Dokumentation

Europa im Griff der Mafia

 

Internationales Symposium der LpB

25. Oktober 1993 - Stuttgart (Rathaus/Großer Sitzungssaal)



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Klaus C. Rohr
Deputy Legal Attaché, US-Botschaft Bonn

Organisierte Kriminalität in den USA


Ich möchte Ihnen einen kurzen Überblick über die Organisierte Kriminalität in den USA geben. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, daß das Problem der Organisierte Kriminalität kein nationales, sondern ein internationales Problem ist. Die Organisierten Kriminalität hat sich zu einem grenzenüberschreitenden, multinationalen Problem entwickelt. Die modernsten Kommunikations- und Transportmöglichkeiten werden von den Mitgliedern internationaler Verbrecherorganisationen genutzt, um Straftaten durchzuführen. Der Direktor des FBI bezeichnete die Organisierte Kriminalität als eine ansteckende Krankheit, die immer wieder mutiert und sich über die ganze Welt verbreitet. Geldwäsche, Drogenhandel, Waffenhandel, Kfz-Verschiebung, Korruption, Menschenhandel, betrügerische Finanztransaktionen und Handel mit gefälschten oder gestohlenen Wertpapieren gehören zu einer langen Liste von internationalen Straftaten, die der Organisierten Kriminalität zuzurechnen sind.

Das amerikanische Bundesjustizministerium und das FBI definieren die Organisierte Kriminalität als eine fortgesetzte und sich selbst erhaltende kriminelle Verschwörung, die ihre Machtposition durch Einschüchterung und Korruption erhält und von Habgier motiviert ist. Diese Definition enthält einige sehr wichtige Begriffe. Die O.K.-Organisation ist eine Vereinigung, deren erstes Ziel die Machterhaltung ist. Diese Macht kann nur erhalten werden, wenn die Organisation im Geheimen wirkt und alle Konkurrenten sowie die Strafverfolgungsorgane ausgeschaltet sind. Gegen Konkurrenten werden Gewalt und Einschüchterung angewandt, Organe des Staates korrumpiert. Korruption in der Wirtschaft, Politik und in den Verwaltungsbehörden ist unbedingt notwendig, um den Erhalt und den Erfolg einer O.K.-Organisation zu gewährleisten.

Die großen und gefährlichsten O.K.-Organisationen sind so aufgebaut, daß Führungs- und Managementebene fast total isoliert bleiben. Jede O.K.-Organisation besitzt eine hierarchische Struktur. An der Spitze stehen der Boß und sein Führungspersonal. Darunter befindet sich eine breite Managementebene und darunter wiederum die zahlenmäßig weitaus stärkste Ebene, die Arbeitsebene. Der finanzielle Profit der Arbeitsebene fließt über die Managementebene an die Führungsspitze. Umgekehrt werden Befehle von der Spitze an die Arbeitsebene erteilt. Jede Ebene ist von der anderen abgeschottet, die ganze Organisation wiederum ist gegen Ermittlungsbehörden und Konkurrenten abgeschottet.

Die amerikanische Bundesjustiz hat die folgenden Organisationen als die gefährlichsten nationalen und internationalen organisierten Straftätergruppierungen in den USA erkannt:

  • die amerikanische La Cosa Nostra (L.C.N.)
  • italienische O.K.-Gruppen wie die Mafia, N’drangheta, Camorra und Sacra Corona Unita
  • asiatische Verbrechergruppen, chinesische Triaden und Tongs, japanische Borykudan und vietnamesische Gangs
  • süd- und mittelamerikanische Drogenkartelle wie das Kali- und das Medellinkartell
  • osteuropäische Verbrecherorganisationen wie die sogenannte Russenmafia.

Zusammen bilden diese Organisationen eine große Gefahr für ganz Amerika, denn ihr Ziel, sich illegal zu bereichern und das Machtmonopol zu erhalten, verfolgen sie, indem Organe des Rechtsstaats ausgeschaltet oder neutralisiert werden. Die Organisierte Kriminalität strebt an, einen Schattenstaat oder Staat im Staate zu bilden. Wie ich schon erwähnt habe, benutzt die Organisierte Kriminalität Gewalt und Korruption, um ihre Herrschaft durchzusetzen und die Rechte der einzelnen Bürger zu zerstören.

Nicht nur in Amerika, sondern auch in anderen Ländern erhält sich die Organisierte Kriminalität durch das, was in Amerika als "street tax“ bekannt ist. Eine Straßensteuer, die die Organisierte Kriminalität in ihrer Rolle als Staat im Staat von Geschäftsleuten und Unternehmen, aber auch anderen Verbrecherorganisationen einkassiert. Weiter ist die Möglichkeit der Arbeitnehmer zur Vertretung durch Gewerkschaften verloren, wenn die Organisierte Kriminalität die Kontrolle einer Gewerkschaft durch Gewalt und Korruption übernimmt.

Neben dem Verlust von Bürgerrechten bezahlt die Bevölkerung einen weiteren hohen Preis: Jedes Jahr steigen die Zahl und das Elend der Drogenabhängigen, die Milliarden in die Kassen der Organisierten Kriminalität einzahlen, um ihren Stoff, der sie immer tiefer in das Elend zieht, zu kaufen. Alles ist für sie verloren. Heim, Familie und Arbeitsplatz existieren nicht mehr. Das Leben ist auf Beschaffungskriminalität reduziert, und die gesamte Bevölkerung bezahlt schließlich die Millionenkosten an die Kassen der organisierten Drogenbosse.

Die Wharton-Gesellschaft zur Voraussage von Wirtschaftsentwicklungen errechnete in einer Studie, daß das jährliche Bruttoeinkommen von O.K.-Vereinigungen wahrscheinlich 50 Milliarden U.S.-Dollar übersteigt oder etwa 1,1 Prozent des U.S.-Bruttosozialprodukts ausmacht. Die Studie fand heraus, daß die Organisierte Kriminalität in der U.S.-Wirtschaft die Konkurrenz erstickt und Kapital abzieht, was einen Verlust von etwa 400 000 Arbeitsplätzen, eine Erhöhung der Verbraucherpreise um drei Prozent, eine Reduzierung der Produktionsleistung von insgesamt 18 Milliarden und eine Verminderung des Pro-Kopf-Einkommens von 77 U.S.-Dollar jährlich zur Folge hat. Da O.K.-Angehörige die Steuern hinterziehen, mußte der Rest der Bevölkerung im Steuerjahr 1988 nach den Schätzungen ungefähr 6,5 Milliarden U.S.-Dollar mehr an die Bundesbehörden zahlen.

Die Cosa Nostra, die sich seit der Jahrhundertwende in Amerika etabliert und verbreitet hat, liegt an der Spitze der Organisierten Kriminalität in den USA. In den 20er und 30er Jahren gelangte sie zu einer Dominanz über andere O.K.-Gruppen. In vielen Großstädten der USA bezahlen kriminelle Organisationen eine Art Geschäftssteuer an die Cosa Nostra, um ihre eigenen Straftaten durchführen zu können.

Die 2000 eingeweihten Mitglieder der Cosa Nostra gehören zu 24 Cosa-Nostra-Familien. Ihnen untersteht ein Heer von engen Mitarbeitern, die alle dazu beitragen, die Macht und den Gewinn der Cosa Nostra zu erhalten. Durch ihre diversen Straftaten hat die Cosa Nostra Milliarden verdient. Teile dieser Gelder wurden dann zur Infiltrierung des amerikanischen Geschäftslebens eingesetzt. Mittels Strohmännern und Scheinfirmen hat sich die Cosa Nostra nicht nur zahlreiche Vergnügungsstätten, sondern auch Geschäfte in der Textil-, Bau-, Transport- und Lebensmittelwirtschaft sowie Firmen in der Abfallwirtschaft gekauft.

Das heißt, die Cosa Nostra ist in das amerikanische Geschäftsleben nicht mit der Waffe, sondern mit Millionen Dollar eingedrungen. Durch Anwendung von Gangster-Methoden versucht die Cosa Nostra Monopole aufzubauen. Wenn das erreicht ist, steigen die Preise, und die Bevölkerung bezahlt die Zeche. In anderen Fällen werden Unternehmen ausgebeutet und in den Bankrott geführt.

Die Cosa Nostra ist auch in einige der größten Gewerkschaften Amerikas eingedrungen. Durch Anwendung von Gewalt und Korruption gewann die Cosa Nostra die Kontrolle über die Gewerkschaften der Transport-, Hafen-, Bau-, Hotel- und Gaststättenarbeiter. Durch diese Kontrolle wurden Arbeitgeber erpreßt und die Rentenfonds der Gewerkschaften um Millionen von Dollar betrogen.

Hinter der Cosa Nostra stehen italienische Organisationen wie die sizilianische Mafia, N’drangheta und Camorra. Mitglieder dieser Organisationen sind in den 60er Jahren nach Amerika gekommen und haben sich mit der Cosa Nostra liiert. Durch ein Abkommen mit dem Boß der größten Cosa-Nostra-Familie in New York bekamen diese Einwanderer die Genehmigungen, den Handel mit Heroin zu betreiben. Seit dieser Zeit haben sich diese Gruppen immer wieder vergrößert und kontrollieren einen Teil der Straftaten, die einst exklusiv zur Cosa Nostra gehörten. Wie die Cosa Nostra sind diese Gruppen straff organisiert und versuchen, sich nach außen total abzuschotten. Die Mafia, N’drangheta und Camorra sind an der US-Ost- und Westküste sowie in Florida konzentriert. In Illinois, im amerikanischen Mittelwesten, findet man gleichfalls die Mafia.

Kriminelle Gruppen aus Asien haben ebenfalls eine lange Tradition in den USA. Mit den chinesischen Einwanderern im späten 19. Jahrhundert kamen auch Straftäter, die sich dann in Amerika in den chinesischen Tongs organisiert haben. In den letzten 50 Jahren kamen auch Angehörige der chinesischen Triaden nach Amerika. Angehörige der 14K, United Bamboo, Sun ye on und Wo hop to haben sich in New York, Los Angeles, Chicago, Boston, Philadelphia, Denver und Atlantic City etabliert.

Die Triaden, die organisatorisch der Cosa Nostra nahestehen, sind streng hierarchisch aufgebaut und halten sich an eine eiserne Disziplin. Die "Omerta“, das Gebot des Schweigens, gilt auch bei ihnen. Dort heißt es: "Im Leben gehe nicht zur Polizei und im Tode nicht in die Hölle.“ Durch eiserne Disziplin und Brutalität gegen andere haben diese Triaden den Spitzenplatz in der asiatischen "underworld“ übernommen. Sie kontrollieren die Einfuhr südostasiatischen Heroins nach Amerika. Außerdem sind sie auch in illegales Glücksspiel, Menschenhandel, Prostitution, Erpressung, Waffenhandel, Geldwucher und Pornographie involviert.

Die chinesischen Tongs wurden in den USA vor über hundert Jahren als Geschäfts- und Fraternitäts-Organisationen zur Hilfe für chinesische Einwanderer gegründet. Aber schon am Anfang haben sich chinesische Straftäter in diese Tongs eingeschleust. Zur Zeit kontrollieren solche Kriminelle drei der größten Tongs: Hip Sing, Hof Sing und On Leong. Die Tongs sind als kriminelle Organisationen auf Mord, Erpressung, Bestechung, Drogenhandel und illegales Glücksspiel spezialisiert.

Die japanische Borykudan oder Yakuza haben sich ebenfalls in den USA verbreitet. Hier sind sie meistens nicht in die traditionellen O.K.-Straftaten involviert, sondern sie sind in Amerika, um ihr Geld anzulegen.

Die vietnamesischen Gangs, die sich nach dem Vietnam-Krieg in Amerika gebildet haben, sind jetzt die Arbeitsgruppen der Triaden und Tongs. Dazu haben sie einige sehr mobile gewalttätige Gruppierungen aufgebaut und sind mit Raub, Kidnapping und Erpressung beschäftigt.

Die süd- und mittelamerikanischen Drogenkartelle, wie die aus Kali und Medellin, kontrollieren einen großen Teil der Einfuhr und Verteilung von Kokain in den USA. Anders als die Cosa Nostra bestehen sie aus mehreren kleineren Gruppen, die sich nur zum Drogenhandel zusammengetan haben. Jede Gruppe hat eine andere Aufgabe wie z.B. Herstellung, Transport, Verteilung des Rauschgifts oder Geldwäsche.

