Die Präsidentschaftswahl in Frankreich 2017

Sitz des französischen Präsidenten, der Élysée-Palast in Paris.

Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich im Jahr 2017 werden in Europa und weltweit mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der sozialliberale Emmanuel Macron setzten sich bei der ersten Wahlrunde am 23. April 2017 durch und sind damit in der Stichwahl am 7. Mai.

Mit Macron und Le Pen stehen sich zwei grundverschiedene Politikentwürfe gegenüber. Viel steht bei dieser Wahl in Frankreich auf dem Spiel, nicht zuletzt die Zukunft der EU. Le Pen setzt sich für wirtschaftlichen Protektionismus ein, sie will ein Referendum zum Austritt aus der EU, raus aus dem Euro und die "massive Einwanderung" stoppen. Macron hingegen ist pro-europäisch, er gilt als Verfechter einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik und ist wirtschaftlich ein Liberaler.

Erstmals seit Jahrzehnten ist kein Kandidat der Sozialisten oder der bürgerlichen Rechten mehr in der Endrunde vertreten. Mit nur sechs Prozent musste Benoît Hamon - der Kandidat der Partei des scheidenden sozialistischen Präsidenten François Hollande (Parti Socialiste) - eine Wahlschlappe einstecken. Der lange als Favorit gehandelte Konservative François Fillon (Les Républicains), der wegen einer möglichen Scheinbeschäftigung seiner Frau und seiner Kinder keine Chance mehr hatte, verfehlte mit 20 Prozent der Stimmen ebenfalls die Stichwahl. Knapp hinter Fillon belegte Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon (Parti de Gauche) Rang vier.

Der erste Wahlgang fand am Sonntag, 23. April statt.

Quelle: Innenministerium Frankreich, Grafik: LpB-BW, K. Saupe

Wie erwartet, gelang es keinem der Kandidatinnen und Kandidaten, die absolute Mehrheit der Stimmen (mehr als 50 Prozent) auf sich zu vereinen.

Noch am Wahlabend versammelten sich die gescheiterten Vertreter der einstigen Volksparteien hinter Macron und sagten ihm ihre Unterstützung zu.

Ergebnisse des ersten Wahlgangs

KandidatenWählerstimmenErgebnis in Prozenten
Emmanuel MACRON8.528.58523,86 %
Marine LE PEN7.658.990 21,43 %
François FILLON7.126.63219,94 %
Jean-Luc MÉLENCHON7.011.856 19,62 %
Benoît HAMON2.268.8386,35 %
Nicolas DUPONT-AIGNAN1.689.6861,21 %
Jean LASSALLE 433.9961,79 %
Philippe POUTOU392.4541,10 %
Nathalie ARTHAUD231.6600,65 %
Jacques CHEMINADE65.0760,18 %

Quelle: Innenministerium Frankreich

Nach dem ersten Wahlgang ging Emmanuel Macron als Sieger hervor. Doch auch Marine Le Pen konnte für ihre Partei Front-National das bisher beste Erbebnis einfahren. Die Wahlbeteiligung lag bei 78 Prozent.

Damit wird am 7. Mai Marine Le Pen bei der Stichwahl gegen Emmanuel Macron antreten. Die Wählerinnen und Wähler in Frankreich haben dann die Wahl zwischen einem Kandidaten, der für ein offenes, europäisches Land steht oder einer Kandidatin, die genau das Gegenteil will. Den Austritt aus der EU und die Abschottung Frankreichs gegen Einwanderung und Nachbarländer.

Der erste Wahlgang in den Medien:


Die Präsidentschaftswahl wurde im ersten Wahlgang von fünf Namen bestimmt:

  • Francois Fillon ist ehemaliger Premierminister und Kandidat der konservativen Republikaner.
  • Marine Le Pen ist Parteivorsitzende und Kandidatin des rechtspopulistischen Front National.
  • Für die Sozialisten geht der ehemalige Bildungsminister Benoît Hamon ins Rennen. Er ist  Mitglied der Nationalversammlung. Außerdem vorne dabei sind der ehemalige Wirtschaftsminister
  • Emmanuel Macron, parteiunabhängiger ehemaliger Wirtschaftsminister mit seiner Bewegung "En marche!" und
  • der Europaabgeordnete Jean-Luc Mélenchon
Einen Vergleich der Positionen dieser KandidatInnen finden Sie hier.

