Baustein Ghettos 1939-1944 Texte und Unterrichtsvorschläge Hrsg: LpB, 2000 |
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| Baustein 13 Rollenspiele und szenische Übungen
Mit den Übungen und den kurzen Szenen wird der Versuch unternommen,
das Thema Ghetto und die damit verbundene Ausgrenzung und Unterdrückung
mit dem Erlebnisbereich der Schüler zu verbinden. Dabei sollen natürlich
nicht direkt Szenen aus Ghettos nachgespielt werden, denn die
Darstellung von Pogromen oder unvorstellbaren Grausamkeiten in den
Ghettos der Nazizeit ist nicht möglich. Vielmehr sollen die Themen
Ausgrenzung, Unterdrückung und Gewalt in einer allgemeineren Weise
dargestellt und erfahren werden.
Übung 1: Bilder der Unterdrückung Vierer- oder Fünfergruppen finden sich zusammen. Jeder aus der Gruppe
darf mit Hilfe der anderen sein „Gefühlsbild" (=Figurenstandbild) von
Unterdrückung modellieren, indem z. B. vier Personen eine niederdrücken.
Diese Bilder werden der Großgruppe vorgestellt. Übung 2: Raum wird enger Es gehen alle locker durch den Raum, verwandeln sich nach und nach in
eine Person mit bestimmten Charaktereigenschaften (schüchtern,
aufdringlich, arrogant...) und nehmen Kontakt zu den anderen Mitspielern
auf. Man kann sich z.B. vorstellen auf einer Party zu sein und
pantomimisch ein Sektglas nehmen oder eine Zigarette rauchen u.ä. Auf
ein Zeichen des Spielleiters nehmen die Gäste langsam wahr, daß sich der
Raum immer mehr verkleinert, bis zum Schluß alle wie eingepfercht
zusammengedrückt sind ohne dabei aus der Rolle zu fallen. Übung 3: Ein Radio im Ghetto Ausgangspunkt ist eine Situation, die dem Roman Jakob der Lügner von
Jurek Becker (Frankfurt/M. 1997) entnommen ist. Der Besitz von
Radioapparaten ist bei Todesstrafe im Ghetto verboten. Jakob behauptet
einen zu besitzen und gibt frei erfundene, für die Ghettobewohner
positive Meldungen weiter. Diese Meldungen sollen Hoffnung machen und
das Gruppengefühl stärken (z. B. das Lager steht kurz vor der Befreiung
usw.). Übung 4: Vorschriften und Verbote Eine normale kurze Schulszene mit Lehrer und Schülern wird gespielt. Der Lehrer verbietet nun zum Beispiel das Schreiben und den Blick zur Tafel. Mit diesen Verboten wird die Szene nochmals gespielt. Weitere unsinnige Vorschriften und Verbote kommen hinzu und werden jeweils durchgespielt. Übung 5: Außenseiter Die Gruppe läuft im Raum durcheinander. Alle schauen sich an, sind freundlich und grüßen einander. Der Spielleiter bestimmt einen Mitspieler aufgrund einer Äußerlichkeit wie z.B. seiner Brille oder seiner Haarfarbe zum Außenseiter, den man meiden muß und auch wegen dieser Äußerlichkeit beschimpfen kann. Nach kurzer Zeit trifft das Los des Außenseiters jemand anderen. Auch eine ganze Gruppe kann so zum Außenseiter werden. Übung 6: Die Nachbarn Vor dem Spielen der Szene lesen alle die Zeitungsmeldung (Frankfurter
Rundschau, siehe Baustein 1, S.28), auf der diese Szene basiert.
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