100 Jahre Frauenwahlrecht

12. November 1918 - Geburtsstunde des Frauenwahlrechts

Wahlrecht • Macht • Demokratie. 100 Jahre Frauenwahlrecht

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Landesweite Kampagne Baden-Württemberg

Das Wahlrecht gehört zu den elementaren demokratischen Grundrechten. Die Errungenschaft des Wahlrechts auch für Frauen legte – von entschiedenen Frauenrechtlerinnen erkämpft – vor 100 Jahren einen wichtigen Grundstein für die gesetzliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Aufgrund aktueller politischer und gesellschaftlicher Debatten um die Grundwerte unserer Gesellschaft hat das Jubiläum „100 Jahre Frauenwahlrecht“ eine besondere Bedeutung.

Die hierfür eigens eingerichtete Internet-Präsenz dient als zentrale Plattform für Informationen, Aktivitäten und Veranstaltungen rund um das Jubiläum während der Jahre 2018 und 2019.

Die Initiatorinnen der Kampagne:
Im Frühjahr 2017 initiierten der Fachbereich „Frauen und Politik“ der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg und  der Verein „Frauen & Geschichte Baden-Württemberg“ eine Arbeitsgruppe, den sogenannten  „Koordinationskreis 100 Jahre Frauenwahlrecht“. Das Gremium besteht aus Multiplikatorinnen und Multiplikatoren verschiedener Organisationen und Institutionen und es koordiniert Projekte, Aktionen und Veranstaltungen aus ganz Baden-Württemberg. Aufgrund der Bedeutung des Jubiläums für das Land Baden-Württemberg wurde Anfang 2018 eine Koordinierungsstelle im Ministerium für Soziales und Integration eingerichtet, die gemeinsam mit den Initiatorinnen die Kampagne steuert.

www.frauenwahlrecht-bw.de


Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland

Plakat der Frauenbewegung. Quelle: Wikimedia/Karl Maria Stadler, gemeinfrei.

Die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland am 12. November 1918 ist der Aufruf "An das Deutsche Volk" vom Rat der Volksbeauftragten.

Am 9. November 1918 hatten sich die Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands (MSPD) und die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) auf die Bildung eines „entscheidenden Kabinetts“ geeinigt, das die Regierungsgeschäfte bis zum Zusammentritt einer noch zu wählenden Nationalversammlung führen sollte. Der Rat der Volksbeauftragten war ein sechsköpfiges paritätisch besetztes Kabinett, bestehend aus USPD- und MSPD-Politikern unter der Führung des Reichskanzlers Friedrich Eberts (MSPD) und Hugo Haases (USPD). Weitere Mitglieder waren Philipp Scheidemann und Otto Landsberg von der MSPD, sowie Emil Barth und Wilhelm Dittmann von der USPD.

Einen Tag nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes in Compiègne am 11. November 1918 durch Matthias Erzberger und Ferdinand Foch (Kriegsende 1. Weltkrieg) wurde der Rat der Volksbeauftragten in Berlin mit dem Aufruf "An das deutsche Volk" am 12. November 1918 gesetzgeberisch tätig.

Dieser Aufruf bedeutete einen erheblichen Schritt in Richtung einer neuen, demokratischen Gesellschaftsordnung. Im zweiten Teil des Aufrufs verkündete das "mit Gesetzeskraft" von da an geltende Recht. Wichtige Punkte waren z.B. die Meinungsfreiheit (Punkt vier) und die Religionsfreiheit (Punkt fünf).
Am Ende der Erklärung stand die Ankündigung eines neuen Wahlrechts:

"Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen".

Die ersten Wahlen für und mit Frauen

Am 30. November 1918 trat in Deutschland das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft.

Am 19. Januar 1919 konnten Frauen zum ersten Mal in Deutschland reichsweit wählen und gewählt werden, denn am 19. Januar 1919 fanden allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlen zur verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung statt. 300 Frauen kandidierten. 37 Frauen - insgesamt gab es 423 Abgeordnete - werden schließlich gewählt. Auch wenn die Wählerinnen in ihrer Mehrzahl den konservativen Parteien ihre Stimme gaben, waren die meisten weiblichen Abgeordneten doch in den Reihen der SPD zu finden.

Auf Landesebene ging es sogar früher: In Baden konnten Frauen erstmals am 5. Januar 1919 und in Württemberg erstmals am 12. Januar 1919 dieses demokratische Grundrecht ausüben.

