Die über 600-jährige Geschichte der Sinti und Roma in Mitteleuropa ist in der politischen Bildung bislang nur punktuell gewürdigt worden. Dabei bieten die Präsenz der Minderheit als Teil der deutschen Gesellschaft wie ihre reiche kulturelle Tradition vielfältige Aspekte, die den demokratischen Diskurs befruchten können. Ihnen widmet sich dieses Symposium vom 26. bis 28. April 2012 in Nürnberg.
In historischer Perspektive treffen wir seit der Frühen Neuzeit auf eine Minderheit in Deutschland und anderen europäischen Ländern, deren Angehörige zunehmend als "Fremde“ stigmatisiert und meist als Objekte staatlicher Verfolgung wahrgenommen wurden. Der rassische Determinismus der Nationalsozialisten schließlich führte zu einer nie zuvor dagewesenen Vernichtungspolitik, der eine halbe Million Sinti und Roma zum Opfer fielen. Die zu rassistischen Stereotypen geronnenen Vorurteile gegenüber der Minderheit sind bis heute wirksam und lassen sich, wie gerade auch in jüngster Zeit deutlich wurde, jederzeit abrufen.
In kultureller Perspektive finden wir in der Minderheit Akteure, die in vielerlei Hinsicht einen prägenden Einfluss auf die deutsche und europäische Kulturgeschichte ausgeübt haben. Die vielschichtige Lebenswirklichkeit der Sinti und Roma steht in krassem Widerspruch zur medialen Darstellung des Phänomens "Zigeuner“, die ihnen eine uniforme kulturelle Identität unterstellt. Die Projektionsfolie "Zigeuner“ soll sichtbar gemacht und kritisch hinterfragt werden.
In politischer Hinsicht erleben wir seit den siebziger Jahren die öffentliche Auseinandersetzung der Sinti und Roma um gesellschaftliche Anerkennung und Gleichberechtigung. Die Entwicklung der Bürgerrechtsbewegung ist integraler Bestandteil der sich formierenden Zivilgesellschaft. Im Kontext der alarmierenden Nachrichten über Diskriminierung und rassistisch motivierte Gewalt gegenüber Angehörigen der Minderheit drängt sich zugleich die Frage nach staatlicher Verantwortung und den Perspektiven für Roma und Sinti in Deutschland und Europa auf.
Nicht zuletzt ist es für die politische Bildung wichtig, die reduktionistische Sicht auf die Minderheit aufzubrechen und sichtbar zu machen, dass Sinti und Roma als nationale Minderheiten Bürger der jeweiligen europäischen Staaten sind, in denen sie seit Jahrhunderten beheimatet sind.
Programm-Flyer
Termin26.04.2012,14:00 bis 28.04.2012,13:30
OrtDokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Bayernstraße 110
90478 Nürnberg
Veranstalter
Anmeldung
Teilnahmegebühr: keine
Für die Veranstaltung ist eine Anmeldung per E-Mail (beate.michl@stmuk.bayern.de) oder per Fax (089/2186-2180 z. Hd. Beate Michl) bis zum 20. April erforderlich.
Übernachtungsmöglichkeit
Congress Hotel Mercure
Münchener Straße 283, 90471 Nürnberg, Tel +49 (0)911 9465-0
Abrufkontingent Nr. 114560, Stichwort "Symposium“
EZ: 99 €, DZ: 109 €
Ramada Nürnberg Parkhotel
Münchener Straße 25, 90478 Nürnberg, Tel +49 (0)911 4748-0
Abruf unter dem Stichwort "Dokuzentrum“
EZ: 72 €, DZ: 98 €
In diesen beiden Hotels gibt es ein Abrufkontingent bis 10. April (Hotels müssen selbst gezahlt werden!).
Kontakt
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Dr. Hans-Georg Golz
Leiter Fachbereich Print
Adenauerallee 86
53113 Bonn
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Pressekontakt
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Daniel Kraft
Leiter Stabsstelle Kommunikation
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