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AKTUELLES
14. UN-Klimakonferenz in Posen/Polen, 1. bis
12. Dezember 2008
Der
Weltklimagipfel im polnischen Posen ist nach zwölf Tagen ohne
greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Die Entscheidungen über eine
verbindliche Verringerung der Treibhausgas-Emissionen für jedes
Land sollen erst im kommenden Jahr gefällt werden, teilte das
UN-Klima-Sekretariat mit. Die zweiwöchige UN-Konferenz in Posen
mit rund 11.000 Teilnehmern sollte die Grundlagen für ein neues
weltweites Klimaabkommen legen, das Ende 2009 in Kopenhagen
festgeschrieben und 2013 in Kraft treten soll. Ziel ist die
drastische Verringerung der Treibhausgase. Zu Minderungszielen
wurde in Posen aber noch nichts vereinbart.
Die rund 190 Staaten einigten sich darauf, dass
die Entwicklungsländer einen leichteren Zugang zu einem
bestehenden Hilfsfonds erhalten, aus welchem die Gelder bisher
noch nicht abgerufen werden konnten. Der Fonds dient zur Anpassung
der ärmeren Staaten an den Klimawandel. Die Industrieländer
konnten sich nicht darauf einigen, die Senkung des Ausstoßes von
Treibhausgasen bis 2020 zwischen 25 und 40 Prozent konkret
festzuschreiben. Die wissenschaftlichen Ergebnisse des
Weltklimarates werden berücksichtigt, aber weiter nur in einer
Fußnote. Beim Waldschutz kamen die Staaten nicht über den Stand
der Klimakonferenz in Bali 2007 hinaus. Die Finanzierung hierfür
ist weiter unklar. Während sich das UNO-Klimasekretariat zufrieden
zeigte, reagierten Entwicklungsländer enttäuscht.
Bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen Ende 2009
sind zwei weitere Treffen auf Delegiertenebene geplant. Vom 29.
März bis 8. April soll eine Arbeitskonferenz am Sitz der
UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) in Bonn die Vorbereitung des
Abkommens von Kopenhagen weiterführen. Vom 1. bis 12. Juni ist
ebenfalls in Bonn eine weitere UNFCCC-Konferenz geplant. Dabei
sollen die Vorsitzenden verschiedener Arbeitsgruppen der
Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls einen
Vertragsentwurf vorlegen, der dann Grundlage der weiteren
Verhandlungen ist.
Umweltschützer zogen eine bittere Bilanz.
WWF-Klimadirektor Kim Carstensen sagte, die Konferenz sei eine
Zeitverschwendung gewesen.

EU-Gipfel in Brüssel am 12. Dezember einigt
sich auf Klimakompromiss
Nach hartem Ringen hat sich der EU-Gipfel in Brüssel am 12.
Dezember auf ein umfangreiches Paket zum Klimaschutz geeinigt.
Trotz massiver Zugeständnisse an die Industrie hält die EU ihre
Klimaschutzziele aufrecht. Europa habe eine "wirklich historische"
Übereinkunft erzielt, sagte der französische EU-Ratsvorsitzende
Nicolas Sarkozy am 12. Dezember in Brüssel. Der europäische
Klimaplan sieht vor, den CO2-Ausstoß - wie schon 2007 beschlossen
- in der Union bis zum Jahr 2020 um ein Fünftel gegenüber 1990 zu
senken. Im europäischen Klimaplan ist jetzt festgeschrieben, den
Anteil von Sonne, Wind oder Wasserkraft am Energieverbrauch im
EU-Schnitt bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern.
Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder
einigten sich auf Ausnahmen für energieintensive Industrien und
osteuropäische Kraftwerke. Für Branchen mit hohem Energieverbrauch
wie Stahl, Zement oder Papier sieht der Beschluss nun genau
festgelegte Sonderregeln vor. Unternehmen, die zu dieser Gruppe
gehören, bekommen ihre Verschmutzungsrechte umsonst, wenn sie die
bestmögliche Technik einsetzen. So will die EU verhindern, dass
ihre Unternehmen im Wettbewerb mit der internationalen Konkurrenz,
die keine Klimaauflagen kennt, benachteiligt sind. Stromerzeuger
müssen im Jahr 2013 mindestens 30 Prozent ihrer Emissionsrechte
ersteigern und spätestens 2020 dann 100 Prozent. Polen und andere
Länder Osteuropas mit alten Kohlekraftwerken bekommen Sarkozy
zufolge besondere Zuteilungen. Sie bekommen 2013 nun zunächst
Gratis-Verschmutzungsrechte für ihre Kraftwerke zugeteilt; erst
bis zum Jahr 2019 müssen diese Länder dafür vollständig zahlen.
Die Industrie muss den Großteil der CO2-Reduktion leisten. Mit dem
neuen EU-Emissionshandelssystem von 2013 bis 2020 sollen 21
Prozent der Treibhausgase gegenüber 2005 reduziert werden. Ein
Teil der Zertifikatserlöse soll in eine Art "EU-Klima-Fonds"
fließen. Dieser soll insbesondere osteuropäische Länder beim
Aufbau einer effizienten Energieerzeugung unterstützen.
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso
und die Kanzlerin Angela Merkel werteten den Gipfel als
Bestätigung der Führungsrolle Europas beim Klimaschutz.
Umweltschützer dagegen befürchten, dass der Kompromiss die
ehrgeizigen Klimaziele der EU gefährdet.

Arctic Report Card 2008
Der jährliche Bericht "Arctic Report Card 2008" der US-Wetter- und
Ozeanbehörde NOAA beschreibt den dramatischen Klimawandel in der
Arktis. Das Jahr 2007 war dem Bericht zufolge das wärmste Jahr in
der Arktis seit Beginn der Aufzeichnungen. Der seit Mitte der
1960er Jahre messbare Anstieg der Durchschnittstemperaturen setzt
sich damit fort. Auch die Schmelze der Eisberge erreichte im
vergangenen Jahr einen Rekordwert. Der Grund ist unter anderem der
Verlust von Meereis durch die angestiegenen Temperaturen: Je
weniger Eis auf der Wasseroberfläche schwimmt, desto weniger
Sonnenlicht wird ins All reflektiert. Die Folge: Das Wasser und
damit auch die Luft erwärmen sich noch schneller, wodurch wiederum
mehr Eis schmilzt - der Klimawandel in der Arktis verstärkt sich
durch diesen Dominoseffekt selbst und ist deutlich stärker
ausgeprägt als in anderen Weltregionen. Auch die Eisdecke auf dem
Festland Grönlands geht rapide zurück. Im vergangenen Jahr verlor
sie nach Angaben der Wissenschaftler ein Volumen von 100
Kubikkilometern. Die Wissenschaftler ermittelten zudem einen
Anstieg des Meeresspiegels in der Arktis von 0,25 Zentimetern pro
Jahr.
Durch die zunehmende Eisschmelze setzt der
Meeresboden große Mengen Methan frei, das als Treibhausgas 20-mal
stärker wirkt als Kohlendioxid. In der kalten Tiefe kommen große
Mengen eines Eis-Methan-Gemisches vor. Erwärmt sich das Wasser
aber über einen bestimmten Wert, wird das Methan gasförmig und
steigt an die Oberfläche und gelangt in die Atmosphäre.
Die NOAA verweist auch auf Auswirkungen auf die
Tierwelt: Die Zahl der Rentiere und Walrosse könnte künftig
schwinden. Die Eisbären hätten schon jetzt immer weniger
Eisflächen, von denen aus sie jagen können

