PISA 2006

Ziel der PISA-Studie ist die zyklische, ländervergleichende Erhebung bedeutsamer Kompetenzen von 15-jährigen Jugendlichen in den drei Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften. Jeder Bereich bildet abwechselnd den Schwerpunkt der Untersuchung. In diesem Bereich werden die meisten Aufgaben gestellt. Hier werden auch die differenziertesten Ergebnisse erwartet.
Darüber hinaus werden die Bedingungen von Schulleistungen in Unterricht, Elternhaus und Freundeskreis erfasst, die Einfluss auf die Kompetenzen und das Erleben junger Menschen haben.

Anliegen von PISA ist es, Aussagen darüber zu treffen, wie gut Schülerinnen und Schüler darauf vorbereitet sind, den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Es interessiert weniger, wie gut sie die schulischen Anforderungen des jeweiligen Bildungssystems meistern. Auf Basis dieser grundlegenden, vergleichenden Forschung kann anschließend eine Verbesserung der Bildungssysteme erfolgen.

An PISA 2006 beteiligten sich 57 Staaten (30 OECD-Staaten und 27 Partnerstaaten). International wurden etwa 400.000 Schülerinnen und Schüler getestet. In Deutschland nahmen 225 Schulen am internationalen Vergleich teil. Am 4. Dezember wurden die Ergebnisse in Berlin vorgestellt.

Die Erhebungen wurden in Deutschland im Zeitraum vom 28. April bis 29. Mai 2006 an den 225 Schulen durchgeführt. Nach den Schwerpunkten Lesen bei PISA 2000 und Mathematik bei PISA 2003 wurden bei PISA 2006 vor allem Fähigkeiten in Naturwissenschaften erhoben. Bei den Naturwissenschaften kommen die deutschen Schüler diesmal auf den 13. Platz, verbessern sich gegenüber 2003 um fünf Plätze und liegen erstmals deutlich über dem Durchschnitt der 57 Länder, die bei der Studie mitgemacht haben. Das Leistungsspektrum der OECD-Staaten erstreckt sich von 410 Punkten (Mexiko) bis 563 Punkten (Finnland) bei einem OECD-Durchschnittswert von 500 Punkten. Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreichen 516 Punkte und liegen damit signifikant über dem OECD-Durchschnitt.
Ein direkter Vergleich bei den Naturwissenschaften mit früheren Ergebnissen ist nicht möglich, da sich durch die Schwerpunktsetzung Umfang und Struktur des Tests stark verändert haben.

Sechs Jahre nach dem Pisa-Schock sehen die OECD-Bildungsforscher wenig Verbesserungen an deutschen Schulen. Beim Leseverständnis und in der Mathematik gebe es kaum messbare Fortschritte, heißt es in der in Berlin am 4. Dezember offiziell vorgestellten neuen Untersuchung. Erfreulich sei allerdings die Stärke des deutschen Schulsystems in den Naturwissenschaften.

"Die Studie hat eindeutig Stärken des deutschen Schulsystems aufgedeckt", sagte Heino von Meyer, Leiter des deutschen OECD-Büros, bei der Präsentation Berichts. Die Unterschiede der Erhebung sind deutlich: 2003 gab es 35 Fragen zu allen Disziplinen der Naturwissenschaft, nun 108. Gerade mal 22 zu Physik, Chemie, Biologie und Geografie sind identisch. Bei diesen Fragen haben die deutschen Schüler sich nicht verbessert. Hinzugefügt wurde der komplett neue Bereich des "Wissens über die Naturwissenschaften", außerdem einige Fragen zum Thema Umwelt - etwa zum sauren Regen oder zum Treibhauseffekt. Gerade dort, wo der Test erweitert, geändert und vertieft wurde, konnten die deutschen Schüler punkten. Die Studie zeigt: Deutsche Schüler kennen sich besonders gut aus mit "lebendigen Systemen" wie dem menschlichen Körper, der einzelnen Zelle oder einem Ökosystem. Gut schneiden deutsche Schüler dabei ab, Phänomene wissenschaftlich zu erklären, z. B. den Treibhauseffekt oder die Frage, warum Menschen schwerer atmen, wenn sie sich körperlich anstrengen. Die Streuung der Leistungen in Deutschland im internationalen Vergleich ist relativ groß. Der Bericht über die Ergebnisse des Ländervergleichs in Deutschland wird im vierten Quartal 2008 publiziert werden.

