Anschlag auf "Charlie Hebdo"

Weltweite Solidaritätsbekundung „Je suis Charlie“. Grafik: Wikimedia commons Charlie Hebdo charliehebdo.fr, Joachim Roncin Creative-Commons-Lizenz CC0 1.0
Das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" wurde am 7. Januar 2015 Ziel eines Terrorangriffs. Zwölf Menschen starben – mutmaßlich durch die Hand islamistischer Extremisten. Der Anschlag auf "Charlie Hebdo" hat Entsetzen und Bestürzung ausgelöst, Medien werten ihn weltweit als "Angriff auf unsere Zivilisation". Er war auch ein Angriff auf die Pressefreiheit und das Berufsethos der politischen Karikaturisten. Die Anteilnahme der Menschen nach dem Anschlag ist riesig. Hunderttausende sind weltweit auf die Straßen gegangen und solidarisieren sich mit "Je suis Charlie"-Plakaten. Etwa 1,5 Millionen Menschen haben am 11. Januar 2015 in Paris ein starkes Zeichen gegen Terror und für Toleranz und Meinungsfreiheit gesetzt.

Zwölf Menschen fielen in Paris dem Attentat auf "Charlie Hebdo" zum Opfer, unter ihnen vier Karikaturisten des Satiremagazins, darunter Stéphane Charbonnier, seit 2009 Herausgeber von Charlie Hebdo, sowie zwei Polizisten. Seit "Charlie Hebdo" 2006 die dänischen Mohammed-Karikaturen gedruckt hatte, war die Redaktion bedroht. Seit der Veröffentlichung einer Sondernummer des Magazins unter dem Titel "Charia Hebdo" und dem darauffolgenden Brandanschlag auf die Redaktionsräume stand Charbonnier persönlich unter Polizeischutz.

"Was darf die Satire? Alles." Kurt Tucholsky.
Übertreibung und Spott sind Wesensmerkmale der Satire. Das ist jedoch nicht überall akzeptiert. Der blutige Anschlag auf "Charlie Hebdo" spricht eine ganz andere Sprache. So sorgte schon vor zehn Jahren eine Karikaturen-Serie der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" zum Islam, die auch in weiteren europäischen Zeitungen veröffentlicht wurde, in Teilen der arabischen Welt für gewalttätige Protesten und Boykott-Aufrufe. Der Zusammenprall der Kulturen eskalierte. Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen kamen über 100 Menschen ums Leben. Die Mohammed-Karikaturen traten europaweit eine Debatte über das Verhältnis von Meinungsfreiheit und Religion in Zeiten von Einwanderung los.

Das Magazin "Charlie Hebdo" setzt auf Provokation durch Humor. Die Redaktion ist seit ihrer Gründung 1970 daran gewöhnt, Angriffe abzuwehren. Das Heft wurde mehrmals vom französischen Innenministerium verboten, zahlreiche Klagen wurden vor Gericht ausgetragen. Die Auflage liegt bei 45.000 Heften, zwanzig Mitarbeiter waren bei dem Magazin beschäftigt.
Der satirische Zugang zum Islam war zwar in den "Charlie Hebdo"-Heften ein immer wiederkehrendes Thema, die Redaktion machte sich allerdings über alles und jeden lustig. Die Karikaturisten verschonten mit ihren Zeichnungen in der Vergangenheit keine der großen Weltreligionen. Vor ihrer Feder war keiner sicher. Besonders gerne karikierte "Charlie Hebdo" den französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy. Aber auch ausländische Politiker fielen regelmäßig dem Spott der Journalisten zum Opfer.

Einige der Zeichnungen, die das französische Satiremagazin gedruckt hat, waren eine Zweitverwertung von Bildern aus Dänemark. 2006 erreichte die Auflage einen Rekord von 400.000 Exemplaren, weil das Magazin Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" nachdruckte und mit eigenen Karikaturen komplettierte.

