OECD-Jahresbericht "Bildung auf einen Blick" 2005

© OECD, 2005.
© OECD, 2005.

Der OECD-Jahresbericht "Bildung auf einen Blick", der am 13. September 2005 turnusmäßig vorgestellt wurde, zeigt, dass es in Deutschland nur langsam vorangeht. Nach einem Stillstand in den 80er- und 90er Jahren hat es in vielen Bereichen eine Trendwende gegeben. Die Zahl der Studienanfänger in Deutschland ist von 28 Prozent eines Jahrgangs im Jahr 1988 auf 36 Prozent 2003 gestiegen. Es gibt insgesamt mehr Studenten und eine überdurchschnittliche finanzielle Förderung sowohl der Studenten durch die Bafög-Reform als auch der universitären Forschung. Aber dieser Anteil liegt immer noch unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Während in Deutschland von 100 jungen Menschen 35 ihre Schule mit Hochschulreife verlassen, sind dies im Schnitt der OECD-Staaten 54.

Gestiegen ist von 1998 bis 2003 auch der Anteil der Hochschulabsolventen: von 16 auf 19,5 Prozent eines Altersjahrgangs, allerdings liegt Deutschland noch weit unter dem OECD Mittel von 32,2 Prozent. Der OECD-Bildungsbericht hebt zudem positiv die neuen Ganztagsschulen hervor. Beklagt werden hingegen die im Vergleich zu anderen Industrienationen nach wie vor zu wenigen Abiturienten. Die Zahl der Akademiker eines Jahrgangs gilt als wichtigste Kennziffer für ein Bildungssystem im 21. Jahrhundert. Alle Arbeits- und Zukunftsforscher prophezeien, dass die Jobs, die künftig zu vergeben sind, hohe Anforderungen an die Qualifikation stellen.

Von 100.000 jungen Erwerbstätigen im Alter von 25 bis 34 haben in Deutschland nur 852 einen naturwissenschaftlichen Studienabschluss. Damit liegt Deutschland unter 24 OECD-Staaten mit vergleichbaren Daten nur an 20. Stelle. Auch wenn man Meister und Techniker mit Qualifikationen aus der beruflichen Bildung noch einbezieht, verbessert sich Deutschland nur auf Position 18.

In der Spitzengruppe liegt Deutschland mit 2 Prozent bei den Promovierten, hinter Schweden (2,8), der Schweiz und der Slowakischen Republik (je 2,5).

Auch in der beruflichen Weiterbildung mangelt es: Nur 14 Prozent der Beschäftigen im Alter zwischen 25 und 64 haben in Deutschland 2003 an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen. OECD-Mittel: 23 Prozent. Wer einen Hochschulabschluss hat, bildet sich weitaus häufiger fort (gut jeder Vierte). Von den Ungelernten bilden sich hingegen nur 4 Prozent weiter (OECD: 10 Prozent).

Deutschland muss sich wieder vorrechnen lassen, dass es in die Bildung zu wenig investiert. Deutschland nimmt von 28 verglichenen OECD-Staaten bei den Ausgaben den 20. Platz ein. 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts gehen ins Bildungssystem. Dänemark, Schweden und Belgien investieren mehr als 6 Prozent. Selbst wenn man den Anteil von Ausgaben der Wirtschaft im dualen System hinzurechnet, bleibt die Summe öffentlicher und privater Investitionen in Deutschland mit 5,3 Prozent unter dem OECD-Mittel von 5,8 Prozent (USA: 7,2).

"Bildung ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition", wiederholt der für diese Statistiken bei der OECD verantwortliche Andreas Schleicher auch in diesem Jahr. Er kann vorrechnen, dass sich der Einsatz für Bildung höher verzinst als auf einem Bankkonto. In den OECD-Ländern sind die öffentlichen und privaten Bildungsausgaben zwischen 1995 und 2002 um 21 Prozent im Bereich der Schulen und um 30 Prozent in den Hochschulen gewachsen. In Deutschland lagen diese Steigerungsraten jedoch bei nur 8 und 10 Prozent.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Wissenschaftsministerin in Brandenburg, Johanna Wanka, sprach davon, dass die tatsächliche Qualität der Bildung von dieser Studie nicht erfasst werde.

OECD: Education at a glance 2005

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