Kriminalitätsstatistik

Seit 1971 wird die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) jährlich bundeseinheitlich geführt. Sie dokumentiert alle Vergehen und Verbrechen, die der Polizei in diesem Zeitraum bekannt sind. Ausgenommen davon sind Ordnungswidrigkeiten, Staatsschutz- und Verkehrsdelikte, sowie Straftaten, die außerhalb Deutschlands begangen worden sind.

Die Aussagekraft wird durch folgende Faktoren beeinflusst:

  • Anzeigeverhalten der Bevölkerung
  • Demographische/politische Veränderungen
  • Änderungen der Rechtslage
  • Intensität polizeilicher Kontrolle
  • Neue Formen von Kriminalität
  • Echte Kriminalitätsänderung
  • Aktualität (Straftaten werden erst nach Abschluss der Ermittlung registriert)

Es gibt also eine ganze Reihe an Umständen, die bei dem Blick auf die Kriminalitätsstatiktik beachtet werden müssen. So steigt die Zahl der registrierten Straftaten an einem Ort, wenn dort mehr Polizei eingesetzt wird. Der Bereich wird in der Statistik also auffälliger, obwohl dass subjektive Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger vielleicht sogar besser wird.

Einfluss auf die Wahrnehmung von Kriminalität

Die Zahlen aus der Statistik müssen aber nicht nur vor dem Hintergrund von manchen Schwachpunkten in der Erhebung gesehen werden, sie beeinflussen auch die Wahrnehmung der Menschen. Vermutlich haben die wenigsten Menschen sich die Statistik ihrer Stadt genauer vor Augen geführt. Dennoch haben viele eine recht genaue Vorstellung, welche Bereiche der Stadt sie "unsicherer" oder "gefährlicher" finden. Dieses Bild wird neben der direkten Wahrnehmung draußen auf der Straße aber auch durch die Berichterstattung in den Medien geprägt. Ähnlich wie bei der Statistik verschiebt sich auch hier das Bild durch Faktoren wie mehr Polizeipräsenz oder dem Gesprächswert eines Vorfalls. Das führt auch zu Fehlannahmen, wie dem sogenannten Kriminalitätsfurcht-Paradoxon, was darin besteht, dass Frauen und ältere Menschen sich in Umfragen ängstlicher zeigen, Opfer von Kriminalität zu werden. Doch wie ein Blick auf die Statitik verrät, sind diese Personengruppen nur selten von verübten Straftaten betroffen. Die Statistik kann also helfen, subjektive und objektive Sicherheit zusammenzubringen, um sich ein besseres Bild der Lage zu machen - für sich alleine gesehen ist eine Interpretation allerdings schwierig.

Zahlen aus Baden-Württemberg

Kriminalitätsstatistik 2016

Am 16. März 2017 hat Innenminister Thomas Strobl die Kriminalitätsstatistik 2016 vorgestellt:

  • 609.133 Straftaten (2015: 617 365/ -1,3%)
  • Kriminalitätsbelastung pro 100.000 Einwohner: 5.599 Straftaten (-2,8%)
  • Aufklärungsquote: 60,2 Prozent (2015: 60,1%)
  • 251.000 Tatverdächtige (2015: 258.792), davon 107.414 nicht-deutsche Tatverdächtige (2015: 106.025)
  • Diebstähle: 213.022 (2015: 222.086); Wohnungseinbrüche: 11.095 (2015: 12.255)

 Faktoren, die zu beachten sind: Bevölkerungszuwachs, Zuwachs Ausländeranteil in der Bevölkerung


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Hier ist ein Überblick über die Kriminalität in Baden-Württemberg aus dem Jahr 2015 zu sehen. Insgesamt sind im Bundesland 617 365 Straftaten registriert worden, was 22.831 (3,8 Prozent) mehr als im Vorjahr sind. Nur gehen viele der Straftaten auf Verstöße im Ausländerrecht zurück. Zieht man diese von der Gesamtzahl ab, bleibt ein Anstieg von 2,2 Prozent im Vergleich zu 2014. Aufgeklärt wurden davon 593 464 Straftaten.

PKS Baden-Württemberg 2015
Quelle: Innenministerium

Eigentumskriminalität überwiegt

Eigentumskriminalität machte 2015 fast ein Drittel aller registrierter Straftaten aus. Dabei gab es deutlich mehr Taschendiebstähle als noch im vergangenen Jahr (+11,3%) und auch die Ladendiebstähle haben zugenommen (+7,9%). Wohnungseinbrüche sind weniger geworden (-10%), während sich hier gleichzeitig die Aufklärungsquote deutlich verbessert hat.

Zahlen aus Stuttgart

Die sogenannte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) gibt es nicht nur für Baden-Württemberg im gesamten, sondern sie wird regional von den jeweiligen Polizeipräsidien aufbereitet. So hat auch das Polizeipräsidium Stuttgart aus den Straftaten, die im Jahr 2015 registriert wurden, eine Statistik erstellt. Aus dieser geht eine ähnliche Entwicklung wie in ganz Baden-Württemberg hervor: Die Zahl der Straftaten, die 2015 polizeilich bekannt wurden, ist im Vergleich zum Vorjahr um 7,9 Prozent gestiegen (2015: 66.450). Dabei ist zu berücksichtigen, dass rund 6 Prozent des Anstiegs auf Verstöße gegen das Aufenthalts- oder Asylgesetz zurückgehen.

Stuttgart - eine der sichersten Städte Deutschlands?

Im Jahr 2015 sind dafür aber auch rund 2,1 Prozent mehr Straftaten aufgeklärt worden. Während es die größten Anstiege im Bereich des Asylrechts gibt, werden Diebstähle immer weniger (- 9,8 Prozent). Ebenfalls gut schneidet Stuttgart im bundesweiten Vergleich der Großstädte ab. Wird hier die Gesamtkriminalität verglichen, liegt die Landeshauptstadt nach München und Nürnberg auf Platz drei.

Gefährliche Innenstadt?

Besonders häufig nimmt die Polizei in Stuttgart Straftaten in der Stadtmitte und im Stadtteil Bad Cannstatt auf. Auf diese zwei der insgesamt 23 Stadtbezirke entfallen allein 42,6 Prozent der gesamten Kriminalität. Für die Stadtmitte liege das laut PKS an der hohen Attraktivität und guten Infrastruktur, die generell viele Menschen anziehe und damit die Häufigkeit von Straftaten erhöhe. Zudem würden Demonstrationen in der Innenstadt diese Zahl nach oben treiben. Die Argumentation für Bad Cannstatt geht aufgrund einer "Vielzahl gesellschaftlicher Ereignisse", die oft in Verbindung mit Alkohol stehen, in eine ähnliche Richtung. Meistens finden diese Straftaten nachts (zwischen 22 und 1 Uhr), sowie am Wochenende statt.


Wie sicher fühlen sich die Bürgerinnen und Bürger in Stuttgart?

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Das Projekt Sicherheitskonzeption Stuttgart (SKS) will mit mehr Polizeipräsenz die gefühlte Sicherheit in der Stuttgarter Innenstadt verbessern.
Interview mit dem Polizeirevierleiter und Rundgang durch Stuttgart mit einem SKS-Einsatzleiter.

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