Baustein

Die Erinnerung darf nicht enden

Texte und Unterrichtsvorschläge zum Gedenktag 27. Januar

als Bausteine ausgearbeitet von einer Gruppe des Erzieherausschusses der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Stuttgart

Hrsg: LpB, GCJZ, 1997



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Inhaltsverzeichnis



 

Baustein 5

Lucy S. Dawidowicz:

"Der Krieg gegen die Juden"


Klassenstufe: ab 10

Beschreibungsebene: Kontrapunkt zu der Verherrlichung Hitlers in den Soldatenbriefen

Zeitaufwand: 1 Unterrichtsstunde

Themen: Hitlers Erscheinungsbild und Wirkung vor seinem Aufstieg

Kombination: Möglichkeit der Fortführung einer Unterrichtsreihe mit den "Soldatenbriefen" [4], speziell in bezug auf die Person Hitlers


Der Text ist geeignet, einen starken Kontrapunkt zur Verherrlichung Hitlers während der NS-Zeit zu setzen. In den Soldatenbriefen erscheint er als mit höherer Weisheit begnadet, ja höheren Mächten näher als andere Menschen. Die radikal nüchterne, kritische Betrachtung des jungen Hitlers durch Zeitgenossen, kann als Einstieg in die Überlegung dienen, wie so ein Mensch so viel Macht gewinnen und soviel Unheil anrichten konnte? Was mußte da alles dazukommen, daß ein ganzes Volk sich diesem Mann und seinen Ideen anschloß?

Der Text kann auch eingesetzt werden, wenn Schüler nach Filmen aus der NS-Zeit ihr Staunen äußern über das Auftreten und die Redeweise Hitlers.

Geeignet als Denkanstoß, als Impuls.


Lucy S. Dawidowicz:

Der junge Hitler


Nur Hitlers Gefolgsleute nahmen seine Ansichten über die Juden ernst. Seine Gegner fanden sie viel zu absurd, um ihnen ernsthaft Beachtung zu schenken, zu irrational und irrsinnig, als daß sie eine vernünftige Analyse und Widerlegung verdient hätten.

Wenn man heute Fotos von Hitler betrachtet, erscheint es leicht verständlich, wieso er unterschätzt werden konnte. Er war ein Prahler, ein Poseur, "einer jener Männer ohne Qualitäten", schrieb Konrad Heiden, mit einem Gesicht "ohne Ausstrahlung".

Auch Hermann Rauschning war der Meinung, seine Erscheinung ermangle "des Glanzes und Funkens echten Feuers". Ein Wissenschaftler, der sich mit "rassischer" Biologie befaßte, beschrieb 1923 Hitler folgendermaßen: "Gesicht und Kopf: schlechte Rasse, Mischling. Niedrige, fliehende Stirn, häßliche Nase, breite Backenknochen, kleine Augen, dunkles Haar; Gesichtsausdruck nicht der eines gebietenden Mannes mit voller Selbstbeherrschung, sondern er verriet wahnsinnige Erregung. Schließlich ein Ausdruck von seligem Egoismus."

Ein "rohkostessender Dschingis-Khan", schrieb Friedrich Percyval Reck-Malleczewen, als er Hitler ohne seinen gewohnten Leibwächter im Jahr 1932 in einem Münchner Restaurant beobachtete.

Damals wäre es in dem fast völlig leeren Restaurant leicht gewesen, Hitler zu erschießen. "Ich hätte es ohne Zweifel getan, sofern mir eine Gewißheit über die Rolle dieses Unflates und über unser jahrelanges Leiden gekommen wäre. Ich nahm ihn damals für nicht mehr als eben eine Witzblattfigur und schoß nicht".

 


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