Flutkatastrophe in Pakistan (Archiv)

Foto: Charsada-District ©Aktion dt. Hilfe

2010 war der Monsun in Pakistan zur Katastrophe geworden. Allein seit Juli fielen 600 Liter Regen pro Quadratmeter. Im Land war mittlerweile eine Fläche so groß wie Italien überschwemmt. Fast zweitausend Menschen sind umgekommen, fast 4,6 Millionen sind obdachlos, 20 Millionen sind von der Katastrophe betroffen. Die internationale Hilfe ist zwar angelaufen, erreicht aber bisher nur ein Drittel der Opfer. Pakistan ist mit den Fluten völlig überfordert. Das Urteil der Pakistaner über das Krisenmanagement der Regierung ist vernichtend.

Schuld an den Überschwemmungen in Pakistan ist eine Klima-Anomalie über dem Südpazifik, die so extrem wie momentan überhaupt noch nie festgestellt wurde: La Niña. Kühle Luftströme über dem Ozean sorgten dafür, dass sich der Monsunregen über Pakistan ergießt.

Brücken sind zusammengebrochen, Straßen zerstört, so dass Hilfskonvois nicht zu den Betroffenen vordringen können. Hunderte Dörfer sind immer noch von der Außenwelt abgeschnitten. Bislang sind in den Überschwemmungsgebieten Pakistans nach UN-Angaben mehr als 800.000 Menschen von den Wassermassen eingeschlossen. Nun drohen auch noch Seuchen und Hunger. Hunderttausende Flutopfer harren in provisorischen Zelten aus und müssen zunächst mit dem Nötigsten versorgt werden. Unzählige Orte wurden evakuiert, Menschen in Auffanglagern untergebracht.

Die Sorge vor einer Ausbreitung von Cholera wächst: Die Menschen haben kaum noch Abwehrkräfte, es fehlt an sauberem Trinkwasser. Die Menge der Nahrungsmittel, die nach bisherigen Schätzungen gebraucht werden, ist enorm. Hunderttausende Rinder, die Lebensgrundlage vieler Dorfbewohner, sind in den Fluten ertrunken, Anbaupflanzen, Speicher und die Ernte sind vernichtet.

Die internationale Hilfe für Pakistan läuft nur schleppend an. Die Region versinkt im Chaos. Vor allem der Nachschub bereitet Probleme. Es werden zwar Hubschrauber eingesetzt, es sind aber bisher zu wenig. Viel mehr werden benötigt, zum einen um die Menschen in den entlegenen Gebieten zu erreichen, zum anderen, um Hilfsgüter ins Land zu bringen. Man benötige mindestens 40 weitere große Transporthubschrauber, um Lebensmittel und Hilfsgüter abzuwerfen oder Menschen zu bergen, sagte der UN-Koordinator John Holmes.

Foto: ©UN/EvanSchneider

Bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen zur Hochwasserkatastrophe am 19. August haben viele Länder ihre Hilfszusagen deutlich erhöht. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte zu Beginn der Beratungen in New York erneut zu schnellerer Hilfe für die Flutopfer in Pakistan aufgerufen. Die Katastrophe sei ein "wichtiger Prüfstein für die internationale Solidarität", sagte Ban. Er würdigte, dass bereits die Hälfte der von den Vereinten Nationen erbetenen 460 Millionen Dollar an Hilfen bewilligt worden sei, forderte aber noch mehr Einsatz.
Die 192 UN-Mitgliedsstaaten verabschiedeten in New York außerdem eine Resolution, in der sie Anteilnahme und "volle Solidarität mit dem pakistanischen Volk" bekundeten. Länder, globale Finanzeinrichtungen und Organisationen wurden aufgerufen, Pakistan "volle Unterstützung" bei seinen Bemühungen zu gewähren, die Folgen der Überschwemmungen einzudämmen, sowie beim mittel- und langfristigen Wiederaufbau der betroffenen Regionen zu helfen.
Auf der Vollversammlung haben mehrere Staaten ihre Hilfszusagen für Pakistan zwar erhöht. Das Geld wird dennoch kaum ausreichen. Pakistans Außenminister Shah Mahmood Qureshi bezifferte die Gesamtschäden durch die Katastrophe auf 43 Milliarden Dollar.

