Das geteilte Land

Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F079009-0032 / CC-BY-SA
Die Berliner die Mauer ist das Symbol der deutschen Teilung. An den über 160 Kilometern der Grenzanlage um West-Berlin zerbrachen Familien und Freundschaften, individuelle Lebenspläne und berufliche Karrieren. Die Menschen wurden eingesperrt, sie mussten in der DDR bleiben. Die massenhafte Abwanderung aus der DDR konnte mit der Mauer zwar gestoppt werden, doch trotz Betonmauern  und Stacheldraht, Signalzaun und Stahlteppich, Hundelaufanlagen und Schießbefehl versuchten weiterhin Zehntausende aus der DDR zu fliehen, Hunderte verloren dabei ihr Leben.

Mit dem Bau der Mauer verschloss die SED-Führung den letzten offenen Übergang zwischen Ost- und Westdeutschland. Für die Bevölkerung in der DDR bedeutete die Mauer das endgültige Ende ihrer Freizügigkeit und der Möglichkeit sich der SED-Politik durch Abwanderung zu entziehen. Diese Option der „Abstimmung mit den Füßen“ hatte für das SED-Regime eine Einschränkung seiner Macht bedeutet. Nach dem Mauerbau war die Bevölkerung dem Parteiapparat ausgeliefert. Die Folgen waren unter anderem die Einführung der Wehrpflicht, eine Erhöhung der Arbeitsleistungen und die Einführung eines strafbewehrten Arbeitszwangs. Eine größere Zustimmung in der Bevölkerung und damit auch einen Zuwachs an Legitimität erreichten die Machthaber in der DDR dagegen nicht. Viele Menschen zogen sich ins Privatleben zurück, andere beschlossen - trotz Lebensgefahr - die DDR zu verlassen. 

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Flucht aus der DDR

In den 40 Jahren ihres Bestehens verließen über 3,8 Millionen Menschen die DDR. Nur etwa eine halbe Million reiste legal aus, alle anderen waren Flüchtlinge. Sie verließen das Land illegal und unter große Gefahren.

Bereits 1952 hatte die SED die innerdeutsche Grenze weitgehend abgesperrt. Fahrten zwischen Ost und West waren nur noch an wenigen offiziellen Grenzübergängen erlaubt. Reisevisa wurden aber kaum noch ausgestellt. Wer die DDR ohne Erlaubnis verließ, beging "Republikflucht" und musste mit bis zu drei Jahre Gefängnis rechnen. An der massenhaften Abwanderung änderten diese Maßnahmen jedoch nichts, da die Grenze zu West-Berlin faktisch offen war. Die Grenzübergänge zwischen Ost-Berlin und den Westsektoren wurden nur sporadisch kontrolliert und Fluchtwillige konnten mit der S-Bahn einfach in den Westteil der Stadt fahren.

Für die DDR entwickelte sich die Abwanderung zu einer existenziellen Bedrohung, zumal überdurchschnittlich viele junge und gut ausgebildete Menschen den Staat verließen. "Wir mussten die offene Wunde West-Berlin schließen", erklärte der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht, "ich weiß, wie man mich dafür hasst, aber ich musste das auf mich nehmen, für den Sozialismus."

Doch gerade in der ersten Zeit nach dem Mauerbau flohen noch viele Menschen aus der DDR. Die Mauer hatte den Fluchtdruck im Berliner Umland noch erhöht, da plötzlich Freunde und Verwandte getrennt waren, die zuvor in Berlin noch frei miteinander verkehren konnten. Außerdem bestand die Mauer zunächst vor allem aus Stacheldraht. Dieses Provisorium veranlasste so manchen DDR-Bürger zu einem Fluchtversuch, indem sie über die Drahtsperren kletterten oder aus den Häusern an der Sektorengrenze sprangen. In den ersten vier Wochen nach dem Mauerbau registrierten die ostdeutschen Behörden 216 "Grenzdurchbrüche". Um die Flucht aus der DDR endgültig zu unterbinden, wurde die Berliner Mauer weiter ausgebaut. Zunächst wurde eine einfache Betonmauer errichtet, die im Laufe der knapp 30 Jahre ihres Bestehens immer weiter entwickelt wurde, bis sie eine komplexe, tief gestaffelte und tödliche Anlage zur Fluchtverhinderung war.  

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Schießbefehl

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-35031-0002 / CC-BY-SA

Von Anfang an sollten nicht alleine Sperranlagen und die Mauer Fluchtwillige abschrecken und aufhalten, sondern auch bewaffnete Soldaten. Diesen hatten die Machthaber der DDR den sogenannten „Schießbefehl“ erteilt. Die Grenzpolizisten und Grenzsoldaten sollten auf Flüchtlinge, auch auf Frauen und Kinder, schießen, wenn sie auf andere Weise eine Flucht nicht verhindern konnten. Bereits 1952 wurde diese Befehlslage mündlich hergestellte. Gesetzlich wurde der Schusswaffengebrauch an den Westgrenzen der DDR erst 1982 geregelt.  

Schon am 24. August 1961 wurde der erste Flüchtling, der 24jährige Günter Litfin, von DDR-Grenzwächtern bei einem Fluchtversuch an der Mauer erschossen. Nur einen Tag später überreichte der damalige Innenminister Karl Maron den Grenzwächtern das Ehrenabzeichen der Volkspolizei, eine Uhr und 200 Mark.

