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Fernsehdebatten (Presidential Debates)

Kennedy und Nixon, 1960Die Präsidentschafts-Debatten im Fernsehen sind die Mega-Ereignisse des Herbst-Wahlkampfes. Ob Nixon, Kennedy oder Bush - sie alle mussten sich ihren Kontrahenten und einem Millionenpublikum stellen. Oft war dies auch wahlentscheidend. Mit hitzigen, spontanen Wortduellen haben die "Debatten" häufig wenig zu tun. Sie werden von den Wahlteams exakt vorbereitet, mögliche Fragen und Antworten werden mit den Kandidaten einstudiert, die Körpersprache wird trainiert. Der Sieger der Debatte steht nicht unmittelbar am Abend der Diskussion fest. Entscheidend ist die mediale Nachbereitung und Aufbereitung der Diskussion - welche Kernaussagen werden in den Zeitungskommentaren und TV-Nachrichten und Analysen in den Mittelpunkt gerückt. Erst dann wird man wissen, wer in der Diskussion gepunktet hat und Vorteile für seine Kampagne erzielen konnte. Für das Duell von McCain und Obama gibt es einen langen Verhaltenskodex, in dem die Rahmenbedingungen der Debatten festgehalten werden. Nichts wird dem Zufall überlassen.
Festgelegt wurden drei Debatten der Präsidentschaftskandidaten und eine der Kandidaten für die Vizepräsidentschaft. Die Debatten wurden auf jeweils 90 Minuten festgelegt, es gab jeweils einen Moderator. Veranstaltet wurden die Fernsehdebatten 2008 von der Kommission für Präsidentschafts-Debatten.

Die Kommission für Präsidentschafts-Debatten (CPD), eine Non-Profit-Organisation, organisierte alle Debatten seit 1988. Die CPD entwickelt für die Kandidaten Auswahlkriterien, wer überhaupt an den Debatten teilnehmen kann. Sie schlägt auch die Termine, Orte und Formate für die Debatten vor. Die Kriterien für die Teilnahme an den Debatten sind sehr hoch, was von Bürgerrechtsorganisationen und den anderen Präsidentschaftsbewerbern auch kritisiert wird. So muss ein Bewerber z.B. mindestens 15 Prozent der Stimmen in fünf ausgewählten Wahllokalen erreichen. Dies hat zur Folge, dass nur die Präsidentschafts - und Vizepräsidentschaftskandidaten der Republikaner und der Demokraten sich der Debatte stellen. Unabhängige Kandidaten haben keine Chance.

Debatten im Internet
Die Internet-Plattform MySpace ist von der Commission on Presidential Debates (CPD) dazu ermächtigt worden, ein eigenes Portal zu den kommenden Debatten im US-Präsidentschaftswahlkampf zu starten. Auf der Plattform wird eine spezielle Software zum Download zur Verfügung gestellt, die eine Verfolgung von Debatten der Präsidentschaftskandidaten per Live-Videostream ermöglicht und diese für eine spätere On-Demand-Nutzung archiviert. Des Weiteren wird es auf dem Portal auch möglich sein, interaktiv an den politischen Diskussionen teilzunehmen und eigene Fragen an die Kandidaten zu übermitteln. Auf diese Weise soll sich jeder Wähler ein besseres Bild davon machen können, welche Standpunkte die Anwärter auf das höchste Amt in den USA zu bestimmten Fragen und Problemen haben.

Termine:

26. September: Erste Debatte der Präsidentschaftskandidaten in der University of Mississippi, Oxford.
Themen: Außenpolitik und nationale Sicherheitsfragen werden im Mittelpunkt der Debatte stehen.
Format: Es wird jeweils neun 9-Minuten-Segmente geben. Der Moderator wird das Thema ansprechen, jeder Kandidat hat 2 Minuten Zeit zu antworten, dann erfolgt eine Diskussion in den verbleibenden 5 Minuten.
Moderator: Jim Lehrer, PBS

First Presidential DebateDas erste TV-Duell zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama (Demokraten) und John McCain (Republikaner) stand im Schatten der schweren Finanzkrise in den USA. Bei der Frage nach konkreten Rezepten wichen beide Kandidaten den Fragen des Moderators allerdings aus. Sie wollen aber parteiübergreifend bei einer Lösung der Finanzkrise zusammenarbeiten. Jim Lehrer, der Moderator der Debatte, bemühte sich vergeblich, den Kandidaten Bekenntnisse und Pläne zu entlocken, die der Dramatik der Finanzkrise angemessen waren.