Die USA werden ihre Soforthilfen erhöhen, und zwar von 90 auf 150 Millionen Dollar, wie Außenministerin Hillary Clinton ankündigte.
Die Bundesregierung hat ihre finanzielle Unterstützung für die Hochwasseropfer in Pakistan noch einmal aufgestockt. Die Gelder werden von bisher 15 Millionen Euro auf 25 Millionen Euro erhöht, wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mitteilte. Zu den 25 Millionen Euro kommt noch einmal eine Summe von rund 43 Millionen Euro, mit denen Deutschland an Hilfsmaßnahmen der EU, der Vereinten Nationen und der Weltbank beteiligt ist.

Foto: ©UN WFP/Amjad Jamal

Das Spendenaufkommen in Deutschland ist bislang gering. Es bewegt sich bei etwa einem Fünfzehntel dessen, was spontan für die Erdbebenopfer in Haiti gesammelt wurde. Die Gründe liegen auf der Hand: Pakistan ist ein vom Zerfall bedrohter, korrupter Staat. Ein Großteil der öffentlichen Mittel landen in den Taschen feudaler Clans. Pakistan hat zwar Geld für Atomwaffen, aber keines für seine Bevölkerung. Pakistan exportiert Terror und stützt die Taliban. Wenn Soldaten in Afghanistan angegriffen werden, führen die Spuren oft ins Nachbarland, wo die Taliban Rückzugsräume haben. Die Menschen haben Bedenken, ob das Geld an der richtigen Stelle ankommt. Die Sorge ist groß, Terroristen zu finanzieren und die Korruption im Land zu fördern.

Die militanten Islamisten haben schneller reagiert: Sie helfen den Opfern und sichern ihr Überleben im Namen muslimischer Solidarität – mit dem Ziel, neue Rekruten für ihren Heiligen Krieg zu werben. Die pakistanische Regierung erneuerte ihr Versprechen: Alle Hilfen sollen an Flutopfer gehen und nicht den Taliban in die Hände fallen.

Die kommenden Monate des Wiederaufbaus werden zum Wettbewerb um die Zukunft des Frontstaates im Kampf gegen den islamistischen Terror.

Auch mittel- und langfristig wird Pakistan Hilfe benötigen: Millionen Menschen muss zu einer neuen Existenzgrundlage verholfen werden, Äcker müssen neu bepflanzt, Häuser, Schulen, Straßen und Brücken neu gebaut werden.


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Pakistan

Karte Pakistan. Quelle: BishkekRocks, Wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Quelle: BishkekRocks, Wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Islamische Republik Pakistan liegt zwischen den Hochebenen Südwest- und Zentralasiens und der Ebene des indischen Subkontinents. Im Westen grenzt Pakistan an den Iran und Afghanistan, im Norden an China und im Osten an Indien. Im Süden hat es eine Küste zum Arabischen Meer. Insgesamt ist Pakistan rund 800.000 qkm groß und damit rund zweimal so groß wie Deutschland. Das Land gliedert sich in vier Provinzen (Punjab, Sindh, Khyber Pakhtunkhwa, Baluchistan) sowie den der Bundesregierung direkt unterstehenden Stammesgebieten entlang der afghanischen Grenze und dem Distrikt der Hauptstadt Islamabad. Islamabad wurde erst 1960 als Regierungssitz gegründet und hat ca. 1 Million Einwohner. In ganz Pakistan lebten 2008 164 Millionen Menschen. Die Bevölkerung wächst allerdings jährlich um 2%. Unter pakistanischer Verwaltung stehen außerdem seit 1947 ein Teil Kaschmirs mit weiteren 13.300 qkm und rund 3 Mio. Einwohnern.

Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Die Briten übergaben nach ihrem Rückzug aus Indien die Macht gesondert an Indien und den neuen Staat Pakistan. Zunächst bestand Pakistan aus den zwei Landesteilen: West- und Ostpakistan. Zwischen den beiden Teilen lag allerdings Indien und damit mehr als 1500 Kilometer. So entstand keine gemeinsame nationale Identität und 1971 erklärte sich Ostpakistan nach dem ostpakistanischen Unabhängigkeitskrieg als neuer Staat Bangladesch für unabhängig.

