Baustein

Die Erinnerung darf nicht enden

Texte und Unterrichtsvorschläge zum Gedenktag 27. Januar

als Bausteine ausgearbeitet von einer Gruppe des Erzieherausschusses der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Stuttgart

Hrsg: LpB, GCJZ, 1997



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Inhaltsverzeichnis



 

Baustein 2

Jüdische Küche


Klassenstufe: 5-13

Beschreibungsebene: Impuls für eigene Unterrichtsgestaltung oder Projekt

Zeitaufwand: mindestens 1 Unterrichtsstunde, beliebig erweiterbar

Themen: Speisegesetze, Tradition, Feste, Kennenlernen neuer Kulturbereiche

Kombination: Ergänzung zu den Unterichtsreihen über Judentum im Religionsunterricht; Verweise auf Thematisierung in bereits behandelten Werken (z.B. "Matzen"-Motiv in "Bronsteins Kinder", z.B. S. 9, Z. 23-33 u.ö.); "Kulturfest"; Jüdische Musik [3]


Wer einmal Kantor Frank Barth aus dem Ruhrgebiet bei einem seiner Vorträge erlebt hat, der weiß, daß der Weg durch die Küchentür einer der interessantesten ist, um das Judentum kennzulernen. Jüdische Glaubens- und Lebenspraxis läßt sich nämlich, so lautet Barths Erfahrung, kaum durch bloße Theorie näherbringen, sondern muß praktisch erfahren werden. Der Kantor erzählt - in bester jüdischer Tradition - lieber Geschichten, als daß abstrakte Überlegungen ausbreitet, und fabriziert für seine Zuhörer ganz nebenbei eine klare Gemüsesuppe mit Mazzenknödeln , die er mit einem Glas Wein zum Schluß des Abends anbietet.

Mit allen Sinnen erschließt sich also hier den "Neulingen" ein oft nicht geahnter Kulturbereich. Unterrichtserfahrungen zeigen, daß dieser Zugang über die (Alltags-)Kultur auch Schüler anspricht, die sich historisch ausgerichteten oder auf Betroffenheit zielenden Unterrichtsreihen verschließen.

Mit nur wenig Aufwand läßt sich die "Jüdische Küche" auch in der Schule ausprobieren. Am Gedenktag selbst könnte daraus ein Aktionselement werden.

Eine Hilfe könnte dabei das Kochbuch sein, das die Stuttgarter Rebezzen Noémi Berger 1995 in einer ersten Auflage herausgegeben hat. Außerdem gibt es im Buchhandel ständig Neuerscheinungen, die jedem Interessierten den Einstieg ermöglichen. Die Titel einiger ausgewählter Kochbücher und die Bezugsquelle für spezielle Lebensmittel sind im Anhang aufgeführt.

Falls die Lehrer zuerst einmal selbst die "jüdische Küche" probieren wollen, bietet das Restaurant der Israelitischen Religionsgemeinschaft in der Stuttgarter Hospitalstraße dazu eine Möglichkeit (s. Anhang). Wer in die Ferne schweifen möchte, kommt in Antwerpen (Belgien) in der "Lange Kievitstraat" etwa bei "Hoffy's Take Away" oder in der Bäckerei Steinmetz voll auf seine Kosten. In Amsterdam (Niederlande) lädt das Restaurant des "Joods Historisch Museum" ein, und in der Scheldestraat 55 lockt die Bäckerei "Jerusalem".


Noémi Berger: Mazzenknödel

Zutaten:
4 Mazzen, 4 Eier , 4 EL Öl, Salz, Pfeffer, Mazzemehl, ca. ¼-½ Glas
 

  1. Mazzen in Wasser einweichen und gut ausdrücken
  2. Eier, Öl, Salz und Pfeffer versprudeln. Zunächst ausgedrückte Mazze und dann Mazzemehl dazugeben bis sich eine geschmeidige Knödelmasse ergibt. ½ Stunde stehen lassen
  3. Mit angefeuchteten Händen Knödel formen und in kochender Brühe zugedeckt ca. 20 Minuten bei kl. Flamme kochen

Anmerkung: Werden die Mazzenknödel während des Unterrichts oder eines Projekts vorbereitet, macht es den Schülern erfahrungsgemäß großen Spaß, die Mazzen zunächst mit beiden Händen zu zerkleinern, also selbst grobes Mazzemehl herzustellen, das dann wie im Rezept weiterverarbeitet wird. Es ist dann nicht nötig, noch zusätzlich fertiges Mazzemehl zu ergänzen. Die Knödel werden dann insgesamt etwas gröber. Sie werden mit einer klaren Gemüsebrühe kombiniert.


Elisabeth Wolf Cohen: Beliebter Matzen-Auflauf

Für 6 Personen

Bei diesem Auflauf, der wie ein Nudelauflauf zubereitet wird, werden die Nudeln durch Matzen ersetzt, um ihn für das Pessachfest koscher zu machen. Man kann Zutaten und Gewürze ganz nach dem eigenen Geschmack hinzufügen: Der englische Ausdruck "das ist ein richtiger Matzen-Auflauf" bedeutet ein totales Durcheinander oder einen Wirrwarr!

Für das Pessachfest sollten alle Zutaten koscher sein.

Zutaten:
4 Matzen, Dessert Apfel oder Birne, geschält, entkernt und gerieben, 90 g Rosinen, 45 g weiche, getrocknete Aprikosen, gehackt,60 g Mandeln oder Walnüsse, gehackt und geröstet, 75 g Zucker, 1 TL Zimt, ½ TL geriebener Muskat, 1 EL Honig, Abgeriebene Schale und Saft von einer Zitrone, 3 Eier, 3 EL feines Matzenmehl (Kuchenmehl), 125 g neutrale Margarine, zerlassen, 1 EL Zucker, 2 EL Orangen oder Aprikosenmarmelade

Die in kleine Stücke gebrochenen Matzen in eine große Schüssel geben. Mit kaltem Wasser bedecken und 10 Min. stehenlassen, bis sie etwas weich geworden sind. Gut abtropfen lassen und mit einer Gabel zerdrücken, bis sie fast püriert sind.

Den Backofen auf 180° vorheizen. Eine tiefe quadratische Backform mit einer Kantenlänge zwischen 20 und 23,5 cm dünn ausfetten. Geriebenen Apfel oder Birne, Rosinen, Aprikosen und Mandeln oder Walnüsse zum Matzen geben und gut vermischen. Die Hälfte des Zuckers, Zimt, Muskat, Honig, abgeriebene Zitronenschale und -saft unterrühren.

Die Eier mit dem restlichen Zucker in einer mittelgroßen Schüssel 3-5 Min. schlagen, bis sie dick und cremig sind und der Zucker sich aufgelöst hat. Unter die Matzenmischung heben, bis alles gut vermischt ist. Die Hälfte der zerlassenen Margarine unterrühren, in die Backform füllen und die Oberfläche glattstreichen.

Die Oberfläche mit der restlichen Margarine beträufeln und mit 1 EL Zucker bestreuen. 1 Stunde backen, bis ein Messer, das in die Mitte gestochen wird, sauber bleibt und die Oberseite gebräunt und leicht aufgegangen ist.

Orangen- oder Aprikosenmarmelade in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze mit 1 EL Wasser ernitzen. Die Mischung auf den fertigen Auflauf streichen. Den Auflauf vor dem Servieren mindestens 15 Min. abkühlen lassen.

 


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