Der Zweite Weltkrieg

Judenverfolgung. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-41636-0002 / CC-BY-SA
Judenverfolgung. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-41636-0002 / CC-BY-SA

Textquelle: Internetprojekt LeMO (Lebendiges virtuelles Museum Online) des Deutschen Historischen Museums in Berlin und des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn

LeMO: Der Zweite Weltkrieg

Der Weg zum Krieg

Als mit der Zerschlagung der "Rest-Tschechei" im März 1939 auch die letzte Voraussetzung Hitlers für den Kriegsbeginn erfüllt war, garantierten England und Frankreich die Unabhängigkeit Polens. Davon unbeeindruckt, wies Hitler die Wehrmacht Anfang April an, einen Feldzug gegen Polen vorzubereiten. Am 23. August 1939 unterzeichnete Joachim von Ribbentrop, Reichsminister des Auswärtigen, in Moskau einen deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, dessen geheimes Zusatzabkommen auch die Aufteilung Polens zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion vorsah. Zu einem gemeinsamen Krieg gegen die Westmächte war der sowjetische Diktator Josef Stalin jedoch nicht bereit. Seinen ersten Angriffsbefehl auf Polen widerrief Hitler, als der englische Premier mitteilte, dass auch der deutsch-sowjetische Pakt England nicht von der Erfüllung seiner Verpflichtungen gegenüber Polen abhalten werde. Doch am 1. September 1939 eröffnete er den Krieg gegen Polen.

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Beginn Zweiter Weltkrieg

Überfall auf Polen - Beginn Zweiter Weltkrieg

Eine Hand voll SS-Männer, als Polen getarnt, überfielen den schlesischen "Reichssender Gleiwitz" und lieferten damit Hitler den Vorwand für seinen Angriff auf das Nachbarland: "Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen", verkündete der "Führer" des nationalsozialistischen Deutschlands am 1. September 1939. "Von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten."

England und Frankreich lösten ihre Verpflichtungen gegenüber Polen ein und erklärten Deutschland am 3. September 1939 den Krieg.

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Reichspogromnacht

Reichspogromnacht

Mit dem Auftakt des Kriegs radikalisierte das NS-Regime seine "Judenpolitik". Über 2.000 Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen sorgten dafür, dass deutsche Juden mit formaljuristischen Begründungen nach Gutdünken geknechtet werden durften. Während des nationalsozialistischen Massenpogroms, der Reichspogromnacht, am 8. auf den 9. Oktober 1939 wurden jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört und geplündert. 250 Synagogen wurden in Brand gesteckt, 91 jüdische Bürger ermordet und mehr als 25.000 Juden in Konzentrationslager verschleppt. Es war ein Kulminationspunkt des Terrors, zum ersten Mal offenbarte sich die brutale Gewalt gegen Juden, für jedermann sichtbar in allen Städten. Mit den Pogromen begann die radikale Phase der antijüdischen Politik des NS-Regimes.

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Kriegsverlauf

Beim Angriff auf Polen stießen die von der Luftwaffe unterstützten, technisch weit überlegenen Panzerverbände schnell vor. Warschau wurde drei Tage bombardiert und kapitulierte am 27. September 1939. Zehn Tage zuvor waren auch sowjetische Truppen in Polen einmarschiert. Die westlichen Gebiete Polens wurden als "Warthegau", und "Reichsgau Danzig-Westpreußen" dem Reich angegliedert, der Rest des von Deutschland besetzten Gebiets wurde zum "Generalgouvernement" zusammengefasst.