Titelbild der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Foto: Flickr, Guillaume, CC BY 2.0

Fanatiker nahmen am 2. November 2011 Karikaturen des Propheten Mohammed zum Anlass für einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" in Paris. "Charlie Hebdo" hatte zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Am 4. November 2011, zwei Tage, nachdem mutmaßlich islamistische Täter einen Molotowcocktail in die Redaktionsräume im 11. Pariser Arrondissement geworfen hatten, antwortete die Redaktion in seiner 1012. Ausgabe mit einer Titelbild-Karikatur, die einen muslimischen Gläubigen und einen Zeichner des Magazins bei einem Zungenkuss zeigte. Die Titelzeile lautete: „L’amour plus fort que la haine.“ (Die Liebe ist stärker als der Hass). Jetzt hat "Charlie Hebdo" womöglich dafür bezahlt, immer standhaft geblieben zu sein.

Auch eine Woche nach dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 lässt sich das Magazin nicht unterkriegen. Die nächste Ausgabe erscheint mit einer Mohammed Karikatur. Die Titelseite zeigt einen weinenden Propheten Mohammed, der ein Schild mit der Solidaritätsbekundung "Je suis Charlie" in den Händen hält, darunter steht die Zeile: "Tout es pardonné" (Alles ist vergeben). Die Auflage von sieben Millionen Stück ist sofort vergriffen. In vielen muslimischen Ländern löst die Ausgabe Proteste aus.

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Der Anschlag

Blumen und Kerzen für die Opfer des Terroranschlags. Foto: Flickr, Guillaume, CC BY 2.0

Am Mittwoch, den 7. Januar 2015 um 11.20 Uhr stürmen zwei vermummte Männer mit Kalaschnikow-Gewehren in das Gebäude Nummer 6 der Rue Nicolas Appert im 11. Arrondissement von Paris. Nachdem sie merken, dass sie nur vor dem Archiv von Charlie Hebdo stehen, wenden sie sich Hausnummer 10 zu. Im Hausflur erschießen sie zuerst den 42-jährigen Gebäudereiniger Frédéric Boisseau. Dann fragen sie eine weitere Putzkraft nach dem Weg zur Redaktion und rennen in den zweiten Stock. Vor der mit einem elektronischen Zahlencode versehenen Eingangstür zu den Redaktionsräumen treffen die Attentäter auf die Charlie Hebdo-Zeichnerin Corinne Rey "Coco". Die Männer zwingen sie unter vorgehaltener Waffe, den Tür Code zu verraten.

Schließlich gelangen die Täter in die Redaktionsräume und eröffnen das Feuer. Mehrere Zeugen berichten, dass sie "Allahu akbar" ("Gott ist groß") schreien. Einige Zeugen berichten später, die Täter rufen mehrere Namen von Mitgliedern der Redaktion auf, bevor sie sie erschießen. Sie töten zehn Menschen, darunter "Charlie Hebdo"-Herausgeber Stéphane Charbonnier ("Charb") und die Zeichner Georges Wolinski, Jean Cabut ("Cabu") und Bernard Verlhac ("Tignous"). Mit ihnen sterben der Zeichner Philippe Honoré (73), der Wirtschaftswissenschaftler Bernard Maris, der eine Kolumne unter dem Namen "Oncle Bernard" für "Charlie Hebdo" schreibt, und die Psychoanalytikerin Elsa Cavat, deren regelmäßige Rubrik den Titel "Le Divan" trug. Den Korrektor Moustafa Ourrad richten die Killer ebenso kaltblütig hin wie den Kulturveranstalter Michel Renaud, der an diesem Tag zu Gast in der Redaktion war. Der Polizist Franck Brinsolaro, der für den Personenschutz des "Charlie Hebdo"-Chefredakteurs Stéphane Charbonnier eingeteilt war, wird ebenfalls erschossen.

Nachbarn berichten von 20 bis 30 Schüssen, die sie gegen 11.30 Uhr kurz hintereinander gehört haben. Das Massaker dauert etwa fünf Minuten. Als die Attacke beginnt, setzt ein Mitarbeiter einen Notruf ab. Anderen gelingt es, auf das Dach und von dort auf das Nachbargebäude zu fliehen.

