Klimaschutz weltweit


Die Europäische Union hat sich auf verbindliche Klimaziele verständigt. Bis 2020 soll der CO2-Ausstoß um 20 Prozent reduziert werden. Dennoch ist die Diskussion in den EU-Ländern was den Klimaschutz anbelangt sehr unterschiedlich.
Europa muss nach Auffassung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Klimaschutz weltweit zum Vorreiter werden. In einer Grundsatzrede zu den Zielen der deutschen EU- Ratspräsidentschaft bekannte sich Merkel im Bundesrat mit Nachdruck zu den ambitionierten Zielen der EU-Kommission zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Es müssten aber auch internationale Abkommen mit den USA und mit Schwellenländern zur Reduzierung der Emissionen geschlossen werden.

CO2-Ausstoß weltweit (2005)

Landpro Kopf in TonnenGesamt in Millionen Tonnen
Luxemburg22,1  10
USA          19,85.987
Russland        10,8 1.559
Deutschland       10,5 865
Japan         10,11.294
Österreich          9,880
Großbritannien9,5564 
Spanien8,6     369
Italien
8,4  489
Schweiz6,1     45
Schweden     6,0     54
Indien1,01.123
China          3,6     4.770

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Vor allem die reichen Industrieländer müssen ihren Treibhausgas-Ausstoß reduzieren, denn sie haben durch ihre enormen Emissionen in der Vergangenheit die globale Erwärmung verursacht und verstärken sie noch immer stark überproportional weiter. Alleine die USA mit nur 4,7 Prozent der Weltbevölkerung verursachen 21 Prozent des weltweiten CO2-Austoßes, also mehr als 5-mal so viel, wie es der Bevölkerungsgröße angemessen wäre. Der Pro-Kopf-Ausstoß variiert schon unter den Industrieländern um mehr als den Faktor 2, noch größere Unterschiede gibt es auf einzelne Individuen bezogen. Personen, die einen konsumorientierten Lebensstil pflegen, kommen auf einen Pro-Kopf-Ausstoß, der ein Vielfaches des nationalen Durchschnitts beträgt.

Bei der Erfüllung des im Kyoto-Protokoll beschlossenen Klimaschutzziels, nämlich die weltweite Emission von  Treibhausgasen zu reduzieren, wendet Europa das Prinzip der Lastenverteilung an. Nach Artikel 4 des Kyoto-Protokolls können verpflichtete Staaten sich zu einem sog. Bubble zusammenschließen, um ihre Minderungsziele zu erfüllen. Die EU hat gemäß einer EU-internen Lastenverteilung im Juni 1998 die Reduktionsverpflichtungen und Emissionsobergrenzen der EU-Mitgliedsstaaten unterschiedlich aufgeteilt (jeweils bezogen auf die entsprechenden Emissionen von 1990).

Ziele des Kyoto-Protokolls, ausgewählte Länder (Quelle: UNFCCC)

Land                                       
Zielwert laut Kyoto* Voraussichtlicher Ergebniswert 2012**
Spanien 
+15%+51,3%
Portugal   
+27%
+44,7%
Kanada  
-6%+38,2%
Neuseeland  +/-0%+34%
Norwegen
+1%    
+23,3% 
Österreich
-13%+17,1%
Italien
-6,5% +13,1%
Japan  
-6,0%+6,0%
Dänemark   
-21 %+4,2%
Frankreich+/-0% 
-0,3%
Alle Unterzeichner  
-5,0%     -11%
Großbritannien   -12,5%-19%
Deutschland         
-21%-21,3%
Russland        
+/-0% 
-21,3%
Tschechien -8%-24,4%
Polen   
-6%-26,4%
Ungarn -6%-28%
Bulgarien
-21% 
-37%
Estland
-8% -56%

* bezogen auf Emissionen 1990
** Hochrechnung, inklusive Maßnahmen, die anlaufen


Im Vorfeld der Konferenz der G8-Energie- und Umweltminister 2005 erklärte Lord Robert May, der zwischen 1995 und 2000 Wissenschaftlicher Chefberater der britischen Regierung war, in einem Vortrag vor Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern in der Britischen Botschaft in Berlin: "Die Royal Society hat errechnet, dass die 13-prozentige Steigerung der US-amerikanischen Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2002 schon größer war als die Summe der Einsparungen, die alle anderen Kyoto-Vertragsparteien bei Einhaltung ihrer Ziele erreichen können. Selbst wenn die Vereinigten Staaten ihre Emissionen bis 2012 nicht weiter erhöhen würden, was eine unrealistisch konservative Annahme ist, und alle anderen ihre Reduktionsziele erreichen würden, dann ergäbe das für die ursprünglichen Vertragsparteien des Kyoto-Protokolls insgesamt einen Anstieg der Emissionen um 1,6 Prozent statt des angestrebten Rückgangs um 5 Prozent."

Nicht nur die USA, China und Indien steigern ständig ihren CO2-Ausstoß. China wird nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA, Paris) bereits in diesem Jahr die USA als größter Emittent von Treibhausgasen ablösen. Bislang gingen viele Experten von 2010 aus. China ist der größte Kohleverbraucher der Welt und bezieht daraus zwei Drittel seiner Energie. In China gehen derzeit im Schnitt jede Woche zwei neue 500-Megawatt-Kohlekraftwerke ans Netz. Grund sei das sehr starke Wirtschaftswachstum. Wenn Peking nicht gegensteuert, könnte China in 25 Jahren doppelt so viel Treibhausgase ausstoßen wie Europa, Nordamerika, Japan und Südkorea zusammen.

UNFCCC fact sheet 1990-2005 Emissionsdaten

Nachhaltige Erfolge bei einer globalen Klimaschutzpolitik setzen daher die Beteiligung der USA, China und Indien voraus. Nach Angaben des UN-Klimasekretariats am 20. November 2007 in Bonn können die Industriestaaten, die das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben, bis zum Auslaufen des Klima-Abkommens 2012 ihren Treibhausgasausstoß um rund elf Prozent gegenüber 1990 mindern. Verpflichtet haben sie sich zu 5 Prozent. Allerdings müssten die Kyoto-Staaten dafür sämtliche bereits zugesagten Klimaschutzmaßnahmen auch tatsächlich umsetzen. Darüber hinaus muss für das Erreichen der Zielmarke der Zusammenbruch der kohle- und damit abgasintensiven Wirtschaft in den Ländern des früheren Ostblocks zu Beginn der neunziger Jahre eingerechnet werden. Aus Sicht von Umweltschützern ist das jedoch reine Schönrechnerei.

Auch in Europa können nicht alle Länder die vereinbarten Reduktionsziele einhalten. So ist Spanien Klimasünder Nummer 1 in Europa. Laut Kyoto-Protokoll hätte Spanien von 1990 bis 2010 den Ausstoß von CO2 um 15 Prozent erhöhen dürfen. Bereits heute liegen die Emissionen rund 60 Prozent über den Werten von 1990. Gleichzeitig ist Spanien eines der ersten Opfer des Klimawandels: Kein anderes Land versteppt so schnell wie Spanien, von Jahr zu Jahr regnet es weniger, worunter die Landwirtschaft und die Tourismusindustrie leiden. Auch Österreich hat die Einhaltung des Kyoto-Protokolls bisher nicht erreicht. Seit 1990 ist der CO2-Ausstoß laut Klimasekretariat etwa um 18 Prozent gestiegen anstelle um 13 Prozent zu sinken. In Frankreich, das die Atomkraft als Klimafreundliche Energie sieht, setzt jetzt langsam ein Umdenken ein: Nach den 15.000 Toten des Hitzesommers 2003 spielte die Klimadebatte im Präsidentschaftswahlkampf eine große Rolle. In Italien ist Klimaschutz immer noch kein Thema. Vorbild in Euro ist Schweden. Bis 2020 soll das Land unabhängig von fossile Brennstoffen werden. In Großbritannien soll eine Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes rechtsverbindlich festgeschrieben werden: bis 2030 um 30 Prozent und bis 2050 um 60 Prozent. Damit will die Regierung von Premierminister Tony Blair weiter gehen, als vom EU-Gipfel vergangene Woche beschlossen. Das Klimaschutzgesetz soll Großbritannien zum ersten Land mit einem gesetzlichen Rahmen für Emissionssenkungen machen. Luxemburg konnte mit der Umstellung der Arbed-Werke auf Elektrostahl seine CO2-Emissionen in den 90er Jahren stark senken, hat aber aufgrund des Tanktourismus einen der höchsten Pro-Kopf CO2 Emissionen der Welt.

UNFCCC fact sheet 1990-2005 Emissionsdaten Vertragsstaaten des Kyoto-Protokolls

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Auf dem Weg zu einem internationalen Klimaschutzabkommen?

Als Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls soll ein internationales Klimaschutzabkommen auf den Weg gebracht werden. Der Prozess wird vor allem auf den jährlich stattfindenden UN-Klimakonferenzen vorangetrieben, bislang sind aber allenfalls kleinere Fortschritte erzielt worden.

UN Photo / Joao Araujo PintoAuf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 konnte nur ein Minimalkonsens ohne verbindliche CO2-Reduktionsziele gefunden werden, in dem aber immerhin das sogenannte Zwei-Grad-Ziel anerkannt wurde. Auch auf der UN-Klimakonferenz Ende 2010 in Cancun erfolgte keine Einigung. Auf der Klimakonferenz in Durban 2011 wurde nach zähen Verhandlungen beschlossen, das Kyoto-Protokoll zunächst mit einer zweiten Verpflichtungsperiode zu verlängern. Auf der UN-Klimakonferenz in Doha 2012 einigte man sich darauf, das Kyoto-Protokoll („Kyoto II“) bis 2020 zu verlängern. Ein Scheitern des Gipfels wurde somit in letzter Minute verhindert. Ebenfalls wurde ein Fahrplan für ein international verbindliches Klimaschutzabkommen ab 2020 verabschiedet. Bis 2015 soll ein neues Abkommen ausgehandelt werden, das langfristig alle Länder in eine Klimaschutzvereinbarung einbezieht. Die Verhandlungen zu einem Welt-Klimavertrag wurden auf der UN-Klimakonferenz im November 2013 in Warschau fortgesetzt.

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COP 21

 

UN Climate Change Conference 2015 Paris
www.cop21.gouv.fr/en/

 
 
 
 
 

Weltklimarat

 
 
 
 
 
 

 

Klimarahmen-
konvention UN

http://unfccc.int/