Den schärfsten Austausch gab es bei der Außenpolitik. Beide Senatoren wiederholten ihre bereits bekannten Ansichten. McCain nannte Obamas Plan für einen Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak innerhalb von 16 Monaten "gefährlich". Die Entsendung von weiteren 30.000 Soldaten, mit denen es gelungen sei, die Gewalt im Irak deutlich einzudämmen, habe Obama nicht unterstützt. Mehrfach sprach McCain Obama die Kompetenz in der Sicherheits- und Außenpolitik ab. Obama bekräftigte seine Ansicht, dass der Irak-Krieg von Beginn an ein Fehler gewesen sei und dass er ihn von Anfang an abgelehnt habe. Zudem habe der Irak-Krieg zu einer Vernachlässigung des Kampfes gegen die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan geführt.
Beim Thema Iran stritten sich die beiden darum, ob direkte Gespräche mit der iranischen Regierung sinnvoll wären.

Den meisten Kommentatoren zufolge ging das Duell unentschieden aus.

2. Oktober: Debatte der Kandidaten für die Vizepräsidentschaft in der Washington University, St. Louis
Themen: Außen- und Innenpolitik
Moderatorin: Gwen Ifill, PBS

Vice Presidential DebateIn ihrer mit Spannung erwarteten Fernsehdebatte haben sich Joseph Biden (Demokraten) und Sarah Palin (Republikaner) einen lebhaften Schlagabtausch geliefert. In der Debatte griffen sich die beiden "Running Mates" persönlich kaum an, sondern versuchten die Zuschauer davon zu überzeugen, dass ihr jeweiliger Präsidentschaftskandidat am besten geeignet sei, die USA in den gegenwärtigen schwierigen Zeiten zu führen. Die Kontrahenten präsentierten sich dabei als volksnahe Politiker, die die Sorgen und Nöte des Durchschnittsbürgers verstehen.
Die größten Kontroverse zwischen den beiden Vizepräsidentschaftskandidaten gab es in der Irak-Politik. Palin warf den Demokraten vor, sie wollten kapitulieren. Sie kritisierte Obama für seinen Widerstand gegen die Aufstockung der US-Truppen im Irak. Dabei habe gerade dieser Schritt zur Eindämmung der Gewalt im Irak geführt. Biden entgegnete, die Republikaner lägen mit ihrer Politik absolut falsch. McCain habe bislang nicht nachweisen können, dass seine Pläne sich auch nur im geringsten von denen seines Parteifreundes, Präsident George W. Bush, unterscheiden.
Inhaltlich offenbarte die Debatte die großen Differenzen zwischen den beiden politischen Lagern. Dies zeigte sich am deutlichsten in der Energiepolitik. Biden wirbt für Solarstrom, Windkraft und Biodiesel. Palin setzt auf die Förderung heimischer Energiequellen. Biden hielt ihr entgegen, dass die USA drei Prozent der globalen Ölreserven besitzen, aber fast 30 Prozent des weltweit konsumierten Öls verbrauchten. Palin fiel dazu nur ein: "Energie aus Alaska leistet viel für Amerikas Energieunabhängigkeit."

Joe Biden spielte seine politische Kenntnis und Erfahrung aus und zeigte Detailkenntnis. Sarah Palin bot nur Glaubenssätze. Die Blitzumfragen nach der Dabatte sahen Biden als Sieger mit 51 zu 36 Prozent.

