PISA 2009

Zum vierten Mal legt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Dezember 2010 die Ergebnisse der PISA-Studie vor. Ziel der PISA-Studie ist ein Ländervergleich über die Kompetenzen von 15-jährigen Jugendlichen in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften. Jeder Bereich bildet abwechselnd den Schwerpunkt der Untersuchung. Die Schüler machen während des Tests auch Angaben zu ihrem sozialen Hintergrund, wodurch ermittelt werden kann, wie groß der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist.

2009 bildete die Lesekompetenz den Mittelpunkt und das zum zweiten Mal nach der ersten PISA-Studie 2000. Insofern erlauben die neuen Ergebnisse erste Rückschlüsse, inwieweit die im Anschluss an PISA 2000 in Angriff genommenen Veränderungen das deutsche Bildungssystem verbessert haben. An PISA 2009 nahmen weltweit 65 Staaten teil. In Deutschland wurden an 226 Schulen jeweils 27 Fünfzehnjährige getestet.

Insgesamt hat sich das deutsche Bildungssystem in den letzten Jahren verbessert, aber die Leistungen der deutschen Schüler reichen noch immer nicht für eine Spitzenpositionen im internationalen Vergleich. Bei der ersten PISA-Studie 2000 lag Deutschland durchweg auf unterdurchschnittlichen Positionen im OECD-Vergleich. Inzwischen befindet es sich in Mathematik und Naturwissenschaften im besseren Mittelfeld.

Beim Schwerpunkt Lesen wurden allerdings nur ein paar Punkte gutgemacht. Immerhin reicht es auch hier für einen Platz leicht über dem Durchschnitt. Mit 497 Punkten bekamen die deutschen Schüler beim Lesen 13 Punkte mehr als 2000 und erreichten damit Rang 19. Der OECD-Durchschnitt lag bei 494 Punkten. Der Anteil der schwachen Leser ist in Deutschland seit 2000 von 22,6 Prozent auf 18,5 Prozent zurückgegangen. Von den Spitzenländern ist Deutschland allerdings immer noch weit entfernt. Schüler in Shanghai schafften 556 Punkte, in Südkorea 539 und in Finnland 536. Damit haben sie gegenüber deutschen Neuntklässlern einen Vorsprung von rund 40 Punkten, die ungefähr dem Stoff eines Schuljahres entsprechen. Jedoch gehört Deutschland zu den sieben Staaten, in denen sich die Lesekompetenz seit 200 erkennbar verbessert hat.

Bei den Naturwissenschaften kommen die deutschen Schüler auf den 13. Platz und sind mit 520 Punkten deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 500 Punkten. Das Leistungsspektrum der OECD-Staaten erstreckt sich von 330 Punkten (Kirgisistan) bis 575 Punkten (Shanghai). Auch in Mathematik liegen die deutschen Schüler über dem Durchschnitt (496 Punkte). Sie liegen mit 513 Punkten auf Rang 16. Wieder sind die Schüler aus Shanghai mit 600 Punkten am besten. Auch bei Mathematik gehört Deutschland zu den Staaten, die eine sichtbare Verbesserung der mathematischen Kompetenzen über diesen Zeitraum von 2003 bis 2009 hinweg zeigen.

Weiterhin ein bedeutendes Problem im deutschen Bildungssystem ist, dass der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Leistungen der Schüler sehr groß ist. In Deutschland gelingt es nur sechs Prozent der sozial benachteiligten Schüler, trotz ihrer ungünstigen Voraussetzungen ein hohes Leistungsniveau zu erreichen. Im OECD-Durchschnitt sind es acht Prozent. Außerdem führen die Experten 18 Prozent der Leistungsunterschiede unter den Schülern auf deren sozialen Hintergrund zurück.
Gerade im Bereich Lesekompetenz zeigen sich diese Unterschiede deutlich. So erreichen Jugendliche, deren Eltern un- und angelernte Arbeiter sind, 75 Punkte weniger als ihre Altersgenossen, deren Eltern Berufe mit hohem Sozialstatus ausüben. Besonders schwer im deutschen Schulsystem haben es Kinder mit Migrationshintergrund. Beim Lesen erreichten sie 44 Punkte weniger als gleichaltrige Einheimische. Kinder, deren Eltern beide im Ausland geboren sind, erreichen sogar 56 Punkte weniger. Dennoch haben sich gerade diese Kinder in den letzten Jahren enorm gesteigert. 2000 lagen sogar 64 Punkte zwischen den Kindern mit Migrationshintergrund und deutschen Kindern. Die Kinder, deren Eltern beide im Ausland geboren sind, haben sich um ganze 28 Punkte verbessert. Die Studie zeigt also, dass der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserfolg in Deutschland zwar kleiner geworden ist, dennoch ist der Effekt im Vergleich zu anderen OECD-Ländern noch immer groß. 

Die OECD betonte auch bei dieser Studie den Zusammenhang zwischen der frühen Einteilung der Schüler in verschiedene Schulsysteme und den schlechteren Lernergebnissen von sozial benachteiligten Kindern. So heißt es "Je früher die erste Aufteilung auf die jeweiligen Zweige erfolgt, desto größer sind bei den 15-Jährigen die Leistungsunterschiede nach sozioökonomischem Hintergrund – ohne dass deswegen die Gesamtleistung steigen würde."

Das nur leicht verbesserte Abschneiden Deutschlands bei der jüngsten internationalen Pisa-Studie 2009 hat wie bei allen Schulstudien zuvor eine erneute Bildungsdebatte ausgelöst: Deutschland gibt immer noch im Gegensatz zu den meisten OECD-Staaten das meiste Geld für die Oberstufen und die Hochschulen aus - obwohl die frühe Förderung am effektivsten ist. Länger gemeinsam lernen wie bei den Spitzenreitern der OECD-Staaten - dieses Ziel lässt sich im deutschen Schulsystem bisher nicht durchsetzen. Die Ganztagsschule können bisher erst 40 Prozent der Kinder besuchen, obwohl sie insbesondere für Kinder aus bildungsfernen Schichten wichtig ist. Die Kollegien in den deutschen Schulen zählen zu den ältesten in Europa. Pro Jahr werden bis 2020 33.000 Lehrer in Pension gehen. Ihnen gegenüber stehen 26.000 fertig ausgebildete Junglehrer - der nächste Lehrermangel steht also bevor. Die Bildungspolitik bleibt weiterhin eine Baustelle.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) lobt die Ergebnisse der neuen PISA-Studie und gleichzeitig die Arbeit der Bundesregierung in der Bildungspolitik. "Wir sind dem Ziel der Bildungsrepublik Deutschland ein größeres Stück nähergekommen" - man sei aber trotz verbesserter Resultate noch nicht am Ziel.

Die baden-württembergisch Kultusministerien Marion Schick will Sprach- und Leseförderung an den Kindergärten und Grundschulen weiter fördern, damit sich die Leistungen der deutschen Schüler auch weiter verbessern. 

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