Vorwort




Die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts sind gleichzeitig auch Jahre der 50jährigen Erinnerung. Herausgegriffen seien der 8. Mai 1945, der Tag der deutschen Kapitulation, der 6. September 1946 für die "Speech of Hope" des amerikanischen Außenministers James F. Byrnes und der 5. Juni 1947 als offizielles Datum für den Beginn des Marshall-Plans. Verschiedene Institutionen des Landes, darunter auch das Haus der Geschichte Baden-Württemberg und die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg haben dazu vielfältige Aktivitäten initiiert, die an die Wurzeln unseres demokratischen Gemeinwesens nach dem Zweiten Weltkrieg und den Beginn der für uns heute so selbstverständlichen deutsch-amerikanischen Freundschaft erinnern. In den nächsten Jahren werden sich die Tage des Erinnerns an die Entstehung des Grundgesetzes und die Bildung der Bundesrepublik und das Entstehen des Südweststaates anschließen.

Eine ganz entscheidende Wende zwischen totaler Besetzung durch die Alliierten und Neuentstehung eines deutschen Staates - bzw. schließlich zweier deutscher Staaten - war die berühmt gewordene Stuttgarter Rede des damaligen amerikanischen Außenministers James F. Byrnes im Großen Haus. Die ehemaligen Länder Baden und Württemberg waren im Sommer 1945 entlang der Autobahn Karlsruhe-Ulm zwischen der amerikanischen Besetzungsmacht im Norden und der französischen im Süden aufgeteilt worden. Unter Führung der jeweiligen Besatzungsmacht waren drei Länder entstanden: Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden. Das stark zerstörte Stuttgart war damals Sitz des Länderrats, der die Verwaltungstätigkeit in den von den Amerikanern besetzten deutschen Ländern koordinierte. Der entscheidende Impuls dafür, daß die Rede von James F. Byrnes nicht wie ursprünglich vorgesehen in Paris, sondern in Stuttgart gehalten wurde, ging vom stellvertretenden amerikanischen Militärgouverneur Lucius D. Clay aus.

Eingeladen zur Rede waren neben amerikanischen Repräsentanten die Ministerpräsidenten der amerikanischen Besatzungszone. Für Karl Geiler von Hessen, Wilhelm Hoegner von Bayern und Reinhold Maier von Württemberg-Baden war die Bedeutung der Rede klar. In einer am 11. September 1946 in der Stuttgarter Zeitung erschienenen Erklärung hieß es u.a.: "Was er in dieser Rede und auch bei der persönlichen Unterhaltung, die wir Ministerpräsidenten mit ihm führen konnten, ausgeführt hat, hat uns neuen Mut und neuen Auftrieb für die schwierige und verantwortungsvolle Aufbauarbeit gegeben, in der wir stehen." Auch die mit drei Seiten für die damalige Papierknappheit ungewöhnlich ausführliche Berichterstattung der Stuttgarter Zeitung am Tag nach der Rede beweist die große Aufmerksamkeit, die James F. Byrnes schon bei den Zeitgenossen erlangt hat.

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg und die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg haben durch ein gemeinsam veranstaltetes Symposium am 11. Oktober 1996 im Stuttgarter Rathaus die "Speech of Hope" in den Zusammenhang der amerikanischen Nachkriegspolitik und der deutschen Nachkriegserfahrung gestellt. Für die anwesenden Geschichtslehrerinnen und -lehrer war dies so interessant, daß sie eine schriftliche Aufarbeitung der Referate wünschten. Diese liegt hiermit vor und soll über den damaligen Teilnehmerkreis hinaus die Nachkriegsgeschichte im ehemaligen, amerikanisch besetzten Württemberg-Baden aufzeigen. Die Dokumentation ist erneuter Beweis für die gute Zusammenarbeit zwischen den beiden Landeseinrichtungen. Unserer besonderer Dank gilt den Referenten, die sich spontan bereit erklärt hatten, ihr Manuskript zur Verfügung zu stellen. Michaela Christine Meudt, Simone Grimmeisen, Cynthia Bertazzoni und Anna-Maria Welker-Hasani danken wir für die Bearbeitung des Textes sowie Karin Müller vom Haus der Geschichte und dem James-F.-Byrnes Institut für die Bereitstellung der Bilder.

Siegfried Schiele                                                         Thomas Schnabel
Landeszentrale für politische Bildung                           Haus der Geschichte
Baden-Württemberg                                                   Baden-Württemberg