Geschichte des Klimas

Foto: NASA, Apollo 17 crew.

Die Vergangenheit der Prozesse, über deren Zukunft wir uns heute Sorgen machen

Annalena Marx

Ob Rekordtemperaturen, Überschwemmungen, Waldbrände oder Hagelstürme – aktuelle Meldungen erinnern uns immer häufiger an die Diskussionen um den Klimawandel. Dabei geht es in aller Regel um die Zukunft des Klimas. Doch auch die Vergangenheit ist in diesem Zusammenhang interessant.

Schließlich erlebte das Klima bereits vielfältige Veränderungen, die sich auch auf die frühere Gesellschaft auswirkten. Aber wie genau muss man sich das Klima und seine Folgen – insbesondere während der letzten 500 Jahre – im heutigen Baden-Württemberg vorstellen? Und woher kann man überhaupt wissen, wie sich das Klima damals oder sogar vor noch längerer Zeit entwickelte?

Wie funktioniert das Klima – ein Schnellkurs

Um die Veränderungen des Klimas in der Vergangenheit verstehen zu können, sollte man die wichtigsten Grundlagen des Phänomens kennen.

Wetter und Klima

Wenn wir von der „Geschichte des Klimas“ sprechen, aber auch von einzelnen Wetterereignissen berichten, stellt sich zunächst die Frage, was der Unterschied zwischen Klima und Wetter ist. Die beiden Begriffe stehen in engem Zusammenhang. Man könnte sagen, dass das Klima die verschiedenen Wetterbedingungen beschreibt, die über einen längeren Zeitraum von mehreren Jahrzehnten hinweg herrschen. Das Wetter selbst ist immer nur auf wenige Tage bezogen: Es ist der kurzzeitige Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort und wird von der Sonne im Zusammenspiel mit Wind und Wolken bestimmt.

Zeichnung zum Treibhauseffekt
© Annalena Marx
Natürlicher Treibhauseffekt

Wichtigste Voraussetzung dafür, dass sich Wetter und Klima überhaupt auf der Erde abspielen können, ist die Existenz der Erdatmosphäre, die die Erde wie eine Hülle umgibt. Sie besteht aus verschiedenen Gasen, vor allem aus Stickstoff (78%) und Sauerstoff (21%) sowie einigen Spurengasen.

Der natürliche Treibhauseffekt findet, stark vereinfacht, folgendermaßen statt: Die Sonnenstrahlen, die auf die Erde treffen, würden ohne die Atmosphäre zum allergrößten Teil wieder in den Weltraum zurückreflektiert werden. In der Folge wäre es sehr kalt auf der Erde. Die Atmosphäre und der darin enthaltene Wasserdampf aber sorgen dafür, dass ein bestimmter Teil der Sonneneinstrahlung als Wärmestrahlung unterhalb der Atmosphäre verbleibt – genau so viel, dass sich Menschen und Tiere auf der Erde entwickeln konnten und leben können.

© Annalena Marx
Künstlicher Treibhauseffekt

Zusätzlich zum natürlichen Treibhauseffekt findet in der jüngsten Vergangenheit aber auch der vieldiskutierte künstliche statt.
Der Grund für den künstlichen Treibhauseffekt ist vor allem die Zunahme von Kohlendioxid und Methan in der Atmosphäre. Diese Zunahme an Spurengasen findet unter anderem durch Abgase unserer modernen Industriegesellschaft statt. Sie führt dazu, dass die Atmosphäre immer weniger Strahlung in den Weltraum zurückreflektiert und es auf der Erde wärmer wird.

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Woher kennen wir die Geschichte des Klimas?

Um Aussagen über die Zukunft des Klimas treffen zu können, wie auch um von seiner Vergangenheit berichten zu können, sind umfangreiche Forschungen nötig.