Die ersten Worte von Frauen im Parlament

Als erste Frau überhaupt ergriff Marianne Weber (DDP), die Frau des Soziologen Max Weber, bei der konstituierenden Sitzung am 15. Januar 1919 im Karlsruher Ständehaus das Wort und wandte sich an ihre männlichen Kollegen:

"Wir Frauen können nur unserer hohen Freude und Befriedigung darüber Ausdruck geben, dass wir zu dieser Aufgabe mitberufen sind, und ich glaube, sagen zu dürfen, dass wir besser für sie vorbereitet sind, als vielleicht die meisten von Ihnen glauben."

Als erste Frau in der Weimarer Nationalversammlung spricht am 19. Februar 1919 die Sozialdemokratin Marie Juchacz aus Berlin:

"Ich möchte hier feststellen ..., dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist."

Zum Frauenwahlrecht war es ein langer Weg

Das Frauenwahlrecht ist nicht einfach vom Himmel gefallen. Das Wahlrecht musste von den Frauen genauso ersehnt, eingefordert und erkämpft werden wie das allgemeine Wahlrecht für die männlichen Bürger. Doch der Weg dahin war für Frauen deutlich länger.

Historische Wurzeln des Wahlrechts liegen in der Französischen Revolution von 1789 mit ihren Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Die „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ von 1789 ermöglichte das Wahlrecht für alle männlichen Bürger. Dass die "Brüderlichkeit" Frauenrechte ausschloss und dies Frauen durchaus deutlich wurde, zeigt die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“, die Olympe de Gouges (1748-1793) bereits 1791 verfasste. Da sie eine Regierung ablehnte, die Frauenrechte nicht anerkannte, führte ihr Weg sie zwei Jahre später unter die Guillotine – ihr Engagement für Gleichberechtigung von Männern und Frauen bezahlte sie mit dem Leben.

In Preußen galt seit 1848 das so genannte Dreiklassenwahlrecht. Das aktive Wahlrecht stand allen Männern nach Vollendung des 24. Lebensjahres zu. Frauen und Fürsorgeempfänger durften nicht wählen. Die Wähler wurden entsprechend der Höhe ihrer Steuerzahlungen in drei Abteilungen (Klassen) eingeteilt. Der ersten Abteilung, die sich aus Adeligen und Großgrundbesitzern zusammensetzte, gehörten die Wähler an, die die höchsten Steuerzahlungen leisteten. Die zweite Abteilung, in der z.B. Kaufleute vertreten waren, umfasste die Wähler mit einem mittleren Steueraufkommen. Die übrigen Wähler, die die geringsten Steuern zahlten, bildeten die dritte Abteilung. 1850 umfasste die erste Abteilung ca. 5 Prozent, die zweite Abteilung ca. 13 Prozent und die dritte Abteilung ca. 83 Prozent der preußischen Wähler.

Die Abgeordneten wurden indirekt von Wahlmännern gewählt. Jede der drei Abteilungen wählte ein Drittel der Wahlmänner durch öffentliche Stimmabgabe. Die gewählten Wahlmänner wählten ebenfalls öffentlich die Landtagsabgeordneten. Aufgrund dieses Wahlsystems hatte die Stimme eines wohlhabenden Wählers der ersten Abteilung im Jahr 1850 ungefähr das 17,5-fache Gewicht der Stimme eines ‚einfachen‘ Wählers der dritten Abteilung.

Das Frauenwahlrecht in Deutschland

In Deutschland kämpften um 1900 besonders insbesondere die SPD für das Wahlrecht. Auch engagierte Frauen außerhalb der Sozialdemokratischen Partei setzten sich vehement für das Frauenwahlrecht ein, waren sie doch unabhängig von Alter, Einkommen oder Tätigkeit davon komplett ausgeschlossen. Die gemäßigte bürgerliche Frauenbewegung strebte ein eingeschränktes Wahlrecht an. Die radikaleren sozialistischen Frauen um Clara Zetkin forderten dagegen auf dem ersten internationalen sozialistischen Frauenkongress 1907 in Stuttgart das allgemeine Frauenwahlrecht.

Das Frauenwahlrecht, das uns heute so selbstverständlich ist, musste sich gegen viele Vorurteile von Männern und Frauen durchsetzen. So wurde Frauen etwa verminderte Intelligenz und durch ihre Gebärfähigkeit eine "natürliche" Bestimmung für den privaten, scheinbar politikfernen Bereich zugeschrieben. Viele weitere politische Schritte mussten in der Folgezeit gegangen, viele weitere Rechte und Ansprüche gesetzlich verankert werden.