Als die Täter das Gebäude verlassen, treffen sie auf eine Polizeistreife auf Fahrrädern, dann auf einen Streifenwagen. Sie feuern mehrere Schüsse auf die Windschutzscheibe des Autos, verletzt wird offenbar dabei niemand. Als sie mit einem schwarzen Citroën C3 losfahren wollen, begegnen sie nahe dem Boulevard Richard Lenoir einen weiteren Polizisten, Ahmed Merabet. Nachdem sie ihn mit einem Streifschuss verletzt haben und erschießen sie ihn. Die Szene ist später auf dem Video eines Zeugen zu sehen. Die Täter brüllen: "Wir haben den Propheten gerächt" und "Wir haben ,Charlie Hebdo' getötet!"

Anschließend fahren die Männer mit ihrem Citroën zunächst entgegen der Fahrtrichtung auf dem Boulevard Richard Lenoir Richtung Place de la République. Dann stoßen sie einige Kilometer weiter nördlich an der Place du Colonel-Fabien mit einem Volkswagen zusammen, dessen Fahrerin dabei leicht verletzt wird. Kurz darauf lassen sie in der Rue de Meaux, nahe dem Park Buttes-Chaumont im 19. Arrondissement, ihren Fluchtwagen zurück. Im Wagen finden Ermittler später den Ausweis von Saïd Kouachi, geboren in Paris im Jahr 1981. An der Porte de Pantin überfallen die beiden Brüder einen Autofahrer und stehlen dessen Wagen: einen grauen Renault Clio. Dann verliert sich zunächst ihre Spur.

Am Nachmittag des 9. Januar 2015 spitzt sich die Lage dramatisch zu. Spezialeinheiten stürmen gegen 17.00 Uhr den Unterschlupf der mutmaßlichen Attentäter von "Charlie Hebdo" in einer Druckerei in Dammartin-en-Goële, 40 Kilometer nordöstlich von Paris. Die Terrorverdächtigen seien getötet worden, bestätigen die Behörden.

Nur etwas später stürmen Spezialeinsatzkräfte im Viertel Porte de Vincennes im Osten von Paris ein jüdisches Lebensmittelgeschäft, in dem Amedy Coulibaly Geiseln genommen hat. Bei dem Schusswechsel wird Coulibaly getötet. Die vier getöteten Geiseln starben laut Staatsanwaltschaft Paris schon vor der Befreiungsaktion der Polizei. Sie alle mussten sterben, weil sie Juden waren. Coulibaly hatte am Tag zuvor eine Polizistin erschossen und stand nach Angaben der Behörden mit den Kouachi-Brüdern in Verbindung. Nach einem Bericht des französischen Fernsehsenders BFMTV hatten sich die drei Terroristen bei ihren Taten eng abgestimmt.

In einer live übertragenen Rede an die Nation hat Frankreichs Präsident François Hollande am Abend die Morde durch Terroristen als "Tragödie für die Nation" bezeichnet. Der Polizei sprach er ein Lob aus.


Eine Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags. Überall in Frankreich und weltweit auch in vielen anderen Städten finden sich noch am selben Tag Menschen zusammen. Foto: Flickr, Guillaume, CC by 2.0

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Millionen gedenken der Anschlagsopfer von Paris

Trauermarsch in Paris. Foto: Flickr. Photograpix. CC By 2.0.
Trauermarsch in Paris. Foto: Flickr. Photograpix. CC By 2.0.

In ganz Frankreich haben sich mehr als 3,7 Millionen Menschen an Gedenkmärschen für die 17 Todesopfer beteiligt. Allein in Paris versammelten sich nach Angaben des Innenministeriums am 11. Januar 2015 bis zu 1,6 Millionen Menschen und damit so viele wie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr. Der Platz der Republik im Stadtzentrum war lange vor Beginn der Veranstaltung überfüllt. Außerhalb von Paris seien es zusätzlich 2,5 Millionen gewesen. Bereits einen Tag zuvor gab es eine Großkundgebung mit 700.000 Teilnehmern. Alle Veranstaltungen verliefen ohne Zwischenfälle. Tausende Polizisten begleiteten die Demonstranten.