Um die Versorgung mit schwedischem Erz sicherzustellen, begann am 9. April 1940 der "Wettlauf" mit England um die Besetzung Dänemarks und Norwegens. Während Dänemark kampflos kapitulierte, leistete Norwegen vor der Kapitulation vom 10. Juni heftigen Widerstand. Der deutsche Angriff auf die Niederlande, auf Belgien, Luxemburg und Frankreich hatte bereits am 10. Mai 1940 begonnen. Nach der Bombardierung Rotterdams kapitulierten die Niederlande am 15. Mai, Belgien am 28. Mai. Entscheidend für den Sieg über Frankreich war der schnelle Panzervorstoß durch die Ardennen. Schon nach zehn Tagen standen deutsche Verbände an der Kanalküste. Am 14. Juni wurde Paris nahezu kampflos besetzt. Mit dem "Blitzkrieg" gegen Frankreich hatte Hitler den Höhepunkt seiner Popularität erreicht. Italien beendete im Juni den Zustand der "Nichtkriegführung", Spanien bot seinen Kriegseintritt auf deutscher Seite an, und auch Japan knüpfte in der Außenpolitik engere Beziehungen zum Reich.

Am 16. Juli 1940 befahl Hitler Vorbereitungen zur Invasion Englands, am 13. August eröffnete er die "Luftschlacht um England". Nach dem Verlust von über 2.200 deutschen Maschinen wurde der Luftkrieg gegen England im Frühjahr 1941 eingestellt, der Invasionsplan war bereits Ende 1940 aufgegeben worden. Nach den erfolgreichen "Blitzkriegen" war dies die erste Niederlage Hitlers. Die Bombardierung britischer Städte - Coventry war nahezu vollständig zerstört - diente den Engländern und Amerikanern später auch zur Rechtfertigung für ihren Bombenkrieg gegen deutsche Städte.

Mitentscheidend für den weiteren Kriegsverlauf war das Treffen des britischen Premierministers Winston Churchill mit dem amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt an Bord eines Schlachtschiffs im Atlantik. Hier legten sie am 14. August 1941 die Grundsätze ihrer gemeinsamen Kriegs- und Nachkriegspolitik fest, die dann als "Atlantik-Charta" - bis Kriegsende von 45 Nationen unterzeichnet - Grundlage für die Charta der Vereinten Nationen wurde.

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NS-Vernichtungspolitik

Leichen im KZ-Buchenwald Foto: LMZ-BW
Foto: LMZ-BW

Im Sommer 1941 beschloss die NS-Führung die Ermordung aller im deutschen Machtbereich lebender Juden. Hunderttausende Juden aus fast ganz Europa wurden nun in die Ghettos im Osten deportiert.

Zentrum der NS-Vernichtungspolitik war das 1940 errichtete  Konzentrationslager (KZ) Auschwitz, wo die SS auf Anweisung des Lagerkommandanten Rudolf Höß bereits im September 1941 das Giftgas Zyklon B an sowjetischen Kriegsgefangenen "erprobt" hatte. Seit Anfang 1942 fuhren die Deportationszüge aus fast ganz Europa in das größte Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Insgesamt wurden in Auschwitz von Anfang 1942 bis Ende 1944 schätzungsweise über eine Million Menschen umgebracht, darunter hauptsächlich Juden sowie viele tausend Sinti, Roma,  Polen und Kriegsgefangene, grausam und fabrikmäßig vernichtet durch Arbeit, Hunger, Menschenversuche und vor allem durch das Giftgas Zyklon B. Der systematische Massenmord war Höhepunkt des NS-Rassenwahns.

Millionen von Menschen wurden in den Kriegsjahren zur Zwangsarbeit in das Deutsche Reich verbracht. Im Spätsommer 1944 waren etwa ein Viertel der Arbeitskräfte in der gesamten deutschen Wirtschaft Zwangsarbeiter.

