Die Wahl des Bundespräsidenten am 23. Mai 2004

Horst Köhler
Horst Köhler

Nachdem Bundespräsident Johannes Rau auf eine zweite Amtszeit verzichtet hat, wählte die Bundesversammlung am 23. Mai, dem Tag des Grundgesetz-Geburtstags, den neunten Bundespräsidenten Deutschlands. Der neunte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland heißt Professor Horst Köhler. Der Kandidat von CDU/CSU und FDP wurde am Sonntag in Berlin von der Bundesversammlung im ersten Wahlgang mit hauchdünner Mehrheit zum Nachfolger von Johannes Rau gewählt. Der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) setzte sich mit 604 zu 589 Stimmen gegen die Koalitionskandidatin Professor Gesine Schwan durch. Damit lag er nur eine Stimme über der absoluten Mehrheit. Zum siebenten Mal wurde die Bundespräsidentenwahl im ersten Wahlgang entschieden.

Der neue Bundespräsident, Professor Horst Köhler wurde am 1. Juli 2004 - auf einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat in Berlin - vereidigt. Danach hielt Horst Köhler seine mit Spannung erwartete Antrittsrede.

Zuvor wurde am Dienstag - 29. Juni 04 -  bei Anbruch der Dunkelheit Johannes Rau in Berlin mit einem großen Zapfenstreich durch die Bundeswehr verabschiedet. Die Zeremonie fand im Park des Schlosses Bellevue statt, dem Amtssitz des Bundespräsidenten.

www.bundespraesident.de
Amtseid des neuen Bundespräsidenten (ARD online)
Köhler als Bundespräsident vereidigt (Spiegel online)
       
Nachdem Bundespräsident Johannes Rau auf eine zweite Amtszeit verzichtet hat, wählte die Bundesversammlung am 23. Mai, dem Tag des Grundgesetz-Geburtstags, den neunten Bundespräsidenten Deutschlands.

Horst Köhler. Foto: Roosewelt Pinheiro/ABr. Lizenz: CC BY 2.5
Foto: Roosewelt Pinheiro/ABr. Lizenz: CC BY 2.5

Der neunte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland heißt Professor Horst Köhler. Der Kandidat von CDU/CSU und FDP wurde am Sonntag in Berlin von der Bundesversammlung im ersten Wahlgang mit hauchdünner Mehrheit zum Nachfolger von Johannes Rau gewählt. Der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) setzte sich mit 604 zu 589 Stimmen gegen die Koalitionskandidatin Professor Gesine Schwan durch. Damit lag er nur eine Stimme über der absoluten Mehrheit.
Zum siebenten Mal wurde die Bundespräsidentenwahl im ersten Wahlgang entschieden.

Das Wahlergebnis bedeutet, dass sich mindestens 18 Delegierte aus den beiden Fraktionen von CDU/CSU und FDP gegen Horst Köhler entschieden haben. Gesine Schwan erhielt nicht nur die Unterstützung von SPD und Grünen, von denen 548 Delegierte anwesend waren. Mindestens 41 Mitglieder anderer Fraktionen oder fraktionslose Delegierte müssen für sie votiert haben. Die PDS-Fraktion, der 31 Wahlleute angehörten, hatte bereits vor der Wahl angekündigt, dass sie mehrheitlich für Schwan stimmen wollte. Bei der geheimen Wahl gab es neun Enthaltungen, zwei Stimmen waren ungültig. Ein SPD-Abgeordneter nahm nach einem Herzinfarkt nicht an der Sitzung teil.

Köhler sagte nach der Wahl, er wolle «Bundespräsident aller Deutschen sein und ein Präsident für alle Menschen, die hier leben». Er halte eine «grundlegende Erneuerung unseres Landes für notwendig und überfällig». Der künftige Bundespräsident zeigte sich besorgt über den Zustand der deutschen Wirtschaft, des Arbeitsmarkts und der sozialen Sicherung. «Ich sehe auch neue inakzeptable Spaltungstendenzen in unserer Gesellschaft.»

Deutschland habe die Kraft sich zu verändern, betonte Köhler. Um diese Kraft zu entfalten, müsse aber Angst überwunden und Selbstvertrauen zurückgewonnen werden. Deutschland müsse kinder- und familienfreundlicher werden. Gleichzeitig dürfe man aber auch die älteren Menschen nicht vergessen. «Wir müssen an der Freundschaft zwischen den Generationen schon jetzt arbeiten.»

