentralkomitee (ZK) der SED zurück.

In dieser Situation fand am 8. und 9. November das ZK-Plenum der SED statt. Gleichzeitig wurde ein einfaches und weitgehendes neues Reisegesetz ausgearbeitet und im ZK der SED verlesen. Kaum einer der Anwesenden erkannte die Brisanz dieses Entwurfs .

Am 9. November um 18.00 Uhr beginnt die Live-Übertragung der Pressekonferenz mit Günter Schabowski (1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin). Kurz vor Ende der Pressekonferenz um 18:57 Uhr fragte der italienische Journalist Riccardo Ehrman, ob der Entwurf des Reisegesetzes nicht ein Fehler gewesen sei. Schabowski teilt den erstaunten Journalisten mit, dass ab sofort Westreisen für jedermann möglich sind. Viele DDR-Bürger sehen die Mitteilung im Fernsehen. Die Regelung war ursprünglich als Richtlinie für die ständige Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland (ohne Recht auf Rückkehr) gedacht. Sie sollte den anhaltenden Ausreisestrom über die CSSR stoppen.

"Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen. ...Also, Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen, Reiseanlässen und Verwandtschaftsverhältnissen beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt...Das tritt nach meiner Kenntnis, ähh, ist das sofort, unverzüglich."


AP verbreitet als Eilmeldung: "DDR öffnet Grenze"; DPA um 19.41 Uhr: "Die DDR-Grenze ... ist offen." Die Agenturmeldungen werden in der Hauptnachrichtenzeit bis 20.15 Uhr zur TOP-Nachricht in Fernsehen und Hörfunk. Die "Tagesschau" meldet "DDR öffnet Grenze".
Gegen 21.10 Uhr beendet der Bundestag in Bonn aus Anlass der neuen Bestimmungen seine Sitzung mit dem Absingen der Nationalhymne.

Schon gegen 20.30 Uhr treffen die ersten DDR-Bürger am Grenzübergang Bornholmer Straße ein um zu sehen, was los ist. Der Grenzübergang ist aber weiterhin für DDR-Bürger ohne gültiges Visum geschlossen. Es kommen immer mehr Menschen zum Grenzübergang und gegen 21.00 Uhr fordert die Menge die Öffnung der Grenze.
Die Situation spitzt sich zu, die diensthabenden Grenzsoldaten haben bisher keinen Befehl zur Öffnung der Grenze erhalten und die Menge vor dem Grenzübergang ruft: "Tor auf! Tor auf". Es spielen sich tumultartige Szenen ab. Tausende drängen von hinten nach vorn. Am Schlagbaum wird es immer bedrohlicher. Keiner weiß genau, ob es sich nun um ein Gerücht, einen Versprecher oder tatsächlich um eine gültige Entscheidung handelt. Die Grenzsoldaten sind völlig überfordert. Eine halbe Stunde vor Mitternacht entschließen sich einzelne Grenzkommandanten, die Tore einfach zu öffnen. Die Mauer ist gefallen. Auch an anderen Übergängen der innerdeutschen Grenze strömen tausende DDR-Bürger in die Bundesrepublik und werden im Westen begeistert empfangen.

Mit der Gründung der ersten freien Gewerkschaft Anfang 1989 in Polen begann der Zerfall des sozialistischen Systems. Noch konnte die Sowjetunion ihre Satellitenstaaten kontrollieren, aber mit der Wahl Michail Gorbatschows 1984 änderte sich langsam die Politik im größten sozialistischen Land der Erde. Gorbatschows Reformen, Perestroika und Glasnost sollten das stalinistische System in der Sowjetunion erneuern, aber nicht den Sozialismus beseitigen.
Die Reformen in der Sowjetunion hatten auch große Auswirkungen auf die anderen sozialistischen Länder, besonders aber auf Polen und Ungarn.

Die ungarische Regierung öffnet in der Nacht zum 11. September 1989 die Grenze zu Österreich für DDR-Bürger. Zehntausende reisen in den nächsten Tagen und Wochen über Österreich in die Bundesrepublik aus. Die DDR lenkt auch im Prager Botschaftskonflikt - wohin Tausende DDR-Bürger geflüchtet waren, um ihre Ausreise zu erzwingen - auf sowjetischen Druck hin ein: Außenminister Genscher und Kanzleramtsminister Seiters reisen nach Prag und verkünden die Ausreiseerlaubnis für die Botschaftsbesetzer: "Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise..." Mehr war nicht zu verstehen. Der Rest des Satzes ging unter in einem markerschütternden Aufschrei der Erleichterung der über 4.000 auf dem Gelände eingepferchten Flüchtlinge aus der DDR. In verriegelten Sonderzügen werden einige tausend DDR-Flüchtlinge über das Territorium der DDR in die Bundesrepublik gebracht. Der Eiserne Vorhang war durchbrochen.

