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Die Wahlprogramme der
US- Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain
Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Aussagegehalt, Durchsetzbarkeit,
europäische Erwartungen – eine Kommentierung
(Autor: Sebastian Dregger)
IV. Durchsetzbarkeit
Das amerikanische politische System zeichnet sich wesentlich durch das System
der Checks and Balances aus, welches eine übergroße Machtkonzentration bei
einer der drei politischen Gewalten verhindern soll. Vor diesem Hintergrund
erscheint es äußerst unwahrscheinlich, dass der neue amerikanische Präsident
die Forderungen seines Wahlprogramms eins zu eins umsetzen können wird, selbst
für den Fall, dass er dies tatsächlich versuchte. Allerdings gilt hierbei zu
bedenken, dass der noch amtierende Präsident George W. Bush seinem Nachfolger
eine Exekutive hinterlässt, die mit unfangreichen Kompetenzen ausgestattet
ist. Die Frage wird also sein, ob der neue amerikanische Präsident die starke
Stellung, über die das Präsidentenamt momentan verfügt, unverändert übernehmen
kann oder ob dieser in Zukunft Machteinbußen gegenüber dem Kongress in
hinnehmen muss?
1. Die Grundlagen der Rivalität zwischen Präsident und Kongress
Das Verhältnis des Präsidenten zum Kongress in den USA ist durch ein
kompliziertes Mit- und Gegeneinander geprägt. Beide Gewalten sind aufeinander
angewiesen, wenn ein neues Gesetz erlassen werden soll; beide Gewalten haben
ferner den Auftrag darauf zu achten, dass die jeweils andere Gewalt nicht zu
mächtig wird. Die erste Wurzel dieser Rivalität ist die amerikanische
Verfassung aus dem Jahre 1787, welche beiden Gewalten institutionell
getrennte, aber dennoch miteinander verwobene Aufgaben zuweist. So verfügt der
Kongress über alle legislative Gewalt, allerdings kann der Präsident mit einem
Veto jedes Gesetz
blockieren. Dieses Veto kann wiederum nur von einer 2/3-Mehrheit in beiden
Häusern des Kongresses unwirksam gemacht werden. Zwar ist der Präsident der
Oberbefehlshaber der Armee im Kriegsfalle, allerdings liegt das Recht, Krieg
zu erklären beim Kongress. Eine weitere Wurzel der Rivalität liegt im
amerikanischen Wahlsystem. Dieses sieht vor, dass der Präsident, die Senatoren
sowie die Mitglieder des Repräsentantenhauses unabhängig voneinander und für
verschieden lange Amtsperioden gewählt werden. Ferner gilt es die besonders
starke Stellung der einzelnen Kongressabgeordneten sowohl im Senat als auch im
Repräsentantenhaus als weitere Wurzel der Rivalität zu bedenken. Die dortigen
Abgeordneten sind nämlich in erster Linie eigene politische Unternehmer, die
vor allem ihrer Wählerklientel und weit weniger ihrer Partei verpflichtet
sind. Dies hat zur Folge, dass die Rivalität zwischen Kongress und Präsident
auch dann grundsätzlich besteht, wenn der Präsident sowie die Mehrheit im
Kongress derselben Partei angehören. Als letzte Wurzel der Rivalität gilt
schließlich der häufig vorkommende Fall zu bedenken, dass der Präsident einer
anderen Partei angehört als die momentane Mehrheit im Kongress, was zur Folge
hat, dass die Rivalität dieser beiden Verfassungsorgane noch zusätzlich
verstärkt wird.16)
____________________
16) Zu den verschiedenen Wurzeln der Rivalität zwischen Präsident und
Kongress: Peter Rudolf, Rückkehr zur Rivalität – Kongress und Präsident in der
amerikanischen Außenpolitik am Ende der Ära Bush, SWP, März 2008, S.7-9.