Die Ergebnisse im Lesen und in Mathematik sind weiterhin ernüchternd. Die 440 Seiten starke Hauptstudie und die 60 Seiten starke deutsche Erweiterung der OECD-Studie zeigen, dass die deutschen 15-Jährigen beim Leseverständnis nur vier Punkte mehr als bei der letzten Untersuchung erreichten (Platz 18), in Mathematik holten sie einen Punkt mehr und kamen damit auf Platz 20.

Wie schon in den Jahren zuvor äußert die OECD wieder Kritik am deutschen Schulsystem: Wie in anderen Ländern mit gegliederten Schulsystemen bestehen auch in Deutschland große Leistungsunterschiede zwischen den Schulen. Diese sind ungefähr doppelt so groß wie im OECD-Mittel. Das größte Problem des deutschen Bildungssystems bleibe die Chancenungleichheit: Die Leistungsunterschiede zwischen den Schulen sind in Deutschland ungefähr doppelt so groß wie in anderen OECD-Ländern - und je früher die Kinder auf unterschiedliche Schultypen verteilt werden, desto größer ist die Rolle des Elternhauses. Deutschland und Österreich sind die einzigen OECD-Länder, die Kinder immer noch mit 10 Jahren sortieren. Bei den den Spitzenreitern wie Finnland, Kanada oder Japan lassen sich nur weniger als 10 Prozent der Leistungsunterschiede aus dem sozialen Hintergrund der Schüler erklären - "Qualität und Chancengerechtigkeit in der Bildung gehen Hand in Hand", heißt es in der Studie.

PISA-2006 zeige erneut den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg in Deutschland. Beim Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulleistungen "zeigt sich eine leichte Entspannung", heißt es in der Studie. Schüler aus sozial schwachen Schichten konnten ihre Lesekompetenz etwas steigern – im Gegensatz zu ihren Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften. Der Einfluss des Elternhauses spiele innerhalb der OECD nur in Luxemburg, Ungarn, Frankreich, Belgien und der Slowakei beim Bildungserfolg eine ähnlich große Rolle wie in Deutschland. Vom deutschen Schulsystem abgehängt sind weiterhin viele Migrantenkinder: Sie kommen oft aus sozial benachteiligten Familien und zeigen zudem einen Leistungsabstand zu den einheimischen Kindern. Schüler, die im Ausland geboren sind oder ausländische Eltern haben, schneiden im Schnitt viel schlechter ab als ihre deutschen Altersgenossen, nämlich um 77 Punkte. Das entspricht laut OECD zwei Schuljahren und liegt deutlich über dem Teilnehmerschnitt von 58 Punkten. Noch größer ist die Differenz bei Migrantenkindern, die in Deutschland geboren wurde und ihre gesamte Schullaufbahn hier verbracht haben: Sie erzielen 93 Punkte Abstand zu den einheimischen Jugendlichen, mehr als in jedem anderen OECD-Land. Vierzig Prozent der Schüler aus der zweiten Migrantengeneration haben kaum grundlegende naturwissenschaftliche Kenntnisse.

International stehen nach wie vor Finnland und Korea an der Spitze. Als Aufsteiger wird von der OECD Polen hervorgehoben. Dort haben sich die Schüler im Lesen zwischen 2000 und 2006 um 29 Punkte auf 508 Punkte verbessert. Das Land, so die OECD, ist von einem unterdurchschnittlichen Platz in die Spitzengruppe aufgerückt.

Der Kultusministerkonferenz-Chef und Schulsenator von Berlin, Jürgen Zöllner (SPD), sagte, er sehe in den deutschen Pisa-Ergebnissen "keinen Grund zum Jubeln - aber zur Zuversicht". Pisa wie auch die in der Vorwoche vorgelegte weltweite Iglu-Grundschulstudie zeigten, dass die deutschen Schulen . "Trotz der Erfolge dürfen wir aber die Augen nicht vor den nach wie vor bestehenden Herausforderungen beim Abbau der sozialen Unterschiede verschließen", so Zöllner.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) nannte die vorgestellten Ergebnisse "erfreulich". Ein Schwachpunkt sei aber nach wie vor der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungsniveau. "Da stecken wir noch mitten in den Reformen", sagte Schavan.
 
PISA 2006
       
FAZ: Forscher sehen nur wenig Besserung in Deutschland
Spiegel-Online: Wissen Pisa
ZDFheute: PISA-Studie: Besser, aber nicht wirklich

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