7. Oktober: Zweite Debatte der Präsidentschaftskandidaten in der Belmont University, Nashville
Format: Debatte vor Publikum - Der Moderator ruft die Fragen des Publikums auf und stellt Fragen aus dem Internet. Jeder Kandidat hat zwei Minuten, um die Frage zu beantworten. Im Anschluss an diese Antworten wird der Moderator den Bewerbern die Möglichkeit geben, auf die Antworten des Gegenkandidaten eine Minute lang zu reagieren.
Moderator: Tom Brokaw, NBC

Second Presidential DebateBeim zweiten Fernsehduell zwischen den Präsidentschaftskandidaten Obama und McCain dominierte das Thema Finanzkrise. Die Debatte  in Nashville bot trotz ihres neuartigen Formats des "Bürgerforums" (town hall meeting) kaum Überraschendes. Obama und McCain saßen auf Barhockern in der Mitte einer kleinen Arena, um sie herum einige Zuschauertribünen, von denen aus Wähler ihre Fragen stellen durften.

Barack Obama sprach von der schlimmsten Finanzkrise seit der Weltwirtschaftkrise und erklärte: "Dies ist der Schlussstrich über die gescheiterte Wirtschaftspolitik der vergangenen acht Jahre." Die Regierung während der Ära von Präsident George W. Bush habe weitgehend auf Eingriffe im Finanzsektor verzichtet und sei davon ausgegangen, dass der Wohlstand auf alle herabregnen wird, was nicht passiert sei. Doch auch Obama fiel nur sein "Wir müssen der Mittelschicht helfen, es müsse Steuererleichterungen für den Mittelstand geben" ein. John McCain schlug als wichtigsten Schritt zur Stabilisierung der Finanzmärkte und zur Wiederbelebung der Wirtschaft vor, dass der Staat die faulen Hypotheken von Millionen zahlungsunfähiger Hausbesitzer aufkaufen soll, deren Häuser wegen des Preisverfalls auf dem Immobilienmarkt heute weniger wert sind als sie ihren Banken schulden. Beide Politiker sicherten den von der Finanzkrise betroffenen Mittelschichten Hilfen zu.

Zu einem Schlagabtausch kam es über die Steuerpolitik. McCain hielt Obama vor, er wolle im Falle eines Wahlsieges die Steuern für 60 Prozent der Kleinunternehmer erhöhen. McCain plädierte für Steuersenkungen für mittelständische Unternehmen, um Investitionen zu ermöglichen. Insgesamt habe Obama während seiner Zeit als als Senator in 95 Prozent aller Fälle für Steuererhöhungen oder gegen Kürzungen votiert. Obama versprach, wer 250.000 Dollar oder weniger im Jahr verdiene, könne im Fall seiner Präsidentschaft mit Steuerkürzungen rechnen.

Auch in der Außenpolitik gab es wieder die gewohnte Kontroverse. Obama erklärte mit Blick auf die Finanzkrise, der Irak-Krieg koste die USA jeden Monat zehn Milliarden Dollar, Geld, das jetzt dringend für die Sanierung des Finanzsystems gebraucht würde. McCain warf Obama vor, der von ihm geplante Rückzug aus dem Irak komme einer Niederlage gleich.

15. Oktober: Dritte Debatte der Präsidentschaftskandidaten in der Hofstra University, Hempstead
Themen: Haushalt- und Wirtschaftspolitik
Format: Wie bei der ersten Präsidentschafts-Debatte, zusätzlich kann jeder Kandidat eine 90-Sekunden Abschlusserklärung abgeben.
Moderator: Bob Schieffer, CBS

Third Presidential DebateBeim dritten und letzten Fernsehduell haben sich die Kandidaten Obama und McCain heftig attackiert. Unter dem Druck schlechter Umfragewerte verstärkte der Republikaner McCain die Konfrontation und versuchte, wie schon im Wahlkampf, seinen demokratischen Rivalen Obama in die Nähe radikaler Kräfte zu stellen. Obama warf McCain vor, einen zunehmend konfrontativen Wahlkampf zu führen.