Die Juristin Elisabeth Selbert, eine der vier "Mütter des Grundgesetzes", setzte mit großem Einsatz durch, dass der Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" am 23. Mai 1949 im Artikel 3, Abs. 2 unseres Grundgesetzes als Verfassungsgrundsatz aufgenommen wurde. Trotz dieser formalen Gleichberechtigung stoßen Frauen selbst 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts immer noch an eine „gläserne Decke“: Sie sind in gesellschaftlichen Führungspositionen in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft nach wie vor unterrepräsentiert.

Das Zahlenverhältnis von Männern und Frauen in den Parlamenten hat sich über die Jahre hinweg verbessert. Dennoch liegt der Anteil weiblicher Parlamentarierinnen im Deutschen Bundestag heute lediglich bei 31 Prozent.

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Frauenwahlrecht – gegen alle Widerstände (YouTube-Film, ver.di)

   

YouTube Video 6:11, ver.di
Als sich Frauen in Deutschland im November 1918 das passive und aktive Wahlrecht erkämpft haben, lagen hinter ihnen jahrelange Anstrengungen gegen immense Widerstände. Auch 100 Jahre nach der neu erworbenen politischen Ermächtigung sind engagierten Frauen solche Auseinandersetzungen bis heute nicht fremd.

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Frauen im Parlament heute

Einen Überblick über die aktuelle Entwicklung der Wahlbeteiligung von Frauen in Deutschland gibt eine Erhebung zur Wahl des Europäischen Parlaments. Bei der Europawahl 2014 gaben fast so viele Frauen (48,9 Prozent) wie Männer (49,5 Prozent) ihre Stimme ab, obwohl mehr Frauen wahlberechtigt waren.

Insgesamt durften rund 62 Millionen  Menschen wählen, davon rund 30 Millionen Männer und 32 Millionen Frauen. Besonders viele wahlberechtigte Frauen traten in der Altersgruppe ab 70 Jahren auf.

Vergleicht man das Alter der Wählerinnen und Wähler, so fällt auf, dass unter den Frauen zwischen 21 und 60 Jahren mehr zur Wahl gegangen sind als Männer. Bei ihnen ist die Wahlbeteiligung dafür ab 60 Jahren höher als bei den Frauen.

In Baden-Württemberg ist die Wahlbeteiligung von Frauen nach wie vor niedriger als die der  Männer. Bei der Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg lag sie in fast allen Altersgruppen unter der der Männer.

Lediglich bei den 40- bis 44-Jährigen (+0,4 Prozentpunkte) und den 45- bis 49-Jährigen (+0,1 Prozentpunkte) entschieden sich etwas mehr Frauen als Männer für eine Teilnahme an der Wahl. Der deutlichste Abstand zwischen der Wahlbeteiligung von Männern und Frauen kann weiterhin für die 70-Jährigen und Älteren festgestellt werden.

Hier lag mit 73,3 Prozent die Beteiligungsquote der männlichen Wahlberechtigten um 11,3 Prozentpunkte über der Wahlbeteiligung der Frauen (62,0 Prozent).

Im aktuellen baden-württembergischen Landtag sind Frauen mit einem Anteil von 24,5 Prozent der Abgeordneten weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Dabei stellen Frauen mit rund 52 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung.


Demokratie braucht Männer- und Frauen(stimmen)!


(Autorin: Iris Weiser/ Internet-Redaktion LpB: Stand September 2018)

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Einführung des uneingeschränkten Frauenwahlrechts in Europa

Jahr Land
1894Erstes Land weltweit: Südaustralien gewährt allg. aktives und passives Wahlrecht für Frauen *
1906Finnland als erstes europäisches Land
1913Norwegen
1915Dänemark und Island
1918Deutschland, Österreich, Polen, Russland
1919Belgien, Ungarn, Luxemburg, Niederlande
1921Schweden
1928Vereinigtes Königreich und Irland
1930Türkei
1933Spanien
1944Bulgarien
1945Frankreich, Jugoslawien
1946Italien
1948 Belgien
1949Griechenland
1960Zypern
1962Monaco
1971Schweiz auf Bundesebene
1984Liechtenstein

 * Aborigines erhielten erst 1962 das Wahlrecht

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Bundestagsabgeordnete nach Fraktion und Geschlecht

in Zahlen (19. Legislaturperiode)

Stand Oktober 2017, Quelle: Deutscher Bundestag

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Weibliche Abgeordnete in den Fraktionen des Bundestags

Prozentuale Verteilung (19. Legislaturperiode)

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Frauenanteil in den Parlamenten weltweit (Auszug)

Quelle: Inter-Parliamentary Union, women in national parliaments, Stand Dezember 2017