http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=4806
2. Die „unitary executive“ unter George W. Bush
Als Folge der Ereignisse des 11. Septembers 2001 gelang es George W. Bush die
präsidialen Kompetenzen gegenüber dem Kongress erheblich auszuweiten, so dass
es in der Folge zu einer Verschiebung der Machtbalance zwischen diesen beiden
Gewalten gekommen ist. 17) So gelang es dem Präsidenten nur wenige Wochen nach den
Terroranschlägen am 26.10.2001 ein Gesetzespaket, den so genannten Patriot Act
18), vom Kongress ratifizieren zu lassen, welches die Exekutive mit einer Reihe
von erheblichen Sondervollmachten ausstattet, um den internationalen
Terrorismus effektiver bekämpfen zu können. Da die Geltung des Patriot Act auf
vier Jahre befristet war, entbrannte 2005 erneut die Diskussion über die
besondere Machtfülle des Präsidenten. Dabei gelang es Bush, auch unter dem
Eindruck der Terroranschläge in London im gleichen Jahr, bis auf zwei
Ausnahmen, die Maßnamen des Patriot Act vom Kongress dauerhaft festschreiben
zu lassen, was dann im USA Patriot and Reauthorization Act of 2005
19) geschah,
den Bush am 9.März 2006 unterschrieb. Allerdings gelang es einer Gruppe von
Kongress-Mitgliedern unter der Führung des republikanischen Senators John
McCain ein Folterverbot von so genannten feindlichen Kombattanten in
US-Gewahrsam im Rahmen der Haushaltsbewilligung für das Jahr 2006 im Kongress
durchzusetzen, welches schließlich von Präsident Bush, wenn auch
zähneknirschend, am 6.Januar 2006 unterschrieben werden sollte. Allerdings
dürfte die Lesart dieses Gesetzes durch den Präsidenten John McCain und seinen
Mitstreitern wenig gefallen haben: In seinem signing statement bezüglich
dieses Gesetzes mit dem Titel „Detainee Treatment Act of 2005 (H.R. 2863)“ im
Rahmen des Haushaltsgesetzes von 2006 20) formulierte er die Doktrin der „unitary
executive“, welche laut Bush die besondere Machtstellung des Präsidenten in
Zeiten des Terrors gegenüber dem Kongress rechtfertigt
21).
Als Bush am 9.März
2006 den USA
Patriot and Reauthorization Act of 2005 unterschrieb, berief er sich in seinem
signing statement ebenfalls auf die Doktrin der „unitary executive“. Denn gehe
es um den Schutz der Vereinigten Staaten, erfordere, so Bush, die Amtsgewalt
des Präsidenten als Oberster Befehlshaber eine untergeordnete und dienende
Rolle des Kongresses und der Gerichte 22), was letztlich bedeutet, dass es für
die Exekutive möglich ist, eine Reihe von Sonderrechten gegenüber dem Kongress
und dem Supreme Court in Anspruch zu nehmen. Zu diesen besonderen Vollmachten
in Krisenzeiten für die Exekutive zählen laut Präsident Bush etwa das Recht
des Präsidenten Gesetzte, die zum Kampf gegen den internationalen Terrorismus
erlassen werden, selber bei deren Umsetzung auszulegen und falls notwendig per
Exekutivorder zu ergänzen. Zudem behält sich Bush in Zukunft das Recht vor,
seine Informationspflicht bei der Ausführung der erlassenen Gesetze gegenüber
dem Kongress bis auf weiteres einzustellen, wenn dadurch aus Sicht des
Präsidenten die nationale Sicherheit gefährdet werden könnte.
____________________
17) Zu dieser gesamten Entwicklung mit weiteren Einzelheiten: Josef Braml,
Defizite der Vorbild-Demokratie USA, Das Parlament, 08.09.08.
http://www.das-parlament.de/2008/37-38/Beilage/003.html
18) Uniting and Strengthening America by Providing Appropriate Tools Required
to Intercept and Obstruct Terrorism (USA PATRIOT ACT) Act of 2001, The Library
of Congress.
http://thomas.loc.gov/cgi-bin/query/z?c107:H.R.3162.ENR:
19) PATRIOT Improvement and Reauthorization Act of 2005.
http://www.usdoj.gov/olp/pdf/usa_patriot_improvement_and_reauthorization_act.pdf
20) NATIONAL DEFENSE AUTHORIZATION ACT FOR FISCAL YEAR 2006.
http://www.coherentbabble.com/signingstatements/PublicLaws/HR1815PL109-163.pdf
21) George W. Bush, Statement on Signing the National Defense Authorization
Act for Fiscal
Year 2006, January 6, 2006.
http://www.coherentbabble.com/signingstatements/Statements/SShr1815.pdf
22) George W Bush, Statement on Signing the USA PATRIOT Improvement and
Reauthorization Act of 2005, March 9, 2006.