DDR im Unterricht

DDR im UnterrichtDas Portal bietet zahlreiche Hilfestellungen und nützliche Hinweise, wie das Lernfeld DDR im Schulunterricht sinnvoll vermittelt werden kann. Es liefert Hintergründe zum Thema DDR-Wissen, stellt Materialien für den Unterricht zur Verfügung, verweist auf Literatur und Medien und informiert über weiterführende Links. Spezifische Unterrichtsvorschläge, die aktuellen Bildungspläne und Informationen über den Wissenstand der Schülerinnen und Schüler sowie die bildungspolitische Debatte dazu bietet die Rubrik "Die DDR im Unterricht". Die "Webquests", eine Methode zum sinnvollen Einsatz von Computern im Unterricht, die das handlungsorientierte und selbstständige Lernen der Schülerinnen und Schüler fördert, vervollständigen den didaktischen Teil. Ein Fotoalbum zur vierzigjährigen Geschichte der DDR dient schließlich der Veranschaulichung und rundet das Angebot ab.

www.ddr-im-unterricht.de

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Links

  • Dokumentationszentrum Berliner Mauer
    Das Dokumentationszentrum wurde am 9. November 1999, dem 10. Jahrestag des Mauerfalls, mit der Werkstatt-Ausstellung "Grenzblicke" eröffnet. Es bietet einen Überblick wie auch vertiefende Informationen zur Geschichte der Berliner Mauer
    www.berliner-mauer-dokumentationszentrum.de

  • Multimedia-Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem DeutschlandRadio. Eine historische Einleitung, Bibliographie, Filmliste, kommentierte Links und Originaltöne vervollständigen das Angebot.
    www.chronik-der-mauer.de
  • DW: Materialien für den Unterricht
    Der Mauerfall - eine Unterrichtsreihe
    Die hier präsentierte Unterrichtsreihe von Dirk Reifenberg bietet zum Teil exklusive Materialien. Den Kern bildet eine Reihe von Zeitzeugenberichten, die einen möglichst unmittelbaren Eindruck der damaligen Ereignisse vermitteln soll. Aber auch die Stationen die zum Mauerfall führten, wie die Massenflucht oder die Montagsdemonstrationen werden eingehend geschildert.
    www.dw-world.de/dw/article/0,9729,2340056,00.html
  • rbbonline: Chronik der Wende
    Das multimediale Webangebot zur Serie hat sich zu einer wichtigen Informationsquelle zum Thema Wende im Web entwickelt. chronik-der-wende.de wird immer wieder überarbeitet und aktualisiert.
    www.chronik-der-wende.de
  • Deutsch-deutsche Geschichte in Bild und Ton
    60 Jahre deutsch-deutsche Beziehungen im Rückblick: Immer wieder gab es Annäherungsversuche, immer wieder aber Rückschläge für die, die die Hoffnung auf die Wiedervereinigung nicht aufgeben wollten. tagesschau.de hat die ARD-Jahresrückblicke von 1949 bis 2008 durchforstet.
    www.60xdeutschland.de

Materialien der Landeszentrale 

20 Jahre Maueröffnung 20 Jahre Maueröffnung in Europa
Zeitschrift Deutschland & Europa 58 - 2009
Die Friedliche Revolution von 1989 in der DDR und anderen europäischen Staaten wie Polen und Ungarn ist das Thema der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Deutschland & Europa".
Die Maueröffnung in Deutschland und Europa wird aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben und analysiert. Dabei wird auch die Ära Gorbatschow und die Entwicklung von der Sowjetunion zur Russischen Konföderation berücksichtigt und ebenso auf die Rolle der NATO und der USA eingegangen.
Die politischen und wirtschaftlichen Folgen, die die Umbrüche vor allem für die Menschen in den neuen Bundesländern hatten, werden ebenfalls diskutiert.
Deutschland Ost - Deutschland West
Zeitschrift Der Bürger im Staat Heft 4/2000
Deutschland wächst zusammen - Eine Zwischenbilanz nach zehn Jahren,
Zeitschrift Politik & Unterricht Heft 2/2000 
Berlin Europäische Metropole und deutsche Hauptstadt
Zeitschrift Deutschland & Europa 31/1995
 
Spiele
Geschichte spielerisch lernen.
Der große Wissenstest: Wie war das in der DDR?
62 Fragen und Antworten
„Wir sind das Volk!“ Mit diesem Ruf forderten 1989 Zigtausende von Demonstranten in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) Freiheit und Demokratie. Die friedliche Revolution führte am 9. November 1989 zur Öffnung der Mauer in Berlin und zum Sturz der Diktatur der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Heute wissen viele nur noch wenig über die DDR, das Leben, den Alltag und über die Repressalien, die die Menschen zu erdulden hatten. Warum wurde mitten durch Deutschland eine Mauer mit Stacheldraht und Selbstschussanlagen gebaut? Was war und wie arbeitete die „Stasi“? Wie viele Menschen wurden beim Versuch, die DDR zu verlassen, getötet? Welches Wirtschaftsmodell hatte die DDR? Gab es Religions- und Pressefreiheit?
Deutschland Quartett
Wissenswertes über die 16 deutschen Länder.
Ein unterhaltsames Spiel ab 6 Jahren. Die Zahl der Mitspielenden ist beliebig, mindestens jedoch 2.
Das Deutschland Quartett besteht aus 64 Spielkarten, 4 Karten für jedes Land.
Das Spiel lässt sich als Trumpf-Variante (der höchste Wert gewinnt) oder Quartett-Variante (wer hat die Karte zur Bildung eines Quartetts) spielen.
Schutzgebühr: 4,50 EUR zzgl. Versandkosten.
Deutschland-Puzzle
Vom Greifen zum Begreifen. Aus Teilen ein Ganzes schaffen. Seit 25 Jahren ist das Deutschland-Puzzle ein erfolgreiches Unterrichtsmedium. Unser "Klassiker" ist jetzt in neuer Auflage nur bei der Landeszentrale erhältlich.
Das Puzzle besteht aus 48 Teilen und hat eine Größe von 90 * 120 cm.
Schutzgebühr: 25,- EUR zzgl. Versandkosten.
 


Online Spiel Deutschland-Puzzle
Ziehen Sie die 16 Bundesländer an ihren Platz auf der Landkarte oder klicken Sie mit "nächstes Land" die einzelnen Länder durch (Flash Plugin erforderlich)

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Youtube Video: Tagesschau vom 9.11.1989 - Der Fall der Mauer


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