RangLandSitzeFrauenFrauen in Prozent
1Ruanda804961,3
2Bolivien1306953,1
3Kuba61229948,9
4Nicaragua924245,7
5Schweden34915243,6
6Mexico50021342,6
7Finnland2008442,0
8Senegal1656941,8
8Südafrika39216441,8
10Norwegen1697041,4
11Namibia1044341,3
12Mozambique2509939,6
13Spanien35013739,1
14Frankreich57722539,0
...
17Island632438,1
19Belgien1505738,0
26Niederlande1505436,0
28Portugal2308034,8
30Österreich1836334,4
35Schweiz2006532,5
39UK65020832,0
43Italien63019531,0
45Deutschland70921830,7
53Polen46012928,0
99USA4348419,4
127Russland4507115,8
177Iran289175,9
181Thailand250124,8
187Yemen27500,0

Frauenanteil in den nationalen Länderparlamenten (bpb, Stand 31.01.2011 - interaktive PDF)

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Links zum Thema "Frauenwahlrecht"

Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Frauenbewegung


Wahlen:      

Statistische Landesamt Baden-Württemberg

Geschichte des Frauenwahlrechts:

Aktuelle Rangliste über Frauenanteil i.d. Parlamenten weltweit

Jubiläen zum Frauenwahlrecht

Presse und Medien: 100 Jahre Frauenwahlrecht

  • tagesschau.de: 100 Jahre Frauenwahlrecht Vorkämpferinnen in lila, weiß, grün
  • deutschlandfunk.de: 100 Jahre Frauenwahlrecht in GroßbritannienDas Vermächtnis der Emmeline Pankhurst

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Allgemeine Links

Digitales Deutsches Frauenarchiv
Das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) ist ein interaktives Fachportal zur Geschichte der Frauenbewegungen in Deutschland. Es lädt dazu ein, Themen, Akteurinnen und Netzwerke der Frauenbewegungen aus zwei Jahrhunderten kennenzulernen.
Geschichte des Frauenwahlrechts in Deutschland

Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e.V.
Die Jubiläumskampagne "100 Jahre Frauenwahlrecht" informiert rund um das Thema Frauen und Politik und bündelt die vielfältigen und bundesweit verstreuten Aktivitäten und macht sie sichtbar.
100 Jahre Frauenwahlrecht - Aktionen zum Jubiläum

Das Leben von Frauen und Männern in Europa

Quotenregelung Europa:

Preis Frauen Europas

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Internationaler Frauentag am 8. März

Der Tag für Frauenrechte

Karikatur Frauenwahlrecht. Foto: LMZ-BW
Foto: LMZ-BW

Am 19. März 1911 fand in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA der erste internationale Frauentag statt. Bereits auf der ersten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1907 forderte Clara Zetkin das allgemeine Frauenwahlrecht, nachdem bereits 1904 in Berlin der Weltbund für das Frauenstimmrecht gegründet wurde. Ein Jahr später am 27. August1905 beschlossen 100 Delegierte aus 17 Ländern auf dem zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentags. Hauptziel und –forderung war das Frauenwahlrecht. In den folgenden Jahren wechselte das Datum des Frauentags bis es 1921 auf den 8. März festgelegt wurde.

In Deutschland wurde das Frauenwahlrecht 1918 (genau wie in Österreich, Polen und Russland) im Reichswahlgesetz verankert. Im Januar 1919 konnten deutsche Frauen das erste Mal in der Geschichte wählen und gewählt werden. Als erste Frauen in Europa besaßen 1906 Finninnen dieses Recht (zeitgleich mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts für Männer), gefolgt von Norwegen 1913 und Dänemark (einschließlich Island) 1915. In der Schweiz mussten die Frauen bis 1971 warten, bis sie auf Bundesebene dieses Recht beanspruchen konnten. Die Einführung hing von einer männlichen Volksabstimmung ab, ebenso wie in Liechtenstein als europäisches Schlusslicht, wo Frauen erst 1984 das Wahlrecht erhielten. Auch heute noch gibt es Länder, in denen das Frauenwahlrecht erschwert oder vorenthalten wird: dazu gehören Bhutan, Brunei und Saudi-Arabien.