http://www.coherentbabble.com/signingstatements/Statements/SShr3199s2271.pdf
3. Die voraussichtliche Entwicklung der präsidialen Macht unter dem neuen
US-Präsidenten
Bedenkt man die Besonderheiten, die zu der enormen Erweiterung der präsidialen
Machtfülle unter George W. Bush geführt haben und bedenkt man ferner die
Besonderheiten der momentanen politischen Lage in den USA, so ist davon
auszugehen, dass die „imperiale Präsidentschaft“ George W. Bush keine
Fortsetzung finden wird. Es ist also wahrscheinlich, dass das Pendel in
Zukunft wieder zu Gunsten des Kongresses umschlagen wird.
George W. Bush konnte letztlich seine Macht nur vor dem Hintergrund der
Terroranschläge des 11.Septembers 2001 in der beschriebnen Art erweitern. Ein
solcher Angriff einer feindlichen Macht aus dem Ausland auf die USA muss aber
als absolute historische Seltenheit betrachtet werden, was dazu führt, dass in
Zukunft kaum mehr ein solches Bedürfnis nach Sicherheit und starker Führung
durch den Präsidenten bei einer Mehrheit der Amerikaner bestehen wird wie dies
nach dem 11. September 2001 für lange Zeit der Fall war. Inzwischen nämlich
hat sich die politische Agenda in den USA stark verändert, wie sich an den
Wahlprogrammen der beiden aktuellen Präsidentschaftskandidaten sehr deutlich
erkennen lässt: Bei beiden Kandidaten stehen die Wirtschafts-, Gesundheits-
und Klimapolitik sowie eine Reform des Lobbyismus in den USA an zentraler
Stelle ihrer Programme, wohingegen das Thema „Innere Sicherheit und
Terrorismusbekämpfung“ nur eine untergeordnete Rolle spielt. Dabei zeigt die
Erfahrung, dass der Präsident vor allem dann Macht für sich bündeln kann, wenn
es um das Thema „Innere Sicherheit“ geht. Wenn es jedoch um Wirtschafs-,
Steuer- und Gesundheitspolitik geht, also um Bereiche, bei denen zentral das
Haushaltsbewilligungsrecht des Kongresses im Vordergrund steht, dann ist der
Präsident gezwungen, Machtbefugnisse an den Kongress abzugeben, was für eine
stärkere Rivalität der beiden Gewalten in Zukunft spricht.
Schließlich spricht das desaströse Erbe George W. Bush und dessen „imperialer
Präsidentschaft“ für eine Rückkehr zur alten Rivalität zwischen Präsident und
Kongress im Rahmen des Systems der Checks and Balances. Denn es sind nicht nur
die Rekordstaatsverschuldung und die beiden riskanten Militärinterventionen in
Afghanistan und im Irak, die auf das Konto George W. Bushs gehen. Während
seiner Zeit als Präsident hat die moralische Glaubwürdigkeit und
Vorbild-Funktion der USA als älteste moderne Demokratie der Welt international
erheblichen Schaden genommen, vor allem bedingt durch die Folterskandale in
Abu-Ghuraib und durch die zeitlich unbestimmte Internierung von Gefangenen auf
dem Militärstützpunkt Guantánamo.

V. Europäische Erwartungen
Die Präsidentschaftswahl in den USA wird sehr aufmerksam und intensiv in
Europa verfolgt, wie man an der umfangreichen Presseberichtserstattung in den
letzten Wochen und Monaten leicht erkennen kann. Die Europäer verbinden also
mit dem Ausgang der Wahl in den USA eine Reihe von Erwartungen. Nach der
Abkühlung des transatlantischen Verhältnisses während der Bush-Jahre,
besonders nach der amerikanischen Irakinversion 2003, welche in vielen
europäischen Staaten auf scharfe Kritik stieß, stellt sich nun die Frage, ob
es in Folge des sich abzeichnenden Wechsels im Weißen Haus zu einer erneuten
Annäherung zwischen den USA und den europäischen Staaten auf vielen
Politikfeldern, vor allem in der Außenpolitik, kommen wird?
