Baustein

Die Erinnerung darf nicht enden

Texte und Unterrichtsvorschläge zum Gedenktag 27. Januar

als Bausteine ausgearbeitet von einer Gruppe des Erzieherausschusses der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Stuttgart

Hrsg: LpB, GCJZ, 1997



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Inhaltsverzeichnis



 

Baustein 14

Jorge Semprún: Befreiung Buchenwald


Der Rauch aus den Öfen hat die Vögel vertrieben.
Am Blick erkennt man, wer im Konzentrationslager war.
Die ersten Schritte in die Freiheit

(FAZ, 26.1.1995)


Klassenstufe: ab 10

Beschreibungsbene: Impuls für eigene Unterrichtsgestaltung (D, G)

Themen: Leidens-, Befreiungserfahrung, literarisch durchgestalteter Augenzeugenbericht, Widerstand, Selbstbefreiung,, psychische Folgen, Verdrängung und Erinnerung

Zeitaufwand: je nach Themenstellung 1-2 Unterrichtsstunden

Kombination: Wiechert: Totenwald [11]; Brief: Befreiungsillusionen [12];

Brief: Befreiung Dachau [13]; Mannheimer: Überleben [10]; Lesung


Jorge Semprún: Befreiung Buchenwald @


Jorge Semprún repräsentiert in unserem Konzept zumindest eine der vielen anderen Opfergruppen, deren am 27. Januar gedacht wird. Er kam als politischer Häftling in das Konzentrationslager Buchenwald. Von den ersten beiden Tagen nach der Befreiung handelt der ausgewählte Textausschnitt.

Doch zunächst einige kurze Anmerkungen zur Biographie Semprúns: Er wurde 1923 in Madrid geboren. Während des Bürgerkrieges ging seine Familie nach Paris. Er schloß sich der Resistance an, wurde verhaftet und 1943 nach Buchenwald deportiert. 1945 trat Semprún der KP Spaniens bei, wurde bald Mitglied der Führungsspitze, leitete die Untergrundarbeit und schrieb Romane und Drehbücher. 1964 wurde er aus der KP ausgeschlossen. Zwischen 1988 und 1991 war er spanischer Kulturminister. 1994 erhielt Jorge Semprún den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Der vorliegende Text besitzt zwar die Authentizität eines Augenzeugenberichts, doch er ist unverkennbar nach einem langen Zeitabstand in der Rückschau geschrieben und bewußt literarisch durchgestaltet worden; er ähnelt mehr einer Kurzgeschichte als einem neutralen Tatsachenbericht.

Der Ich-Erzähler steht am Tag nach der Befreiung drei Offizieren in britischer Uniform gegenüber. Ihre Reaktionen, vor allem ihr "blankes Entsetzen" werden für ihn zum Spiegel und Erkenntnismedium für die tatsächliche eigene Situation, für das erlebte Grauen, das aus seinem Blick spricht. Aus dieser Gesprächs-szene erfolgt eine weitere Rückblende auf die Zeit unmittelbar vor dem Ende der NS-Herrschaft in Buchenwald und den vorgehenden Tag, die Befreiung selbst. Sie übersteigt alle Erwartungen: "Keiner von uns hätte diesen Traum je zu träumen gewagt." (Insofern ist dieser Text ein Kontrapunkt zum Baustein 12). Immer wieder geht die erzählte Handlung in Reflexionen über. Einen besondereren Leseanreiz bietet die gelungene sprachliche Durchformung des Erlebten. Weiterführend könnte das - aus heutiger Sicht - problematische DDR-Mahnmal auf dem Weimarer Ettersberg und seine Funktion in die Diskussion einbezogen werden.

Mögliche Impulse/ Arbeitsaufgaben:

  • Kennzeichnen Sie die Erzählsituation und -perspektive!
  • Stellen Sie die äußeren Daten (Ort, Zeit, Figuren) und die Handlungsschritte stichwortartig zusammen.
  • Markieren Sie im Text den Wechsel der Zeitebenen sowie die Variationen im Tempus- und Modusgebrauch und erläutern Sie die Funktion!
  • Arbeiten Sie die Aktionen und Reaktionen der Figuren heraus. Beachten Sie dabei auch die Veränderungen im Selbstverständnis des Erzählers!
  • Formulieren sie mit eigenen Worten, wie in diesem Text "Befreiung" erlebt wird!
  • Stellen Sie Bezüge zu Jurek Beckers Roman "Jakob der Lügner" her, in dem "Buchenwald" als "Signalwort" verwendet wird (S. 99, Z. 4)!

 


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