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"...es geschah am helllichten Tag!"

Die Deportation der badischen, pfälzer und saarländischen Juden in das Lager Gurs/Pyrenäen

 

Einige Begriffserläuterungen



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Inhaltsverzeichnis


Antisemitismus:
Der Begriff Antisemitismus bedeutet Hass und Gegnerschaft gegenüber den Juden und setzt sich seit Ende der 1870er Jahre in ganz Europa durch. Es gehen Versuche einher, diesen "wissenschaftlich" zu begründen. Die Thesen des Antisemitismus beziehen sich hauptsächlich auf Motive der jüdischen Religion und die Rolle der Juden in der Wirtschaft und anderen Lebensbereichen der westlichen Welt. Der Begriff "Jude" wird über Jahrhunderte mit Stereotypen, negativen Bildern und Verleumdungen assoziiert. Dies geschieht sowohl bewusst als auch gefühlsmäßig und ist meist ohne Bezug zur realen jüdischen Gesellschaft und Religionspraxis.

Arier: Im Altertum (und noch heute) ist "Arier" die Selbstbezeichnung von Völkern in Indien und Iran, die eng verwandte indoeuropäische Sprachen haben. Das Wort "Arier" kommt im 18. Jahrhundert in Westeuropa als sprachwissenschaftlicher Ausdruck in Gebrauch und wird zum Teil gleichbedeutend mit dem Begriff "Indogermanen" verwendet. Die im 19. Jahrhundert aufkommende Rassenideologie prägt den Begriff "arische Rasse", die mit der "nordischen Rasse" gleichgesetzt wird. Im Sprachgebrauch der Antisemiten verengt sich schließlich die Bedeutung von "Arier" auf "Nichtjude".

Assimilation: Assimilation ist ein Prozess, der zumeist von selbst erfolgt. Er wird aber auch häufig durch staatliche Mittel und gesellschaftliche Maßnahmen gefördert; oft sogar gewaltsam erzwungen. Es handelt sich hierbei um die Anpassung bzw. Aufnahme von rassischen, sprachlichen und konfessionellen Minderheiten in eine bisher fremde Mehrheit, deren vorherrschende Kultur angenommen wird.

Deportation: Der Begriff kommt aus dem Lateinischen: deportare = wegtragen. Er bezeichnet die zwangsweise Verschickung von Menschen aus ihren angestammten Wohnsitzen in vorbestimmte Aufenthaltsorte. Dies geschieht durch ihren eigenen Staat oder eine fremde (Besatzungs-) Macht. Die Deportierten bleiben, anders als bei Vertreibung, weiterhin im Machtbereich des deportierenden Staates.

État FranV ais/Vichy-Regierung: Die französische Regierung von 1940 bis 1944 wird als Vichy-Regierung bezeichnet. Nach dem von Ministerpräsident Marschall Ph. Pétain abgeschlossenen Waffenstillstand mit Deutschland wird der westliche und nördliche Teil Frankreichs von deutschen Truppen besetzt. Die Regierung nimmt ihren Sitz im Badeort Vichy im unbesetzten Teil des Landes. Pétain errichtet als Staatschef des État FranV ais ein autoritäres Regime. Leitende Minister sind P. Laval und F. Darlan. Das politische Ziel der Vichy-Regierung ist es, durch eine offen erklärte Zusammenarbeit (Kollaboration) mit den Deutschen, möglichst viel Eigenständigkeit für Frankreich zu bewahren. Als im November 1942 das restliche Frankreich von der deutschen Wehrmacht besetzt wird, verliert die Vichy-Regierung ihre Wirkungsmöglichkeiten.

Internierungslager: Diese Lager dienen im Krieg der Internierung feindlicher Staatsangehöriger oder auch bewaffneter Streitkräfte, die auf neutrales Gebiet übergetreten sind. Innerstaatlich spielt die Internierung, insbesondere in Diktaturen, in Form von Konzentrations-, Straf- oder Arbeitslagern eine Rolle.

Haggada: Die Haggada (hebr. "Aussage", "Sage") ist ein Teil des Talmud, der die Auslegungen und Anwendungen des mosaischen Gesetzes (Tora) enthält. Sie dient der Belehrung, der Unterhaltung und der Erbauung. Die Haggada besteht aus Gleichnissen, Anekdoten, Sprüchen und Legendenerzählungen.