Die Gewinne der Kartelle sind enorm. Das US-Justizministerium schätzt, daß jedes Jahr weit über 100 Millionen Dollar durch Geldwäsche auf den Konten der kolumbianischen Bosse deponiert werden.

Seit Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre existiert in den USA eine Anzahl von organisierten Verbrechergruppen aus dem ehemaligen Ostblock. Diese Gruppen, die oft mit den Namen Russische Mafia, Malina oder Organizatiya bezeichnet werden, stammen zumeist aus der ehemaligen Sowjetunion. Diese Organisationen, die sich erst in New York angesiedelt hatten, befinden sich jetzt auch in anderen Großstädten wie Los Angeles, San Francisco, Chicago, Houston, Denver und Philadelphia.

Anfangs waren diese Gruppen klein und wenig organisiert, und sie betrieben zumeist Wirtschaftskriminalität. Die Smushkevich-Familie brachte mehreren Versicherungen in einer der größten Betrugsaffären Amerikas einen Schaden von 15 Millionen Dollar bei. Schon in der Mitte der 80er Jahre organisierten sich diese Gruppen und wuchsen zu großen Wirtschaftskonzernen heran. Hier fanden sie einen neuen Partner: die Cosa Nostra. In New York und Los Angeles kam es zu einer Zusammenarbeit in dem "bootleg gasoline“-Geschäft. Das heißt Steuerhinterziehung beim Verkauf von Benzin und Diesel-Öl. Millionen wurden kassiert und gingen dem Staat verloren.

Mit Glasnost und Perestroyka kamen auch neue Verbrecher aus der Sowjetunion nach Amerika. Diese stets zu Gewalttätigkeiten bereiten Personen waren gut organisiert und haben sich in den USA zur Führungsschicht der russischen Organisierten Kriminalität entwickelt. Mit ihnen vermehrten sich auch Straftaten wie Erpressung, Drogenhandel und Mord. Bis jetzt hat diese Entwicklung noch nicht das Niveau der Cosa Nostra erreicht, aber ich bin sicher, daß sich diese Verbrechergruppen durch Nachschub aus dem Osten weiter verbreiten und besser organisieren werden.

Ich glaube, ich habe ein sehr düsteres Bild des Problems der Organisierten Kriminalität in den USA gemalt. Aber ganz so schwarz ist es nicht. Die USA haben ein O.K.-Problem, aber sie liegen nicht im Würgegriff der Mafia, wie manchmal in den Medien und im Film geschildert wird. Der amerikanische Staat hat in den letzten 25 Jahren eine sehr effektive und erfolgreiche Bekämpfung der Organisierten Kriminalität durchgeführt. Durch die Anwendung von weitreichenden Anti-O.K.-Gesetzen und effektiven Ermittlungsmaßnahmen hat der amerikanische Staat große Erfolge gegen die Organisierten Kriminalität erzielt. Über 30 der wichtigsten O.K.-Bosse wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Hunderte von Mitgliedern und Mitarbeitern der kriminellen Managementebene wurden ebenfalls verurteilt und Millionen an Vermögensgegenständen wurden beschlagnahmt.

Die wichtigsten Gesetze zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität sind das Rico- oder Racketeering-Gesetz, das Geldwäschegesetz und die Gesetze über die Beschlagnahmung und den Verfall von illegal erworbenem Vermögen.

Das Rico-Gesetz gab uns die Möglichkeit, strukturierte kriminelle Organisationen wegen ihrer gesamten kriminellen Tätigkeiten strafrechtlich zu verfolgen, anstatt gegen Einzelpersonen zu ermitteln oder die Organisation als eine kriminelle Verschwörung ansehen zu müssen. Durch das Rico-Gesetz erhöhte sich das Strafmaß auf eine Mindeststrafe von 20 Jahren. Es erlaubt auch die Beschlagnahme und den Verfall von Eigentum der O.K.-Angehörigen. Außerdem gibt dieses Gesetz dem Bundesstaatsanwalt das Recht, Zivilklagen gegen O.K.- korrumpierte Organisationen zu erheben.