Beispiel einer Chronik. Quelle: Heinz Alfred Gemeinhardt, Die Belagerung Reutlingens an Pfingsten 1247, in: Reutlinger Geschichtsblätter NF 36 (1997), S. 189-220, Abb. S. 200.
Verschiedenste schriftliche Quellen

Wer von Wetter und Klima der letzten Jahrhunderte spricht, kann sich auf schriftliche Quellen verlassen. In Chroniken oder Witterungstagebüchern finden sich zahlreiche Vermerke über die Wetterbedingungen der jeweiligen Zeit. Auch Tagebücher und Briefe können als sogenannte Proxydaten ausgewertet werden, denn in ihnen befinden sich indirekte Hinweise über das Wetter, beispielsweise wenn über Ernteausfälle oder Preissteigerungen berichtet wird.
Zudem lassen sich für die letzten 100-200 Jahre meteorologische Wetteraufzeichnungen heranziehen. Der Beginn solcher Aufzeichnungen kann je nach Ort jedoch sehr unterschiedlich sein.

Nichtschriftliche Quellen


Um das Klima vor der Entwicklung der Schrift oder gar vor der Entstehung der Menschheit ermitteln zu können, müssen dagegen vor allem naturwissenschaftliche Quellen herangezogen werden. Dazu gehören insbesondere:

Foto: Arnoldius, Quelle: Wikipedia, CC-by-sa-2.5.
  • die Untersuchung der Jahresringe von Bäumen = Dendrochronologie,
Foto: Centre for Ice and Climate, Niels Bohr Institute.
  • die Untersuchung auf Eis (auf seine Zusammensetzung und darin enthaltene Gase) sowie
Pollenkörper verschiedener Pflanzen. Foto: Dartmouth Electron Microscope Facility, Dartmouth College, Quelle: Wikipedia.
  • die Untersuchung von Pollen (die in Sedimenten oder Torf eingeschlossen sind) = Palynologie.

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Geschichte des Klimas bis 1500

Zur Zeit der Entstehung der Erde, vor 4,6 Milliarden Jahren, betrug die Bodentemperatur 180 Grad Celsius. Wasser gab es noch nicht und auch die Atmosphäre bildete sich erst später. Die Abkühlung der Erde dauerte sehr lange: Erst vor 4 Milliarden Jahren sank die Temperatur unter 100 Grad Celsius.

Vor 2,3 Milliarden Jahren erlebte die Erde ihre erste Eiszeit, weitere folgten. Unter einer Eiszeit versteht man die Zeit, in der einer oder beide Pole der Erde vereist sind. Dieser Zustand ist die Ausnahme; in der überwiegenden Zeit waren die Pole nicht vereist. Innerhalb von Eiszeiten wechseln sich außerdem Warm- und Kaltzeiten ab.
So ist es bis heute: Seit 2,6 Millionen Jahren schon herrscht die jüngste Eiszeit, innerhalb derer wir momentan in einer Warmzeit leben.

Typisch für warmes Klima: Die offene Bauweise der Römerzeit. hier ein Peristyl der Villa di San Marco in Stabiae. Foto: Al Mare, Quelle. Wikipedia, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.
Antike

Im Verlauf der Menschheitsgeschichte werden immer wieder Zusammenhänge zwischen klimatischen und gesellschaftlichen Entwicklungen angenommen.
Bekannt sind vor allem das sogenannte „Optimum der Römerzeit“, sowie das „Pessimum der Völkerwanderungszeit“. Mit ersterem Begriff wird auf einen anzunehmenden Zusammenhang zwischen der Blüte der Stadt Rom und den zu dieser Zeit milden klimatischen Bedingungen hingewiesen. Auch eine Verbindung der vielfältigen Völkerwanderungen zwischen viertem und sechstem Jahrhundert nach Christus mit den damaligen schlechten klimatischen Bedingungen kann angenommen werden.

Mittelalter

Im sechsten Jahrhundert nach Christus war es in Europa fast durchweg bitterkalt. Die Folge war tausendfacher Hungertod, durch den die Bevölkerungszahlen Europas schließlich auf ein nie mehr erreichtes Tief sanken. Die Landwirtschaft ging immer weiter zurück, Siedlungen wurden aufgegeben und die Menschen mussten sich sogar gegen Wölfe schützen, denen es in Russland zu kalt geworden war.