G8 Gipfel 2008 in Japan
Die
führenden Industrienationen haben sich auf eine Halbierung der
CO2-Emissionen bis 2050 festgelegt. Auf dem G-8-Gipfel im
japanischen Toyako am 8. Juli unterzeichneten die Staats- und
Regierungschefs eine entsprechende Erklärung. Dies ist ein
weiterer Schritt auf dem Weg zu einem Nachfolgeabkommen für das
2012 auslaufende Kyoto-Protokoll. Mit der Erklärung von Toyako
verpflichteten sich die G8-Staaten, mittelfristige nationale Ziele
zur Treibhausgasreduktion zu setzen und Aktionspläne zur Umsetzung
zur entwickeln.
"Wir wollen mit allen Parteien in der UNFCC
(UNO-Klimarahmenkonvention) die Vision teilen, als Ziel einer
Reduzierung der CO2-Emissionen um mindestens 50 Prozent bis 2050
zu erreichen." Das teilte der japanische Ministerpräsident Yasuo
Fukuda am 8. Juli nach Beratungen der Gruppe mit. In der Erklärung
des letzten Gipfels 2007 in Heiligendamm hatte es noch geheißen,
man wolle dieses Ziel "ernsthaft in Betracht ziehen" (s.u.).
Die Staats- und Regierungschef kamen überein, sich
schon mittelfristig auf eine Senkung der Treibhausgase zu
verpflichten. Allerdings blieb offen, ob 2020 oder 2030 als
mittelfristig anzusehen sei. Die G8 arbeiten mit den fast 200
Staaten, die sich an den UN-Verhandlungen über ein
Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende
Kyoto-Klimaschutzprotokoll beteiligen, auf das Halbierungsziel
hin. Nun soll es darum gehen, mit allen großen Industriestaaten -
also auch mit China und Indien - eine für alle verbindliche
Strategie für mittelfristige Ziele im Kampf gegen die
Klimaerwärmung zu finden.
Der Einsatz von Atomkraft zur CO2-Reduzierung wird
in der Klimaerklärung insofern erwähnt, als es ein wachsendes
Interesse vieler Staaten gibt, die Atomkraft einerseits zur
Vermeidung von Treibhausgasen und andererseits zur Verringerung
der Öl-Abhängigkeit einzusetzen. Die Atomenergie wird aber nicht
generell als ein Instrument im Kampf gegen den Klimawandel
genannt. Dagegen hatte sich Deutschland mit Blick auf den
beschlossenen Atomausstieg gesperrt.
Die Umweltschützer kritisieren den G8-Beschluss.
Die Umweltschutzorganisation WWF hat die Vereinbarung beim
G8-Gipfel zum Klimaschutz als unzureichend kritisiert. Die
G8-Führer hätten es nicht geschafft, die internationalen
Klimaverhandlungen bei ihrem Gipfel voranzubringen. Das Ziel einer
Reduzierung der globalen CO2-Emissionen um mindestens 50 Prozent
bis 2050 reiche nicht aus. Es bleibe auf gefährliche Weise hinter
dem zurück, was zum Schutz der Menschen und Natur vor dem
Klimawandel nötig sei, klagte der WWF. Auch die
Umweltschutzorganisation Greenpeace warf den G8-Staaten vor,
konkretes Handeln für den Klimaschutz nur durch blumige Worte zu
ersetzen.

Frankreich und Deutschland einigen sich auf
CO2-Grenzen bei Neuwagen
Nach langem Streit haben sich Frankreich und Deutschland am 11.
Juni auf strenge EU-Vorgaben zum CO2 Ausstoß bei Neuwagen
geeinigt. "Deutschland und Frankreich unterstützen gemeinsam die
Europäische Kommission in ihrem Ziel, den Schadstoffausstoß der
Personenkraftwagen zu beschränken", sagte Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU). Es soll flexible Übergangsvorschriften geben, um der
Industrie die Umstellung zu auf neue Modelle erleichtern. Die
Autoflotten sollten insgesamt betrachtet werden, sagte Merkel.
"Wir brauchen eine Phase, in der die gesamte Produktpalette in der
Autoindustrie erneuert wird", sagte sie. "Da gehen wir deutlich
über den Kommissionsvorschlag hinaus." Wenn 2012 der Ausstoß von
120 Gramm mit neuen Modellen erreicht sei, gelte das noch nicht
für alle Autos im Durchschnitt. Bei geringer Abweichung von den
Abgaswerten soll es keine Strafen geben. Einzelheiten sollen nun
die Umweltminister beider Länder ausarbeiten.
Auf Druck der deutschen Autobranche sollen bei dem
120-Gramm-Ziel auch Öko-Innovationen berücksichtigt werden, die
nicht die Motortechnik betreffen. Für sie sollen sechs bis acht
Gramm CO2 auf das 120-Gramm-Ziel angerechnet werden können.
Die EU- Kommission plant, die CO2-Emissionen von
Kfz bis zum Jahr 2012 auf 120 Gramm je Kilometer zu beschränken.
Langfristig wollen Deutschland und Frankreich den CO2-Ausstoß von
PKW noch strikter beschränken: Angestrebt wird ein Höchstwert von
95 bis 110 Gramm pro Kilometer bis zum Jahr 2020. Eine
Überschreitung der Grenzwerte sollte mit drastischen Strafen
belegt werden. Vor allem Hersteller großer Autos sollen beim
Klimaschutz stärker in die Pflicht genommen werden als Kleinwagen-
und Mittelklasse-Hersteller. Merkel hatte befürchtet, dass
Oberklasse-Fahrzeuge und damit überwiegend deutsche Autobauer im
Vergleich zu Kleinwagenherstellern aus Frankreich oder Italien
benachteiligt werden.

Klimapolitischen Grundsatzrede von US-Präsident
George W. Bush
Rückschritt
in der Klimadebatte: In seiner klimapolitische Grundsatzrede am
16. April in Washington hatte Präsident Bush verkündet, den
Treibhausgas-Ausstoß in den USA erst ab 2025 zu reduzieren. Bush
warnte vor gesetzlichen Obergrenzen für die US-Industrie und vor
grundsätzlich radikalen und falschen Wegen beim Kampf gegen die
globale Erwärmung. Die einzige Möglichkeit, gleichzeitig die
Umwelt zu schützen und Wirtschaftswachstum zu ermöglichen, seien
neue Technologien. Eine Verringerung der CO2-Emissionen vor 2025
ist im Kampf gegen den Klimawandel nicht geplant, ebenso wenig
gesetzlich festgelegte Obergrenzen. Die Schadstoffemissionen im
Energiesektor sollten in zehn bis 15 Jahren ihren Höhepunkt
erreichen und danach verringert werden, sagte Bush. Sie sollten
dann deutlich unter den Wert sinken, der im Jahr 2002 anvisiert
worden sei. Konkrete Vorschläge für Maßnahmen im Kampf gegen den
Klimawandel machte Bush nicht. Er schloss die Verpflichtung auf
langfristige Reduzierungen nicht aus, aber nur, wenn andere große
Industriestaaten wie China mitziehen.
Die Vorschläge von Bush zum Klimaschutz sind bei
der Europäischen Kommission und in Deutschland teils auf heftige
Kritik gestoßen.
Zwar sei es begrüßenswert, dass Bush die Notwendigkeit erkannt
habe, den Anstieg der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2025 zu stoppen,
teilte die EU-Kommission am Donnerstag mit. Die Ziele reichten
jedoch bei weitem nicht aus, um eine Klimakatastrophe zu
verhindern.
Die Hoffnung von Umweltschützern richtet sich nun auf die Zeit
nach Bush, der im Januar 2009 aus dem Amt scheidet.
Bushs Erklärung torpedierte die dritte informelle
Klimakonferenz, zu der sich am 17. und 18. April Vertreter der 16
größten Industriestaaten in Paris trafen. Der US-Präsident hatte
die Konferenzreihe nach dem G-8-Gipfel von Heiligendamm selbst
initiiert. Gastgeber Frankreich sieht nun das für 2009 geplante
Kyoto-Folgeabkommen in Gefahr.

Klimawandel wird für Deutschland teuer
In Deutschland wird immer häufiger mit extremen Klimaereignissen
zu rechnen sein. Klimasimulationsmodellen zufolge sind die
Auswirkungen regional jedoch sehr ungleich verteilt. So wird die
Oberflächentemperatur zwar in nahezu allen Regionen Deutschlands
stark zunehmen, besonders aber in Norddeutschland. Extreme
Niederschläge in Herbst und Winter dürften in erster Linie in
Mittel- und Südwestdeutschland auftreten, während sich in Ost- und
Süddeutschland die Gefahr von Dürren durch den deutlichen Rückgang
von Sommerniederschlägen erhöhen dürfte.
Der Klimawandel wird teuer: Nach einer neuen Studie des Deutschen
Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vom 26. März 2008 kommen auf die großen
Bundesländer enorme Kosten zu. Doch gemessen an ihrer
Wirtschaftskraft sind die ärmeren Länder am stärksten betroffen.
Ohne Klimaschutz kann es insbesondere zu einem Anstieg der
Niederschlagsintensitäten und damit vermehrtem Hochwasser vor
allem in Süd- und Südwestdeutschland sowie in Mitteldeutschland
kommen. Zudem reduziert sich die Anzahl der Eis- und Frosttage.
Mit der Zunahme von extrem heißen Sommern geht ein Rückgang der
Sommerniederschläge einher, insbesondere in Südwest- und
Nordostdeutschland. Darüber hinaus werden stärkere Winde wie
Tornados und Hurrikane auch in Deutschland häufiger und intensiver
auftreten.
Wenn kein ausreichender Klimaschutz betrieben würde und die
globale Oberflächentemperatur um bis zu 4,5 Grad Celsius bis zum
Jahr 2100 steigen sollte, können in den kommenden 50 Jahren
volkswirtschaftliche Kosten in Deutschland von bis zu 800
Milliarden Euro auftreten. Zusätzlich zu den Klimaschäden
entstehen Anpassungskosten an den Klimawandel. Insbesondere ist
ein ausreichender Hochwasserschutz, wie zum Beispiel der Bau von
Deichen, Schutzmauern oder Rückhaltebecken, notwendig, um die
Schäden zu vermeiden beziehungsweise zu vermindern.
Die gesamten Folgewirkungen des Klimawandels verursachen in den
einzelnen Bundesländern unterschiedliche wirtschaftliche Schäden.
Dabei sind große, wirtschaftsstarke Bundesländer in absoluten
Zahlen stärker vom Klimawandel betroffen. Die höchsten absoluten
Kosten des Klimawandels tragen den DIW-Modellrechnungen zufolge
Baden-Württemberg mit rund 129 Milliarden Euro, gefolgt von Bayern
mit 113 Milliarden Euro und Niedersachsen mit 89 Milliarden Euro
in den kommenden 50 Jahren. Prozentual gesehen sind
Baden-Württemberg mit 17 Prozent und Bayern mit 15 Prozent der
gesamten Kosten am stärksten vom erwarteten Klimawandel betroffen.
Gemessen an der Wirtschaftskraft sind jedoch wirtschaftsschwache
und kleine Länder stärker betroffen. An der Spitze steht hier
Sachsen-Anhalt (2,7 Prozent der Bruttowertschöpfung), gefolgt von
Rheinland-Pfalz (2,6 Prozent), das insbesondere an einer Zunahme
an extremen Niederschlägen in Herbst und Winter aber auch von
Trockenheit im Sommer leiden wird. In Thüringen dürften die Kosten
des Klimawandels mit 2,4 Prozent der Bruttowertschöpfung ebenfalls
deutlich zu Buche schlagen.

EU-Kommission präsentiert Klimaschutzprogramm
Die EU-Kommission hat am 23. Januar ihr neues Klimaschutzprogramm
in Brüssel präsentierte. Die Ziele sind sehr ehrgeizig: Die EU
soll bis 2020 knapp ein Fünftel ihres Stroms aus erneuerbaren
Energien wie Sonne, Wind oder Biomasse beziehen. Das ist mehr als
doppelt so viel wie bisher. Basis ist jetzt das Vergleichsjahr
2005. Energie- und Industrieunternehmen, die etwa für die Hälfte
des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes in der EU verantwortlich sind,
müssen am Handel mit CO2-Emissionen teilnehmen. Dieser wurde schon
2005 eingeführt, um die Unternehmen zu einem geringeren
Schadstoffausstoß zu bringen. Die Verschmutzungsrechte wurden
bisher größtenteils kostenlos ausgegeben. Doch die Energiekonzerne
solle nun ab 2013 die CO2-Zertifikate komplett in Auktionen
ersteigern. Erstmals müssen auch Privathaushalte, Landwirtschaft
und der Verkehr zum Klimaschutz beitragen.
Ausnahmen soll es für energieintensive Industriebranchen geben,
die auch in Zukunft die Verschmutzungsrechte im
CO2-Emissionshandel kostenlos zugeteilt bekommen.
Für Deutschland bedeuten die Vorgaben der EU konkret, den Anteil
von Öko-Strom bis 2020 auf 18 Prozent zu verdoppeln. Der Anteil
der erneuerbaren Energien an der Energieversorgung in Deutschland
hat sich im vergangenen Jahr weiter kräftig erhöht: Ihr Anteil am
gesamten Stromverbrauch konnte von rund 11,5 Prozent im Jahr 2006
auf rund 14 Prozent im Jahr 2007 gesteigert werden. Damit hat
Deutschland sein Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien am
Stromverbrauch bis 2010 auf mindestens 12,5 Prozent zu steigern,
bereits jetzt übertroffen.
Die Vorschläge der Kommission brauchen die Zustimmung des
Parlaments und der Mitgliedstaaten im Ministerrat, um
Gesetzeskraft zu bekommen.