Das Geldwäschegesetz stellt unter Strafe, die Herkunft von Geldern zu verschleiern, die aus bestimmten Katalogstraftaten stammen. Gewinnabschöpfungsgesetze ermöglichen, Vermögenswerte, die durch Straftaten erworben wurden, im Rahmen von Zivil- oder Strafprozessen zu beschlagnahmen. Mit dem Vermögensverlust kommt auch ein Machtverlust für die Organisierte Kriminalität. Ohne Geld keine Korruption und damit auch keine Kontrolle über das öffentliche Leben.

Ein für ihre Bekämpfung unbedingt notwendiges Lagebild der Organisierte Kriminalität wird durch Vorfeldermittlungen erstellt. Unter Einsatz von Informanten und V-Personen und durch Auswertung von EDV-gestützten Datensystemen wie OCIS (Organized crime information system) werden alle relevanten Informationen gesammelt, um ein Bild über die vorhandenen O.K.-Organisationen, ihre Mitglieder und die begangenen Straftaten zu gewinnen.

Im Rahmen der sogenannten "Enterprise Investigation Theory“ werden weitere O.K.-Ermittlungen durchgeführt, wobei sich die Untersuchungen nicht auf einzelne Straftäter oder Straftaten konzentrieren, sondern auf ganze Organisationen und die von ihnen begangenen Verbrechen erstrecken. Sie basiert auf folgenden Ermittlungsinstrumentarien:

  • Observation
  • verdeckte Ermittler
  • elektronische Überwachung
  • Kronzeugen und Zeugenschutz
  • Gewinnaufspürung.

Der Einsatz von verdeckten Ermittlern wird durch Richtlinien und Vorschriften des Bundesgeneralstaatsanwaltes geregelt. Nach dessen Bericht von 1980 sind verdeckte Ermittlungen legitime, äußerst wichtige Maßnahmen zur Bekämpfung von organisiertem Rauschgifthandel, Wirtschaftskriminalität, Korruption und anderen Schwerverbrechen. In diesen Deliktsfeldern ist der Einsatz von verdeckten Ermittlungen für eine erfolgreiche Aufklärung unbedingt notwendig.

Verdeckte Ermittler werden nur eingesetzt, wenn es keine Alternative zu dieser in die Bürgerrechte eingreifenden Maßnahmen gibt. Der Einsatz wird nur unter strenger Kontrolle der Staatsanwaltschaft und der Polizeibehörde durchgeführt.

Verdeckte Ermittlungen werden in zwei Stufen eingeteilt. Stufe II ist eine kurzfristige, nicht länger als sechs Monate dauernde Maßnahme, die meistens auf dem Gebiet der Bekämpfung des Drogenhandels angewendet wird. Verdeckte Ermittlungen der Stufe I beinhalten den langfristigen Einsatz von verdeckten Ermittlern bei der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität. Stufe-I-Ermittlungen werden schriftlich vom FBI und vom Justizministerium genehmigt. Sie erlauben dem verdeckten Ermittler in bedingtem Ausmaß die Begehung minderschwerer Straftaten. Zur Zeit führt das FBI 42 Ermittlungen der Stufe I.

Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist der langfristige Einsatz von verdeckten Ermittlern zwar sehr wichtig, aber der Erfolg ist begrenzt. Selbst die besten verdeckten Ermittler dringen nicht weiter als in die Managementebene einer O.K.-Organisation vor. Die Führungspersonen haben grundsätzlich nur Kontakt zu Personen, die sie schon lebenslang kennen und die auch schwere Straftaten begangen haben, die kein verdeckter Ermittler begehen dürfte.

Die elektronische Überwachung ist die einzige Ermittlungsmethode, mit der die Polizei in die oberste Führungsschicht einer Cosa Nostra- oder Mafiaorganisation eindringen kann. Die Bosse dieser und anderer Organisationen müssen sich treffen, um ihre illegalen Geschäfte zu besprechen. Diese Gespräche müssen mit elektronischen Mitteln abgehört werden, damit sie dann als Beweis vor Gericht verwandt werden können. Elektronische Überwachung in Amerika ist im "Omnibus Crime Control and Safe Streets Act 1968“ (Title 18, US Code, Sections 2510 - 2521) geregelt. Dieses Gesetz enthält Bestimmungen für die Durchführung von richterlich genehmigten elektronischen Überwachungen. Es wurde 1986 ergänzt durch Public Law 99 - 508 und gilt für alle Formen der elektronischen Überwachung: Telefon, Mikrofon, Fax. Das Verfahren nach diesem Gesetz gliedert sich in drei Stufen: Antragsverfahren, Durchführung der Überwachung, Maßnahmen nach Beendigung der Überwachung. Die Genehmigung und Durchführung der elektronischen Überwachung wird durch das FBI-Hauptquartier, die Justiz und das Bundesbezirksgericht streng kontrolliert. Der Einsatz von Telefon- und Mikrofonüberwachungen wird nur genehmigt, wenn alle anderen Maßnahmen erfolglos waren oder keinen Erfolg versprechen.