Judenemanzipation: Die Judenemanzipation ist der Prozess der rechtlichen (und in deren Gefolge gesellschaftlichen) Gleichstellung der Juden, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch die Ideen der Aufklärung angestoßen wird. Viele Juden erhoffen sich durch den dadurch ermöglichten Erwerb von Besitz und Bildung den Eintritt in das deutsche Bürgertum. Unterstützung finden sie hierin bei den Liberalen. Die Emanzipation bedeutet für sie, dass Religion nur noch "Privatsache" ist und in der Öffentlichkeit keine Rolle mehr spielt. Aufschwünge in diesem Prozess sind die Napoleonische Epoche, die Revolutionen von 1830 bzw. 1848/49 und der Beginn der Industrialisierung am Ende der 1850er Jahre. Rückschläge kommen immer in den dazwischen liegenden restaurativen Phasen. 1869 wird die volle rechtliche Gleichstellung der Juden im Norddeutschen Bund erreicht, die dann 1871/72 auf das ganze Deutsche Reich ausgedehnt wird.

Judenregal: 1236 werden unter Friedrich II. alle Juden zu Kammerknechten erklärt. Sie sind nun persönlich und wirtschaftlich direkt vom Kaiser abhängig. Zu dessen Rechten gehört die Erhebung einer besonderen Judensteuer, das Judenregal. Dieses Regal kann verkauft und verliehen werden. 1356 geht es an die Kurfürsten über.

Konzentrationslager: Die Konzentrationslager sind während der gesamten NS-Herrschaft ein zentraler Bestandteil des Unterdrückungssystems. Sie dienen der massenhaften Inhaftierung politischer Gegner und aus politischen, rassistischen, sozialen und religiösen Gründen Verfolgter. Zum zentralen Merkmal des Vollzugs entwickeln sich die Zwangsarbeit und die völlige rechtliche und körperliche Ungeschütztheit bis hin zur willkürlichen Tötung.

Nürnberger Gesetze: Am 15. September 1935 werden in Nürnberg zwei Verfassungsgesetze verkündet, die die Grundlage für den Ausschluss der Juden aus dem öffentlichen Leben Deutschlands und für die darauffolgende antijüdische Politik bilden. Das Reichsbürgergesetz legt fest, dass nur Deutsche oder Personen "artverwandten Blutes" vollgültige "Bürger des Reichs" sind. Die deutschen Juden werden zu "Staatsangehörigen" herabgestuft und verlieren ihre politischen Rechte. Das "Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" verbietet u. a. den außerehelichen Verkehr und Eheschließungen zwischen Juden und Deutschen, so genannte "Mischehen". Zum "Volljuden" wird erklärt, wer mindestens drei jüdische Großeltern hat.

Rasse: In der NS-Ideologie gibt es zwei Arten von Rassen, nämlich "höhere" und "niedere". Zu den "höheren Rassen" zählen nur die "Arier", die als "Herrenmenschen" dazu bestimmt sind, über die "niederen Rassen" zu herrschen. Zu diesen "niederen" zählen die Nationalsozialisten vor allem die Juden und die Slawen.

Reichskristallnacht/Reichspogromnacht: Als "Reichskristallnacht" wird der Pogrom gegen die Juden in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 in ganz Deutschland und Österreich bezeichnet. Von offizieller Seite wird er als spontaner "Ausbruch des Volkszorns" dargestellt, nachdem der deutsche Gesandtschaftssekretär Ernst vom Rath in Paris von dem 17-jährigen polnischen Juden Hershel Grynszpan erschossen worden war. Die Bezeichnung "Reichskristallnacht" bezieht sich in verharmlosender Weise auf die vielen zerschlagenen Schaufenster jüdischer Läden. Propagandaminister Goebbels ruft am 9. November 1938 zu "Aktionen" gegen die Juden auf. Synagogen, jüdische Läden und Wohnungen werden zerstört und geplündert. Beteiligt sind vor allem die SA und die Hitlerjugend, aber auch ganz "normale" Bürger. Unter den Juden gibt es über 90 Tote und viele Verletzte. Etwa 30.000, meist einflussreiche und wohlhabende Juden, werden in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Als "Wiedergutmachung" für den Mord an vom Rath wird ihnen eine "Sühneleistung" von einer Milliarde Reichsmark auferlegt.