Klimakonferenz auf Bali
Vom 3. - 14. Dezember 2007 fand auf Bali die 13.
Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention und die 3.
Vertragsstaatenkonferenz des Kyoto-Protokolls statt.
Die Klimakonferenz gilt als wichtigste internationale
Verhandlungsrunde zum Klimaschutz seit Jahren. Noch nie stand der
Klimaschutz so sehr im Fokus der Weltöffentlichkeit und der
Politik. Die Klimakonferenz von Bali hat jetzt den Fahrplan für
ein neues Klimaschutzabkommen vereinbart.
Die diesjährige Klimakonferenz der Vereinten Nationen wird unter
dem Vorsitz des indonesischen Umweltministers Rachmat Witoelar und
mit der Unterstützung des Sekretariats der Klimarahmenkonvention
der Vereinten Nationen (UNFCCC) durchgeführt. Es werden mehr als
10.000 Teilnehmer erwartet. Das Hauptziel der Konferenz ist, die
Verhandlungen über ein neues internationales Klimaschutzabkommen
zu beginnen. Die Konferenz wird kein vollständig ausgehandeltes
und beschlossenes Klimaabkommen liefern, soll aber die dafür
notwendigen Schritte einleiten. Es wird erwartet, dass sich die
Vertragsstaaten über die Kernbereiche, die das neue Abkommen
umfassen sollte, einigen, wie beispielsweise Klimaschutzmaßnahmen
(inklusive die Vermeidung von Abholzung), Anpassungsmaßnahmen,
Technologie und Finanzierung. Es wird auch erwartet, dass die
Vertragsstaaten sich darauf einigen, dass die Verhandlungen im
Jahre 2009 abgeschlossen sein sollten. Der Kyoto-Vertrag läuft in
fünf Jahren aus. Spätestens in acht Jahren muss Klimaexperten
zufolge aber der Ausstoß der erderwärmenden Gase den Scheitelpunkt
erreicht haben und dann zurückgehen, um die schlimmsten Folgen des
Klimawandels zu verhindern.
Mit 192 Vertragsstaaten verfügt die Klimarahmenkonvention der
Vereinten Nationen (UNFCCC) über eine fast universale
Mitgliedschaft und wird durch das 1997 verabschiedete
Kyoto-Protokoll mit heute 176 Vertragsstaaten ergänzt. Im Rahmen
des Kyoto-Protokolls haben sich 37 Industrie- und Schwellenländer
zu verbindlichen Emissionsbeschränkungen und Reduktionszielen
verpflichtet, während Entwicklungsländer nicht-bindende
Verpflichtungen zur Emissionsreduktion eingegangen sind. Ziel
beider Verträge ist, die Treibhausgaskonzentrationen in der
Atmosphäre auf einem Niveau zu stabilisieren, auf dem gefährliche
Auswirkungen des menschlichen Handelns
auf das Klimasystem verhindert werden können.
Zwei Wochen vor dem Klimagipfel auf Bali hat der Chef des
UN-Klimasekretariats (UNFCCC) Yvo de Boer einen "beunruhigenden
Trend bei der Entwicklung der Treibhausgasemissionen"
festgestellt. Der Ausstoß von Klimagasen habe 2005 "nahe
einem Allzeithoch" gelegen.
Die EU strebt an, einen umfassenden Verhandlungsprozess, die
"Bali Roadmap"
zu vereinbaren. In ihr sollen die wesentlichen Verhandlungsinhalte
beschrieben und ein Verhandlungszeitplan festgelegt werden.
Zum 1. Januar 2013 soll ein neues Abkommen in Kraft treten, es
soll weit ehrgeizigere Ziele enthalten, es soll die USA, China und
Indien ebenso einbinden wie weitere Schwellenländer. Selten
stand eine Klimakonferenz unter solchem Erfolgsdruck, selten war
der Druck der Öffentlichkeit so groß wie diesmal. Drei Jahre davor
- zur Weltklimakonferenz Ende 2009 in Kopenhagen - soll das neue
Abkommen unter Dach und Fach sein, damit keine zeitliche Lücke
entsteht und es rechtzeitig für die Zeit nach 2012 ratifiziert
werden kann.
Die Weltklimakonferenz kann einen ersten Erfolg verbuchen: Die
Konferenz hat einen Kompromiss beim Aufbau eines
Klimafolgen-Anpassungsfonds erzielt, der Entwicklungsländer
unterstützen soll, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen.
Der Anpassungsfonds, den Entwicklungsländer nachdrücklich
gefordert hatten, soll bis 2012 ein Volumen von 500 Millionen
Dollar erreichen, etwa das Zehnfache der bisherigen Summe. Die
Verwaltung soll ein Rat mit 16 Mitgliedern übernehmen, der im
Rahmen des Globalen Umweltfonds (GEF) eingerichtet wird.
Finanziert werden soll der Fonds durch eine zweiprozentige Abgabe
auf Erlöse aus sogenannten CDM-Projekten im Rahmen des
Emissionshandels. Das sind Maßnahmen, mit denen Verpflichtungen
zur Reduktion des CO2-Ausstoßes in Industriestaaten ersatzweise in
Entwicklungs- oder Schwellenländern erbracht werden können.
Nach zweiwöchigen Diskussionen kam es erst in der Verlängerung
zum Durchbruch. Die USA bekannten sich dabei erstmals zum
Klimaschutz, womit auch die Front der bisherigen Klimaschutzgegner
Japan, Kanada und Russland bröckelte. Die Weltgemeinschaft wurde
mit der "Bali Roadmap" in einen Fahrplan in Richtung neuer
Klimavereinbarungen eingebunden. Kernpunkt der Vereinbarung sind
Maßnahmen gegen den weltweit bislang ungebremsten Ausstoß von
Treibhausgasen. Unter Verweis auf die jüngsten Berichte des
Weltklimarats (IPCC) und dessen Warnungen vor einer
Klimakatastrophe sollen deutliche Einschnitte bei den globalen
Treibhaus-Emissionen erfolgen. Die Länder konnten sich noch nicht
auf feste Grenzwerte beim Ausstoß von klimaschädlichen Gasen
einigen. In der Abschlusserklärung ist von "tiefen Einschnitten
bei den weltweiten Emissionen" die Rede. In der Erklärung wurde
zwischen reichen und armen Ländern unterschieden. Erstmals
festgeschrieben wurde, dass nicht nur die Industriestaaten,
sondern auch die Entwicklungs- und Schwellenländer einen Beitrag
zum Klimaschutz leisten müssen.
Über eine Nachfolge des Kyoto-Protokolls besteht nun Konsens.
Mit der "Bali Roadmap" können formale Verhandlungen vorbereitet
werden. Erste Gespräche sollen bis April 2008 geführt werden. Ende
2009 soll in Kopenhagen ein neuer Klimavertrag vereinbart werden
und 2013 das auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen. Vorrangig werden
dabei auch wirtschaftliche und soziale Entwicklung sowie die
Armutsbekämpfung diskutiert. Bali ist damit ein Erfolg für die
Staatengemeinschaft. Die USA haben erstmals die Bereitschaft
angedeutet, sich auch international verbindlichen Emissionszielen
anzuschließen. Auch die großen Schwellenländer China und Indien
wurden erstmals eingebunden. Bali setzte auch historische Zeichen:
So wurde der Schutz der Tropenwälder erstmals in die
Klimarahmenkonvention aufgenommen. Beschlossen wurden auch Regeln
für den Technologietransfer, mit dem Industriestaaten
Entwicklungsländer zum Beispiel bei Energieeffizienz und
Umwelttechnik unterstützen sollen.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat das Ergebnis der
Uno-Klimakonferenz auf Bali begrüßt. Das Schlussdokument sei ein
erster entscheidender Schritt hin zu einer Einigung, um die Gefahr
des Klimawandels in den Griff zu bekommen.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte den Ausgang
der Klimaschutzkonferenz auf Bali als "mühsam errungenen, aber
tragfähigen Kompromiss mit substantiellen Festlegungen." Er sagte
nach Beendigung der zweiwöchigen Klimakonferenz: "Das Signal von
Bali lautet: Die Staatengemeinschaft will in den kommenden zwei
Jahren ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll aushandeln. Und:
Sowohl Industrieländer als auch Entwicklungsländer wollen ihre
Anstrengungen für den Klimaschutz verstärken. Gemessen daran, wie
festgefahren die Situation noch auf dem letzten Klimagipfel in
Nairobi war, ist Bali ein großer Fortschritt."

Germanwatch und CAN-Europe präsentieren den Klimaschutz-Index 2008
Deutschland
hat beim Klimaschutz-Index 2008 der Nichtregierungsorganisation
Germanwatch unter 56 Ländern den zweiten Platz hinter Schweden belegt.
Gegenüber dem Vorjahr machte Deutschland zwei Plätze gut.
Das berichtete die Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch am
Freitag bei der Weltklimakonferenz in Bali.
"Was die Politik angeht, kommt Deutschland sogar auf den ersten
Platz", sagte Jan Burck von Germanwatch auf Bali, selbst ohne
Berücksichtigung des neuen Klima- und Energieprogramms der
Bundesregierung. Deutschland habe vor allem Punkte durch Initiativen
beim EU-Frühjahrsgipfel und beim G8-Gipfel in Heiligendamm gewonnen,
sagte Burck. Auch der Emissionstrend sei erfreulich. Allerdings sei
das Niveau mit rund zehn Tonnen pro Kopf noch hoch.
Mit zwei Dritteln der möglichen Punkte landet Schweden im aktuellen
Klimaschutz-Index 2008 wie im vergangenen Jahr zwar auf dem ersten
Platz. Aber von Spitzenleistungen im Klimaschutz kann selbst beim
diesjährigen "Klassenbesten" keine Rede sein: "Schweden profitiert von
seinem vergleichsweise niedrigen Emissionsniveau, zeigt aber
insbesondere in den Bereichen Politik und Trend nur mittelmäßige
Leistungen," kommentiert Burck. Der Durchschnitt der
Politikbewertungen liegt bei 3,9 auf einer Skala von eins (sehr gut)
bis fünf (sehr schlecht). In der Top Ten der Rangliste konnten einige
EU-Staaten wie Deutschland, Ungarn und Großbritannien ihre
Führungsrollen halten. Besonders beachtlich ist jedoch auch, dass sich
mit Mexiko, Indien und Brasilien bedeutende Schwellenländer auf den
vorderen Plätzen befinden.
Hinter Schweden und Deutschland, die beide knapp zwei Drittel der
erreichbaren Punkte bekamen, rangieren Island, Mexiko, Indien, Ungarn
und Großbritannien. Schlusslicht ist Saudi-Arabien. Unmittelbar davor
liegen die USA, Australien und Kanada.
Der jährlich von Germanwatch und CAN-Europe veröffentlichte
Klimaschutz-Index vergleicht die Klimaschutzleistungen von 56
Industrie- und Schwellenländern, die zusammen für mehr als 90 Prozent
des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Er erscheint in
diesem Jahr zum dritten Mal und wurde zum Klimagipfel in Bali mit den
neuesten verfügbaren Daten aktualisiert. Er ermöglicht einen
fundierten Ländervergleich, weil er nicht nur auf der Basis von Daten
der Internationalen Energieagentur (IEA) die Höhe der
klimaschädigenden Emissionen eines Landes berücksichtigt - diese
fließen mit einem Gewicht von 30 Prozent in die Indexberechnung ein -,
sondern gerade auch die Emissionstrends stark gewichtet (50 Prozent)
und die Klimapolitik der Länder (20 Prozent) beurteilt.