Auch Staats- und Regierungschefs gingen in der Metropole auf die Straße, um der Opfer zu gedenken. Darunter waren Präsident Francois Hollande, Kanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister David Cameron. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu reihte sich wenige Meter von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ein.

In Berlin haben rund 18.000 Menschen der Opfer der Terrorattacken in Paris gedacht und ihre Solidarität bekundet. Sie versammelten sich auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor, wo die französische Botschaft liegt, und den umliegenden Straßen.

Rund 10.000 Menschen nahmen am 13. Januar 2015 an einer gemeinsamen Kundgebung der Spitzen von Staat und Gesellschaft mit den Verbänden der Muslime am Brandenburger Tor in Berlin teil. Die Veranstaltung unter dem Motto "Zusammenstehen - Gesicht zeigen" richtete sich gegen islamistischen Terror. In einer Mahnwache wurde auch der Opfer der Anschläge von Paris gedacht. Zugleich warben die Teilnehmer für ein friedliches Zusammenleben der Religionen. An der Mahnwache beteiligten sich auch der Zentralrat der Juden sowie die evangelische und die katholische Kirche. Führende Bundespolitiker wie Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Sigmar Gabriel und viele weitere Kabinettsmitglieder kamen. Bundespräsident Joachim Gauck rief in einer Ansprache alle Menschen in Deutschland unabhängig von Religion und Herkunft zum Einsatz für Demokratie und Weltoffenheit auf. Er sagte: "Wir alle sind Deutschland".

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Hauptverdächtige

Laut Polizei sind die beiden mutmaßlichen Verdächtigen zwei Brüder, 34 und 32 Jahre alt. Sie heißen Saïd und Chérif Kouachi. Beide sind französische Staatsbürger, in Paris geboren. Wie die Libération berichtet, wurden sie von ihren algerisch-stämmigen Eltern adoptiert. Sie sind den Behörden schon länger als potentielle Dschihadisten bekannt.

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Foto: Police Judiciaire de Paris (DRPJ)
Chérif Kouachi soll über reichlich Kampferfahrung aus dem Irak-Krieg gegen die USA verfügen. Bei seiner Flucht aus dem Kriegsgebiet nach Syrien soll er 2005 festgenommen worden sein. Er wurde zu drei Jahren Haft, davon eineinhalb auf Bewährung, verurteilt. Er gehörte dem islamistischen Ring in Paris "Buttes-Chaumont" an. Die Gruppe, benannt nach dem gleichnamigen Stadtpark im 19. Pariser Bezirk, schickte Dschihadisten zum Kampf gegen die US-Truppen in den Irak. 2010 verdächtigte die französische Anti-Terrorpolizei Chérif Kouachi, zusammen mit früheren Komplizen aus dem Umfeld von "Buttes-Chaumont" einen Gesinnungsgenossen aus dem Gefängnis befreien zu wollen. Wieder wurde gegen ihn ermittelt, doch die Beweise reichten nicht für eine Anklage.
Foto: DRPJ Paris

Said Kouachi ist der Polizei seit 2010 bekannt. Er tauchte in einer polizeilichen Überwachungsaktion auf, bei der die Ermittler allerdings wegen fehlender Hinweise nicht weiter kamen. US-Medienberichten zufolge hat er ein Ausbildungslager der Terrorgruppe al-Quaida im Jemen durchlaufen.

Noch am Tag es Anschlags hatte sich der 18-jährige Mourad Hamyd der Polizei gestellt. Er soll ein Schwager der Kouachi-Brüder sein und sich als Komplize der Attentäter ausgegeben haben. Allerdings gehen die Ermittler den Berichten zufolge nicht mehr davon aus, dass Hamyd bei dem Attentat beteiligt gewesen sein soll.