Bevölkerungswachstum der Jahre 800 bis 1850. © Julia Pongratz, Max-Planck-Institut für Meteorologie.

Ob man in den späteren Jahrhunderten des Mittelalters von einer „Mittelalterlichen Warmzeit“ sprechen kann, ist unter Forschern noch umstritten.
Sicher aber ist, dass die Hungersnöte seltener wurden und bereits vor der Industriellen Revolution, die eine wahre Bevölkerungsexplosion auslöste, ein fast durchweg anhaltendes Bevölkerungswachstum stattfand.

Im 14. Jahrhundert allerdings – zur Zeit der Pestepidemien in Europa – waren die Temperaturen extrem niedrig, sodass es zu großen Hungersnöten kam. Das Getreide verfaulte, der gesamte Wein erfror. Schließlich mussten sich die Menschen auch von Hunden und Pferden ernähren.

Einzelne klimatische Schwankungen fanden freilich auch während des Mittelalters statt: So wird aus dem heutigen Baden-Württemberg von Weihnachten 1289 berichtet, dass die Bäume bereits ausschlugen und über das Jahr 1220 weiß man sogar, dass im Februar reife Erdbeeren geerntet werden konnten.

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Geschichte des Klimas nach 1500

Vom 15. bis ins 19. Jahrhundert hinein fand eine Klimaschwankung statt, die wir als die Kleine Eiszeit kennen. Sie wirkte sich weltweit auf das Klima aus, wenn auch je nach Zeit und Region unterschiedlich stark.

Welche Auswirkungen hatte diese Eiszeit auf das Gebiet des heutigen Baden-Württembergs? Und wie veränderte sich das Klima nach ihrem Ende?

Gletscher in der Antarktis. Eine Eiszeit zeichnet sich dadurch aus, dass mindestens ein Pol der Erde vergletschert ist. Foto: Fred Walton, NOAA, Quelle: Wikimedia Commons.

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Das 16. Jahrhundert (in Baden-Württemberg)

Schon zu Beginn der Kleinen Eiszeit waren die Winter so kalt, dass es zu bitteren Hungersnöten kam. Im heutigen Baden-Württemberg führte die Not in Verbindung mit wirtschaftlichen Repressionen durch die Obrigkeit schließlich zu sozialen Unruhen. Unter dem Namen „Armer Konrad“ – ursprünglich ein Schimpfwort, mit dem der Adel die Bauern bedachte – schlossen sich verschiedene Bauernbünde zusammen und erhoben sich gegen Herzog Ulrich von Württemberg. Der Arme Konrad musste sich schließlich den regulären Truppen geschlagen geben. Nur zehn Jahre später entwickelte sich die Unzufriedenheit zum Deutschen Bauernkrieg, doch auch dieser wurde niedergeschlagen.

Bewaffnete Bauern um 1525, Holzschnitt von Froschauer. Foto: Robert Bothner, Quelle: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg.

Auch ein Zusammenhang zwischen den schlechten klimatischen Bedingungen und der sich im 16. Jahrhundert ausbreitenden Hexenverfolgung scheint plausibel. Hexen wurden nämlich häufig für schlechtes Wetter verantwortlich gemacht. So schrieb Martin Luther 1518:

„[…] die mit dem Teufel ein Bündnis eingehen, können durch Zauberei die Leute blind, lahm, krank machen und töten, wie ich es öfter selbst gesehen habe. Zudem können sie Ungewitter hervorbringen, Früchte auf dem Feld verderben und das Vieh umbringen."


(Zitat aus „Ernteglück und Hungersnot, ausführliche Angaben siehe unten.)

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Das 17. Jahrhundert (in Baden-Württemberg)

Geschichtlich war das 17. Jahrhundert vor allem durch den 30-jährigen Krieg geprägt, der zu Verwüstungen und bitterster Not in Europa führte. Allein im Herzogtum Württemberg sank die Bevölkerung während des Krieges von 400.000 auf 50.000 Menschen – nur jeder achte überlebte hier den Krieg!

