PISA, IGLU, OECD-Jahresberichte und Ländervergleich der KMK-Bildungsstandards

© OECD, 2010.

ISA, IGLU und die OECD Jahresbildungsberichte: Bei internationalen Vergleichen schneidet das deutsche Bildungssystem bei weiterführenden Schulen bisher regelmäßig durchschnittlich oder unterdurchschnittlich ab. Im jüngsten Bildungsbericht der OECD 2014 wird deutlich: Noch immer haben in Deutschland- verglichen mit den anderen 33 Ländern der Studie- wenige Menschen einen akademischen Abschluss. Und das, obwohl die Anzahl der Studierenden so hoch wie nie ist.

Die Befunde der PISA-Studien wurden erneut bestätigt: In keinem anderen vergleichbaren Staat der Welt ist der Schulerfolg so stark von Einkommen und Vorbildung der Eltern abhängig wie in Deutschland. Schüler aus bildungsfernen Familien haben - bei gleicher Intelligenz - eine ungleich geringere Chance, ein Gymnasium zu besuchen als Akademikerkinder. Migrantenkinder, die nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, sind im deutschen Schulsystem und damit auch im späteren Berufsleben so gut wie ohne Chancen.

Man kann nach über 10 Jahren PISA sagen, dass Deutschland inzwischen aufgeholt hat. Die Entscheidungsträger setzten Bildungsstandards durch, ließen vergleichende Studien auch unter den Bundesländern zu, förderten die Lesekompetenz und der vorschulische Bereich wurde gestärkt. Die Mehrzahl der Bundesländer hat in den vergangenen Jahren zusätzliche Ganztagsangebote bzw. Ganztagsschulen eingerichte. Der Bund stieg ebenfalls in die Finanzierung der Bildung ein.

Weiterhin gilt: Kinder unter 15 Jahren, deren Eltern selbst einen hohen Bildungsabschluss haben, besuchten im Jahr 2015 mehrheitlich das Gymnasium (61 Prozent). Der Besuch einer Realschule oder einer Schule mit mehreren Bildungsgängen (jeweils 18 Prozent) stellt für diese Kinder dagegen seltener eine Alternative dar. Der Hauptschulbesuch ist von untergeordneter Bedeutung (3 Prozent).

Je niedriger der Bildungsabschluss der Eltern, umso seltener fällt beim Schulbesuch der Kinder die Wahl auf ein Gymnasium. Für Kinder von Eltern mit mittlerem Bildungsniveau spielt die Realschule (35 Prozent) die größte Rolle, nur 30 Prozent besuchen das Gymnasium. Ein fast ebenso großer Teil der Kinder (28 Prozent) lernt an einer Schule mit mehreren Bildungsgängen. Die Hauptschule wird selten gewählt (7 Prozent).

Zwar besucht ein Drittel der Kinder von Eltern mit niedriger Schulbildung die Realschule, dicht gefolgt von Schulen mit mehreren Bildungsgängen (31 Prozent). Für 22 Prozent dieser Kinder ist jedoch die Hauptschule die bevorzugte Alternative. Nur jedes siebte Kind besucht ein Gymnasium (14 Prozent).
(Quelle: Statistische Bundesamt 8. September 2016)

Heute steht Deutschland besser da als der OECD-Durchschnitt, aber Deutschland gehört immer noch nicht zur internationalen Spitzenklasse.  Seit Jahren verbessern sich die PISA-Werte der deutschen Schüler kontinuierlich. Bei den Naturwissenschaften ist der größte Leistungszuwachs erreicht worden. Auch in Mathematik legte Deutschland zu. Die Lesekompetenz der deutschen Schülerinnen und Schüler liegt inzwischen etwas über dem OECD-Durchschnitt. Es ist aber immer noch eine Katastrophe, dass fast ein Fünftel aller 15-Jährigen das Leseverständnis eines Grundschülers hat. In den Naturwissenschaften geht die Schere zwischen Höchstleistungen und geringen Kompetenzen immer noch weit auseinander.

Die Leistungsunterschiede zwischen den Bundesländern sind weiter enorm: Beim Leseverständnis im Fach Deutsch – der wichtigsten Schlüsselkompetenz für das Lernen – hatten bayerische, sächsische und baden-württembergische Schülerinnen und Schüler gegenüber Gleichaltrigen z.B. aus Berlin und Bremen im Schnitt einen Wissensfortschritt von über einem Schuljahr. Beim mündlichen Textverständnis betrug der Abstand sogar fast eineinhalb Jahre, eine Folge des föderativen Bildungssystems.

Änderungen im Bildungssystem gehen nur langsam voran. Erst 2009 - 9 Jahre Nach PISA I - legte die Kultusministerkonferenz eine "Förderstrategie für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler" vor. Im Schuljahr 2012/13 besuchte erst jeder dritte Schüler ganztags die Schule - die Nachfrage liegt allerdings deutlich darüber. Erst ab 2017 gelten bundesweite Standards beim Abitur. Dazu wird ein Aufgabenpool mit wissenschaftlich überprüften und gleich schweren Abituraufgaben in den zentralen Fächern eingerichtet. Dieser Pool soll ab dem Schuljahr 2016/2017 zur Verfügung stehen.

