Dokumentation

Revision des Indienbildes im Schulunterricht

 


Einleitung

Konrad Pflug, LpB

 


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Inhalt


Die Klage war alt: Das Indienbild in deutschen Schulbüchern ist oft selektiv und stereotyp. Bemühungen um eine Verbesserung gab es schon lange, nur mündeten sie nie in den Versuch der praktischen Umsetzung. Die in Zusammenarbeit der Deutsch-Indischen Gesellschaft mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg vorbereitete Fachtagung zur Revision des Indienbildes im Schulunterricht wollte einen anderen Weg gehen: Nicht erneut eine fortgeschriebene Mängelliste aufzustellen, sondern unter Bezug auf die Entwicklung Indiens ein Katalog didaktischer und inhaltlicher Anforderungen für die Behandlung des Landes im Unterricht zu entwickeln.

Es geht schließlich nicht nur um ein schulisches Transferproblem. Vielmehr geht es darum, was Kinder und Jugendliche einer mitten in der Globalisierung stehenden Exportnation über ein Sechstel der Menschheit und deren reale Lebensumstände erfahren. Welches "Image" wird ihnen per Unterricht oder Schulbuch vermittelt, das ihre weitere Rezeption aller Informationen über diesen Teil der Erde bestimmt?

Erstaunlich leicht und schnell gelang es, eine große Zahl an fachkundigen Mitwirkenden zu gewinnen, Voraussetzung für interdisziplinäres Arbeiten. Besonders erfreulich war die zahlreiche Präsenz indischer Kolleginnen und Kollegen.

Im Mittelpunkt der Tagung stand die Arbeit in Arbeitskreisen. Grundlagen dafür legten Einführungen über "Indiens Bedeutung für die Welt in geistesgeschichtlicher Hinsicht" von Prof. Dr. Monika Boehm-Tettelbach, Südasien-Institut der Universität Heidelberg, und von Dr. Rajan R. Malaviya, Institut für Wirtschaft und Politikberatung, Frankfurt, über "Indiens Bedeutung für die Welt in Politik und Wirtschaft heute".

Antje Linkenbach leitete in die Arbeitsphase mit dem Problemaufriß "Realisiert sich eine Utopie? - oder: Was sich in der Darstellung Indiens unbedingt ändern muß" ein. Aufbauend auf früheren Arbeiten referierte sie den Stand der Dinge und formulierte die zentralen Fragestellungen.

"Von den Schwierigkeiten des Schulbuchschreibens..." berichteten anschliessend Prof. Dr. Lothar Rother, PH Schwäbisch Gmünd, Schulbuchautor, und Susanne Seiler vom Justus Perthes Verlag Gotha. Sie illustrierten die Hindernisse beim Schreiben, der Produktion und der Zulassung der Bücher angesichts von 16 Kultusbehörden. Beide unterstrichen ihr Angewiesensein auf breiten, fachlich fundierten, möglichst interdisziplinären Rat.

Einen breiten Raum hatten in der Vorbereitung die Themen- und Aufgabenstellung der Arbeitskreise eingenommen. Klar waren die Fächer, in denen Indien Unterrichtsgegenstand ist, Geographie und Geschichte (nicht immer!). Aber auch in anderen Fächern, bis hin zu Sprachen, Kunst, Musik und auch Mathematik, können indische Themen behandelt werden. So breit konnte die Tagung, sollten Ergebnisse erzielt werden, jedoch nicht angelegt sein. Die Beschränkung erfolgte auf den Bereich `Politik und Sozialkunde', in dem politisch-gesellschaftliche Prozesse per se exemplarisch behandelt werden. Wieder anders war die Lage in den Fächern Religion bzw. Ethik. Hier gibt es einmal die rechtlich gesicherte Lernzielautonomie der Kirchen für erstere, letzteres ist "wertneutral" zu geben und wesentlich auf vergleichende Religions- und Kulturwissenschaft abgestellt. Alle Arbeitskreise waren sich aus theoretischen wie schulpraktischen Gründen in der Forderung einig, daß im Unterricht allgemein kein länderspezifischer, sondern ein interkultureller Ansatz ("Erziehung zum Weltbürger") gewählt werden müsse.

Unmittelbar nach der Tagung konstituierte sich eine Arbeitsgruppe,welche die Arbeit im Auftrag des Bundesvorstands der DIG voranbringen soll. Erfreulich ist die Mitwirkung des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig.

Natürlich gibt es Skepsis, was den Erfolg anbelangt. Diese ist berechtigt, wenn man kurzfristige Erwartungen hegt. Die Präsenz von Kultusbehörden, Instituten, Organisationen, Verlagen und Schulmedienproduzenten weist auf einen konkreten Beratungsbedarf und -bereitschaft hin. Ernster zu nehmen ist der Einwand, das Engagement könnte zu einer schönfärberisch überpointierten Darstellung Indiens führen. Das ist aber keine Frage des Unterrichtsgegenstandes, sondern der Anwendung didaktischer Prinzipien. Und eines aus der politischen Bildung heißt, das was in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft kontrovers ist (sei es in Indien, Deutschland oder anderswo), auch im Unterricht kontrovers dargestellt werden muß.

Die Arbeit an unserer Themenstellung ist Bildungs- wie auswärtige Kulturpolitik zugleich. Die Teilnahme von Botschafter Lambah und des Generalsekretärs der Association of German-Indo Societies, Herrn Anand Singh Bawa, sowie die Übernahme von Schirmherrschaft und finanzieller Förderung durch Außenminister Dr. Kinkel unterstrichen die bilaterale Bedeutung der Fachtagung.

Der hier vorgelegte Protokoll- und Materialband soll zur weiteren Auseinandersetzung mit der Materie anregen.


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