Reichsvertretung: Im September 1933 wird die "Reichsvertretung der Deutschen Juden" gegründet. Sie ist ein Zusammenschluss jüdischer Gemeinden und Vereine, um die deutschen Juden in ihrer Gesamtheit zu vertreten. Das Ziel einer einheitlichen Organisation steckt sich schon der 1869 gegründete "Deutsch-Israelitische Gemeindebund". 1935 muss der Name in "Reichsvertretung der Juden in Deutschland" geändert werden (ab 1939 "Reichsvereinigung der Juden in Deutschland"). Die Reichsvertretung will gegenüber den staatlichen Stellen die physische und moralische Existenz der deutschen Juden sichern. Sie reagiert z. B. auch auf die "Nürnberger Gesetze" von 1935. Die Reichsvertretung hat keinen anerkannten rechtlichen Status, wird aber von den Behörden akzeptiert. Sie ist die einzige Vertretung der Juden in Deutschland, die von der Regierung als solche anerkannt wird. Im Juli 1943 wird die Reichsvereinigung offiziell aufgelöst. Der aus Stuttgart stammende Otto Hirsch (1885-1941) ist Vorsitzender der Reichsvertretung. Er wird im KZ Mauthausen ermordet.

Ritualmord: Die Ritualmord-Legende behauptet, dass Juden um die Osterzeit (oder auch anderen Anlässen) Christenknaben entführen und kreuzigen bzw. schlachten, um deren Blut zu trinken. Das erste namentlich bekannte "Opfer" ist 1144 William aus Norwich. Noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert gehören Ritualmord-Vorwürfe, auch in Verbindung mit dem Vorwurf des "Hostienfrevels", d. h. der Zerstörung bzw. Verunreinigung von Hostien in katholischen Kirchen, zum Repertoire der Antisemiten; ebenso wie Brunnenvergiftung etc.

Schutzjuden: Im Mittelalter sind eine Anzahl von Juden im Besitz von Schutzbriefen, die sie als Kammerknechte unter den Schutz des Kaisers oder eines lokalen Herrschers stellen. Für diese Schutzbriefe müssen hohe Abgaben entrichtet werden.

Sukkoth: Sukkoth ist das Laubhüttenfest und wird im Herbst nach der Trauben- und Olivenernte gefeiert. Es wird im Gedenken an die vierzigjährige Wüstenwanderung begangen. Das Fest dauert sieben oder acht Tage (15.-21./22. Tischri). Für diesen Zeitraum wird aus Pflanzen im Freien oder auch in Räumen eine stilisierte "Laubhütte" errichtet, in welcher dann die Familie "wohnt", d. h. das Fest feiert.

Vernichtungslager: Diese Lager dienen nur dem einen Zweck, ab Frühjahr 1942 im Rahmen der "Endlösung der Judenfrage", Millionen von Juden, Sinti und Roma u. a. ohne Rücksicht auf Alter oder Geschlecht, zu töten. Es werden keine "Selektionen" durchgeführt, wie etwa in Auschwitz. Wer in ein Vernichtungslager kommt, wird sofort ermordet, auch wenn er oder sie arbeitsfähig ist. Die Opfer werden zum größten Teil vergast; viele werden erschossen. Vernichtungslager sind: Auschwitz-Birkenau, Belzec, Chelmno, Majdanek, Sobibor und Treblinka.

Zionismus: Der Zionismus ist eine politische und soziale Bewegung, die sich das Ziel setzt, einen jüdischen Staat in Palästina zu gründen. Seine Anfänge liegen im 19. Jahrhundert und stehen in Zusammenhang mit dem heraufziehenden Nationalismus in Europa. Der Antisemitismus ist eine entscheidende Ursache für die Entstehung der zionistischen Bewegung. Den organisierten politischen Zionismus begründet Theodor Herzl 1896 mit seiner Schrift "Der Judenstaat" und mit dem von ihm 1897 in Basel einberufenen Zionistenkongress. Vor allem bei den rechtlich nicht emanzipierten und durch Pogrome bedrohten Juden Osteuropas findet der Zionismus starken Anklang. Die weitgehend assimilierten Juden in Mittel- und Westeuropa und Amerika zeigen dagegen weniger Interesse. Sie fühlen sich eher als Bürger ihrer Länder und sehen das Judentum als eine Religionsgemeinschaft an.


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