Keiner der beiden Kandidaten konnte neue Wege zur Überwindung der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise aufzeigen. Mit Blick auf die Finanzkrise warf McCain dem Demokraten vor, die Steuern erhöhen zu wollen und einen "Klassenkampf" zu starten. Obama entgegnete,  McCain würde die Mittelklasse vernachlässigen, nur die großen Unternehmen entlasten und wolle die gescheiterte Politik von George W. Bush fortsetzen. "Wenn Sie gegen Bush kandidieren wollen, dann hätten Sie vor vier Jahren antreten sollen. Ich bin nicht Bush", konterte McCain. Mit 300 Milliarden Dollar will McCain den in finanzielle Not geratenen Hausbesitzern helfen.

Beim Thema Energiepolitik sagte Obama, die Autoindustrie müsse effektivere Autos bauen, die weniger Benzin verbrauchten. Werde in solche Autos, aber auch Wind- und Sonnenkraft investiert, könnten etwa fünf Millionen neue Jobs geschafft werden. Damit könne die USA angesichts der Wirtschaftskrise unabhängiger von Ölimporten aus dem Ausland werden. Auch McCain sprach sich für den verstärkten Einsatz regenerativer Energiequellen, aber auch für den Bau neuer Atomkraftwerke aus. "In zehn Jahren können wir unsere Abhängigkeit reduzieren, damit wir nicht länger Öl aus dem Nahen Osten oder Venezuela importieren müssen", sagte McCain.

Insgesamt dürften nur wenige Wähler ihre Meinung auf Grund der Debatte über Wirtschaftsfragen geändert haben. Dazu waren die Positionen der beiden Seiten schon zu gut bekannt. "Ein Punktsieg, aber kein K.O.-Sieg", so fasste ZDF-Korrespondent Klaus-Peter Siegloch Barack Obamas Auftritt in der letzten Debatte zusammen.

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  • LpB-Spezial:

    US-Wahl 2004
    Amerika hat gewählt. Überraschend deutlich hat George W. Bush das Rennen um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika gegen seinen Herausforderer John Kerry gewonnen.  Bush konnte über das ganze Land gesehen seinen Rivalen um mehr als 3,5 Millionen Stimmen abhängen. Landesweit kam Bush auf 51 Prozent der Stimmen, Kerry auf 48 Prozent.
     
  • VERFASSUNG DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
    vom 17. September 1787
    Wir, das Volk der Vereinigten Staaten, von der Absicht geleitet, unseren Bund zu vervollkommnen, Gerechtigkeit zu verwirklichen, die Ruhe im Innern zu sichern, für die Landesverteidigung zu sorgen, die allgemeine Wohlfahrt zu fördern und das Glück der Freiheit uns selbst und unseren Nachkommen zu bewahren, setzen diese Verfassung für die Vereinigten Staaten von Amerika in Geltung.
     
  • Bundeszentrale für politische Bildung:
    Zeitschrift Informationen zur politischen Bildung Heft 283
    Politisches System der USA
    Die nächsten US-Präsidentschaftswahlen finden im Jahr 2008 statt. Dieses zum 44. Mal stattfindende Ereignis erregt angesichts des weltpolitischen Einflusses der USA auch in den übrigen Ländern großes Interesse.

    Dossier der Bundeszentrale: USA


     
  • WIKIPEDIA
    Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten
    Politisches System der USA
     
  • Der nächste US-Präsident...
    In diesem Blog geht es um die Präsidentschaftswahl in den USA 2008 - und um alles drumherum. Sie finden hier Nachrichten, Hintergründe, Kommentare und werktags eine frühmorgendliche Presseschau. Einzelne Seiten zu den Kandidaten, den Themen der Debatte und den wahlentscheidenden Faktoren bieten einen raschen Einstieg in das Thema.
     
  • Centrum für angewandte Politikforschung
    US-Wahl 2008
    Hier finden Sie chronologisch geordnet alle Seiten auf der C·A·P-Website, die in Form von Event-Berichten, Meldungen, Interviews, Positionen, Presseartikeln bis hin zu Publikationen das Thema "US-Wahl 2008" behandeln.

 

 

 

 

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