Deutschland müsse sich seiner kulturellen und religiösen Wurzeln bewusst werden. «Patriotismus und Weltoffenheit sind keine Gegensätze, sie bedingen einander», sagte Köhler. «Nur wer sich selbst achtet, achtet auch andere.»

Das Amt des Bundespräsidenten

Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Der Bundespräsident hat zwar eindeutig weniger Befugnisse als etwa die Präsidenten Frankreichs oder der USA (deshalb wird er auch nicht direkt vom Volk gewählt), seine Aufgaben gehen aber über rein repräsentative Funktionen hinaus.

Unter anderem wirkt er bei der Regierungsbildung und Gesetzgebung mit. Er schlägt dem Bundestag einen Kanzler zur Wahl vor und ernennt ihn. Zudem ernennt und entlässt der Präsident Minister, Bundesrichter, Bundesbeamte und Offiziere.
Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt seines Amts ist die völkerrechtliche Vertretung Deutschlands nach außen, etwa durch Staatsbesuche. Zudem haben alle Bundespräsidenten versucht, durch ihr Wort und Beispiel gesellschaftliche Impulse zu geben und Einfluss zu nehmen.
Die Amtszeit des Staatsoberhauptes beträgt fünf Jahre, nur eine Wiederwahl ist möglich.

Mit der Wahl am 23. Mai 1999 wurde der 8. deutsche Bundespräsident, Johannes Rau (SPD) gewählt. Rau konnte sich mit 690 Stimmen im zweiten Wahlgang gegen die Ilmenauer Hochschulprofessorin Dagmar Schipanski (CDU) mit 572 Stimmen und die Theologieprofessorin Uta Ranke-Heinemann mit 62 Stimmen durchsetzen. Keiner der Kandidaten verfügte über eine absolute Mehrheit, um im ersten Wahlgang die Wahl für sich entscheiden zu können. Nachdem die FDP-Fraktion ihren Mitgliedern die Abstimmung im zweiten Wahlgang freigestellt hatte, votierte eine deutliche Mehrheit der FDP-Delegierten für Rau, der somit im zweiten Wahlgang eine absolute Mehrheit erhielt.
    
Im Ringen um einen gemeinsamen Bundespräsidentschaftskandidaten haben sich Union und FDP auf den Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, geeinigt.

Die Vorsitzenden von CDU, CSU und FDP, Angela Merkel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle bestätigten, dass sich die drei Präsidien von CDU, CSU und FDP für Horst Köhler, als Kandidaten des bürgerlichen Lagers für die Wahl zum
Bundespräsidenten ausgesprochen haben.
Der IWF-Direktor ist seit 1981 CDU-Mitglied und war Staatssekretär der Regierung Kohl. Er wurde im Jahr 2000 von Bundeskanzler Gerhard Schröder für die Spitze des Internationalen Währungsfonds nominiert.

Zehn Jahre lang engagierte sich Köhler in der Bundespolitik: 1982 kam er mit Gerhard Stoltenberg (CDU) nach Bonn, als dieser Bundesfinanzminister in der ersten Kohl-Regierung wurde. Zunächst war er Stoltenbergs Redenschreiber, dann leitete Köhler das Ministerbüro, danach verschiedene Abteilungen im Finanzministerium. 1990 wurde er Staatssekretär unter dem damaligen CSU-Finanzminister Theo Waigel. Dort übernahm der promovierte Wirtschaftswissenschaftler die Zuständigkeit für die Grundsatzabteilung des Ministeriums.