"Totaler Krieg"

Ein schneller Sieg über die Sowjetunion sollte jetzt die kriegsentscheidende Wende bringen. Der geplante Angriff verzögerte sich allerdings, da Italiens Angriff auf Griechenland wenig erfolgreich war und die Wehrmacht zur Sicherung ihrer Südflanke im April 1941 Jugoslawien und Griechenland überfiel. Am 22. Juni 1941 begann der Krieg gegen die Sowjetunion. Er war als Vernichtungskrieg geplant und wurde als solcher geführt. Die vom deutschen Angriff völlig überraschten sowjetischen Truppen zogen sich unter erheblichen Verlusten weit zurück. Kurz vor Moskau kam die Offensive im einsetzenden Regen und Schnee im Dezember 1941 zum Stillstand. Über diesen unerwarteten Rückschlag konnte auch die deutsche Kriegserklärung an die USA nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor vom 7. Dezember 1941 nicht hinwegtäuschen. Eine neue Offensive begann im Sommer 1942 zunächst erfolgreich.

Schon vor der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad musste Generalfeldmarschall Erwin Rommel sich mit seinen Truppen im Afrikafeldzug zurückziehen. Alliierte Verbände waren unter General Dwight D. Eisenhower in Nordafrika gelandet. Churchill und Roosevelt hatten schon im Januar 1943 in Casablanca die bedingungslose Kapitulation Deutschlands gefordert. Obwohl Reichspropagandaminister Joseph Goebbels auf diese Forderung in seiner Sportpalast-Rede am 18. Februar 1943 mit der Proklamation des "Totalen Kriegs" reagierte, rückten die Alliierten an allen Fronten vor.

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Allfrontenkrieg

Zerstörtes Stuttgart Foto: LMZ-BW
Foto: LMZ-BW

Seit Frühsommer 1943 legten alliierte Bomberverbände deutsche Städte auch bei Tage in Schutt und Asche. Die Luftangriffe prägten das Alltagsleben der Zivilbevölkerung in immer stärkerem Umfang.

Die Sowjetunion musste die Hauptlast im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland tragen. Engländer und Amerikaner hatten zwar schon mit ihrer Landung auf Sizilien im Juli 1943 eine neue Front eröffnet und damit den Sturz des faschistischen italienischen Diktators Benito Mussolinis in Italien herbeigeführt. Erst am 6. Juni 1944 (D-Day) starteten Amerikaner, Briten und ihre Verbündeten mit 12.000 Flugzeugen und fast 6.500 Schiffen das Unternehmen "Overlord": die Landung an der französischen Kanalküste. Bis Ende Juli landeten fast 1,6 Millionen Mann an den Stränden der Normandie. Die schnelle Überwindung des "Atlantik-Walls" entlastete die sowjetische Armee spürbar.

Das Deutsche Reich befand sich damit in einem Allfrontenkrieg. Mit unvorstellbarer Wucht stürmten die alliierten Divisionen den angeblich unüberwindbaren "Atlantikwall" entlang der französischen Kanalküste. Die Fehler und der Starrsinn des Obersten Befehlshabers, Adolf Hitler, und der Kadavergehorsam deutscher Generäle beschleunigten die Katastrophe der Wehrmacht in der Normandie.

Bereits Anfang Juli 1944 standen über eine Million alliierter Soldaten für die Befreiung des Landes in Frankreich, am 26. August zog General Charles de Gaulle, Anführer der Freien Französischen Streitkräfte, jubelnd begrüßt von den Einwohnern, in Paris ein. Den Befehl Hitlers, Paris "bis zur letzten Patrone" zu verteidigen und anschließend zu zerstören, hatte der deutsche Stadtkommandant General Dietrich von Choltitz nicht befolgt.

Widerstand

Nachdem schon mehrere Attentatsversuche auf Hitler gescheitert waren, deponierte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der als Zeuge einer Massenexekution von Frauen und Kindern durch SS-Einheiten zum Regimegegner geworden war, am 20. Juli 1944 eine Zeitzünderbombe in Hitlers ostpreußischem Hauptquartier "Wolfsschanze". Nur leicht verletzt, bezeichnete Hitler sein Überleben als "Zeichen der Vorsehung" und ließ rund 200 Männer und Frauen aus zahlreichen Widerstandskreisen in Schauprozessen vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilen. Im Zuge der "Säuberungen" wurden weitere 7.000 Menschen verhaftet, rund 5.000 von ihnen wurden bis Kriegsende umgebracht.