Weitere Instrumente bei der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität sind die Kronzeugenregelung und das Zeugenschutzprogramm. Um einen Mafia-Aussteiger als Zeugen zu gewinnen, muß die Justiz ihn und seine ganze Familie schützen können. Dieses ist durch das Zeugenschutzgesetz (Title V, "Organized Crime Control Act 1970“, Part F, Chapter XII, "Comprehensive Crime Control Act 1984“, P.L. Nr 98 - 473) geregelt. Zuständig für die Sicherheit und den Schutz von Zeugenfamilien oder Bekannten des Zeugen in Strafverfahren gegen Organisierte Kriminalität und Schwerkriminalität ist der Bundesgeneralstaatsanwalt.

Zeugenschutzmaßnahmen sind nur zulässig für Zeugen in Ermittlungsverfahren, die die Deliktsfelder unter Title 18, US Code 1961 (Organisierte Kriminalität) und Title 21, US Code (Betäubungsmittelgesetz) und andere Schwerverbrechen tangieren, soweit diese Zeugen wegen ihrer Aussage gefährdet sind. Weiterhin haben Bundesbezirksrichter die Befugnis, Kronzeugen eine erhebliche Strafminderung einzuräumen.

Observation, verdeckte Ermittler und Kronzeugen sind wichtige und auch wirksame Ermittlungsinstrumente. Die elektronische Mikrofonüberwachung aber ist und bleibt das wichtigste und erfolgreichste Mittel. Nahezu alle umfangreichen Strafprozesse gegen Führungspersönlichkeiten der Cosa Nostra, Mafia und anderer O.K.-Organisationen in den USA basieren auf abgehörten Gesprächen. Andere Beweismittel, die durch den Einsatz von verdeckten Ermittlern und anderen Maßnahmen erlangt wurden, fließen ebenfalls in die Verfahren ein. Basis aller großen O.K.-Strafverfahren ist jedoch das mit elektronischen Mitteln abgehörte Gespräch.

Trotz des Erfolges, den wir durch Anwendung der effektiven Anti-O.K.-Gesetze und Ermittlungsmaßnahmen erzielt haben, bleibt die Organisierte Kriminalität ein bedeutendes Problem in den USA. Die Organisierte Kriminalität besitzt eine große Fähigkeit, sich anzupassen. Neue kriminelle Vereinigungen etablierten sich schon, als wir noch dabei waren, die alten zu bekämpfen. Ich bin dennoch überzeugt, daß das Problem der Organisierten Kriminalität gelöst werden kann, doch nur durch weitere effektive Anti-O.K.-Gesetze und -maßnahmen und vor allem durch eine direkte internationale Zusammenarbeit.

In einem Zeitalter, in dem O.K.-Angehörige ihre illegalen Milliardengewinne von einem Land zum anderen elektronisch übermitteln, versuchen die Strafverfolgungsbehörden dieses Geschehen durch langwierigen Briefwechsel zu verfolgen. O.K.-Angehörige fliegen über Nacht um die halbe Welt, um ihre illegalen Geschäfte zu befördern. Auch hier kann die Polizei nur schwer folgen, denn der Rechtshilfeprozeß ist den modernen Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten nicht angepaßt. Die beste internationale Zusammenarbeit scheitert, wenn sie nicht rechtzeitig durchgeführt wird. Darum ist es unbedingt notwendig, daß ein einfacherer und schnellerer Rechtshilfeverkehr zwischen den Ländern der Welt eingesetzt wird. Nur durch rechtzeitige und effektive internationale Ermittlungsverfahren können sich die Strafverfolgungsbehörden gegen die internationalen O.K.-Organisationen durchsetzen.


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