Homepage Horst Köhler:
www.koehler.cdu.de/
       
stern: Köhlers Welt
Spiegel: Köhler-Porträt

Nach oben

Gesine Schwan. Foto: Frans.huegel. Lizenz: CC BY-SA 3.0
Foto: Frans.huegel. Lizenz: CC BY-SA 3.0

SPD und Grüne nominierten die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, Gesine Schwan, als gemeinsame Kandidatin der rot-grünen Koalition. Bundeskanzler Gerhard Schröder trat der Ansicht entgegen, die 1943 in Berlin geborene Wissenschaftlerin sei eine reine Zählkandidatin. Vielmehr "werde ich daran arbeiten, dass sie Bundespräsidentin wird" und trotz der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung - CDU/CSU und FDP haben die Mehrheit - halte er dies "angesichts der ungewöhnlichen Qualität der Kandidatin" auch nicht für ausgeschlossen.
Gesine Schwan ist seit 1972 SPD-Mitglied. Sie lehrte lange Zeit am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und war auch Mitglied der SPD-Grundwerte-Kommission.
In den USA arbeitete sie als Dozentin in Washington, Cambridge und New York. Bevorzugte Forschungsgebiete der Wissenschaftlerin sind Demokratietheorie, Sozialismustheorie und Fragen des Marxismus. Zu diesen Themenbereichen hat sie zahlreiche Arbeiten publiziert.

stern: Gesine Schwan - Eine streitbare Frau mit Charme
Spiegel: Schwan-Porträt

Die Wahl zum Bundespräsidenten

Am 23. Mai 2004 wird die Bundesversammlung zusammentreten, um den Nachfolger für Bundespräsident Johannes Rau zu wählen. Die Wahl des Bundespräsidenten ist die einzige Aufgabe dieser Versammlung.
Nach einer vorläufigen Berechnung des Statistischen Bundesamtes stellen CDU/CSU und FDP gemeinsam 625 der 1206 Mitglieder der Bundesversammlung.

Landtag Baden-Württemberg: Mitglieder der 12. Bundesversammlung Baden-Württemberg (75 Delegierte)

Art.54 der Verfassung legt hierzu u.a. fest:

Artikel 54 [Wahl]

(1) Der Bundespräsident wird ohne Aussprache von der Bundesversammlung gewählt. Wählbar ist jeder
Deutsche, der das Wahlrecht zum Bundestage besitzt und das vierzigste Lebensjahr vollendet hat.

(2) Das Amt des Bundespräsidenten dauert fünf Jahre. Anschließende Wiederwahl ist nur einmal
zulässig.

(3) Die Bundesversammlung besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt werden.

(4) Die Bundesversammlung tritt spätesten dreißig Tage vor Ablauf der Amtszeit des Bundespräsidenten, bei vorzeitiger Beendigung spätestens dreißig Tage nach diesem Zeitpunkt zusammen. Sie wird von dem Präsidenten des Bundestages einberufen.

(5) Nach Ablauf der Wahlperiode beginnt die Frist des Absatzes 4 Satz 1 mit dem ersten Zusammentritt
des Bundestages.

(6) Gewählt ist, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder der Bundesversammlung erhält. Wird diese
Mehrheit in zwei Wahlgängen von keinem Bewerber erreicht, so ist gewählt, wer in einem weiteren
Wahlgang die meisten Stimmen auf sich vereinigt.

(7) Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

Artikel 55 [Unvereinbarkeiten]
(1) Der Bundespräsident darf weder der Regierung noch einer gesetzgebenden Körperschaft des Bundes
oder eines Landes angehören.

(2) Der Bundespräsident darf kein anderes besoldetes Amt, kein Gewerbe und keinen Beruf ausüben und weder der Leitung noch dem Aufsichtsrate eines auf Erwerb gerichteten Unternehmens angehören.



Die paritätische Beteiligung der Länderparlamente soll bewirken, dass das Staatsoberhaupt die Bundesrepublik mit ihrer Gliederung in Bund und Länder repräsentiert.

Weder das Grundgesetz noch das "ergänzende Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung" nennt die genaue Zahl der Mitglieder der Bundesversammlung. Diese richtet sich
vielmehr nach der jeweiligen Stärke des Bundestages. Im ersten Bundestag saßen 410 Abgeordnete, so dass die Länder ebenfalls 410 Delegierte in die Bundesversammlung entsenden konnten. Die Mitgliederzahl des Bundestages wuchs dann auf über 500, schwankte aber durch sogenannte Überhangmandate. Sie belief sich 1954 auf 509, 1959 auf 519, 1964 auf 521, 1969, 1974 und 1979 auf 518, 1984 auf 520 und 1989 auf 519 und 1994 auf 662 Mitglieder. Dementsprechend bestand die Bundesversammlung 1994 aus 1324 Mitgliedern.