Besonders geprägt ist Pakistans Geschichte durch die schwierige Beziehung zu seinem Nachbarn Indien, mit dem es seit 1947 drei Kriege führte. Von Anfang an besteht der sogenannte Kaschmir-Konflikt zwischen den Staaten, bei dem beide das Grenzgebiet Kaschmir für sich beanspruchen. Die hinduistischen Herrscher des Fürstenstaates Kaschmir hatten 1947 das Land zu Indien zugehörig erklärt. Allerdings ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung muslimisch, weshalb Pakistan, als islamischer Staat, Kaschmir für sich beanspruchte. Es folgten zwei große Kriege (1947/48 und 1965) und mehrer militärische Auseinandersetzungen. Bis heute ist die Frage, zu welchem Land Kaschmir gehört, nicht geklärt. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt. Die letzte bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Pakistan und Indien erfolgte 2002. Seitdem zeichnet sich ein leichter, durch wirtschaftliche Interessen begünstigter Entspannungsprozess ab.

Auch mit innenpolitischen Problemen hat Pakistan seit seiner Gründung zu kämpfen. In seiner Geschichte wechselten sich kurze demokratische Phasen immer wieder mit Zeiten, in den Militärregierungen herrschten (1956-1971; 1977-1988; 1999-2008), ab. 1956 wurde die erste Verfassung angenommen, aber bereits nach zwei Jahren wieder außer Kraft gesetzt. Seit 1993, mit Unterbrechung von 1999 bis 2002, ist die Verfassung von 1973 in Kraft. Damit ist Pakistan eine parlamentarische Demokratie mit einem Zweikammersystem. Staatsoberhaupt ist der Präsident, der vor allem repräsentative Aufgaben hat. Regierungschef ist der Premierminister, seit März 2009 Yousaf Raza. Die Staatsreligion Pakistans ist der Islam, allerdings garantiert die Verfassung Religionsfreiheit. 96% der Pakistaner sind Muslime, knapp 2% Christen und weitere 2% sind Hindus. Der Präsident muss laut Verfassung Muslim sein.

In Pakistan gab es immer wieder auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul- Haq die Scharia, die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban-Regime in Afghanistan an. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 stellte sich Pakistan aber auf die Seite der USA und wurde so zu einem der wichtigsten Verbündeten im Anti-Terror-Krieg. Es gibt allerdings eine starke islamistische Opposition im Land. Die politische Lage in Pakistan ist also weiterhin instabil. Der pakistanische Staat ist auf praktisch allen Verwaltungsebenen von Korruption durchzogen. Menschenrechtsorganisationen werfen Pakistan immer wieder die Verletzung von Menschenrechten vor. In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur sehr begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban.

Seit 1998 besitzt Pakistan nachweislich Atomwaffen und gehört damit zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht hat. Die genaue Zahl der in pakistanischem Besitz befindlichen atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein. Laut Militärbeobachtern besteht die Gefahr, dass die Nuklearwaffen aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen könnten.


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Links

... zur Flutkatastrophe in Pakistan:

  • zdf-heute.de: Flutkatastrophe in Pakistan - Aktuelles, Hintergrund-Infos zu Pakistan, Spezial: Hilfe für Pakistan, Videos
  • ard-tagesschau.de: Pakistan versinkt in den Fluten - Themen-Spezial mit aktuellen Berichten, Brennpunkt, Bilder, Videos und Spendenkonten
  • spiegel-online: Flutkatastrophe in Pakistan: Alle Artikel, Hintergründe und Fakten
  • focus.de: Zusammenstellung der Berichte aus den Bereichen Politik und Panorama, Bilder u. Videos
  • zeit-online: Schlagwort Pakistan

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Spendenkonten

Bundespräsident Christian Wulff hat die Deutschen zu Spenden für die Flutopfer in Pakistan aufgerufen. "Jetzt brauchen wir dringend die Hilfe aller derer, die helfen können", sagte Wulff in der ARD zur Flutkatastrophe. Die großen Hilfsorganisationen wie die Welthungerhilfe, das Rote Kreuz oder die kirchlichen Hilfswerke müssten nun nachhaltig unterstützt werden.

"Ich setze auf die Spendenbereitschaft, die in Deutschland immer eindrucksvoll hoch gewesen ist", sagte der Präsident und erwähnte dabei die Hilfsbereitschaft nach dem Erdbeben in Haiti im Januar oder nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien Ende 2004.