20. Juli 1944 - Symbol des Deutschen Widerstandes
Stauffenberg

Der 20. Juli 1944 ist zum Inbegriff und Symbol des deutschen Widerstandes gegen die Diktatur des Nationalsozialismus geworden. Er ging als "Aufstand des Gewissens" in die Geschichte ein. Am 1. Juli 2004 wurde in Stuttgart eine neue Erinnerungsstätte an die Brüder Stauffenberg und den 20. Juli 1944 eingeweiht.
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Flucht und Vertreibung

Flüchtlinge Foto: LMZ-BW
Flüchtlinge Foto: LMZ-BW

Sowjetische Truppen rückten im Oktober 1944 auf Ostpreußen vor. Millionen Deutsche schlossen sich den Flüchtlingstrecks an, die vor den sowjetischen Truppen westwärts zogen. 1,5 Millionen Zivilisten und rund 500.000 Wehrmachtssoldaten wurden aus Ostpreußen, Pommern und Kurland nach Dänemark und Schleswig-Holstein evakuiert.

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch die 322. Infanteriedivision der 60. Armee der I. Ukrainischen Front unter dem Oberbefehl von Generaloberst Pawel Alexejewitsch Kurotschkin befreit. Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an den europäischen Juden. Insgesamt wurden in Auschwitz von Anfang 1942 bis Ende 1944 schätzungsweise über eine Million Menschen umgebracht, darunter hauptsächlich Juden sowie viele tausend Sinti, Roma, Polen und Kriegsgefangene, grausam und fabrikmäßig vernichtet durch Arbeit, Hunger, Menschenversuche und vor allem durch das Giftgas Zyklon B. Die Rote Armee fand in dem evakuierten Komplex noch 7.600 Überlebende und 650 Leichen vor. In den Magazinen fanden die Befreier 843.000 Herrenanzüge, 837.000 Damenmäntel und -kleider, 44.000 Paar Schuhe, 14.000 Teppiche und 7,7 Tonnen menschliches Haar.

Auschwitz

Flucht und Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reichs hielten bis lange nach Kriegsende an, rund zwei Millionen Menschen starben zwischen 1944 und 1947 an ihren Folgen. Unerbittlich war nicht nur der Feind, gnadenlos war auch die eigene Führung. Hitler verbot seinen Soldaten jede Kapitulation. Noch in den letzten Kriegswochen mordeten Wehrmacht, SS und Justiz Deserteure und wen sie dafür hielten. Selbst nach dem 8. Mai 1945 richteten Exekutionskommandos der Wehrmacht noch vermeintliche Feiglinge hin.

Fast drei Millionen Soldaten der Roten Armee standen am 16. April 1945 an Oder und Neiße zum Sturm auf Berlin bereit. Gegenüber standen auf deutscher Seite 320.000 Mann, darunter viele ohne jede Kampferfahrung, SS-Einheiten, Hitlerjugend, Polizisten und der "Volkssturm", das letzte Aufgebot aus Jugendlichen und meist älteren Männern. Das Gemetzel von Berlin beendete das größte Morden der Menschheitsgeschichte, es war die letzte große Schlacht des Zweiten Weltkriegs in Europa. 

Am 25. April 1945 trafen sich die vorrückenden Amerikaner und Sowjets an der Elbe bei Torgau, am 2. Mai kapitulierte das eingekesselte Berlin. Zwei Tage zuvor hatte Hitler Selbstmord begangen. Die deutsche Kapitulation wurde im amerikanischen Hauptquartier in Reims am Morgen des 7. Mai unterzeichnet und auf ausdrücklichen Wunsch Stalins im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst in der Nacht vom 8. zum 9. Mai wiederholt.

Nach dem Abwurf amerikanischer Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki war der Zweite Weltkrieg endgültig beendet. Japan kapitulierte am 2. September 1945.

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