Nach der Herstellung der Einheit Deutschlands erhöhte sich mit der Wahl des Bundestages vom 2. Dezember 1990 dessen Mitgliederzahl auf 662, so dass die nunmehr 16 statt bisher 11 Landesparlamente ebenfalls insgesamt 662 Mitglieder zu stellen hatten. Somit bestand die 11. Bundesversammlung 1999 aus 1338 Mitgliedern. Nach dem Stand vom 26. Mai 2003 wird die 12. Bundesversammlung 1206 Mitglieder haben - 603
Abgeordnete des Deutschen Bundestages und 603 Delegierte der Länderparlamente.

Mit dem Einigungsvertrag von 1990 und dem Beschluss des Bundestages vom 20. Juni 1991 ist nunmehr Berlin Hauptstadt und Sitz von Parlament und Regierung der Bundesrepublik Deutschland. Schon aus diesem Grunde lag es nahe, die Bundesversammlung 1994 wieder nach Berlin einzuberufen. Die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth berief deshalb die 10. Bundesversammlung zum 23. Mai 1994 nach Berlin ein. Tagungsstätte war der Berliner Sitz des Bundestages, das Gebäude des ehemaligen Reichstages. Nach dessen Umbau fand dort 1999 erstmals wieder die 11. Bundesversammlung statt.

Nicht nur die Bestimmung von Zeit und Ort, sondern auch die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Bundesversammlung fallen weitgehend in den Zuständigkeitsbereich des
Bundestagspräsidenten. Dazu gehören zum Beispiel die Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmittel und die organisatorischen Vorbereitungen wie Bereitstellung der Sitzungsunterlagen für die Mitglieder, Druck der Stimmkarten, Aufstellung eines Sitzplanes, Verzeichnis der Mitglieder, Anmietung von Sitzungsräumen für die Fraktionen und vieles andere, was einen reibungs- und störungsfreien Ablauf der Tagung gewährleistet. Da die Bundesversammlung keine eigene Tagungsstätte besitzt und wegen der großen Zahl ihrer Mitglieder nicht im Plenarsaal des Bundestages tagen konnte, fanden die Tagungen der Bundesversammlung in der Zeit von 1974-1989 im Großen Saal der Bonner Beethovenhalle statt.

Zusammensetzung der 12. Bundesversammlung

Stand: 14. Januar 2004:

Die Bundesregierung hat heute die Zahl der Mitglieder, die die Länderparlamente zur 12. Bundesversammlung zu wählen haben, festgestellt und damit über die Zusammensetzung der Bundesversammlung für die Wahl des Bundespräsidenten am 23. Mai 2004 entschieden. Gemäß Artikel 54 Abs. 3 des Grundgesetzes besteht die Bundesversammlung aus den Mitgliedern des Deutschen Bundestages und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt werden.

Die gesetzliche Mitgliederzahl des 15. Deutschen Bundestages beträgt 603.

Nach der aktuellen Aufstellung des Bundeswahlleiters von Anfang März, die auch das vorläufige amtliche Endergebnis der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft berücksichtigt, ist die Union mit 543 Vertretern rechnerisch die stärkste Kraft. Die SPD stellt 460 Delegierte, die Grünen 89, die FDP 82, die PDS 31 und die sonstigen Parteien einen Delegierten. Union und FDP liegen mit zusammen 625 Sitzen bequem über der absoluten Mehrheit von 604.
Danach verteilt sich der Länderanteil von 603 Sitzen in der 12. Bundesversammlung am 23. Mai 2004 wie folgt:

Mitglieder der 12. Bundesversammlung (23.05.2004)

BundeslandLänderanteilBevölkerungsanzahl (ohne Ausländer)
Baden-Württemberg75 Mitglieder9 381 531
Bayern90 Mitglieder11 217 919
Berlin24 Mitglieder2 947 032
Brandenburg20 Mitglieder2 508 717
Bremen5 Mitglieder579 384
Hamburg12 Mitglieder1 478 351
Hessen43 Mitglieder5 385 409
Mecklenburg-Vorpommern13 Mitglieder1 699 496
Niedersachsen60 Mitglieder7 445 685
Nordrhein-Westfahlen129 Mitglieder16 100 681
Rheinland-Pfalz30 Mitglieder3 744 206
Saarland8 Mitglieder972 267
Sachsen34 Mitglieder4 217 283
Sachsen-Anhalt20 Mitglieder2 486 106
Schleswig-Holstein21 Mitglieder2 664 416
Thüringen19 Mitglieder2 335 99

