Vorwort


Expertenrunden bestätigen die dramatische Situation. Die organisierte Kriminalität nimmt besorgniserregende Ausmaße an, sowohl die Quantität der Straftaten betreffend als auch in der "beeindruckenden" Professionalität. Neben den klassischen Feldern der Rauschgiftkriminalität, des Menschenhandels, der Schutzgelderpressung, des illegalen Glückspiels, des illegalen Handels bzw. Schmuggels von Waffen und Kraftfahrzeugen spielt die Wirtschaftskriminalität eine immer größere Rolle. Die Schäden, die in Deutschland durch illegale Beschäftigung, Kapitalanlagebetrug und Insolvenzdelikte entstehen, gehen in die Milliarden, und dabei handelt es sich nur um die Spitze eines Eisbergs, denn Verluste durch Steuervergehen oder Subventionsbetrug werden oft gar nicht bemerkt oder nur mit großer zeitlicher Verzögerung verfolgt.

Das baden-württembergische Landeskriminalamt registrierte 1995 in diesem Bereich einen rasanten Anstieg. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Wirtschaftsstraftaten um 54,1 Prozent, die Schadenssumme wuchs um 199,5 Millionen auf 725,5 Millionen Mark. Da von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist, hat die Wirtschaftskriminalität für unsere Volkswirtschaft sehr viel größere negative Auswirkungen als bisher vermutet. Darüber hinaus drohen Staat und Gesellschaft tiefgreifende Erosionen, wenn Rechtssicherheit schwindet und marktwirtschaftliche Mechanismen außer Kraft gesetzt werden.

Eine Expertentagung beschäftigte sich vom 12. - 14. Juni 1995 in unserer Tagungsstätte "Haus auf der Alb" in Bad Urach mit dem brisanten Thema "Grenzenlose Geschäfte. Wirtschaftskriminalität in Deutschland und Europa." Das Fachpublikum aus Kreisen der Polizei und Justiz, aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft traf sich mit dem Ziel, die Erscheinungsformen und Ursachen der steigenden Wirtschaftskriminalität zu analysieren, Erfahrungen bei der Strafverfolgung auszutauschen und neue, wirkungsvolle Bekämpfungsstrategien zu diskutieren.

Ich danke dem Justizministerium, dem Innenministerium und vor allem dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg für ihre Unterstützung dieser Veranstaltung. Ich begrüße, daß die 1994 anläßlich der Expertentagung "Organisierte Kriminalität als Herausforderung an Justiz und Gesellschaft" im "Haus auf der Alb" initiierte Idee, eine interministerielle Arbeitsgruppe zu bilden, realisiert wurde und Früchte trägt.

Danken möchte ich allen Referenten, die zum Gelingen dieses Seminares beitrugen, insbesonders Herrn Dr. Ralf Krüger, der in der Tagungsleitung und als Berichterstatter mitwirkte.

Mein Dank gilt auch den für Tagung und Dokumentation verantwortlichen Kollegen Eugen Baacke, Bruno Zandonella, Cynthia Bertazzoni, Wofgang Herterich sowie Sieglinde Hilble, Simone Schneider und Armin Pogadl (Tagungsassistenz und redaktionelle Mitarbeit).


Siegfried Schiele
Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg