Baustein

"Euthanasie" im NS-Staat: Grafeneck im Jahr 1940

Hrsg: LpB, 2000

 

3 "Grafeneck" im Unterricht

Zielspektrum




Inhaltsverzeichnis     


Wie erläutert, läßt sich auf der Grundlage des Materialteils (s. 4.) ein vielfältiges Spektrum möglicher Unterrichtsziele erstellen:

Die Schülerinnen und Schüler sollen

• am Beispiel Grafeneck die Planung, Zielsetzung, Organisationsstruktur und Durchführung der "Euthanasie" erklären können

• grundlegende Begrifflichkeiten, z.B. Euthanasie, Eugenik, (schul)fachgerecht erläutern und an ausgewählten Beispielen den Unterschied zwischen dem ideologischen Mißbrauch im Nationalsozialismus und der heutigen Verwendung aufzeigen können

• die Bedeutung Grafenecks als Modell für weitere "Euthanasie"-Einrichtungen und die späteren Vernichtungslager erkennen

• den ideologischen Hintergrund der "Euthanasie" als Gegenposition zum christlich-jüdischen Menschenbild und Ethos, zum ärztlichen Berufsethos sowie zur Rechtsordnung erkennen können

• die Kriterien der Auswahl und Vernichtung erläutern können (arbeitsunfähig, [langzeit]-"krank", nicht "deutsch", kriminell, auf öffentliche Kosten versorgt)

• die Proteste der Bischöfe Th. Wurm und C.A. von Galen auf dieser Grundlage in wesentlichen Punkten erarbeiten und ihre Verfahrens- und Argumentationsweise und tatsächliche Wirkung prüfen

• Aspekte der gezielten Tarnung der "Euthanasie"-Aktionen durch die zuständigen Behörden und ihren Umgang mit den Angehörigen der Getöteten kennenlernen

• die Funktion der Propaganda zur Gewinnung von Zustimmung zu "Euthanasie"-Maßnahmen bzw. zur Abwehr von Protesten und Widerstand kennenlernen und dabei besonders die Funktion der Schulmedien beachten

• die Auswirkungen der "Euthanasie" im Nationalsozialismus auf Diskussionen über Sterbehilfe und bioethische Fragestellungen in der Bundesrepublik heute aufzeigen

• Biographien der Ausführenden exemplarisch kennenlernen und sie im Hinblick auf die Gründe ihres Handelns befragen

• den Umgang der Justiz mit diesen Verbrechen exemplarisch erarbeiten

• Formen des Erinnerns und Gedenkens an die Geschehnisse in Grafeneck kennenlernen

• durch Exkursionen eigenständige Erfahrungen in bezug auf den Umgang mit Behinderten heute bzw. hinsichtlich verbliebener Spuren in Grafeneck machen.


 


Copyright ©   2000  LpB Baden-Württemberg   HOME

Kontakt / Vorschläge / Verbesserungen bitte an: lpb@lpb-bw.de