OECD-Jahresbericht "Bildung auf einen Blick" 2008

OECD Jahresbericht 2008. © OECD, 2008.
© OECD, 2008.

Die OECD hat am 10. September 2008 ihre Studie "Bildung auf einen Blick 2008" vorgestellt, die wieder die Bildungssysteme der 30 wichtigsten Industrienationen miteinander vergleicht. 2008 wurde die kontinuierliche Ausweitung des Bildungssektors untersucht, die dazu führte, dass heute durchschnittlich 57 Prozent der Jugendlichen in den beteiligten Ländern ein Studium aufnehmen. In Deutschland zieht es weniger Abiturienten ins Studium, die Zahl stagniert in zwischen 35 und 37 Prozent eines Jahrgangs.
Zu befürchten ist, dass Deutschland bei der Ausbildung von Hochqualifizierten international weiter an Boden verliert. Nur 21 Prozent eines Jahrgangs erreichen einen Hochschulabschluss, im Schnitt der 30 wichtigsten Industrieländer sind es 37 Prozent, heißt es in der veröffentlichten Studie. Länder, die die internationale Bildungsexpansion nicht mitmachen, "gefährden ihre wirtschaftliche Entwicklung", sagte OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger.
Auf 100.000 Erwerbstätige in der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren kamen in Deutschland nur 1423 Berufstätige mit einem naturwissenschaftlichtechnischen Studium, OECD-weit waren es 1649.

Deutschlands Bildungswesen hat aber auch Stärken. Insgesamt ist das Bildungsniveau recht hoch. 84 Prozent der 25- bis 34-Jährigen verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder das Abitur. Im OECD-Schnitt sind es nur 78 Prozent. Positiv fällt der hohe Anteil von Studierenden in Deutschland auf, die sich für ein Studium in Mathematik und Informatik (neun Prozent), in Naturwissenschaften (zwölf Prozent) und Ingenieurwissenschaften (15 Prozent) entscheiden. Wegen der insgesamt geringen Absolventenquote in Deutschland sind Hochqualifizierte in diesem Fächern unter den jungen Erwerbstätigen dennoch deutlich unterrepräsentiert.
Der Anteil an Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren, die weder in einer Ausbildung noch in einem Beruf sind, ist mit 4,2 Prozent im Vergleich recht niedrig (OECD-Schnitt 6,3 Prozent). Für die Niedrigqualifizierten gebe es zu wenig Weiterbildungskurse. Die Abbrecherquote an den deutschen Hochschulen liegt mit 23 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt von 31 Prozent.

Positiv wertet die OECD, dass in Deutschland Frauen die Männer bei der universitären Ausbildung überholt haben. Allerdings gelte dies nicht für die Arbeitsmarktperspektive. Hier sind Frauen weiter unterbezahlt. In den Naturwissenschaften gibt es weiterhin viel zu wenig Studentinnen.

Im OECD-Schnitt stiegen die Ausgaben für Bildung zwischen 2000 und 2005 um fast ein Fünftel, in Deutschland stagnierten sie. Stieg im OECD-Mittel zwischen 2000 und 2005 der Anteil der Bildungsausgaben von 12,8 auf 13,2 Prozent der Gesamtausgaben der öffentlichen Hand, ist er in Deutschland von 9,9 auf 9,7 Prozent gesunken. Nur in Japan und Italien ist der Anteil der Bildungsausgaben an den öffentlichen Ausgaben geringer. Deutschland gibt überdurchschnittlich viel Geld für Jugendliche aus. So entfallen auf einen Schüler oder einen Auszubildenden im Sekundarbereich II jährlich 10.000 US-Dollar (OECD-Schnitt 7.900 Dollar). Unterdurchschnittlich im internationalen Vergleich sind die Ausgaben im Bildungswesen hingegen immer noch für Kinder. Die Ausgaben für den Primar- und Sekundarbereich I liegen in Deutschland bei 5.000 beziehungsweise 6.200 Dollar - international sind es 6.300 und 7.400 Dollar. In den USA wird für einen Studierenden etwa doppelt so viel Geld (24.370 Dollar) ausgegeben.

Insgesamt haben sich in der OECD zwei Strategien als erfolgreich erwiesen, um den Anteil der Hochqualifizierten zu erhöhen. So haben die nordischen Länder in großem Umfang öffentliche Mittel in die tertiäre Ausbildung investiert und zwar sowohl in die Bildungsinstitutionen wie auch in die direkte finanzielle Förderung der Studierenden. Auf der anderen Seite haben Länder wie Australien, Großbritannien, Japan, Kanada, Korea, Neuseeland oder die Vereinigten Staaten die tertiäre Ausbildung ausgeweitet, indem sie die Kosten in Form von Studiengebühren den Studierenden und ihren Familien aufgeladen haben. Gleichzeitig wurde Studierenden mit weniger privilegiertem Hintergrund das Studium über Kredite oder Stipendien ermöglicht.

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