Spendenkonten:
(Quelle: ZDF, ARD)

  • Aktionsbündnis Katastrophenhilfe
    Telefon-Hotline: 0137 36 36 36
    (14 ct/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise können abweichen)
  • Afghanischer Frauenverein e.V.
    Konto 0 680 850 500
    BLZ 570 800 70
    Dresdner Bank Koblenz / Commerzbank AG
    Stichwort: "Nothilfe Überschwemmung"
  • Ärzte der Welt e.V.
    Konto 2 88 88
    BLZ 700 500 00
    Bayerische Landesbank
    Stichwort "Pakistan"
  • Aktion Deutschland Hilft
    Konto 10 20 30
    BLZ 370 205 00
    Bank für Sozialwirtschaft
    Stichwort "Flut Pakistan"
  • Aktion Kleiner Prinz
    Konto 620 620 62
    BLZ 400 501 50
    Sparkasse Münsterland
    Stichwort "Flutopfer Pakistan"
  • Bündnis Entwicklung Hilft
    Konto 51 51
    BLZ 370 205 00
    Bank für Sozialwirtschaft
    Stichwort "Pakistan"
  • Cap Anamur / Deutsche Not-Ärzte e.V.
    Kontonummer: 2 22 22 22
    BLZ: 370 501 98
    Sparkasse KölnBonn
    Verwendungszweck: "Pakistan"
  • CARE
    Konto 4 40 40
    BLZ 370 50 198
    Sparkasse KölnBonn
    Stichwort "Pakistan"
  • Caritas international
    Konto 202
    BLZ 660 205 00
    Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
    Stichwort Fluthilfe Pakistan
  • Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V.
    Konto 2020
    BLZ 370 205 00
    Bank für Sozialwirtschaft
    Stichwort "Nothilfe Pakistan"
  • DAHW
    Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe
    Konto 9696
    BLZ 790 500 00
    Sparkasse Mainfranken Würzburg
    Stichwort "Fluthilfe"
  • Deutsches Rotes Kreuz
    Konto 41 41 41
    BLZ 370 205 00
    Bank für Sozialwirtschaft
    Stichwort "Pakistan"
  • Diakonie Katastrophenhilfe
    Konto 502 707
    BLZ 600 100 70
    Postbank Stuttgart
    Stichwort "Fluthilfe Pakistan"
  • Die Heilsarmee
    Konto 40 777 77
    BLZ 370 205 00
    Bank für Sozialwirtschaft Köln
    Stichwort "Pakistan"
  • humedica e.V.
    Konto 47 47
    BLZ 734 500 00
    Sparkasse Kaufbeuren
    Stichwort "Fluthilfe Pakistan"
  • Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
    Konto Nr. 88 88
    BLZ 370 205 00
    Bank für Sozialwirtschaft
    Stichwort "Flut Pakistan"
  • Kindernothilfe
    Konto 45 45 40
    BLZ 350 601 90
    KD Bank
    Stichwort "Pakistan"
  • medico international
    Konto 1800
    BLZ 500 502 01
    Frankfurter Sparkasse
    Stichwort "Pakistan"
  • Missionszentrale der Franziskaner e.V.
    Konto 800 589 00
    BLZ 510 917 11
    Bank für Orden und Mission
    Stichwort "Fluthilfe Pakistan"
  • Oxfam
    Konto 13 13 13
    BLZ 370 205 00
    Bank für Sozialwirtschaft Köln
    Stichwort "Fluthilfe Pakistan"
  • Plan International Deutschland e.V.
    Konto 0001623207
    BLZ 20010020
    Postbank Hamburg
    Stichwort "Pakistan/Flutkatastrophe"
  • Shelter Now Germany e.V.
    Konto 25 230 58
    BLZ 250 500 00
    Nord LB Braunschweig
    Stichwort "Fluthilfe Pakistan"
  • UNO-Flüchtlingshilfe
    Konto 2000 8850
    BLZ 370 501 98
    Sparkasse KölnBonn
    Stichwort "Nothilfe Flutopfer"
  • Welthungerhilfe
    Konto 1115
    BLZ 370 501 98
    Sparkasse Köln/Bonn
    Stichwort "Nothilfe Pakistan

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