Foto: DRPJ Paris

Der nach einer Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt getötete Amedy Coulibaly soll mit den Kouachi-Brüdern in Verbindung gestanden haben. Medienberichten zufolge hatte auch er einen islamistischen Hintergrund und gehörte derselben Pariser Dschihad-Gruppe an, wie die mutmaßlichen Attentäter auf Charlie Hebdo. Der 32-jährige hat in einem Video seine Loyalität zur Terrormiliz "Islamischer Staat" erklärt und die Verantwortung für den Angriff übernommen. Das Video wurde offenbar kurz vor der Geiselnahme in Paris aufgenommen. Chérif Kouachi und Coulibaly sollen sich vor mehreren Jahren im Gefängnis kennen gelernt ahben. Beide sollen später an Plänen beteiligt gewesen sein, den inhaftierten Islamisten Smaïn Aït Ali Belkacem aus dem Gefängnis zu befreien. In dieser Sache wurde Coulibaly Ende 2013 zu einer Haftstrafe verurteilt. Beide besuchten 2010 mindestens ein Mal einen weiteren bekannten Islamisten, Djamel Beghal, der zu diesem Zeitpunkt unter Hausarrest stand.

Derzeit sucht die Polizei noch nach der Lebensgefährtin von Amedy Coulibaly Hayat Boumeddiene. Die 26-jährige ist zur Fahndung ausgeschrieben. Die Polizei warnt, sie sei möglicherweise "bewaffnet und gefährlich". Ihre genaue Rolle in der Planung und Durchführung der Attentate ist noch ungeklärt. Fest steht, dass sie vor den Anschlägen rund 500 Mal mit einer Lebensgefährtin eines der anderen Attentäter telefoniert hat. Bilder aus dem Jahr 2010 zeigen sie schwarz verschleiert mit einer Armbrust.

Reaktionen

Weltweite Trauerbekundungen Foto: Flickr, Guillaume, CC BY 2.0

Solidaritätsbekundungen aus der ganzen Welt erreichen Frankreich. Menschen halten Schweigeminuten in den Städten ab. Redakteure in den Medien zeigen geschlossen ihre Betroffenheit. In den sozialen Medien grassieren zahlreiche Karikaturen zum Pariser Attentat. Der Spruch "Je suis Charlie" ist auf Facebook-Profilbildern im Internet und Plakaten auf den Straßen zu sehen. Frankreich und andere Länder haben ihre Fahnen auf Halbmast gesetzt.

"Frankreich ist im Herzen getroffen, angegriffen wurde die ganze Republik", so Frankreichs Präsident Francois Hollande nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo. "Heute werden wir bedroht, wie viele andere Länder. Wir werden bedroht, weil wir ein Land der Freiheit sind". Hollande verspricht Härte gegen die Terroristen und appelliert gleichzeitig an die Einheit der Franzosen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilt den Angriff auf  Charlie Hebdo scharf  "Mit Erschütterung habe ich die Nachricht von dem niederträchtigen Anschlag auf die Zeitungsredaktion in Paris erhalten", schreibt Merkel in einem Kondolenztelegramm an den französischen Präsidenten Hollande. Der Angriff richte sich gegen die Meinungs- und Pressefreiheit und sei durch nichts zu rechtfertigen.

Der britische Premierminister David Cameron nennt den Anschlag "barbarisch". Großbritannien stehe an der Seite seines Verbündeten gegen "jegliche Form von Terrorismus", so Cameron.

Ähnlich äußert sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der den Angriff als Barbarei bezeichnete, die alle Europäer treffe. Er sichert Frankreich die Solidarität der EU-Kommission zu.

US-Präsident Barack Obama verdammte die Tat, nannte Frankreich den "ältesten Verbündeten Amerikas" und sicherte Paris die Solidarität der Vereinigten Staaten zu. Er habe seine Sicherheitskräfte angewiesen, jede Hilfe zur Verfügung zu stellen, "um diese Terroristen vor die Justiz zu bringen".

