Weitere Präsidentschaftskandidaten (ausgeschieden)

François Fillon

François Fillon. Foto: Wikimedia Commons. Marie-Lan Nguyen. CC BY 3.0.

François Fillon wurde am 4. März 1954 in Le Mans geboren. Nach seinem Abitur 1972 studierte er öffentliches Recht und Politikwissenschaften erst in Le Mans, dann in Paris. Daraufhin stieg er in die Politik in seinem Heimatdépartement Sarthe ein.

Der ehemalige Premierminister ist Chef der UMP.

Fillon ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Politische Laufbahn:

Ab 1976 arbeitete Fillon als Parlamentsassistent beim Abgeordneten seines Heimatdépartements Sarthe. Er stieg zum stellvertretenden Büroleiter des Ministers auf und wurde 1980 Abteilungsleiter für gesetzgeberische und parlamentarische Arbeit bei Industrieminister Michel Giraud.

Seit 1981 ist Fillon Mitglied in der Nationalversammlung. Parallel dazu übernahm er Wahlämter auf lokaler und regionaler Ebene. Von 1993 bis 2005 hatte er Ministerposten in verschiedenen Kabinetten inne. Ab 1997 fungierte er als Parteisekretär in der von Jacques Chirac gegründeten Partei RPR. 1998 wurde er Pressesprecher der RPR-Exekutivkommission. 2002 begründete er die UMP mit, die als bürgerliche Sammlungsbewegung neu formiert wurde und war hauptverantwortlich für das Parteiprogramm. Von 2007 bis 2012 war Fillon Premierminister Frankreichs unter dem damaligen Staatspräsidenten Sarkozy.

Fillon gilt als Wirtschaftsreformer. Er will innerhalb von fünf Jahren eine halbe Million Beamtenstellen in Frankreich streichen. Statt 35 Stunden sollen unter ihm bis zu 48 Stunden wieder legale Wochenarbeitszeit sein. Gewerkschaftsrechte will er stark beschneiden, die Sozialabgaben der Unternehmen drastisch senken.

Der 62- Jährige Fillon ging bei den Vorwahlen der Konservativen als Überraschungssieger neben Nicolas Sarkozy und Allain Juppé hervor.

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Benoît Hamon

Benoît Hamon. Foto: Wikimedia Commons. Marion Germa. CC BY-SA 4.0

Hamon wurde am 26. Juni 1967 in Saint Renan, Département Finistère geboren. Er wuchs in der Bretagne auf und studierte nach dem Abitur Geschichtswissenschaften an der Université de Bretagne occidentale. Er war Jugend- und Studentenfunktionär, wurde Mitarbeiter im Parlament.

Aktuell ist der ehemalige Bildungsminister Mitglied der Nationalversammlung. Er gehört dem linken Flügel der Parti Socialiste (PS) an.

Benoît Hamon ist Vater von zwei Kindern und liiert.

Politische Laufbahn:

2008 wurde Hamon Sprecher der Sozialisten. Davor war er zwei Jahre lang Vorsitzender der jungen Sozialisten und saß auch im Europäischen Parlament. 

2012 wurde er beigeordneter Minister für Soziale Wirtschaft und Solidarität der ersten Regierung Ayraults. Mit anderen Ministern unterstützte er Manuel Valls in dessen Vorhaben, Premierminister zu werden.

2014 wurde er Bildungsminister unter Manuel Valls, war allerdings nur 147 Tage im Amt, da es zum Streit kam. Hamon, der frühere Wirtschaftsminister Arnaud de Montebourg und ein weiterer Minister mussten ihre Posten räumen.

Hamon vertritt den linken Parteiflügel und gilt als Kritiker des derzeitigen Präsidenten François Hollande. Der 49-Jährige fordert eine Steuer auf Industrieroboter, die Legalisierung von Cannabis und ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Franzosen von 750 Euro.

Im August 2016 erklärte er sich als Kandidat für die Präsidentschaftswahl in Frankreich 2017 und trat damit bei den Vorwahlen der PS an. Die erste Runde der Vorwahl am 22. Januar 2017 gewann er mit 36 % der Stimmen. Bei der Stichwahl entschieden die Wähler zwischen Hamon und dem ehemaligen Premierminister Manuel Valls. Hamon erhielt etwa 58 % der Stimmen.

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Jean-Luc Mélenchon

Jean-Luc Mélenchon. Foto: Wikimedia Commons. Jean-Luc Mélenchon avec Nicolas Hulot.jpg: www.melenchon.fr. CC-BY-SA 4.0.

Jean-Luc Mélenchon wurde am 19. August 1951 in Tanger, Marokko geboren. Seit 1962 lebt er in Frankreich. Nach dem Abitur studierte Mélenchon Philosophie an der Fakultät für Geisteswissenschaften von Besançon. Schon während des Studiums war er politisch aktiv.

Der Europaabgeordnete trat 2008 bei den Sozialisten aus und war einer der Gründer der neuen Linkspartei Parti de Gauche. Für die Partei trat er bei den Präsidentschaftswahlen 2012 als Kandidat an und erhielt im ersten Wahlgang 11,11 Prozent der Stimmen.

Mélenchon ist geschieden und Vater einer Tochter.