Bis heute ist nicht bekannt, wie viele Menschen bei Fluchtversuchen an der Mauer und an der innerdeutschen Grenze umkamen. Laut dem Forschungsprojekt "Die Todesopfer an der Berliner Mauer, 1961-1989" der Gedenkstätte Berliner Mauer und des Zentrums für ­Zeithistorische Forschung Potsdam starben mindestens 136 Menschen beim Fluchtversuch an der Berliner Mauer. Darüber hinaus kamen mindestens 251 Menschen während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen ums Leben, viele von ihnen starben an den Folgen eines Herzinfarktes. Dem Forschungsprojekt zufolge kamen mehr als die Hälfte der Opfer in den ersten fünf Jahren nach dem Mauerbau zu Tode. Ein Großteil der Todesopfer waren junge Männer zwischen 16 und 30 Jahren. In 18 Fällen stehen die Recherchen noch aus.

Chronik der Mauer: Todesopfer an der Berliner Mauer

Insgesamt sollen mehr als 1.000 Menschen bei ihrem Fluchtversuch aus der DDR umgekommen sein. Sie ertranken in der Ostsee, traten auf Minen oder wurden von Selbstschussanlagen oder Grenzsoldaten erschossen. Die letzten vier Opfer sind im Oktober 1989 beim Durchschwimmen der Oder auf der Flucht in die deutsche Botschaft nach Warschau ertrunken.

Schießbefehl vom 1. Oktober 1973

"Es ist Ihre Pflicht, Ihre Einzelkämpfer- und tschekistischen Fähigkeiten so zu nutzen, dass sie die Liste des Grenzverletzers durchbrechen, ihn stellen bzw. liquidieren, um somit die von ihm geplante Grenzverletzung zu vereiteln."

"Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zunutze gemacht haben."

Der Befehl galt einer Spezialeinheit des DDR-Geheimdienstes, deren Angehörige als normale Grenzsoldaten getarnt waren. Die von 1968 bis 1985 bestehende Stasi-Einheit sollte die Flucht anderer Soldaten im Grenzbezirk Magdeburg verhindern.

Die juristische Aufarbeitung des Schießbefehls in den so genannten "Mauerschützenprozessen" dauerte bis zum Herbst 2004. Insgesamt kam es zu 131 Verfahren. 132 Angeklagte wurden wegen ihrer Taten oder Tatbeteiligungen zu Freiheits- oder Bewährungsstrafen verurteilt. Darunter waren 10 Mitglieder der SED-Führung, 42 führende Militärs und 80 ehemalige Grenzsoldaten.

Rückblickend auf 40 Jahre deutsche Teilung wird klar, dass es dem SED-Regime, trotz all seiner Maßnahem, wie Hundelaufanlagen und Schießbefehl, Mauerbau in Berlin, Selbstschussapparaten und Minen an der innerdeutschen Grenze, nicht gelungen ist, die Abwanderung der Bevölkerung jemals ganz zu stoppen.

Die bundesdeutsche Statistik registrierte bis 1988 knapp 40.000 Ostdeutsche, die nach dem 13. August 1961 unter dem Einsatz ihres Lebens in den Westen geflohen sind. Über 200.000 weitere DDR-Bürger nutzten Kurzbesuche im Westen und kehrten nicht in die DDR zurück oder wurden von der Bundesregierung freigekauft. Als im September 1989 die ungarische Regierung den Eisernen Vorhang an der Grenze zu Österreich öffnete, ergriffen weitere Zehntausende die Chance und verließen die DDR.

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Reisefreiheit in der DDR

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-87665-0002 / Hesse, Rudolf / CC-BY-SA

Da die Machthaber in der DDR sich der Gefahr bewusst waren, dass die Bürger Reisen zur Flucht nutzen konnten, schränkten sie deren Reisefreiheit stark ein. So waren Reisen in das nichtsozialistische Ausland nur auf Antrag und nur zu bestimmten Anlässen möglich, z.B. Verwandtenbesuche bei Jubiläen, Hochzeiten oder Todesfällen. Meistens wurden die Anträge aber nur genehmigt, wenn eine Rückkehr in die DDR wahrscheinlich war, z.B. weil Kinder oder Ehepartner in der DDR blieben.

Lediglich Rentner durften ab 1964 für mehrere Wochen im Jahr ins westliche Ausland reisen. Sie stellten für die DDR keinen Verlust an Arbeitskräften dar und waren deshalb aus wirtschaftlicher Sicht entbehrlich.

Eine Sonderstellung nahm der sogenannte Reisekader ein. Für Mitglieder des Staats- und Parteiapparates galten die Beschränkungen der Reisefreiheit nicht. Auch Sportler Künstler und Wissenschaftler konnten in den Reisekader aufgenommen werden und erhielten einen Reisepass, damit sie die DDR bei internationalen Wettkämpfen und Fachkongressen repräsentieren konnten. Allerdings wurde jeder, bevor er in den Reisekader aufgenommen wurde, vom Ministerium für Staatssicherheit auf seine „Zuverlässigkeit“ gegenüber dem Staat hin überprüft.  

Für alle anderen in der DDR waren auch Reisen in die sozialistischen Nachbarländer nur mit sogenannten Reiseanlagen möglich. Diese mussten bei der Volkspolizei beantragt werden. Nur in die Tschechoslowakei und von 1972 bis 1980 nach Polen konnten DDR-Bürger ohne vorherige Genehmigung reisen. 
Obwohl die DDR 1974 den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnete, der die Freizügigkeit der Bürger eines Staates verbürgt, und auch die Schlussakte von Helsinki unterzeichnete, änderte sich an den Freiheiten der DDR-Bürger nichts. Erst der Fall der Mauer brachte den Bürgern der DDR die Freiheit selbst zu bestimmen, wohin sie reisen wollten und wo sie leben wollten.

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Die DDR im Unterricht

 

Das Portal bietet zahlreiche Hilfestellungen und nützliche Hinweise, wie das Lernfeld DDR im Schulunterricht sinnvoll vermittelt werden kann.
www.ddr-im-unterricht.de