Einleitung
Es sind Revolutionen ausgebrochen, gleich mehrere im Medienbereich, und das nach dem angeblichen Ende der Geschichte. Wir hören von der Informationsrevolution, der Fernsehrevolution, der Multimediarevolution.
Was uns diese Revolutionen bringen werden, ist durchaus umstritten. So beklagen die einen den Niedergang zum Fast-Food-Journalismus, die anderen begrüßen das kurz-knapp-knackige der neuen Angebote für die Informationselite. Die einen bedauern neue Abhängigkeiten und eine neue Klassengesellschaft von Informierten und Unwissenden, die anderen bejubeln die neuen Freiheiten und die demokratischeren Zugänge zu Informationen.
Was wird von der politischen Rolle, die die Medien so gerne beanspruchen, noch übrigbleiben? Werden wir sie am Tage danach noch wahrnehmen als die vierte Gewalt im Staate - also als kontrollierendes, kritisierendes und kommentierendes Organ der Meinungsbildung - oder nur noch als harmlos und königstreu?
Die erste Leitfrag ist: Wie erscheint unter veränderten Bedingungen die Welt in unseren Medien?
Von der Auslandsberichterstattung im Fernsehen handelt der Beitrag von Susanne Gelhard. Patrick Kammerer, Fritz Brakhage und Franz Bittner zeigen, wie Politiker und Politikerinnen - vornehmlich in Wahlkämpfen - sich inszenieren oder inszeniert werden.
Zum zweiten wollen wir die Umbrüche in der Medienlandschaft genauer betrachten. Klaus Merten beschäftigt sich mit Veränderungen im Umgang mit Medien, Walter J. Schütz mit den Entwicklungen im deutschen Pressewesen zwischen 1945 und 1995. Die neuen Anforderungen an den Lokaljournalismus stellt Werner Müller dar.
Kurt Oesterle blickt zurück in die Pressegeschichte. Mit Erich Schairer stellt er einen Zeitungsmanne vor, der wohl nicht zu Unrecht mit dem Prädikat eines "schwäbischen Karl Kraus" ausgezeichnet worden ist. Dies war einer der "Kulturbausteine" in unserer Tagung. Die Originalzitate wurden dabei von dem Schauspieler Martin Schleker vorgetragen.
Was wird aus den Medien, wenn sie zwischen Medienkonzernen (und deren ökonomischen Imperativen) und politischen Instanzen (und deren Regulierungs- oder Anpassungsversuchen) stehen - also zwischen ökonomischer und politischer Macht? Und wo bleibt da die journalistische Freiheit? Diesen Fragen wenden wir uns abschließend zu. Aus der Sicht des privaten Fernsehanbieters RTL gibt darüber Thomas Kreyes Auskunft. Die öffentlich-rechtliche Position stellt Verena Metze-Mangold dar.
Die Podiumsdiskussion, die am Ende unserer Tagung stand und von S2-Kultur, unserem Partner bei dieser Tagung, ausgestrahlt wurde, dokumentieren wir am Ende dieses Bandes. Für die gute Zusammenarbeit mit S2-Kultur und insbesondere mit Wolfgang Hübsch wollen wir uns an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bedanken.
Gottfried Böttger ,Wolfgang Hesse, Markus Hug