Baustein

Ghettos
Vorstufen der Vernichtung

1939-1944
Menschen in Grenzsituationen

Texte und Unterrichtsvorschläge

Hrsg: LpB, 2000




 

Inhalt


 

Vorwort

Die Greueltaten, die in der Zeit des Nationalsozialismus von Deutschen begangen wurden, sind von einer solchen Ungeheuerlichkeit, daß selbst informierte Erwachsene sich schwer tun, wenn sie damit umgehen wollen oder müssen - zum Beispiel in der Schule im Geschichtsunterricht. Das Ungeheuerliche ist von der Lebenswirklichkeit der Schüler so weit entfernt, daß diese verständlicherweise diesem Thema lieber ausweichen möchten.

Das bringt Lehrer in eine schwierige Situation. Sie wollen und können nicht gegen das Interesse der Schüler unterrichten. Aber dürfen sie dem Desinteresse der Schüler an dem schwierigen Thema „nationalsozialistische Verbrechen" nachgeben?

Wohl wissend, daß zum einen die so rationale Brutalität des NS-Regimes unserer Zeit nur scheinbar fern liegt und daß zum anderen der Lehrer im Alltagsstress nicht immer Zeit und Kraft hat, sich etwas ganz Besonderes zur Bewältigung des angezeigten Dilemmas zu erarbeiten, haben die Autoren der vorliegenden „Bausteine" versucht, Texte für den Schulalltag zu finden, mit denen Schüler direkt angesprochen werden können. Sie haben die Hoffnung, daß die Lehrer, die die NS-Zeit trotz der genannten Schwierigkeiten angemessen behandeln wollen, in ihnen eine Hilfe finden.

Die Texte sind so ausgesucht, daß sie Schüler direkt menschlich ansprechen können, auch wenn sie sich noch nicht mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt haben. Die Autoren denken, daß die Texte die Schüler zu Fragen anregen, von denen aus dann eine eingehende Behandlung des Stoffen möglich wird.

Zur einfacheren Handhabung sind den Texten kurze Einleitungen und auch kurzgefaßte didaktische Anmerkungen beigegeben. Sie sollen dem Lehrer die Vorbereitung erleichtern, indem sie ihm Anhaltspunkte geben, wie er mit den Texten umgehen kann, ohne allzu lange Vorbereitungszeit darauf verwenden zu müssen.

Wir haben die „Ghettos im Osten" als Thema gewählt, weil dieses Thema den Reiz einer gewissen Neuheit haben dürfte, und weil es zu ihm Quellen gibt, die von großer Anschaulichkeit sind. Sie sollen nicht vorwiegend Betroffenheit erzeugen, sondern zum Fragen anregen. Zum Fragen danach, wie so etwas denn nun möglich gewesen ist. Wenn diese Frage gestellt ist, kann der Lehrer im Gespräch mit den Schülern und unter Verwendung weiterer Texte auch Dinge erklären, die den Schülern zunächst fern zu liegen scheinen. Denn wir wissen doch, so fern, wie es oftmals den Anschein hat, liegt die Brutalität des Nationalsozialismus uns gar nicht. Wir brauchen nur die Nachrichten im Fernsehen anzusehen. Und Deutschland hat schmerzlich erfahren, wie schnell die Hemmungen gegen das Brutale schwinden. Die Neonazis führen es der Welt alle paar Wochen wieder vor. Um eine Wiederholung des Rückfalls in die Barbarei zu verhindern, muß die Gesellschaft das Wissen um die Möglichkeit unglaublicher Greueltaten an die kommende Generation weitergeben. Die Autoren hoffen, daß die vorliegenden „Bausteine" dazu einen Beitrag leisten können.

Ein besonderer Dank gebührt Frau Rachel Dror, der Vorsitzenden des Erzieherausschusses der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Nur durch ihre Koordination und ihren charmanten Nachdruck konnte die Arbeit der Kollegen und Kolleginnen ehrenamtlich geleistet werden.

Peter Reinhardt

 


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