Ab 1621 führten klimatische Bedingungen in Baden-Württemberg zu einer Verschärfung der Situation. Kälte und zu starke Niederschläge sorgten ganze acht Jahre lang für Missernten. Diese hatten so extreme Teuerungen zur Folge, dass sich viele Menschen die Nahrung nicht leisten konnten und den Hungertod starben.

Zerstörerische Truppen ziehen durch das ganze Land. Hier: Schlacht bei Lutter im 17. Jahrhundert. Foto: AxelHH, Quelle: Wikipedia.

Die klimatischen Bedingungen verschärften die Not. Meist jedoch wurde der Bevölkerung die Nahrung entzogen, weil Ernten aufgrund der Auseinandersetzungen nicht eingebracht werden konnten oder noch vorhandene Vorräte von gegnerischen Truppen geplündert wurden.

Auch nach Beendigung des 30-jährigen Krieges, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts also, erging es den Menschen nicht viel besser. Militärische Zusammenstöße mit französischen Truppen sowie klimatisch bedingte Missernten sorgten auch weiterhin für große Not.

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Das 18. Jahrhundert (in Baden-Württemberg)

Erst im 18. Jahrhundert nahm die Abhängigkeit der Bevölkerung von Wetter und Klima deutlich ab. Grund dafür war die Agrarrevolution: Deiche und Bewässerungssysteme wurden ausgebaut, Ödland nutzbar gemacht und bereits genutzte Gebiete wurden zunehmend gedüngt. Folge dieser Maßnahmen war vor allem eine enorme Produktivitätssteigerung. Aber auch das Verständnis von Herrschaft und Abhängigkeit von der Natur änderte sich: „Hungerkrisen wurden nun als Folge von Missmanagement verstanden“, folgert der Historiker Wolfgang Behring im Spiegel-Interview.

Stuttgart-Heslach um 1800. Foto: Robert Bothner, Quelle: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg.

Turbulente Zeiten erlebten die Menschen aber auch noch weiterhin im Zusammenhang mit einzelnen Wetterbedingungen. Besonders betroffen waren Schwaben in der Zeit nach 1786:
Ende Juni kam es in Heslach zu einem Wolkenbruch, dessen Folge eine große Überschwemmung war. Genau ein Jahr später fegte über dieselben Stellen in Heslach sowie weiter bis zum Bopser ein Wirbelsturm. Zwei Monate später schließlich wurde das Gebiet von einem Erdbeben heimgesucht. Immerhin: Im darauffolgenden Jahr war es ungewöhnlich warm, was zu Ernteüberfluss führte.

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Das 19. Jahrhundert (in Baden-Württemberg)

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kann man von einem einigermaßen dichten Netz von Wetteraufzeichnungen sprechen, die Quellenlage für diese Zeit ist also besonders gut.

Kälte und Missernten der Kleinen Eiszeit zogen sich noch bis ins 19. Jahrhundert hin. Im Jahre 1816 beispielsweise kam es im heutigen Baden-Württemberg zu so verheerenden Missernten, dass Hunde und Katzen verspeist werden mussten. Um die Situation der Landwirte zu entschärfen, gründete schließlich Friedrich Wilhelm Raiffeisen Vereine zu ihrer Unterstützung – die Urform der Raiffeisenbank war geboren.


Vor allem aber wurde das Klima des 19. Jahrhunderts (auch im heutigen Baden-Württemberg) von zwei Ereignissen beeinflusst, die ihren Ursprung im weit entfernten Indonesien hatten: Die Ausbrüche des Tambora 1815 und des Krakatau 1883.

Der Ausbruch des Tambora war der stärkste seit Menschengedenken. Seit mindestens 22.500 Jahren war kein Vulkan mehr mit einer solchen Wucht explodiert. Der Ausbruch hatte den Tod von mindestens 71.000 Menschen zur Folge und führte außerdem zu weltweiten Klimaveränderungen. So ging in Nordamerika und Europa das Jahr 1816 als das „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein.

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Anak Krakatau. Foto: flydime, Quelle: Wikipedia.

