Andere Menschenrechte und alternative Menschenbilder

Die meisten Staaten der Erde haben die Allgemeine Menschenrechtserklärung in ihrer Verfassung verankert. Einige Staaten und Kontinente entwickelten jedoch eigene Konventionen, die auf die bestimmten Regionen abgestimmt sind und Besonderheiten der Region beachten. Andere kulturelle Kreise haben eine eigene Vorstellung von der Würde des Menschen entwickelt - die nicht immer unserer Auffassung übereinstimmt. Diese Übersicht zeigt weitere Menschenbilder und Konventionen über Menschenrechte.

 

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Arabische Charta der Menschenrechte

Die Arabische Charta der Menschenrechte wurde vom Rat der Liga der arabischen Staaten am 15. September 1994 verabschiedet und lehnt sich sehr stark an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte an. Sie ist in der „westlichen Welt“ weitgehend unbekannt geblieben, obwohl diese Charta eine Reihe von Besonderheiten aufweist, zum Beispiel Artikel 4b) und Artikel 10:

Artikel 4
b) Im Falle eines öffentlichen Notstandes, der das Leben der Nation bedroht, können die Vertragsstaaten Maßnahmen ergreifen, die ihre Verpflichtungen aus dieser Charta in dem Umfang, den die Lage unbedingt erfordert, außer Kraft setzen.

Artikel 10
Die Todesstrafe darf nur für schwerste Verbrechen verhängt werden. (...) 

Diese Charta ist jedoch mangels genügender Ratifikation noch nicht in Kraft getreten. Aus diesem Grund ist auch der vorgesehene Überwachungsmechanismus, ein aus sieben Mitgliedern bestehender Expertenausschuss zur Überprüfung von Staatenberichten, noch nicht realisiert worden.
 
Weiterführende Links:
Arabische Charta der Menschenrechte

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Afrikanische Charta der Rechte der Menschen und Völker ( Banjul-Charta)

Vom 27. Juni 1981  (Inkrafttreten: 21. Oktober 1986)

Dieser Vertrag, den alle afrikanischen Staaten unterzeichneten, trat 1986 in Kraft. In Anlehnung an die beiden UN-Menschenrechtspakte unterstreicht er bürgerliche, politische als auch wirtschaftliche und soziale Garantien. Dennoch unterscheidet sich die Afrikanische Charta der Rechte der Menschen und Völker in vielerlei Hinsicht von den übrigen menschenrechtlichen Verträgen:

  • Die Präambel der "Afrikanischen Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker"  beinhaltet keinen Verweis auf die Achtung demokratischer Prinzipien oder der Rechtsstaatlichkeit. 
  • Die Banjul-Charta enthält neben Individualrechten auch einen Katalog von Rechten der Völker, die so genannten kollektiven Menschenrechte.
  • Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages merkte 2005 kritisch an, "dass die garantierten Rechte mit einer großen Zahl so genannter „Schrankenklauseln“ versehen sind, die es den nationalen Gesetzgebern ermöglichen, weitreichende Einschränkungen der Schutzbereiche vorzunehmen."
  • Die Charta geht davon aus, dass der Genuss von Menschenrechten auch Pflichten , die in Kapitel II genannt sind, zum Beispiel gegenüber Familie und Staat. "Das Individuum hat demnach Pflichten gegenüber der Familie, der Gesellschaft und der internationalen Gemeinschaft (Art. 27). Es wird verpflichtet, seine Mitmenschen ohne Diskriminierung zu respektieren und im zwischenmenschlichen Miteinander Toleranz zu fördern, zu schützen und zu stärken (Art. 28). Der Einzelne hat gemäß Art. 29 für eine harmonische Familie zu sorgen, seine Eltern zu respektieren, seine intellektuellen und physischen Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen, Steuern zu zahlen zum Wohle der Gemeinschaft, afrikanische kulturelle Werte aufrechtzuerhalten und die nationale Unabhängigkeit und territoriale Integrität seines Landes zu unterstützen (Quelle: FES)." Das unterscheidet sich von unserem Verständnis, dass jedem Menschen Menschenrechte garantiert sind, ohne Einschränkungen und zu erfüllende Pflichten.

 
Weiterführende Links:
Afrikanische Charta der Rechte der Menschen und Völker

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Amerikanische Menschenrechtskonvention (AMRK)

Vom 22. November 1969 ( Inkrafttreten: 18. Juli 1978)

Wie die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) enthält auch die AMRK einen Katalog von bürgerlichen und politischen Rechten, zudem garantiert sie in einem Zusatzprotokoll auch wirtschaftliche und soziale Menschenrechte. Bis auf Kanada, Kuba und einige karibische Staaten haben die meisten Staaten Amerikas die AMRK unterzeichnet. Die Vereinigten Staaten haben die AMRK 1977 unterzeichnet, jedoch bis heute noch nicht ratifiziert.
 
Weiterführende Links:
 Amerikanische Menschenrechtskonvention (AMRK)

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Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK)

Am 4. November 1950 wurde die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) vom Europarat in Rom verabschiedet. Am 3. September 1953 trat sie nach der Ratifikation durch zehn Staaten in Kraft, ergänzt wird die EMRK von dreizehn Zusatzprotokollen.

In Anlehnung an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte enthält die EMRK einen Katalog der wichtigsten Freiheitsrechte (Artikel 2 bis 14) und verpflichtet die 45 Vertragsstaaten diese Rechte für alle Personen zu garantieren die ihrer Hoheitsgewalt unterstehen.
Weltweit einmalig schuf die EMRK die Möglichkeit eines Individual- bzw. Staatenbeschwerdeverfahrens bei einem internationalem Gremium, dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Weiterführende Links:
Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK)
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte

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Weitere Informationen

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