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Südosteuropa als Raum
Südosteuropa
scheint auf den ersten Blick keine geographische, kulturelle oder auch
historische Einheit zu bilden. Es ist wie kaum ein anderer Teil Europas
durch eine Vielfalt an Lebensformen, Sprachen und Religionen geprägt. Die
geographische Abgeschlossenheit kleiner Gebiete hat dazu beigetragen, dass
sehr unterschiedliche Kulturen erhalten blieben und Bestandteil der
südosteuropäischen Geschichte wurden. Dennoch lassen sich auch raumübergreifende gemeinsame Merkmale benennen,
die eine Einheit in der Vielfalt bilden.
Eines der wichtigsten Merkmale des Balkans ist seine geographische Lage
zwischen Mittel- und Westeuropa einerseits und dem Vorderen Orient
andererseits. Dadurch fungierte er immer wieder als Aufmarsch- und
Durchgangsgebiet für Kreuzritter, Händler, Eroberer, Wissenschaftler und
schließlich ganze Völkerschaften. Diese Brückenfunktion hat für die
historische und kulturelle Entwicklung Südosteuropas die entscheidende
Rolle gespielt.
In der Antike herrschte die griechische Kultur auf dem
Balkan vor. Später wurde Südosteuropa in das Römische Reich eingegliedert.
Als dieses im 4. Jahrhundert zerfiel, ging Südosteuropa an das Oströmische
Reich, aus dem sich später das Byzantinische Reich entwickelte. Die
Herrschaft von Byzanz war aber in vielen Gebieten des Balkans nur nominell
und konnte das Eindringen slawischer Völker in die nördlichen
Balkanprovinzen nicht
verhindern. Diese sogenannte ‚Slawische Landnahme’ im 6. und 7. Jahrhundert
führte dazu, dass die
einheimische Bevölkerung verdrängt wurde und der
innerbalkanische Handel zusammenbrach. Nach dem Niedergang der antiken
Städte wurden die ersten slawischen Staaten gegründet
− das serbische und das
bulgarische Reich. Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen
1454 wurde die
byzantinisch-orthodoxe Kultur von der orientalisch-islamischen Kultur
überlagert. Die Osmanen
beherrschten den Großteil Südosteuropas über mehrere Jahrhunderte.
Erst das 19. Jahrhundert markierte das schrittweise Zurückdrängen des
Osmanischen Reiches vom europäischen Kontinent. Die serbischen Aufstände
von 1804 und 1815 sowie der griechische Befreiungskrieg von 1821 bis 1829
bildeten den Auftakt einer Kette von nationalen Erhebungen.
Bis zu den Balkankriegen von 1912/13 verlor der ‚Kranke Mann am Bosporus’
(das Osmanische Reich) den Großteil seiner Gebiete in Südosteuropa. Mit
dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 erlangten die Völker Südosteuropas
Unabhängigkeit.
Nach
dem Zweiten Weltkrieg haben sich in den Balkanstaaten kommunistische
Regime etabliert. Auch dadurch hat sich
eine Reihe von Gemeinsamkeiten in der politischen Kultur, der
Gesellschafts- und Wirtschaftsstruktur entwickelt. Die politische
Wende von 1989 und der Zerfall Jugoslawiens haben den Weg für den Prozess der Differenzierung frei
gemacht. Seitdem entwickeln sich die Staaten Südosteuropas sehr
unterschiedlich: Slowenien z.B. zählt zu den erfolgreichsten
Transformationsstaaten Osteuropas, ist seit 2004 EU-Mitglied und gehört
als einziger Staat Osteuropas der Eurozone an. Staaten wie
Bosnien-Herzegowina oder Albanien haben dagegen mit zahlreichen
innenpolitischen Problemen zu kämpfen, und es wird noch lange dauern bis
dort stabile Verhältnisse herrschen.
Um die krisengeschüttelte Region des hauptsächlich ehemaligen
Jugoslawiens zu stabilisieren entwickelte die EU einen Stabilisierungs-
und Assoziierungsprozess (SAP) für den Westlichen Balkan, d.h. für für die Länder Albanien, Bosnien
und Herzegowina, Serbien, Montenegro und Kosovo. Auch Kroatien und Mazedonien bleiben
Teil dieses Prozesses, obwohl sie schon den Status eines Bewerberlandes
haben. SAP eröffnet allen Ländern des westlichen Balkan eine Aussicht auf
die EU-Mitgliedschaft. In seinem Rahmen bietet die EU Handelszugeständnisse, wirtschaftliche und finanzielle
Unterstützung sowie vertragliche Beziehungen an. SAP bleibt die EU-Strategie für
den westlichen Balkan bis zur vollständigen Mitgliedschaft.
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