Kleinere Parteien haben drei weitere Kandidaten nominiert.

Die Kandidatinnen und Kandidaten müssen vor allem Lösungen für die Themen Wirtschaftswachstum und Terror bieten. Jeder zehnte Franzose hat keinen Job, in François Hollandes Amtszeit betrug das Wirtschaftswachstum seit 2012 zwischen 0,18 und 1,27 Prozent. Außerdem hat Frankreich seit 2015 230 Terror-Todesopfer zu beklagen, so viele wie kein anderes europäisches Land. 

Wie die Wahlen 2017 das politische System Frankreichs verändern werden (oder auch nicht) erfahren sie hier anhand von 10 Thesen.


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Übersicht

1. Wer sind die Kandidatinnen und Kandidaten?

Etwa einen Monat vor der Wahl veröffentlicht der Verfassungsrat die Liste der Kandidatinnen und Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2017. Die Liste wird nach Prüfung der 500 erforderlichen Unterschriften erstellt.

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2. Wie funktioniert das französische Wahlsystem?

Der französische Präsident - seine offizielle Bezeichnung lautet Präsident der Republik - wird in allgemeiner und direkter Wahl gewählt. Die Amtszeit des Staatspräsidenten beträgt fünf Jahre. Eine Wiederwahl ist beliebig oft möglich - allerdings dürfen höchstens zwei Amtszeiten direkt aufeinander folgen.

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3. Welche Position hat der französische Präsident?

Der Präsident der Republik ist die zentrale Figur der französischen Verfassung. Er wacht über die Einhaltung der Verfassung, gewährleistet die ordnungsgemäße Tätigkeit der öffentlichen Gewalten sowie die Kontinuität des Staates. Er ist der Garant der nationalen Unabhängigkeit, der Integrität des Staatsgebietes und der Einhaltung der Verträge (Art. 5). Sein Amtssitz ist der Elysée-Palast in Paris.

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4. Wo finde ich Informationen zur Frankreich-Wahl?

Auflistung verschiedener hilfreicher Webseiten zum Thema, darunter Medienberichte, Informationen der  Französischen Nationalversammlung etc.

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5. Zehn Thesen zur Präsidentschaftswahl in Frankreich

Zehn Thesen zur Präsidentschafts- und Parlamentswahl im Nachbarland.
Wie die Wahlen 2017 das politische System Frankreichs verändern werden (oder auch nicht).

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Podiumsdiskussion: Frankreich hat die Wahl

 

Montag, 24. April 2017, 19:30 Uhr

Ort: Haus zur lieben Hand, Löwenstraße 16, 79098 Freiburg

Einschätzungen und Analysen nach dem ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen.
Programm

 
 
 
 
 

Wahlparty in Freiburg

 

Sonntag, 7. Mai 2017 ab 18 Uhr

Ort: SWR Studio Freiburg,
Kartäuserstraße 45, 79102 Freiburg

Wer folgt auf François Hollande im Amt des französischen Staatspräsidenten? Wie erfolgreich wird der Front National und seine Kandidatin Marine Le Pen sein? Wird François Fillon, Emmanuel Macron, Benoît Hamon oder gar Marine Le Pen der/die neue „Erste unter den Franzosen“ sein?
Programm

 
 
 
 
 

Dossier: François Hollande wird 2012 franzöischer Präsident

 

François Hollande ist mit einer deutlichen Mehrheit von 52 Prozent im zweiten Wahlgang am 6. Mai 2012 zum Präsidenten Frankreichs gewählt worden. Damit gibt es einen Macht- und Politikwechsel und zum ersten Mal seit 17 Jahren hat Frankreich wieder einen sozialistischen Präsidenten.

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