Nachdem das Wahlrecht für Frauen errungen war, rückten andere Ungleichbehandlungen in den Mittelpunkt des 8. März, an dem Frauen mit Demonstrationen und Kundgebungen auf ihre Benachteiligung aufmerksam machten. Zentrale Forderungen waren Arbeitsschutzgesetze, gleicher Anspruch auf Bildung, ausreichender Schutz für Mütter und Kinder, gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder legaler Schwangerschaftsabbruch. In all diesen Bereichen mussten Frauen massive Einschränkungen und Gebote hinnehmen, die dem hierarchischen Geschlechterverhältnis geschuldet sind.
Während des Nationalsozialismus wurde der Internationale Frauentag in Deutschland verboten und dafür der Muttertag stark in den Vordergrund gerückt. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs fanden bis in die Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts nur wenige Veranstaltungen statt. Mit ihrer Forderung „Das Private ist politisch“ rückte die Zweite Frauenbewegung neue Themen wie Gewalt in der Ehe, Rechte von Ausländerinnen oder Diskriminierung nicht-heterosexueller Lebensweisen ins Bewusstsein. 1975 erklärten dann auch die Vereinten Nationen den 8. März offiziell zum Internationalen Frauentag.

In den letzten hundert Jahren hat sich viel zum Positiven verändert, viele beherzte und mutige Frauen und Männer haben Bestimmungen und Gesetze für mehr Chancengleichheit durchgesetzt. In Sachen Bildung haben Mädchen mittlerweile aufgeschlossen und in manchen Bereichen die Jungen überholt. Doch diese Entwicklung setzt sich bei der beruflichen Karriere nicht fort. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist immer noch nicht erreicht. Deswegen wurde 2008 der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche geförderte „Equal Pay Day“ oder auch „Rote-Taschen-Tag“ von der BPW (Business and Professional Women) initiiert, bei dem am 15. April Frauen durch das Tragen roter Taschen am 15.4. auf die Lohnunterschiede aufmerksam machen.

Im heutigen Deutschland neu ins Bewusstsein gerückte Frauen- und Menschenrechtsverletzungen wie Genitalverstümmelungen und Ehrenmorde, denen in der Regel Frauen zum Opfer fallen, Zwangsheirat und –prostitution sowie Frauenhandel machen deutlich, dass Frauenrechte einklagbare Menschenrechte sein müssen. Viele Gründe, den 8. März als Tag der erreichten wie der noch ausstehenden Frauenrechte zu feiern und hochzuhalten.

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Edit-a-thon "Frauenwahlrecht"

 
Screenshot der Wikimedia-Seite Frauenwahlrecht

Wikipedia in Stuttgart veranstaltet zusammen mit der LpB vom 30. 11. bis zum 2. 12. 2018 einen Edit-a-thon (Schreibwerkstatt) zum Frauenwahlrecht. Ziel ist es, in Wikipedia Lücken bei den Themen "Frauenwahlrecht" und "politische Partizipation von Frauen" zu schließen, sowie die Qualität von vorhandenen Artikeln in diesen Bereichen zu verbessern.
weitere Informationen

 
 
 
 
 

Veranstaltungen der LpB

 
  • 100 Jahre Frauenwahlrecht:  Wählen ja – Teilhabe nein?
    Vortrag mit Beate Dörr (LpB) in Kooperation mit dem Frauenkulturzentrum Sarah
    26.10.2018, 20 Uhr
    Das Sarah – Frauenkulturzentrum
    Johannesstr. 13, 70176 Stuttgart
  • Die Frauen und die Wahlen – immer noch eine Baustelle
    Wir feiern 100 Jahre Frauenwahlrecht
    Film und Impulsreferat mit Beate Dörr (LpB) in Kooperation mit ver.di-Landesbezirksfrauenrat BW und dem DGB-Frauenausschuss Stuttgart
    16.11.2018, 15.00 Uhr
    Kino CINEMA
    Königstr. 22 (Ecke Bolzstr. 4), 70173 Stuttgart
    Programm und Anmeldung
  • 100 Jahre Frauenwahlrecht -
    Chancengleichheit von Frauen und Männern heute
    Sa 24.11.2018 in Stuttgart, Theodor-Heuss-Haus
    Programm und Anmeldung
     
  • Weitere Veranstaltungen für Frauen
    Programme und Anmeldung

 
 
 
 
 

100 Jahre Frauenwahlrecht

 
100 Jahre Frauenwahlrecht

Linksammlung des gemeinsamen Infoportals der Landeszentralen für politische Bildung zum Thema
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Frauen in den Länderparlamenten

 

Beim Anteil weiblicher Abgeordneter nimmt der baden-württembergische Landtag eine Schlusslicht-Position ein: 35 von derzeit 143 Parlamentariern sind Frauen.
LpB-Dossier

 
 
 
 
 

Faltblatt Internationaler Frauentag

 

Zum 100-jährigen internationalen Frauentag - Geschichte und heute.
LpB, Stuttgart, unveränderter Nachdruck 2018
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