Maßnahmen-Paket des Bundeskabinetts zum Klimaschutz
Das Integrierte Energie- und Klimaprogramm
Das Bundeskabinett hat am 5. Dezember 2007 das bisher größte
Maßnahmen-Paket zum Klimaschutz beschlossen. Das Paket besteht aus 14
Gesetzen und Verordnungen und sieben weiteren Maßnahmen, die erst im
kommenden Mai formal beschlossen werden können. Damit wird Deutschland
dem ehrgeizigen Ziel, bis zum Jahr 2020 den Ausstoß von Kohlendioxid gegenüber dem
Basisjahr 1990 um 40 Prozent zu reduzieren, sehr nahe kommen. Das
Kabinett hat zusätzlich vereinbart, bis spätestens 21. Mai 2008 ein
weiteres Paket von energie- und klimapolitischen Maßnahmen zu
beschließen, um sie dem Bundesrat noch vor der Sommerpause 2008
zuzuleiten.
Dazu setzt die Regierung in Neubauten auf die Pflicht, einen
bestimmten Anteil Ökowärme einzuplanen. Für Altbauten wurde eine
solche Pflicht verworfen. Stattdessen stockt die Regierung das
Zuschussprogramm für Ökoheizungen ab 2009 um 150 Millionen Euro auf
500 Millionen Euro auf. Mindestens die Hälfte des deutschen Stroms
soll 2020 aus erneuerbaren Quellen oder
Kraft-Wärme-Kopplung-Kraftwerken kommen. Die seit 2005 angekündigte
CO2-bezogene Kfz-Steuer soll erst im Mai 2008 unter Dach und Fach
sein, ebenso wie die Kennzeichnung sparsamer Autos und die neue
Staffelung der Lkw-Maut nach Emissionen. Eines ist klar: Das
Klimaschutzprogramm wird es nicht zum Nulltarif geben. Der Staat und
alle Bürgerinnen und Bürger werden Milliarden Euro dafür aufbringen
müssen. Auto fahren, Häuser (um-)bauen, Strom und Miete, das alles
wird teurer. Mittelfristig wird das Energiesparen bei steigenden
Energiepreisen auch für Entlastungen sorgen. Das Wichtigste ist aber
der Klimaschutz, zu dem Deutschland seinen angemessenen Beitrag
liefern muss.
- Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes: Um
Brennstoffe effizient einzusetzen, soll bis 2020 der Anteil der
hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen an der
Stromproduktion von derzeit ca. 12 % auf ca. 25 % verdoppelt
werden.
- Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) zur
Liberalisierung des Messwesens: Durch die Liberalisierung der
Strommessung sollen innovative Verfahren der Messung sowie
lastabhängige, zeitvariable Tarife ermöglicht und gefördert
werden. Hierdurch können Verbraucher Energiekosten sparen und
die Effizienz der Nutzung des Kraftwerksparks wird verbessert.
- Bericht und Entwurf der Novelle der
Energieeinsparverordnung (EnEV): Zur Steigerung der
Energieeffizienz im Gebäudebereich werden ab 2009 die
energetischen Anforderungen an Gebäude um durchschnittlich 30 %
verschärft. In einem zweiten Schritt bis 2012 sollen die
Effizienzanforderungen nochmals bis zur gleichen Größenordnung
angehoben werden. Hierzu hat das Bundeskabinett Eckpunkte
beschlossen.
- Saubere Kraftwerke: Durch die 37.
Bundesimmissionsschutz-Verordnung (BImSchV) werden ambitionierte
Standards für den Stickoxidausstoß neuer Kraftwerke festgelegt.
Damit werden neue Kraftwerke nicht nur effizienter, sondern auch
sauberer als alte.
- Leitlinien zur Beschaffung energieeffizienter Produkte
und Dienstleistungen: Energieeffiziente Geräte und
Dienstleistungen werden durch die bevorzugte Beschaffung
gefördert. Darüber hinaus wird Geld für Strom und Brennstoffe
gespart.
- Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG): Der
Anteil der erneuerbaren Energien im Strombereich von derzeit ca.
12 % soll auf 25-30 % im Jahre 2020 erhöht werden.
- Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG): Der
Anteil der Erneuerbaren Energien an der Wärmebereitstellung soll
bis 2020 auf 14% steigen. Hierzu werden im Wärmegesetz Pflichten
für die Nutzung Erneuerbarer Energien bei Neubauten
festgelegt und das Förderprogramm im Bestand von 130 Mio. 2005
auf bis zu 350 Mio. EUR im Jahr 2008 und bis zu 500 Mio. EUR ab
dem Jahr 2009 aufgestockt.
- Novelle Gasnetzzugangsverordnung: Die Novelle der
Gasnetzzugangsverordnung soll dafür sorgen dass Biogas verstärkt
in das Erdgasnetz eingespeist werden kann. Bis 2030 ist ein
Anteil von 10% Biogas möglich. Biogas wird damit breit verfügbar
und muss nicht mehr hauptsächlich am Ort der Herstellung genutzt
werden.
- Novelle Biokraftstoffquotengesetz: Der Anteil der
Biokraftstoffe soll ausgebaut und ab dem Jahr 2015 stärker als
bisher auf die Minderung von Treibhausgasemissionen ausgerichtet
werden. Die Novelle des Biokraftstoffquotengesetzes führt dazu,
dass der Anteil der Biokraftstoffe bis 2020 auf etwa 17% steigen
wird.
- Nachhaltigkeitsverordnung: Durch die
Nachhaltigkeitsverordnung wird sichergestellt, dass bei der
Erzeugung von Biomasse für Biokraftstoffe Mindestanforderungen
an eine nachhaltige Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen
und Mindestanforderungen zum Schutz natürlicher Lebensräume
erfüllt werden.
- Kraftstoffqualitätsverordnung: Mit der Neufassung der
Kraftstoffqualitätsverordnung werden die Beimischungsgrenzen von
Bioethanol in Ottokraftstoffen von bisher 5 Volumenprozent auf
10 Volumenprozent und von Biodiesel im Dieselkraftstoff von
bisher 5 Volumenprozent auf 7 Volumenprozent erhöht.
- Hydrierungsverordnung: Durch Zulassung von biogenen
Ölen, die gemeinsam mit mineralölstämmigen Ölen in einem
raffinerietechnischen Prozess hydriert werden, wird die
Einhaltung der erhöhten Beimischungsquoten zukünftig deutlich
erleichtert.
- Umstellung der Kfz-Steuer auf Schadstoff- und CO2-Basis:
Die KfZ-Steuer wird im Mai 2008 so novelliert, dass der
Steuerbezug in Zukunft bei Neufahrzeugen die Emissionen
des Fahrzeugs sind statt wie bisher der Hubraum.
- Chemikalienklimaschutzverordnung: Durch diese
Verordnung werden die Emissionen fluorierter Treibhausgase aus
mobilen und stationären Kühlanlagen durch Vorschriften zu
Dichtheit und Kennzeichnung der Anlagen und zu Rückgewinnung und
Rücknahme der eingesetzten Kältemittel verringert.