1. Europäische Präferenz für Obama trotz Distanz zu vielen seiner
Positionen
Im August 2008 hat der German Marshall Fund eine Umfrage mit dem Titel „Transatlantic
Trends“ 23) in 12 europäischen Staaten durchgeführt, welche zu einem klaren
Ergebnis 24) kam : In den teilnehmenden Staaten ist Obama der eindeutig beliebtere
Kandidat; ihn möchte die große Mehrheit der Europäer als kommenden Präsidenten
sehen, und zwar 69% der Befragten, wohingegen nur 29% der Europäer einen
Präsidenten McCain lieber hätten. In Deutschland sind es sogar 83%, die für
einen Präsidenten Obama stimmen würden. Daneben glauben 47% der Befragten,
dass eine mögliche Wahl Obamas zum US-Präsidenten die transatlantischen
Beziehungen verbesserten. Bei einem Präsidenten McCain meinen dies nur 11% der
Europäer. Allerdings belegt die Umfrage auch, dass eine Vielzahl der Europäer
massive Vorbehalte gegenüber einer Reihe von Obamas politischen Forderungen
hegt, so dass auf keinen Fall von der Popularität des demokratischen Bewerbers
auf eine weitgehende Zustimmung zu seinen politischen Positionen geschlossen
werden darf. So betrachten etwa nur 43% der befragten Europäer den Iran als
eine existenzielle Sicherheitsbedrohung, wohingegen 76% der Amerikaner dies so
sehen und sowohl Obama als auch McCain eine mögliche nukleare Aufrüstung
dieses Landes unter allen Umständen verhindern möchten. Daneben sind nur 43%
der Europäer für eine Fortsetzung der Militärintervention in Afghanistan
bereit, gegenüber 76% in den Vereinigten Staaten. Obama wiederum kündigt in
seinem Wahlprogramm an, dass die durch einen Abzug im Irak freiwerdenden
Truppen verstärkt in Afghanistan eingesetzt werden sollen, was darauf
schließen lässt, dass er den Afghanistan-Krieg unbedingt weiter führen will.
Daneben beabsichtigt Obama weder die Todesstrafe abzuschaffen noch schärfere
Waffengesetze zu erlassen. Zumindest werden diese beiden von Europäern immer
wieder geforderten Anliegen mit keinem Wort in Obamas Wahlprogramm
angesprochen, so dass bei diesen beiden Themen keine Änderung des Status Quo
in den USA auch unter seiner Präsidentschaft zu erwarten ist. Angesichts
dieser inhaltlichen Differenzen könnte die Popularität Obamas in Europa sogar
zum Bumerang für die transatlantischen Beziehungen mutieren: Denn gegenüber
ihm als US-Präsidenten wird es für die europäischen Staaten in Zukunft viel
schwerer sein, sich gegenüber amerikanische Erwartungen, etwa bei einer
stärkeren europäischen Beteiligung im Afghanistaneinsatz, zu verschließen, was
bei der allgemeinen Unbeliebtheit George W. Bushs in Europa bisher kein
größeres Problem, ja mitunter sogar richtig populär war. Man denke hier nur
etwa daran, wie es dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder bei der
Bundestagswahl 2002 geschickt gelang, sein
kategorisches Nein zu einer amerikanischen Militärinvasion im Irak für seine
Wiederwahl als Bundeskanzler gewinnbringend einzusetzen.
