Einleitung


Das Thema Organentnahme und -transplantation berührt uns alle - in erster Linie als Menschen, aber auch als Bürger eines Landes mit hochentwickelter und leistungsfähiger Medizin, die durch Organtransplantation jährlich hunderte Menschenleben retten und Tausenden von Schwerkranken helfen könnte, wenn wir alle bereit wären, uns damit auseinanderzusetzen. Dies erfordert zuerst eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und Sterben. Schon daraus ist zu ersehen, daß eine Fortbildungsveranstaltung, aber auch Diskussionen hierzu fragmentarisch bleiben müssen, da sie die Menschen als Individuen in ihrer großen Mehrzahl gar nicht erreichen.

Um so wichtiger ist das Bemühen um Darstellung der mit der Organspende und -transplantation zusammenhängenden Probleme. Nur ganz selten findet sich ein Thema, das so umfassende gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Relevanz besitzt, daß Ärzte und Naturwissenschaftler, Theologen und Ethiker, Juristen und Gesellschaftswissenschaftler sich zusammenfinden und diskutieren müssen.

Das interdisziplinäre Gespräch, das aufgrund der Gesetzesentwürfe der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 7. November 1995 (Bundesdrucksache 13/2926) und der Fraktion der CDU/CSU, SPD und FDP vom 16. April 1996 (Bundesdrucksache 13/4355) im Deutschen Bundestag sehr intensiv geführt wird, verdient ebenfalls noch mehr Aufmerksamkeit in der Bevölkerung. Dem Gesetzgeber wird die Aufgabe zukommen, im Spannungsfeld zwischen dem Grundrechtsschutz des Einzelnen, zu dessen unverzichtbaren und über den Tod hinaus geltenden Rechten auch die Verfügungsgewalt über seinen toten Körper gehört, und seines Mitmenschen, der ebenso ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit für ein Leben in individueller Freiheit hat, die richtige Entscheidung zu finden. Es geht um die Tausende von Mitmenschen im Jahr, die nach ihrem Tod einem anderen helfen können und es geht um die ebenfalls Tausende, die die Hilfe der anderen zum Überleben oder Weiterleben in Würde benötigen. Wir können jederzeit und plötzlich zu einer der beiden Gruppen gehören.

Der vorliegende Tagungsband ist im wesentlichen aus der von der Landeszentrale für politische Bildung und dem Justizministerium Baden-Württemberg gemeinsam veranstalteten Tagung "Organentnahme und Transplantation im Spannungsfeld zwischen Ethik und Gesetz" hervorgegangen. Die Tagung hat nicht nur versucht, das Thema durch Beiträge aus der Medizin, Medizinethik, Theologie und Rechtswissenschaft zu erfassen, sondern durch die Teilnahme von Ärzten, Richtern und Staatsanwälten auch den interdisziplinären Dialog ermöglicht. Daß dieser - auch durch die Verbreitung dieser Dokumentation - fruchtbar fortgesetzt wird, bleibt zu hoffen. Schon jetzt ist den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, vor allem aber den Autoren der Beiträge für ihr Engagement herzlich zu danken. Ein ganz besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Dietmar Abendroth, der den Druck dieser Dokumentation durch sein Engagement als 1. Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Transplantationschirurgie in Ulm und dessen finanzielle Unterstützung erst möglich gemacht hat.

Außerdem danken wir Herrn Prof. Dr. Gerhard Dannecker und Frau Monika Görtz-Leible, Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozeßrecht und Informationsrecht an der Universität Bayreuth, herzlich für ihren Beitrag, denn damit gewinnt die juristische Argumentation an Bedeutung. An dieser Stelle ein Dank an den Nomos Verlag Baden-Baden, der uns die Veröffentlichung dieses Aufsatzes erlaubte.


Eugen Baacke                                                                                            Alexander Schwarz