Weltenergieausblick der Internationalen Energieagentur
Nach
Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) braucht die
Welt in knapp 25 Jahren über die Hälfte mehr Energie als heute,
wenn weltweit alle Staaten an ihrer derzeitigen Energiepolitik
festhalten. Deshalb müssten alle Regierungen "resolute, sofortige
und konzentrierte Maßnahmen" ergreifen, um auf ein verträglicheres
Energiesystem umzuschwenken. Dies erklärte die IEA am 7. November
in ihrem jährlichen "Weltenergieausblick" in London. Vor allem
China und Indien bräuchten immer mehr Energie. China wird nach
Einschätzung der IEA bereits 2007 die USA als größter Emittent von
Treibhausgasen ablösen. Indien wird bald auf Platz drei vorrücken. Die Folgen des
ungebremsten Energiewachstums seien auch für den Rest der Welt
alarmierend. Auf die Entwicklungsländer insgesamt werden 2015 rund
47 Prozent und 2030 über 50 Prozent des globalen Energiemarkts
entfallen, im Vergleich zu 41 Prozent heute.
Wenn die Regierungen aber alle Maßnahmen umsetzen würden, über die
sie derzeit nur reden, würde weltweit erheblich weniger Energie
verbraucht - und damit würde auch der Ausstoß von Treibhausgasen
sinken. Bleiben sie dagegen bei ihrer derzeitigen Energiepolitik,
werden die Verbraucherländer immer abhängiger von Öl- und
Gaseinfuhren und erzeugen immer mehr Treibhausgase. "Wir brauchen
jetzt einen radikalen Wechsel zu Investitionen in saubere,
effizientere und sicherere Technologien", sagte IEA-Direktor Nobuo
Tanaka.
Da fossile Brennstoffe im globalen Energiemix aus heutiger Sicht
vorherrschend bleiben, werden die CO2-Emissionen dramatisch
ansteigen. Bei einer Fortsetzung der derzeitigen Politik werden es
bis 2030 bis zu 57 Prozent sein. "Selbst wenn alle Maßnahmen
umgesetzt würden, die derzeit rund um den Globus in Erwägung
gezogen werden, würden die Emissionen dann um ein Viertel höher
sein als heute", schreibt die IEA.
Neben den dramatischen Bedrohungen für das Klima sieht die IEA
auch die Energiesicherheit gefährdet: Die Ölversorgung werde sich
weiter auf den Mittleren Osten konzentrieren. Ein Angebotsengpass
bis 2015 mit einem abrupten starken Anstieg der Ölpreise kann
nicht ausgeschlossen werden, heißt es in dem Bericht. Weltweit
müssten bis 2030 etwa 5,4 Billionen Dollar in neue Ölfelder
investiert werden, um die Energieversorgung zu gewährleisten,
erklärte die IEA.

Friedensnobelpreis für Al Gore und den UN-Klimarat (IPCC)
 Der
Nobel-Ausschuss des norwegischen Parlaments hat in diesem Jahr den
ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore und den
UN-Klimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) mit
dem Friedensnobelpreis geehrt. Er begründete die Entscheidung
damit, dass die Preisträger größere Kenntnis über die durch
Menschen verursachte Klimaveränderungen aufgebaut und verbreitet
sowie Grundlagen für Maßnahmen geschaffen hätten, die diesen
Veränderungen entgegenwirkten. Den Zusammenhang zwischen
Klimawandel und Friedenssicherung begründete das Gremium damit,
dass die Erderwärmung auch die "Sicherheit der Menschheit"
vermindere.
Der Chef des Nobelkomitees, Ole Danbolt Mjøs, sagte bei der
Bekanntgabe der Preisträger: "Gore und der IPCC haben schon sehr
früh die Gefahren der globalen Klimaänderung erkannt. Wir möchten
mit unserer Entscheidung die Aufmerksamkeit für dieses Thema
weiter erhöhen." Es müsse umgehend gehandelt werden, noch ehe
die Menschheit die Kontrolle über die Klimaveränderungen verliere. Denn die Klimaveränderungen könnten
die Lebensbedingungen für einen großen Teil der Menschheit derart
ins Schwanken bringen, dass sie zu Völkerwanderungen, Streit um
Ressourcen und Krieg führten.
Gore hatte für seinen Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit"
über die Gefahren der globalen Erwärmung in diesem Jahr bereits
einen Oscar bekommen
Gore selbst sagte in einer Erklärung, er fühle sich "zutiefst
geehrt". Weiter sagte er: "Wir haben es mit einer wirklichen
globalen Bedrohung zu tun. Die Klimakrise ist kein politisches
Thema, sondern eine moralische und geistige Herausforderung für
die gesamte Menschheit." Die Auszeichnung sei umso
bedeutungsvoller, als er sie mit dem UN-Klimarat teile, sagte er.
Der indische IPCC-Chef Rajendra Pachauri sagte: "Ich bin völlig
überwältigt. Dieser Preis geht an die internationale
UN-Gemeinschaft und alle Staaten, die uns unterstützen." Er habe
vor der Entscheidung aus Oslo selbst öffentlich gesagt, dass Gore
ihn wie kein anderer verdient habe.
Der Nobelpreis wird traditionell am 10. Dezember in Oslo
überreicht. Im vergangenen Jahr erhielten der Bankier Mohammed
Yunus und dessen Grameen-Bank (Bangladesch) die Auszeichnung für ihre
Mini-Kredite an arme Menschen.

"Major Economies Meeting" Washingtoner Klimakonferenz
Die zweitägige Washingtoner Klimakonferenz ist am 28. September
ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die 16 Industriestaaten mit den
höchsten Treibhausemissionen hatten sich auf Einladung von George
W. Bush in Washington getroffen.
Zwar tritt auch die US-Regierung dafür ein, lang- und
mittelfristige Ziele weltweit zu vereinbaren, will es aber den
einzelnen Staaten überlassen, mit welchen eigenen Zielen dies
erreicht werden soll. Ablehnend steht die US-Regierung auch einem
internationalen Emissionshandel ("cap and trade") gegenüber, der
marktwirtschaftliche Anreize zur Emissionsminderung und zur
Einführung neuer Technologien geben würde. Statt dessen setzt sie
darauf, dass sich moderne Techniken von alleine durchsetzen.
Diese Vorstellungen stießen bei der Mehrzahl der Teilnehmer auf
nachdrücklichen Widerspruch. Sowohl Deutschland und die EU als
auch Südafrika und Brasilien sowie andere Teilnehmer forderten
neben nationalen Zielsetzungen auch international verbindliche
Ziele und Überprüfungen. Zudem brachte die überwältigende Mehrheit
der Konferenzteilnehmer zum Ausdruck, dass sie die Einführung
eines weltweiten Handels mit Verschmutzungsrechten für zwingend
erforderlich halten.
Der Gastgeber USA befürwortet eine Verringerung der Emissionen,
will sich jedoch zur Enttäuschung vieler Länder weiterhin keiner
verbindlichen Obergrenze unterwerfen. Nach dem Willen von
Präsident Bush sollen sich die Staaten mit dem größten Ausstoß von
Treibhausgasen bis Sommer 2008 auf langfristige
Absichtserklärungen zur Verringerung klimaschädlicher Emissionen
einigen. Bush befürwortete unter anderem eine verstärkte Nutzung
der Atomenergie im Kampf gegen den Klimawandel. Er betonte erneut,
dass der Klimaschutz das Wirtschaftswachstum nicht beeinträchtigen
dürfe. Im Unterschied zu früheren Jahren äußerten die USA keine
Zweifel mehr an der Existenz und den Ursachen des Klimawandels;
die Notwendigkeit einer Verringerung der Treibhausgasemissionen
wird in Washington nicht abgestritten.
Die Konferenz sollte die Diskussion über ein neues
Rahmenabkommen zur Verringerung der weltweiten
Treibhausgasemissionen beschleunigen. Das von den USA nie
ratifizierte Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus; ein Nachfolgeabkommen
soll bis Ende 2009 unter Dach und Fach sein. Die USA wollen aber
nur mitmachen, wenn im Unterschied zu Kyoto künftig auch die
Schwellen- und Entwicklungsländer in die Pflicht genommen werden,
da diese voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahrzehnts die
Industrienationen als Hauptemittenten überholen werden.