25)
____________________
23) German Marshal Fund, Transatlatic Trends, August 2008,
http://www.transatlantictrends.org/trends/doc/Transatlantic%20Trends_deutsch.pdf
24) Übersicht über die wichtigsten Ergebnisse der Studie: Gregor Peter
Schmitz, Europeans Back Obama but Not Necessarily His Policies,
Spiegel
Online, 10.9.2008,
http://www.spiegel.de/international/world/0,1518,577449,00.html
25) Severin Weiland, Schröder und Stoiber werfen Nebelgranaten, 05.08.2002,
Spiegel Online,
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,208316,00.html
2. Strukturelle Unterschiede in der Außenpolitik zwischen den USA und
Europa
Sicherlich ist davon auszugehen, dass ein Präsident Obama zu einem erheblichen
Imagegewinn der USA in Europa verhülfe. Auch dürfte es dann zu verstärkten
gegenseitigen Konsultierungen und Übereinstimmungen auf einigen
außenpolitischen Politikfeldern, wie zum Beispiel in der Klimapolitik,
zwischen Europa und den USA kommen. Allerdings existiert bereits seit dem Ende
des Kalten Krieges in den USA und in Europa eine fundamental verschiedene
Sichtweise auf drei zentrale Aspekte der internationalen Beziehungen. Dies
betrifft zum einen die Bedeutung des Völkerrechtes. Europäer neigen dazu, die
Wirksamkeit dieses Mittels bei der Lösung internationaler Konflikte zu
überschätzen. Tatsächlich zeigen aber die vielfältigen gewalttätigen Konflikte
seit dem Ende des Kalten Krieges, auch vor der Haustür der EU wie etwa im
ehemaligen Jugoslawien, dass das internationale Gewaltproblem mit dem
Völkerrecht keineswegs gelöst ist. Das aktuelle Völkerrecht zeichnet sich
nämlich dadurch aus, dass es nicht zwingend in einem Streitfalle gegenüber den
Konfliktparteien durchgesetzt werden kann, da es bekanntlich keine Weltpolizei
und keinen Weltgerichtsvollzieher gibt. Der IGH wiederum kann nur Recht in
einer Sache gemäß dem Völkerrecht sprechen, wenn beide Streitparteien dies
wünschen.
Eine zweiter grundlegender struktureller Unterschied betrifft die Einschätzung
der Rolle militärischer Macht in den Internationalen Beziehungen: Dort wo die
Europäer dazu neigen, die Wirkmächtigkeit des Völkerrechtes zu überschätzen,
neigen die Amerikaner dazu, militärische Einsätze im Allgemeinen und ihre
militärische Macht im Besonderen zu überschätzen. Zwar wäre es naiv, gegenüber
zum Beispiel gerissenen und entschlossenen Diktatoren, die
Terrororganisationen unterstützen oder nach Massenvernichtungswaffen streben,
im Konfliktfalle von vornherein auf möglichen militärischen Druck zu
verzichten. Allerdings zeigen die weitgehend gescheiterten US-Militäraktionen
in Afghanistan und im Irak zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus die
deutlichen Grenzen dieser Option: Militäraktionen sind sehr kostspielig. Sie
sind ferner äußerst riskant, da der Ausgang militärischer Interventionen immer
ungewiss ist und im schlimmsten Falle sogar genau das Gegenteil des
ursprünglichen Zieles erreicht werden kann, wie etwa die gescheitete
UN-Militärintervention in Somalia unter US-amerikanischer Führung zwischen
1993 und 1995 auf drastische Weise zeigte. Schließlich sind Militäreinsätze,
je länger sie andauern, in den grundsätzlich kriegsaversen Gesellschaften der
USA und der europäischen Staaten immer schwerer innenpolitisch durchzusetzen,
wenn die anfangs versprochen Erfolge ausbleiben.
Darüber hinaus pflegt man auf beiden Seiten des Atlantiks ein völlig anderes
Verständnis von multilateraler Zusammenarbeit zur Lösung internationaler
Probleme. Die europäischen Staaten orientieren sich bei ihrer Vorstellung von
multilateraler Zusammenarbeit immer an ihrem eigenen Vorbild der Europäischen
Union, einem Zusammenschluss gleichberechtigter Staaten, die grundsätzlich
bereit sind, einen Teil ihrer Souveränität an eine übergeordnete Institution
zu übertragen. Die USA hingegen sind zu einer grundsätzlichen Abgabe eines
Teils ihrer Souveränität an eine übergeordnete Institution, etwa die NATO oder
die UN, nicht bereit. Multilaterale Koalitionen haben für sie vor allem einen
pragmatischen Ad-Hoc-Charakter: Sie dienen dazu, die Lasten einer gemeinsamen
Operation auf verschiedene Schultern zu verteilen sowie die internationale
Legitimation der jeweiligen Operation zu erhöhen. Wenn es darüber hinaus für
die USA nicht möglich ist, Partner für ein gemeinsames Vorgehen in einem
internationalen Konflikt zu finden, welcher vitale Interessen der USA berührt,
dann ist die amerikanische Regierung jederzeit dazu bereit, alleine zu
handeln, so dass letztlich der amerikanische Multilateralismus immer nur ein
Multilateralismus à la carte ist.