Wahlrecht.de: Bundesversammlung

Nach oben

Benennung und Wahl der Länder-Delegierten

Zurück zum Auswahlverfahren für die Länder-Wahlmänner und -Frauen der Bundesversammlung. Jede Landtagsfraktion präsentiert eine Vorschlagsliste. Nach dem Verhältnis der Abgeordneten-Stimmen, die auf diese Listen entfallen, werden dann die Sitze in der Bundesversammlung verteilt. In der Praxis heißt das: Der Wahlakt im Landtag ist meist nur eine Formsache. Die Zahl der Mitglieder, die eine Fraktion für die Bundesversammlung stellt, hängt davon ab, wie stark sie im Vergleich zu den anderen Fraktionen ist.

Gerechnet wird nach dem Höchstzahlverfahren d'Hondt.

Landes-Delegierter in der Bundesversammlung kann jeder werden, der zum Bundestag wählbar ist. Mit anderen Worten: Man braucht nicht Landtagsabgeordneter zu sein. Die Parteien nutzen das, um Alt-Parlamentarier,  Kommunalpolitiker, Funktionäre, Helfer, Gönner oder Prominente mit einem Bundesversammlungsmandat zu betrauen. Beinahe die Hälfte der von den Landtagen entsandten Wahl-Männer und -Frauen sind solche Delegierte. Es soll den repräsentativen Charakter der Bundesversammlung stärken, dass ihr nicht nur Mitglieder des Bundestages und der Landtage angehören, sondern verdiente Politiker aller Ebenen des politischen Lebens.

Die Parteien dringen natürlich darauf, dass sich "ihre" Abgeordneten an die Fraktionsbeschlüsse halten. Vor allem wenn es auf jede Stimme ankam, hat sich gezeigt, dass sich die Fraktionen bzw. Koalitionen im großen und ganzen auf ihre Abgeordneten verlassen konnten. Bei einer geheimen Wahl wie dieser sind Abweichungen jedoch immer möglich.

Mehrheitsverhältnisse

Das Grundgesetz selbst zwingt mit seinen Bestimmungen über erforderliche Mehrheiten zur Konzentration der Kräfte:

  • Im ersten und zweiten Wahlgang ist die absolute Mehrheit erforderlich, also eine Stimmenzahl von mehr als der Hälfte aller Mitglieder.
  • Erst im dritten Wahlgang genügt die relative Mehrheit, ist also derjenige oder diejenige gewählt, der oder die unter den aufgestellten Kandidaten die meisten der abgegebenen Stimmen erhält.

Bisher fiel zweimal - 1969 bei der Wahl Gustav Heinemanns und 1994 bei der Wahl Roman Herzogs zum Bundespräsidenten - die Entscheidung erst in der dritten Runde.

Nach oben

Ende der Versammlung

  • Eidesleistung und Amtsantritt des gewählten Präsidenten

Die Bundesversammlung hat ihre Aufgabe erfüllt, sobald ein Präsident gewählt ist. Der Präsident des Bundestages, der die Versammlung leitet, erklärt sie für beendet, wenn der siegreiche Kandidat seine Wahl angenommen hat. Nach dem Gesetz stehen dem Gewählten dafür zwei Tage Bedenkzeit zu.
Bisher hat kein Gewählter davon Gebrauch gemacht. Die Amtsdauer des Bundespräsidenten beträgt fünf Jahre.

  • Amtseid

Wenn der Gewählte nicht bloß in seinem Amte bestätigt wird, sondern dieses Amt neu antritt, muss er entsprechend Artikel 56 des Grundgesetzes bei seinem Amtsantritt einen Amtseid ablegen. Dazu beruft der Bundestagspräsident den Deutschen Bundestag und den Bundesrat zu einer gemeinsamen Sitzung ein.
Nur aus diesem Anlass versammeln sich beide Häuser in einem Saal - bis 1989 im Plenarsaal des Bundestages in Bonn, 1994 zum ersten Mal in Berlin im Plenarsaal des Bundestages im ehemaligen Reichstagsgebäude -, um zusammen Zeugen zu sein, wenn das neue Staatsoberhaupt den folgenden
Amtseid schwört:

Artikel 56 [Amtseid]
(1) Der Bundespräsident leistet bei seinem Amtsantritt vor den versammelten Mitgliedern des Bundestages und des Bundesrates folgenden Eid:
"Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.
So wahr mir Gott helfe."
(2) Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden.