UN-Klimagipfel 24. September 2007
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte zu der eintägigen
Klima-Konferenz in New York geladen, um ein weiteres Treffen im
Dezember auf Bali in Indonesien vorzubereiten. Dann soll mit der
Arbeit an einem Kyoto-Nachfolgeabkommen begonnen werden. Dieses
läuft 2012 aus. Einen Tag vor Beginn der UN-Generalversammlung
waren 70 Staats- und Regierungschefs Bans Einladung gefolgt,
darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Noch nie hat es zum
Klimawandel eine so hochrangig besetzte Konferenz gegeben. Ban Ki
Moon hat die Staaten zu raschen Schritten gegen den Klimawandel
aufgerufen. Zum Auftakt einer Klima-Konferenz von Staats- und
Regierungschefs aus aller Welt malte Ban ein dramatisches Bild von
den Folgen der Erderwärmung. "Die Zeit der Zweifel ist vorüber",
sagte Ban. "Wenn wir nicht handeln, werden die Folgen des
Klimawandels zerstörerisch sein."
Bundeskanzlerin Merkel hat für ein neues Klimaschutzabkommen
unter dem Dach der Vereinten Nationen (UN) geworben. Die
intelligent und fair organisierte Verringerung von CO2-Emissionen
zahle sich für alle aus, betonte die Kanzlerin bei den UN. Das
gelte für die Industrienationen genauso wie für die Entwicklungs-
und Schwellenländer. Die Bundeskanzlerin warb auf dem Gipfel
dafür, alles zu tun, damit in Bali der Fahrplan für ein neues
UN-Klimaschutzabkommen für die Zeit nach 2012 verabschiedet werden
kann. Ein Nachfolgeabkommen für Kyoto bilde "die Brücke, über die
alle Länder zu einer nachhaltigen Entwicklung gelangen können",
ist Merkel überzeugt. Merkel betonte erneut, die Industrieländer
müssten bei der Reduzierung von Treibhausgasen eine Vorreiterrolle
spielen. Dies sei eine "moralische und wirtschaftliche
Notwendigkeit". Zugleich erinnerte sie an die klimapolitische
Strategie der Europäischen Union (EU), die im Frühjahr unter der
deutschen Präsidentschaft beschlossen worden war. Bis zum Jahr
2020 wollen die Europäer die Treibhausgase im Vergleich zu 1990 um
mindestens 20 Prozent senken. Im Rahmen eines UN-Abkommens, bei
dem alle Staaten einen fairen Beitrag leisten, würde die EU noch
einmal 10 Prozent drauflegen. Das neue Abkommen müsse allerdings
alle Nationen ins Boot holen und motivieren, sich aktiv am
Klimaschutz zu beteiligen, betonte Merkel. Wenn alle mitmachten,
könnten im Ergebnis auch alle von neuen Technologien profitieren.
US-Außenministerin Condoleezza Rice bekannte sich klar zu einem
Klimaschutz unter dem Dach der Vereinten Nationen, machte aber
deutlich, dass die USA mehr auf neue Technologien als auf den
Abbau von Treibhausgasen setzen. Es müsse gelingen, die fossilen
Brennstoffe durch saubere Energien zu ersetzen. "Die Welt braucht
eine technologische Revolution."

G8-Gipfel: Die G8 einigen sich beim Klima-Schutz
Nach
langen Verhandlungen haben sich die G8-Staaten am 7. Juni auf
einen Kompromiss beim Klimaschutz geeinigt. Bundeskanzlerin Angela
Merkel sprach im Anschluss an die Verhandlungen von einem
"Riesenerfolg". Ihre zwei Verhandlungspunkte - der
Klimaschutzprozess müsse unter dem Dach der Vereinten Nationen
stattfinden und die wissenschaftlichen Erkenntnisse des
UNO-Umweltrates dürfte nicht in Frage gestellt werden - wurden
akzeptiert. Unterstützung erhielt Merkel in Heiligendamm vor allem
aus Frankreich, Großbritannien und Italien. US-Präsident Bush
hatte sich gegen konkrete Zielvorgaben im Abschlussdokument des
Gipfel gesperrt.
Opposition und Umweltverbände kritisieren den Kompromiss jedoch
sehr scharf. Da keine verbindlichen Ergebnisse festgeschrieben
wurden, bezeichnen viele den Klima-Kompromiss als
"Etikettenschwindel".
Die Vereinbarung der G8: Bis 2050 wollen die sieben
führenden Industrienationen und Russland eine Halbierung der
Emission von Treibhausgasen in Betracht ziehen. Die Verhandlungen
sollen unter dem Dach der Vereinten Nationen stattfinden. Dadurch
sollen auch wichtige Schwellenländer und Klimasünder wie China und
Indien eingebunden werden.
Die Gemeinsame Erklärung:
"Bei der Festlegung eines weltweiten Ziels für die
Verringerung der Emissionen in dem heute vereinbarten, alle
großen Produzenten einzuschließenden Prozess werden wir die
Entscheidungen der Europäischen Union, Kanadas und Japans, die
mindestens eine Halbierung der weltweiten Emissionen bis 2050
beinhalten, ernsthaft in Betracht ziehen. Wir setzen uns dafür
ein, diese Ziele zu erreichen und laden die großen
aufstrebenden Volkswirtschaften ein, sich an unserem Vorhaben
zu beteiligen."
Der Ausstoß der Treibhausgase müsse zunächst aufhören, weiter
anzusteigen. Dann müsse ein bedeutender Rückgang der
weltweiten Emissionen folgen. Die Vereinten Nationen seien wie
bisher der angemessene Rahmen für die Verhandlungen über ein
künftiges weltweites Vorgehen beim Klimaschutz, heißt es in
der Erklärung. Die globale Erwärmung sei im wesentlichen durch
die Menschen verursacht. Die G8-Staaten verpflichteten sich,
"entschlossen und frühzeitig zu handeln", hieß es in der in
Englisch vorliegenden Gipfelerklärung.
Der Klimaschutz müsse weltweit nach dem Grundsatz gemeinsamer,
aber unterschiedlicher Verantwortung und unter
Berücksichtigung der jeweiligen Fähigkeiten erfolgen. "Wir,
die G8-Führer, bekräftigen unsere Verantwortung, zu handeln." |
Im Dezember sollen die Umweltminister des
UN-Klimarahmenabkommens in Bali über die Einzelheiten der globalen
Reduktionsziele verhandeln. Auf der dortigen Weltklimakonferenz
soll eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll vereinbart
werden, das 2012 ausläuft.
Links:

Neue Klimainitiative von US-Präsident George W. Bush
US-Präsident
George W. Bush kündigte am 31. Mai für Ende des Jahres eine eigene
Konferenz der 15 größten Emittenten von Kohlendioxid (CO2),
darunter auch China und Indien, an. Neben den international
abgestimmten Zielen müsse jeder Staat eigene Ziele anstreben, die
mit dem jeweiligen Energiebedarf und der Rohstofflage abgestimmt
sein sollten. Es müsse ein transparentes System geschaffen werden,
dass der jeweiligen Lage eines Landes Rechnung trage. Konkreten
Zielvorgaben zur C02-Reduktion wie von der EU beschlossen erteilte
die US-Regierung damit erneut eine klare Absage.
Eine entscheidende Bedeutung für die Verringerung der
Treibhausgase komme der Entwicklung neuer Technologien zu, sagte
Bush. In den kommenden 18 Monaten müssten vor allem die Experten
der Welt zusammenarbeiten und auf verschiedenen Treffen über die
Probleme beraten. Die USA wollten mit allen Staaten
zusammenwirken.
Das angekündigte Treffen steht allerdings in Konkurrenz zur
nächsten Uno-Klimakonferenz auf Bali. Die Ankündigung durchkreuzt
damit die Pläne der Europäer. Die deutsche Regierung will
hauptsächlich im Rahmen der Uno über den Klimaschutz verhandeln.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kritisierte Bushs
Weigerung, verbindlichen Vorgaben beim Klimaschutz zuzustimmen.
"Die USA haben als großer Schadstoffemittent natürlich eine
besondere Verantwortung", sagte Barroso. Bundesumweltminister
Sigmar Gabriel sieht in der Klima-Initiative der USA keinen Ersatz
für die von der Bundesregierung angestrebten Verhandlungen im
Rahmen der Uno. "Zusätzliche Absprachen der 15 größten
Energieverbrauchsländer könnten diesen Prozess ergänzen, aber
nicht ersetzen", sagte Gabriel.
Der britische Premierminister Tony Blair nannte Bushs Äußerungen
bei seinem Besuch in Südafrika einen "riesigen Schritt nach vorn".
Blair rief dazu auf, bei einem Klimagipfel noch in diesem Jahr
Anstrengungen für eine neue internationale Übereinkunft zu
unternehmen. Wichtig sei, dass die USA wie auch China und Indien
eingebunden werden müssten, sagte Blair.