Diese drei strukturellen Unterschiede in der jeweiligen außenpolitischen
Betrachtungsweise werden kaum durch die Wahl Obamas verschwinden. Sie werden
vielmehr auch in Zukunft zu einer Reihe von Spannungen zwischen den USA und
ihren europäischen Partnern führen.

VI. Literaturverzeichnis
Dokumente
- Barack Obama im Fernsehduell mit John McCain am 26.9.2008 in Mississippi,
Debate Transcript.
http://www.olemiss.edu/debate/debate_news/details.php?id=58
- Uniting and Strengthening America by Providing Appropriate Tools Required
to Intercept and Obstruct Terrorism (USA PATRIOT ACT) Act of 2001, The Library
of Congress.
http://thomas.loc.gov/cgi-bin/query/z?c107:H.R.3162.ENR:
- PATRIOT Improvement and Reauthorization Act of 2005.
http://www.usdoj.gov/olp/pdf/usa_patriot_improvement_and_reauthorization_act.pdf
- NATIONAL DEFENSE AUTHORIZATION ACT FOR FISCAL YEAR 2006.
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- George W. Bush, Statement on Signing the National Defense Authorization Act
for Fiscal
Year 2006, January 6, 2006.
http://www.coherentbabble.com/signingstatements/Statements/SShr1815.pdf
- George W Bush, Statement on Signing the USA PATRIOT Improvement and
Reauthorization Act of 2005, March 9, 2006.
http://www.coherentbabble.com/signingstatements/Statements/SShr3199s2271.pdf
- German Marshal Fund, Transatlatic Trends, August 2008.
http://www.transatlantictrends.org/trends/doc/Transatlantic%20Trends_deutsch.pdf

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http://john-hulsman.com/downloads/Welt%20am%20Sonntag%2007.10.07.pdf
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http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,580120,00.html
- 'Political Campaigns Are Rarely about the Issues', Spiegel Interview with
California Governor Arnold Schwarzenegger, Spiegel Online, 7.9.2008,
http://www.spiegel.de/international/world/0,1518,576835,00.html
- Katja Gelinsky, Der Wind im Wahlkampf hat gedreht, FAZ, 18.09.2008,
http://www.faz.net
- Christoph von Marschall, Amerika sucht seinen Retter, Das Parlament,
08.09.2008,
http://www.das-parlament.de/2008/37-38/Titelseite/22196697.html
- Gabor Steingart, Democrats Divided by an Obama-Shaped Wedge, 25.8.08,
http://www.spiegel.de/international/world/0,1518,574261,00.html
- Gregor Peter Schmitz, McCain's Bush-Style Campaign Worries the Center,
3.9.08,
http://www.spiegel.de/international/world/0,1518,575993,00.html
- Thomas Kleine–Brockhoff, Kann Obama von der Finanzkrise profitieren?, Die
Zeit, 18.09.2008,
http://www.zeit.de/online/2008/39/us-wahlkampf-und-wall-street
- Umfrage: McCain zieht deutlich an Obama vorbei, 08.09.2008, FAZ,
http://www.faz.net/
- Jonathan Chait, Maverick vs. Iceman, The New Republic, 10.02.2008,
http://www.tnr.com/politics/story.html?id=4a65fb2f-7752-493f-a8d3-7fa4aa5e55d0
- Folgen der Finanzkrise, Obama geht in neuer Umfrage deutlich in Führung,
Spiegel Online, 24.09.08,
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,580120,00.html
- Rettungspaket zwingt Obama zu Korrekturen am Wahlprogramm, Spiegel Online,
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- Peter Rudolf, Rückkehr zur Rivalität – Kongress und Präsident in der
amerikanischen Außenpolitik am Ende der Ära Bush, SWP, März 2008, S.7-9.
http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=4806
- Josef Braml, Defizite der Vorbild-Demokratie USA, Das Parlament, 08.09.08.
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- Hanns W. Maull, Die Macht, das Recht und die Internationale Ordnung:
Missverständnisse und Missverhältnisse in den transatlantischen Beziehungen,
08.11.2002,
http://www.politik.uni-trier.de/mitarbeiter/maull/forsch/macht.pdf
- Oliver Hashemizadeh, Somalia - Das blutende Horn Afrikas, PERSPEKTIVE SÜD
Ausgabe Nr.5/2006,
http://perspektive-sued.net/ausgabenr5/nr5kriegundmaedchen.htm
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