Im Jahre 1878 brach noch einmal ein Vulkan in Indonesien mit ungewöhnlicher Kraft aus: Der Krakatau. Er explodierte mit einer mindestens 10.000-fachen Wucht der Hiroshima-Bombe. In der Folge wurden so große Mengen Asche in die Atmosphäre geschleudert, dass die weltweite Durchschnittstemperatur um 0,5 Grad Celsius absank.

Der Krakatau hatte sich durch die Explosion damals selbst zerstört. Heute bildet sich an seiner Stelle jedoch schon ein Tochtervulkan: Anak Krakatau.

Auch eine langfristige Entwicklung zeigte im 19. Jahrhundert erstmals ihre Wirkung: Die Industrialisierung. Der Beginn der globalen Erwärmung kann bereits auf das Ende des 19. Jahrhunderts datiert werden. Die starke Verstädterung der damaligen Zeit zeigt sich am Beispiel Stuttgarts besonders gut. In der Folge sorgten ganz neuartige Probleme, wie beispielsweise die Luftverschmutzung von Großstädten, für Gesprächsstoff. Das beweist die folgende Quelle auf recht eindrucksvolle Art:

Entwicklung zur Großstadt: Cottasche Buchdruckerei im Stuttgart des 19. Jahrhunderts. Foto: Robert Aßmus 1870, Quelle: Wikipedia.

Nikolaus Lenau (* 1802, † 1850, Österreichischer Schriftsteller) in einem privaten Brief aus dem Jahr 1844:

„Liebe Sophie!

Beständiges Unwohlsein, Kopfschmerz, Schlaflosigkeit, Mattigkeit, schlechte Verdauung, Druckfehler und Ärger über den trägen Fortschlich meiner Geschäfte – das waren die Freuden meiner letzten Wochen. Emilie will es nicht gelten lassen, dass die Stuttgarter Luft nichts als die Ausdünstung des Teufels sei, doch mir ist es zu auffallend, dass ich in Heidelberg frisch und gesund war und nun, kaum wieder nach Stuttgart gekommen, bresthaft und elend sein muss. Verdammtes Kloakental! Die Luft ist zwischen diesen fleißigen und abgeschwitzten Weinbergen so dumpf und matt, so verbraucht und beschmutzt, als wäre sie durch meilenlange Windungen von Eingeweiden hindurchgegangen, ehe man sie in Nase und Lunge bekommt. O meine Nerven!  Mein unglückseliges Sonnengeflecht! Ich schnappe nach Gebirgsluft wie ein Spatz unter der Luftpumpe. Wer mit Gemsen eine Luft getrunken, atmet nicht behaglich mit den Unken. In vielen der hiesigen Straßen riecht es am Ende auch lenzhaft, nämlich pestilenzhaft. Und die guten Stuttgarter merken das gar nicht! Süß duftet die Heimat. Nur über ihre Gärten klagen sie, dass sich darin das Ungeziefer immens vermehre. Ich glaube aber, dass in ihren Häusern dasselbe zu beklagen wäre, wenn das viele und fanatische Fegen und Scheuern nicht entgegenarbeitete…

Adieu liebe Sophie! Ich bin in einer abscheulichen Laune."


Quelle: „Ernteglück und Hungersnot, ausführliche Angaben siehe unten.

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20. Jahrhundert und Ausblick

Das Klima des 20. Jahrhunderts ist vor allem durch die globale Erwärmung geprägt, das heißt die Zunahme der Durchschnittstemperaturen von Atmosphäre und Meeren.

Die Forschungen zur Klimaerwärmung  werden vom sogenannten Weltklimarat, dem IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) zusammengefasst. Der IPCC wurde vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen und der Weltorganisation für Meteorologie gegründet. Er selbst forscht nicht, sondern hat die Aufgabe, den Stand der Wissenschaft zusammenzufassen, damit sich die Politik daran orientieren kann.

