OECD-Jahresbericht "Bildung auf einen Blick" 2014

© OECD, 2014

In Deutschland erwerben so viele junge Leute wie noch nie einen akademischen Abschluss. Gleichzeitig wächst der Anteil an Hochgebildeten im Vergleich mit anderen Ländern nach dem aktuellen OECD- Bildungsbericht 2014 kaum so langsam wie hier. Das duale Ausbildungssystem dagegen und die damit einhergehenden niedrigen Arbeitslosenquoten verdienen Lob und Anerkennung in der Studie "Bildung auf einen Blick 2014" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie wurde am 9. September 2014 veröffentlicht. Dieser Bildungsbericht dokumentiert - wie seine Vorgängerberichte - bereichsübergreifend den Zustand des Bildungssystems, zeigt dessen Entwicklung in den vergangenen Jahren auf und benennt aktuelle Herausforderungen.

Trotz des jüngsten Ansturms auf die Hochschulen weist die OECD in ihrem "Bildungsbericht 2014" auf einen Rückstand Deutschlands bei den Akademikerquoten hin. Demnach verfügen in Deutschland 28 Prozent der 25- bis 64-Jährigen über einen Hochschulabschluss, im Durchschnitt der OECD sind es 33 Prozent. Dabei haben in Deutschland die Kinder von Akademikern öfters studiert, als diejenigen aus sogenannten Arbeiterfamilien. Einen Anstieg gibt es bei Frauen in naturwissenschaftlichen Studiengängen. Sie machen 44 Prozent aller Abschlüsse aus; drei Prozentpunkte mehr als im OECD-Durchschnitt.

Die Einkommenskluft zwischen Akademikern und ausschließlich beruflich ausgebildeten Fachkräften ist in den vergangenen Jahren in Deutschland drastisch gewachsen. Akademiker in Deutschland verdienen laut Bericht im Schnitt 74 Prozent mehr als Erwerbstätige, die weder zur Universität noch zur Fachhochschule gegangen sind oder einen Meisterkurs besucht haben.

Im Vergleich zu den anderen Ländern sind in Deutschland die Erwerbslosenquoten für alle Bildungsstufen zurückgegangen. Mit 12,8 Prozent sind aber noch immer weit mehr Menschen mit geringer Qualifikation ohne Job als in höheren Bildungsstufen. Bei Personen mit Abitur oder Lehre beträgt die Arbeitslosenquote 5,3 Prozent, bei Akademikern etwas mehr als zwei Prozent. Dabei steigt die Anzahl unbesetzter Ausbildungsplätze hierzulande seit Jahren, bei gleichzeitigem Anstieg unvermittelter Bewerber.

Die OECD würdigt in der Studie die Stärken des deutschen Berufsbildungssystems. Sie lobt das hohe Ansehen, die flexible und arbeitsmarktnahe Qualifizierung, das große Engagement der Arbeitgeber und die stabile Ausbildungssituation selbst während der Wirtschaftskrise.

Insgesamt investiert Deutschland immer noch einen geringeren Anteil seines Volksvermögens in Bildung als andere Länder. Trotz einer Steigerung der Ausgaben in jüngerer Zeit betrugen in Deutschland 2011 die Gesamtausgaben für Bildungseinrichtungen aus öffentlichen und privaten Quellen zusammengenommen nur 5,1% des BIP und lagen damit deutlich unter dem OECD- Durchschnitt von 6,1% des BIP.

EU-weit wird die Lehrerschaft immer älter. 37 Prozent der Lehrer an den Sekundarschulen in den EU-Ländern sind im Durchschnitt mindestens 50 Jahre alt. In Deutschland liegt dieser Anteil bei 45 Prozent.

Deutlich mehr Mädchen und Jungen nehmen Angebote der frühkindlichen Bildung wahr - 91 Prozent der Dreijährigen und 96 Prozent der Vierjährigen. Mehr als in anderen Ländern. Allerdings besucht in Deutschland nur ein relativ geringer Anteil der Kinder im Elementarbereich öffentliche Bildungseinrichtungen. Die meisten Kinder besuchen vom Staat abhängige private, meist kirchliche Einrichtungen.

OECD: Bildung auf einen Blick 2014 (Zusammenfassung)
OECD: Bildung auf einen Blick 2014 (Ländernotiz Deutschland, Zusammenfassung)

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