Medienlinks

FAZ: Bundespräsidentdenwahl
Spiegel: Finanzexperte kontra Professorin
stern: Die Wahl zum Bundespräsidenten
tagesschau: Präsident Nummer 9: Horst Köhler
yahoo: Der Bundespräsident

Links:

Der Bundespräsident
       
Bundestag: Bundesversammlung (PDF)
Bundeszentrale für politische Bildung:
Bundespräsident
Erklärt werden die Struktur und die Geschichte des Amtes, die Funktionen des Bundespräsidenten und die Anforderungen an das Amt. Kurze Informationen gibt es auch zu den bisherigen Amtsinhabern.
election.de: Die voraussichtliche Zusammensetzung der Bundesversammlung Wahlrecht.de: Bundespräsidentenwahl

Unterricht Links

lehrer-online: Wer wird Bundespräsident?

Nach oben

Bisherige Bundespräsidenten mit Parteizugehörigkeit und Amtszeit

Theodor HeussFDP1949-1959
Heinrich LübkeCDU1959-1969
Gustav W. HeinemannSPD1969-1974
Walter ScheelFDP1974-1979
Karl CarstensCDU1979-1984
Richard von WeizäckerCDU1984-1994
Roman HerzogCDU1994-1999
Johannes RauSPD1999-2004

bundespraesident.de: Die deutschen Bundespräsidenten
tagesschau: Von Heuss bis Herzog: Die Bundespräsidenten
       
DHM: Theodor Heuss
DHM: Heinrich Lübke
DHM: Gustav W. Heinemann
DHM: Walter Scheel
DHM: Karl Carstens
DHM: Richard von Weizsäcker
DHM: Roman Herzog
DHM: Johannes Rau

Nach oben

Amtssitz

Nach der Umsetzung des "Hauptstadtbeschlusses" des Deutschen Bundestages vom 20. Juni 1991 nimmt der Bundespräsident seine Tätigkeit von Berlin aus wahr

Seit Beginn des Jahres 1994 ist das Schloss Bellevue in Berlin der erste Amtssitz des Bundespräsidenten. Inmitten des Tiergartens, direkt am Spreeufer, unweit von Siegessäule, Bundestag und Brandenburger Tor liegt es im Zentrum der Hauptstadt Berlin.

Der Neubau des Bundespräsidialamtes entstand am Rande des "Englischen Gartens", etwa 200 Meter südlich des Schlosses Bellevue

Adresse:
Schloss Bellevue
Spreeweg 1
10557 Berlin


Foto: Stephan Czuratis (Jazz-face). Lizenz: CC BY-SA 2.5. Wikimedia Commons

Geschichte des Gebäudes:


Nach den Plänen des Architekten Michael Philipp Daniel Boumann entstand die dreiflügelige klassizistische Schlossanlage für den Prinzregenten Ferdinand von Preußen in den Jahren 1785 bis 1790.
Noch vor dem Bau des Schlosses nahm der Schlosspark mit seiner Bellevueallee Gestalt an. Mit ihm entstand einer der ersten Landschaftsgärten in Preußen, der noch heute das Bild des Schlosses Bellevue prägt. Seinen Besitzer wechselte das wunderschön gelegene Schloss im Herzen Berlins danach mehrfach. Unter anderem beherbergte es eine Zeitlang das "Museum für Völkerkunde", bevor es 1938 zum "Reichsgästehaus" umgestaltet wurde.
Im zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude schwere Schäden, wurde aber in den Jahren 1955 bis 1959 als Berliner Domizil des Staatsoberhauptes der Bundesrepublik Deutschland wieder aufgebaut, da man damals noch davon ausging, das Berlin bald wieder Hauptstadt eines ungeteilten Deutschlands sein werde.

Nach oben

 

Wahl des Bundespräsidenten 2010

 

Nach dem überraschenden Rücktritt von Bundespräsidentäsident Horst Köhler muss am 30. Juni 2010 ein neuer Präsident gekürt werden.
mehr