UNO-Konferenz der Kommission für Nachhaltige Entwicklung (CSD)
gescheitert
Die zweiwöchige Umweltkonferenz der Vereinten Nationen endete am
12. Mai in New York mit einem Eklat. Bundesumweltminister Sigmar
Gabriel (SPD) verweigerte auch in seiner Eigenschaft als Vertreter
der EU-Ratspräsidentschaft dem Schlussdokument der Kommission für
Nachhaltige Entwicklung (CSD) im Namen der Europäischen Union die
Zustimmung. "Die EU bedauert zutiefst, dass sich die CSD nicht auf
höhere Ziele zum Klimaschutz, zur Energiegewinnung und
industriellen Entwicklung einigen konnte", hieß es in einer
Stellungnahme von Gabriel und dem Europäischen Umweltkommissar
Stavros Dimas.
Wegen der Nein-Stimmen der EU-Staaten zum Schlussdokument endete
die 15. Sitzungsperiode der Uno-Umweltkommission, des wichtigsten
zwischenstaatlichen Umweltorgans der Vereinten Nationen,
ergebnislos.
Der Text "bleibt nicht nur hinter unseren Erwartungen zurück,
sondern schwächt auch die Zusagen der internationalen Gemeinschaft
in Johannesburg vor noch nicht einmal fünf Jahren", warnte
Gabriel. Dieses Dokument zu akzeptieren, hätte ein falsches Signal
in alle Welt gesendet. Die Europäer waren unter anderem mit der
Initiative gescheitert, alle Länder zur Abgabe eines langfristigen
Energieplanes bis 2010 zu verpflichten. Die Entwicklungs- und
Schwellenländer in der Gruppe der 77 (G77) und China lehnten den
EU-Vorschlag jedoch ab.
Gegen den Protest der USA, der EU sowie anderer Industrieländer
wurde der Vorsitz der Kommission dem Umweltminister von Simbabwe,
Francis Nheme, übertragen. Nheme gewann die Wahl mit 26 gegen 21
Stimmen bei drei Enthaltungen. Er wird die CSD bis zum Frühjahr
2009 leiten. Westliche Diplomaten hatten Simbabwe wegen der
Menschenrechtsverstöße der Regierung von Robert Mugabe und der
wirtschaftlichen Misere im Land als unpassend abgelehnt.

8-Punkte-Plan zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen in
Deutschland um 40 Prozent bis 2020
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat einen Fahrplan zur
Senkung der Treibhausgas-Emissionen vorgelegt.
Mit dem neuen Klimaschutzprogramm will die Bundesregierung die
geplanten EU-Ziele zur Senkung der Treibhausgase bis 2020 noch
übertreffen. So soll der Stromverbrauch durch eine Steigerung der
Energieeffizienz um elf Prozent sinken und die Wärmenutzung aus
alternativen Energien massiv aufgestockt werden. Dann könne der
Ausstoß an Kohlendioxid bis 2020 um 40 Prozent zurückgehen - und
zwar ohne Atomkraft, sagte Gabriel.
Der Minister präsentierte in einer Regierungserklärung im
Bundestag am 26. April einen Acht-Punkte-Plan, der den
Ersatz von alten durch neue Kraftwerke sowie Gebäudesanierung und
bessere Heizungen vorsieht. Der Anteil von Ökostrom am gesamten
Strombedarf soll auf mehr als 27 Prozent wachsen. Außerdem hofft
Gabriel im Straßenverkehr auf eine erhebliche Verringerung des
CO2-Ausstoßes durch sparsamere Fahrzeuge und mehr Biokraftstoffe.
Nach einem Beschluss des Bundestages müsste Deutschland seinen
Ausstoß von Treibhausgasen dann um 40 Prozent verringern. "Das ist
ein ehrgeiziges Ziel. Aber erste Ergebnisse von Studien im Auftrag
der Bundesregierung zeigen, dass das machbar ist. Wir können den
CO2-Ausstoß bis 2020 um 270 Millionen Tonnen gegenüber dem Stand
von heute reduzieren, wenn wir die Weichen richtig stellen", sagte
Gabriel.
Gabriel stellte acht konkrete Maßnahmen vor:
- Reduktion des Stromverbrauchs um 11 Prozent durch massive
Steigerung der Energieeffizienz (Einsparvolumen: 40 Millionen
Tonnen)
- Erneuerung des Kraftwerksparks durch effizientere Kraftwerke
(30 Millionen Tonnen)
- Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien an der
Stromerzeugung auf über 27 Prozent (55 Millionen Tonnen)
- Verdoppelung der effizienten Nutzung der
Kraft-Wärme-Kopplung auf 25 Prozent (20 Millionen Tonnen)
- Reduktion des Energieverbrauchs durch Gebäudesanierung,
effiziente Heizungsanlagen und in Produktionsprozessen (41
Millionen Tonnen)
- Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien im
Wärmesektor auf 14 Prozent (14 Millionen Tonnen)
- Steigerung der Effizienz im Verkehr und Steigerung des
Anteils der Biokraftstoffe auf 17 Prozent (30 Millionen Tonnen)
- Reduktion der Emissionen von anderen Treibhausgasen wie zum
Beispiel Methan (40 Millionen Tonnen).

Treffen der Umweltminister der EU-Staaten am 20. Februar
2007
Die
Umweltminister der 27 EU-Mitgliedstaaten haben sich in Brüssel am 20.
Februar darauf
verständigt, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent zu senken. Die
Lastenverteilung soll sich nach Worten des deutschen Umweltministers Sigmar Gabriel (SPD) nach der wirtschaftlichen Entwicklung der
Mitgliedsländer richten. Etliche Mitgliedstaaten äußerten Vorbehalte,
was die Umsetzung anbelangt. Streit bahnt sich insbesondere über die
Frage an, wie stark jedes Land seine CO2-Emissionen zu senken haben
wird. Deutschland hat bereits eine Verringerung um 40 Prozent
angeboten und würde so einen größeren Teil der Belastung übernehmen.
Insbesondere Staaten in Osteuropa, die mitten im wirtschaftlichen
Aufholprozess stecken, könnten dafür geringere Abbau-Quoten
zugestanden werden. Die EU-Staaten haben Pläne der EU-Kommission für
eine Obergrenze von klimaschädlichem Kohlendioxid in Autoabgasen
begrüßt. Die Umweltminister stimmten weiter zu, dass es nach dem
Scheitern der Autoindustrie an den eigenen Klimaschutzzielen, die
freiwillige Verpflichtung bis 2008 den CO2 Ausstoß auf 140 Gramm zu
beschränken, gesetzliche Vorschriften geben soll. Die 27
Mitgliedstaaten seien sich einig, dass der Anteil von Kohlendioxid je
Kilometer bei Neufahrzeugen auf insgesamt 120 Gramm bis 2012 abgesenkt
werden solle.
Die Staats- und Regierungschefs der EU haben den Vorschlag der
deutschen EU-Ratspräsidentschaft zur Energie- und Klimapolitik
angenommen. Die EU verpflichtet sich auf dem EU-Gipfel am 9. März in
Brüssel, bis 2020 den Ausstoß der Treibhausgase um "mindestens 20
Prozent" abzubauen. Die EU will im Durchschnitt bis 2020 ein Fünftel
der Energie klimafreundlich aus Wasser- und Windkraft sowie Sonne und
Biomasse gewinnen. Mit dem Beschluss setzte Bundeskanzlerin Angela
Merkel ihre Zielvorstellung durch, die EU im Klimaschutz weltweit zum
Vorreiter zu machen. Derzeit liegt der EU-weite Anteil erneuerbarer
Energien lediglich bei 6,4 Prozent.
Besonders Frankreich und die neuen EU-Mitglieder hatten sich gegen
verbindliche Ziele gesperrt. Frankreichs Präsident Jacques Chirac
drang darauf, neben einer Vorgabe für erneuerbare Energien auch die
Atomenergie als klimafreundlich zu würdigen. Die schwierigste Aufgabe
hat jetzt die EU-Komission. Sie muss die 20-Prozent-Vorgabe des
EU-Rats für Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse je
EU-Mitglied festlegen.
Die Bundesregierung
plant als Konsequenz aus dem Bericht ein mit 255 Mill. Euro
ausgestattetes Aktionsprogramm, wie Forschungsministerin Annette
Schavan ankündigte. Umweltminister Sigmar Gabriel forderte eine rasche
Einigung über die Klimaschutzpolitik in der EU und ein neues Ziel zur
Verminderung der gefährlichen Treibhausgase um 30 Prozent weltweit bis
2020.

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