Politische Laufbahn:

Mélenchon war von 1986 bis 2010 mit Unterbrechungen Mitglied des französischen Senats für das Département Essonne, wo er seit 1983 bereits Stadtverordneter, später auch stellvertretender Bürgermeister von Massy war. Von März 2000 bis Mai 2002 war er Minister für Berufsbildung im Kabinett Jospin.

Mélenchon gehört zu den schärfsten französischen Kritikern einer marktwirtschaftlich orientierten Spar- und Reformpolitik. Er will, dass Frankreich EU wie Nato verlässt und sich eine neue Verfassung geben möge, die dem Volk mehr Entscheidungsrechte einräumt.

Am 10. Februar 2016 kündigte Mélenchon an, im Präsidentschaftswahlkampf 2017 als parteiunabhängiger Kandidat antreten zu wollen, obwohl seine Bündnispartnerin, die Kommunistische Partei, Vorwahlen anstrebte.

Links zu Jean-Luc Mélenchon:

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Welche Kandidat/-innen treten außerdem an?

Nathalie Arthaud
Nathalie Arthaud ist die Präsidentschaftskandidatin der trotzkistische Partei Lutte Ouvrière (LO). Die Kapitalismus-Kritikerin (41) ist die Parteisprecherin der stark in der Arbeiterschaft verankerten Partei. Die ehemalige Anführerin der Partei Arlette Laguiller erhielt als Kandidatin bei den Präsidentschaftswahlen  2012 0,56 Prozent der Stimmen.

Nicolas Dupont-Aignan
Nicolas Dupont-Aignan tritt bei der Präsidentschaftswahl für die neue konservativ-gaullistische Partei „Debout la République“ (DLR) an, deren Präsident er auch ist. Der ehemalige Verwaltungsbeamte (50) war einst UMP-Mitglied und sieht sich politisch zwischen UMP und Sozialisten. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 kam er auf 1,79 Prozent der Stimmen.

Philippe Poutou
Philippe Poutou  ist Mitglied der "Neue Antikapitalistische Partei" (NPA), die 2009 aus der trotzkistisch orientierten Ligue communiste révolutionnaire (LCR) entstandenen ist. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 erhielt er 1,15 Prozent der Stimmen.

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Wer hat seine Kandidatur zurückgezogen?

François Bayrou
François Bayrou hat am 22. Februar 2017 seine Kandidatur als Präsidentschaftskandidat zurückgezogen, um Emmanuel Macron zu unterstützen. Bayrou ist Parteivorsitzender und Präsidentschaftskandidat der christdemokratisch-liberalen Zentrumspartei Union pour la Démocratie Française (UDF). Bayrou ist Lehrer von Beruf, stieg aber schnell in der UDF auf. 1993 wurde er unter Édouard Balladur Bildungsminister. Diesen Posten behielt Bayrou bis 1997, auch als Alain Juppé die Regierung übernahm. Seit 1998 ist er der Vorsitzende der UDF. Bayrou kandidiert bereits zum vierten Mal für das Amt des Staatspräsidenten. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 kam er auf 9,13 Prozent und wurde damit Fünfter der Stimmen.

Yannick Jadot
Jadot hat seine Kandidatur am 23. Februar 2017 zurückgezogen, um Benoît Hamon zu unterstützen. Der Umweltaktivist seit 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments für das grüne Wahlbündnis. Jadot wollte für das Bündnis "Europe Écologie-Les Verts" bei der Präsidentschaftswahl 2017 kandidieren.

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Wer entscheidet über die Zulassung der Kandidat/-innen?

Wer bei den Wahlen um die französische Präsidentschaft offiziell als Kandidat/-in antritt, gibt der französische Verfassungsrat (ein Verfassungsgericht, das u. a. die Wahlen kontrolliert, franz. "Conseil constitutionnel") etwa einen Monat vor der Wahl bekannt, also Ende März 2017. Die Liste wird erstellt, nachdem die Verfassungsrichter/-innen geprüft haben, ob die Kandidat/-innen die notwendigen 500 Unterschriften von Mandatsträger/-innen aus 30 unterschiedlichen Departements (franz. Gebietskörperschaften) eingereicht haben.

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Wie wurden die Kandidat/-innen bestimmt?

In zwei wichtigen politischen Lagern fanden vor den Präsidentschaftswahlen 2017 Vorwahlen statt: im konservativ-republikanischen Lager zum ersten Mal, im sozialdemokratisch-linken Lager zum zweiten Mal nach 2012. Bei den Vorwahlen können nicht nur Parteimitglieder/-innen abstimmen, sondern alle Wahlberechtigten. Wie bei den eigentlichen Präsidentschaftswahlen gibt es zwei Wahlgänge: wenn im ersten Wahlgang keiner der Bewerber/-innen mindestens 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinigt, gibt es einen zweiten Wahlgang (Stichwahl) zwischen den beiden erfolgreichsten Bewerber/-innen des ersten Wahlganges.

Bei den Vorwahlen der Konservativen haben mehr als 4,5 Millionen Wahlberechtigte teilgenommen; sie haben am 27. November 2016 François Fillon zum Kandidat der Konservativen bestimmt. Der Gewinner der sozialdemokratischen/linken Vorwahlen am 29. Januar 2017 wurde überraschend Benoît Hamon. Die rechtsradikale Partei Front National hatte bereits ihre Parteivorsitzende Marine Le Pen zur Spitzenkandidatin bestimmt.

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