Baustein

"Zwischen Romantisierung und Rassismus"


Sinti und Roma
600 Jahre in Deutschland

als Bausteine ausgearbeitet

Hrsg: LpB, 1998



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Inhaltsverzeichnis 


 

Vorwort


Mit der Ratifizierung des Rahmenübereinkommens des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten durch die Bundesregierung im Herbst 1997 hat sich die Bundesrepublik Deutschland ebenso wie die anderen Unterzeichnerstaaten verpflichtet, ihren jeweiligen nationalen Minderheiten volle und effektive Gleichheit in allen Bereichen des ökonomischen, sozialen, politischen und kulturellen Lebens zu gewähren". Diese Verpflichtung umfaßt im Bereich der Wissenschaft, Bildung und Erziehung neben der Sicherung von Chancengleichheit und der Förderung eines interkulturellen Dialogs auch die sachkundige Vermittlung von Wissen über die Geschichte und Gegenwart der nationalen Minderheiten in Schule und Unterricht.

Es gehört mit zu den Aufgaben wie zum Selbstverständnis der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg die Verwirklichung gesellschaftlicher und politischer Teilhabe für Minderheiten auf dem Weg schulischer und politischer Bildungsarbeit voranzutreiben.

Die deutschen Sinti und Roma sind die einzige Volksgruppe in Baden-Württemberg, die den Status einer nationalen Minderheit erhalten hat. Wie ernst die Landeszentrale für politische Bildung diesen Bildungsauftrag nimmt, - nämlich die Wahrnehmung und das Bewußtsein für die besondere Geschichte, die Kultur und Gegenwart der Sinti und Roma zu schärfen - dokumentiert das vorliegende Heft, das in enger Zusammenarbeit mit dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg konzipiert und verwirklicht wurde.

Als Einstieg in diese bisher vernachlässigte Bildungsmaterie wurden unter einem interdisziplinären Blickwinkel Beiträge zusammengefaßt, die den Lehrerinnen und Lehrern an den Schulen in Baden-Württemberg Basisinformationen über die Geschichte - insbesondere über den nationalsozialistischen Völkermord und seine spezifischen Auswirkungen für die Angehörigen der Sinti und Roma bis in die unmittelbare Gegenwart - ferner über die Kultur und gegenwärtige Lebenswirklichkeit und nicht zuletzt über die antiziganistischen Vorurteilsstrukturen und Zigeunerbilder", mit denen die Sinti und Roma konfrontiert werden, vermitteln.

Eine solche Handreichung kann freilich keine Unterrichtsmaterialien, Schulbücher oder didaktische Anleitungen ersetzen, die dringend erforderlich und in weiteren Schritten zu entwickeln sind; sie kann allenfalls Zugänge zu einem jahrzehntelang verschütteten und verschwiegenen Thema ermöglichen.

Denn anders als etwa der Antisemitismus oder die Vernichtung der europäischen Juden wurde der Antiziganismus und der Völkermord an den Sinti und Roma in der demokratisch verfaßten Bundesrepublik nicht aufgearbeitet und in den Schulen nicht zum Gegenstand historischer, ethischer, sozialer und kultureller Bildung.

Insofern können auch die Möglichkeiten und Grenzen dieser Publikation klar gefaßt werden: Als Wegweiser setzt sie im schulischen Bildungssystem einen Grenzstein gegenüber der bisherigen Praxis der Nichtwahrnehmung der Minderheit und signalisiert zugleich einen neuen Aufbruch, der in der Bildungsplanung, in der Didaktik, in der Lehreraus- und -fortbildung, bei den Schulbuchautoren und den Verlagen zu weiteren ermutigenden Schritten führen mag.

Es bleibt zu wünschen, daß diese Basislektüre bei den Lehrerinnen und Lehrern auf großes Interesse stößt, so daß diese Thematik in der Lehrerfortbildung vertieft werden kann.

Daniel Strauß,

Landesvorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg

Karl-Ulrich Templ

Stellv. Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg



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