OECD-Jahresbericht "Bildung auf einen Blick" 2013

OECD Jahresbericht 2013. © OECD, 2013
© OECD, 2013

Jugendliche sind in Deutschland seltener arbeitslos als in anderen Ländern, lobt die aktuelle Studie "Bildung auf einen Blick 2013" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am 24. Juni 2013 in Berlin vorgestellt wurde. Die Studie stellt aber wie in den Vorjahren auch fest, dass in Deutschland nach wie vor der Anteil der Hochschulabsolventen geringer ist, als in anderen Industriestaaten.

Deutschland lege großen Wert auf die berufliche Ausbildung und gehöre mit aus diesem Grund zu den wenigen Ländern, deren Arbeitslosenquote in der Krise nicht gestiegen ist. Mehr noch: Es hat sogar der Anteil jener jungen Menschen abgenommen, die weder beschäftigt, noch in Bildung oder Ausbildung sind (2011 bei 11% gegenüber 12% im Jahr 2008). Während der weltweiten Rezession ist diese Quote nur in Deutschland, Österreich, der Schweiz und der Türkei gesunken oder weitgehend unverändert geblieben. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an dieser Gruppe ist in Deutschland dagegen höher.

Wie in den Vorjahren werden Deutschland von der OECD zu wenige Hochschulabsolventen attestiert, wenngleich ihre Zahl sich deutlich erhöht hat: Während im Jahr 2000 die Studienanfängerquote noch bei 30 Prozent lag, studieren inzwischen 46 Prozent eines Jahrgangs. Mit seiner Studienanfängerquote liegt Deutschland aber noch immer unter dem OECD-Durchschnitt von 60 Prozent.

Besonders die MINT-Fächer (also Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften) studieren heute deutlich mehr junge Menschen, auch deutlich mehr Frauen. Der Anteil der weiblichen Absolventen stieg dabei von 2000 bis 2011 in den Fächern Mathematik und Statistik von 42% auf 59% (OECD-Durchschnitt: von 42% auf 45%), in den Naturwissenschaften von 27% auf 42% (OECD-Durchschnitt: von 40% auf 43%).

Frauen haben allgemein bei den Bildungsabschlüssen erheblich aufgeholt, der Anteil der Frauen mit Hochschulabschluss in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen ist in Deutschland zwischen 2000 und 2011 von 20% auf 30% gestiegen (OECD-Durchschnitt: von 27% auf 43%). Unter den jüngeren Männern nahm dieser Anteil im selben Zeitraum nur von 24% auf 26% zu (OECD-Durchschnitt: von 24% auf 33%).

Der Geschlechterunterschied in der Bezahlung ist in Deutschland größer als im Durchschnitt der OECD-Länder. In Deutschland verdienen Frauen nur etwa 74% des Gehalts der Männer, im OECD-Durchschnitt sind es 79%. In keinem anderen Land ist die Geschlechterdifferenz beim Anteil der Personen mit hohem Bildungsniveau größer. Dies könnte auf den großen Anteil teilzeitbeschäftigter Frauen in Deutschland zurückzuführen sein (56% der Frauen und 81% der Männer mit Tertiärabschluss arbeiten Vollzeit).

Für den Schulbeeich stellt die Studie fest, dass trotz Trend zur Ganztagsschule nur Grundschüler in der Slowakei, Ungarn, Finnland, Estland, Korea und der Tschechischen Republik weniger Unterricht als in Deutschland haben (Deutschland 2806 Unterrichtsstunden, im OECD-Durchschnitt 4717 Stunden). Zu berücksichtigen ist aber, dass der Umbau zur Ganztagsschule in Deutschland noch nicht abgeschlossen ist.

Anders sieht es im Sekundarbereich I aus: Dort sind in Deutschland pro Jahr 757 Unterrichtsstunden vorgesehen, im OECD-Schnitt sind es 709 Stunden. Im Sekundarbereich II (gymnasiale Oberstufe) sind es 715 Unterrichtsstunden, im OECD-Schnitt 664 Stunden. Dabei dürften sich auch die zahlreichen Schulreformen, u.a. die G8-Reform der vergangenen Jahre bemerkbar gemacht haben: In den vergangenen elf Jahren stieg die Zahl der Unterrichtsstunden an (von 732 auf 757 Stunden in der Sekundarstufe I und von 690 auf 715 Stunden in der Sekundarstufe II).
Beim Schüler-Lehrer-Verhältnis steht Deutschland im Vergleich gut da: Im Elementarbereich (Kindergärten, Krippen und Vorschulen) kommen auf 13 Kinder eine Lehrkraft (OECD-Schnitt 14), im Grundschulbereich auf 16 Schüler (OECD-Schnitt 15), im Sekundarbereich auf 14 Schüler (OECD-Schnitt ebenfalls 14).

Bei der Betreuung von Kleinkindern gibt es erhebliche Fortschritte: Inzwischen werden laut Bericht in Deutschland 90 Prozent der Dreijährigen in einer Einrichtung betreut (OECD-Schnitt 67 Prozent) und 96 Prozent der Vierjährigen (OECD-Schnitt 84 Prozent).    

OECD: Bildung auf einen Blick 2013 (Zusammenfassung)
OECD: Bildung auf einen Blick 2013 (Ländernotiz Deutschland, Zusammenfassung)

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