PISA I

Im Sommer 2000 wurden für den ersten PISA-Durchgang (Programme for International Student Assessment) 180.000 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren in 32 Industrienationen getestet. In Deutschland waren an der Wertung zunächst 5.000 Schüler aus 219 Schulen beteiligt. Das schlechte Ergebnis schockte 2001 die deutsche Bildungspolitik. Deutsche Schüler hatten miserabel abgeschnitten. Deutschland musste plötzlich erkennen, dass es bildungspolitisch nicht mal zum Mittelmaß zählte.

Die deutschen Teilnehmenden schafften es gerade mal auf Platz 21 - 25, je nach Aufgabengebiet. Besonders im Lesen, Rechnen und den Naturwissenschaften lagen sie deutlich hinter dem OECD-Durchschnitt.

In kaum einem anderen Land, das an PISA I teilnahm, war der Abstand zwischen den Leistungsschwächsten und den Leistungsstärksten so groß wie in Deutschland. Während deutsche Gymnasiasten mit den Spitzenländern der PISA-Studie durchschnittlich mithalten konnten, fielen alle anderen Schultypen teilweise deutlich ab. Gerade einmal neun Prozent der Schülerinnen und Schüler schafft die höchste Kompetenzstufe V.

Jeder vierte Jugendliche hatte enorme Schwierigkeiten beim Lesen, zehn Prozent konnten Texten nicht einmal einfache Informationen entnehmen und das Hauptthema einfacher Texte erkennen. Der Anteil von Schülerinnen und Schülern in Deutschland, die lediglich die Kompetenzstufe I (unterste Leistungsstufe) erreichen, lag bei 13 Prozent.

Alle PISA-Studien bis heute haben zudem ergeben, dass in Deutschland die schulischen Leistungen eng an die familiäre Herkunft gebunden sind. Grund dafür ist unter anderem das Schulsystem, das in seiner Konzeption eine Wahlmöglichkeit der Schulform vom Übergang der Grundschule zur Sekundarstufe I vorsieht. Die Folge ist, dass Akademikerkinder deutlich öfter das Gymnasium besuchen als Arbeiterkinder – trotz gleicher kognitiver Leistungen. Die soziale Schichtung an deutschen Schulen ist sogar größer als in Schulen der USA.

Auch Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund schneiden bis heute gegenüber Zuwandererkindern in anderen Ländern und gegenüber deutschen Kindern deutlich schlechter ab. Der internationale Vergleich zeigt, dass sich Deutschland erheblich schwerer mit der Integration und Förderung der Zuwanderer tut. Noch immer ist die Sprachhürde besonders hoch. Solange in der Familie Deutsch nicht die Sprache ist, die zu Hause gesprochen wird, ist die soziale Situation der Menschen mit Mitgrationshintergrund in der Regel ungünstiger als die der einheimischen Familien. 

Eine heftige bildungspolitische Debatte um den richtigen Reformweg des deutschen Bildungssystems setzte nach dem PISA-Schock ein. Selten einmütig beschrieben nun Politiker, was nötig ist:

  • Standards setzen durch Zentralprüfungen,
  • mehr Freiheit für Schulen,
  • Lernen schon im Kindergarten,
  • Hilfe für Migrantenkinder beim Deutschlernen,
  • Ganztagsschulen,
  • eine praxisnahe Lehrerausbildung.

PISA ist eine international standardisierte Leistungsmessung, die von den Teilnehmerstaaten gemeinsam entwickelt wurde und mit 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in ihren Schulen durchgeführt wird. PISA ist ein langfristig angelegtes Projekt, das zunächst drei Erhebungszyklen umfasst. In jedem Zyklus werden die drei Kompetenzbereiche Lesekompetenz (reading literacy), mathematische Grundbildung (mathematical literacy) und naturwissenschaftliche Grundbildung (scientific literacy) untersucht, mit jeweils wechselndem Schwerpunkt.

PISA zielt nicht darauf ab, zu erfassen, ob Schülerinnen und Schüler bestimmtes Faktenwissen erworben haben. Mit der Erhebung soll vielmehr untersucht werden, inwieweit die Jugendlichen in der Lage sind, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in realistischen Situationen anzuwenden und zur Bewältigung von Alltagsproblemen zu nutzen. Es wird geprüft, ob die Schülerinnen und Schüler ein vertieftes Verständnis für zentrale Konzepte entwickelt haben, ob sie Prozesse wie das Modellieren von Situationen, das Kommunizieren von Ergebnissen oder das kritische Beurteilen von Informationen ausführen können, und ob sie in der Lage sind, dieses Konzept- und Prozesswissen in unterschiedlichen Kontexten anzuwenden.