Franzosen in der Trauer vereint. Der französische Imam Hassen Chalghoumi gedenkt der Toten. Foto: Flickr, GuillaumeAuch die Gelehrten der Al-Ashar-Universität in Kairo verurteilen den Anschlag. Sie beklagen den „kriminellen Angriff“ und betonen, dass „der Islam jede Gewalt anprangert“. Die Al-Ashar-Universität gilt als eine der höchsten Autoritäten im sunnitischen Islam.

Ebenso verurteilt die die Arabische Liga in Kairo den „Terroranschlag" mit "Schärfe".

 

 

Foto: Franzosen in der Trauer vereint. Der französische Imam Hassen Chalghoumi gedenkt der Toten. Foto: Flickr, Guillaume, CC by 2.0

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Debatte

Stifte als Symbol gegen den Terrorangriff für Demokratie und Presse-/Meinungsfreiheit. Foto: Flickr, Guillaume, CC BY 2.0

Der Terroranschlag von Paris entfacht auch in Deutschland die Sicherheitsdebatte neu. Seit dem vergangenen Jahr stellt die Terroristenarmee Islamischer Staat (IS) eine neue Bedrohung dar, auch für die nationale Sicherheit in Europa. Immer wieder wird gewarnt vor terroristischen Taten zurückkehrender Dschihadisten. Nachrichtendienste und Polizei sind personell nicht in der Lage, diese größer werdende Gruppe umfassend zu beobachten. Der Anschlag in Paris zeigt, wie akut die Gefahr vor islamistischen Fanatikern ist.

Nach dem Terroranschlag von Paris diskutieren die Parteien darüber, ob verschärfte Maßnahmen im Bereich der Inneren Sicherheit notwendig und sinnvoll sind. SPD und Grüne weisen einen Vorstoß der CSU zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung und nach mehr Befugnissen für die Sicherheitsbehörden und eine Verschärfung des Strafgesetzbuches zurück.

In Deutschland gibt es keine gesetzliche Regelung zur Vorratsdatenspeicherung, seit das Bundesverfassungsgericht die deutschen Vorgaben 2010 gekippt hatte. Auch der Europäische Gerichtshof hatte voriges Jahr ein EU-Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung abgelehnt.

Die baden-württembergische Landesregierung rüstet als Konsequenz aus den Anschlägen von Paris die  Sicherheitsbehörden im Kampf gegen den islamistischen Terror auf. Insbesondere beim Landeskriminalamt, den regionalen Polizeipräsidien und der polizeilichen Fortbildung stellt das Land Islamexperten, IT-Spezialisten und Mitarbeiter im Bereich der Prävention ein. Sie sollen die komplexen Auswertungen bewältigen, die bei der Überwachung und Ermittlung anfallen. Auch für die technische Einsatzunterstützung und, um die kriminaltechnische Tatortarbeit auszuweiten, gibt es zusätzliche Spezialisten. Die abstrakte Gefährdung insbesondere durch radikalisierte Rückkehrer aus den Kriegsgebieten in Syrien und dem Irak verlange entschlossenes Handeln, auch um das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zu stärken, heißt es aus dem Innenministerium.

Der Anschlag in Paris verschärft auch die innenpolitische Debatte um die anti-islamische Pegida. Nach dem Anschlag sahen sich die selbst ernannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" in ihren Ansichten bestätigt, wie sie auf ihrer Facebook-Seite schrieben. Politik, Gewerkschaften und Migrantenverbände befürchten, der Anschlag könnte "Wasser auf die Mühlen" von Rechtspopulisten sein. Fest zu halten ist: Der Gegner ist der Terrorismus, nicht der Islam, der Gegner ist der Fanatismus, nicht die Religion, und der Gegner ist der Extremismus. Der hat nichts zu tun mit den Millionen von friedlichen muslimischen Mitbürgern, die von dem Anschlag diskreditiert werden.

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