Laut IPCC waren die Durchschnittstemperaturen auf der Nordhalbkugel in den letzten 50 Jahren sehr wahrscheinlich höher als in den letzten 500 Jahren und wahrscheinlich sogar höher als in den letzten 1300 Jahren. Grund für die starke Temperaturzunahme ist in erster Linie das vom Menschen ausgehende Verbrennen von Benzin, Öl und Gas, wodurch sich der Kohlenstoffdioxidgehalt in der Atmosphäre ständig erhöht. Aufgrund dieses Verhaltens könnte die Durchschnittstemperatur bis 2100 um bis zu 6,4 Grad Celsius ansteigen. Bis zu 30 % aller lebenden Tier- und Pflanzenarten sind dann vom Aussterben bedroht, Millionen Menschen werden unter dem Anstieg des Meeresspiegels, unter Wassermangel und weiteren Auswirkungen des Klimawandels leiden.

Erinnern wir uns an die zuvor beschriebene Geschichte des Klimas, so fällt auf, dass starke Schwankungen schon immer stattfanden. Im 20. Jahrhundert kommen zu diesen natürlichen Schwankungen aber die durch den Menschen verursachten Eingriffe verstärkend hinzu. Diese führen nach gegenwärtigem Stand der Forschung zu weitaus größeren Schwankungen, als sie auf natürliche Weise ausfallen würden.

Verschiedene Rekonstruktionen der Temperaturen während der letzten 2000 Jahre auf der nördlichen Halbkugel. Sie alle zeigen den ungewöhnlich schnellen Anstieg der Temperatur in den letzten Jahren. Quelle: Wikimedia Commons. Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported.

Aber selbst wenn wir die Schnelligkeit der aktuellen Veränderungen bedenken, mögen uns die zuvor beschriebenen Klimaveränderungen und deren Auswirkungen auf die damalige Gesellschaft heftiger als heute erscheinen – woran liegt das?

Teilweise liegt die Antwort in der westlichen, industrialisierten Welt: Unsere Abhängigkeit vom Wetter ist seit Beginn der Industrialisierung nicht mehr mit der früheren vergleichbar. Kalte Winter bemerken wir aufgrund moderner Heiztechniken kaum noch, Gebäude halten den Kräften der Natur ganz anders als noch vor wenigen Jahrhunderten stand und vor allem garantieren Neuerungen in der Nahrungsmittelherstellung uns auch bei schlechten Wetterbedingungen genügend Nahrung.

Anders sieht das in allen industriell weniger entwickelten Ländern aus. Die dortige Bevölkerung leidet schon jetzt unter Naturkatastrophen, Wassermangel und Überschwemmungen. Und sie wird aller Voraussicht nach in Zukunft mehr denn je unter den Klimaveränderungen leiden.

Aber auch wenn man die insgesamt stark angewachsene Weltbevölkerung sowie ihre – vor allem in der westlichen Welt – enorme Abhängigkeit von komplexen Kommunikations- und Transportsystemen sowie schwindenden Ressourcen bedenkt, so muss für die Zukunft mit starken Beeinträchtigungen infolge des Klimawandels gerechnet werden.

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Weiterführende Informationen

Links:
  • Intergovernmental Panel on Climate Change:
  Hompage des IPCC
Deutschsprachige Zusammenfassung des Klimareports 2007 auf der Homepage des Alfred-Wegener-Instituts
  • Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg:
  Themenseiten Klimawandel
Klimawandel und Klimapolitik, in: Der Bürger im Staat 1-2008

Literatur:

  • Düwel-Hösselbarth, Waltraud: Ernteglück und Hungersnot. 800 Jahre Klima und Leben in Württemberg. Stuttgart, 2002.
  • Mauelshagen, Franz: Klimageschichte der Neuzeit. 1500-1900. Darmstadt, 2010.
  • Pfister, Christian: Wetternachhersage – 500 Jahre Klimavariationen und Naturkatastrophen. Bern, 1999.
  • Pongratz, Julia; Reick, Christian: Landwirtschaft pflügt das Klima um, in: Max-Planck-Forschung 4 / 2009.

                                                                                    

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23. UN-Weltklimagipfel in Bonn

 
 
 
 
 
 

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