Nach oben

Sprachliche Kompetenzen im Ländervergleich

Nationaler Schultest der Bundesländer 2009

Die Schülerinnen und Schüler im Süden Deutschlands haben im jüngsten Kompetenzvergleich "Sprachliche Kompetenzen im Ländervergleich" zwischen den Bundesländern am besten abgeschnitten. Bildung hängt in Deutschland weiterhin stark von der sozialen Herkunft ab. Das ist das am 23. Juni 2010 veröffentlichte Ergebnis einer Überprüfung der Bildungsstandards für den mittleren Schulabschluss in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch, die das Berliner Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) 2008 und 2009 im Auftrag der Kultusministerkonferenz durchgeführt hat.

Die Ländervergleiche des IQB treten an die Stelle der PISA-Ergänzungsstudien (PISA-E), in denen ebenfalls die Länder der Bundesrepublik Deutschland in Hinblick auf die Kompetenzstände ihrer Schülerinnen und Schüler verglichen wurden.
Während in PISA die Fünfzehnjährigen die Zielpopulation darstellen, untersucht das IQB 41.000 Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe aller Schularten. Im Bericht werden neben der schwerpunktmäßigen Untersuchung der Kompetenzstände in den Fächern Deutsch und erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) auch soziale und kulturelle Bedingungen berücksichtigt. Im Fokus der Studie stehen die Kompetenzen Zuhören, Lesen und Orthografie im Fach Deutsch und Hörverstehen sowie Leseverstehen in der ersten Fremdsprache. Die Erhebungen zum Ländervergleich fanden 2008 (Französisch) und 2009 (Deutsch und Englisch) statt.

Die Untersuchung beruht erstmals auf den bundesweit entwickelten Bildungsstandards, die beschreiben, was ein Schüler am Ende einer Jahrgangsstufe können soll.

Beim Leseverständnis im Fach Deutsch – der wichtigsten Schlüsselkompetenz für das Lernen – hatten bayerische, sächsische und baden-württembergische Schülerinnen und Schüler gegenüber Gleichaltrigen aus Berlin und Bremen im Schnitt einen Wissensfortschritt von über einem Schuljahr. Beim mündlichen Textverständnis betrug der Abstand sogar fast eineinhalb Jahre.
Besonders schlecht ist es im Vergleich um die Englisch-Kompetenz in Ostdeutschland bestellt: Hier belegen die fünf neuen Länder aber auch Bremen durchweg die Schlussplätze. Im Fach Englisch entsprechen die Abstände zwischen den Ländern etwa dem Unterschied eines ganzen Schuljahrs. Die Studie nennt als Grund die mangelhafte Qualifikation der Lehrer. In den westlichen Bundesländern haben fast alle Lehrer, die Englisch unterrichten, auch Englisch studiert, nämlich zwischen 80 und 100 Prozent. Diese Ausbildung fehlt einem Drittel der Englischlehrer in den östlichen Ländern (mit Ausnahme von Sachsen).
In Französisch konnten aufgrund der zu geringen Zahl an Schulen, die Französisch als erste Fremdsprache anbieten, keine Ländermittelwerte ausgewiesen werden.

Der neue deutsche Schultest offenbart auch wieder die Schwächen in allen Bundesländern. Bildung hängt in Deutschland weiterhin stark von der sozialen Herkunft ab, in den vergangenen Jahren ist diese Abhängigkeit eher noch gewachsen. Wer aus einer akademisch geprägten Familie kommt, hat im Bundesdurchschnitt eine 4,5-mal höhere Chance, aufs Gymnasium zu kommen, als ein Kind aus einer Arbeiterfamilie. Besonders ausgeprägt ist dieses soziale Bildungsgefälle ausgerechnet in Bayern und Baden-Württemberg, die im Vergleich die Spitzenposition eingenommen hatten. Dort haben Akademikerkinder rund 6,5-mal so gute Gymnasiumschancen wie Arbeiterkinder. Den besten Wert erzielte Berlin (1,7). Bayern und Baden-Württemberg setzen weiterhin auf das traditionell dreigliedrige Schulsystem, während andere Länder Real- und Hauptschulen zusammenfassen oder die Grundschulzeit verlängern.

Deutliche Leistungsunterschiede gibt es weiterhin zwischen Kindern mit und Kindern ohne Migrationshintergrund. Im Ländervergleich sind Kinder mit Migrationshintergrund im Südwesten am erfolgreichsten.

In vielen Ländern erreicht in den nichtgymnasialen Bildungsgängen ein erheblicher Anteil der Schülerinnen und Schüler nicht die Regelstandards, dies gilt insbesondere für das Fach Englisch und für die Lesekompetenz im Fach Deutsch.

Der deutsche Pisa-Forscher Jürgen Baumert verlangte in Kenntnis der Ergebnisse erneut eine konsequente Frühförderung und noch mehr individuelle Hilfen für Risikoschüler in Deutschland. Kinder aus Migrantenfamilien und aus bildungsfernen Schichten benötigten wesentlich mehr Unterstützung.

Nach oben