Baustein Die Erinnerung darf nicht enden Texte und Unterrichtsvorschläge zum Gedenktag 27. Januar als Bausteine ausgearbeitet von einer Gruppe des Erzieherausschusses der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Stuttgart Hrsg: LpB, GCJZ, 1997 |
|
|
Baustein 11 Ernst Wiechert: "Der Totenwald" Klassenstufe: ab 10/11 Beschreibungsebene: Kurzinformation und Impuls für die eigene Unterrichtsgestaltung (D, G) Zeitaufwand: ca. 1 Unterrichtsstunde Themen: Ideologie, KZ-Zwangsarbeit, Verarbeitung der Leidenserfahrungen Kombination: Semprún: Befreiung Buchenwald [14], Sierakowiak: Ghettotagebuch [9]; Aspekt "Arbeit": Soldatenbrief v. 11.9.1940 [5]; Bobrowski: Malige [6] Ernst Wiechert: Der Totenwald @ Ernst Wiechert wurde 1887 in Kleinort (Masuren) geboren. Nach einer zunächst in seiner Heimat wurzelnden, tief religiösen Natur- und Menschenschilderung wie in "Wälder und Menschen", "Das einfache Leben" und "Die Majorin", gehörte er in der Zeit des Naziregimes zu dessen unerschrockenen Kritikern. Deshalb wurde Wiechert 1938 für mehrere Monate in das KZ Buchenwald eingeliefert, das er schließlich als einer der wenigen lebend verlassen durfte. Bis zur Befreiung stand er unter strenger Gestapo-Bewachung, war er ständig vom Tode bedroht. Seine Erfahrungen und Beobachtungen im KZ brachte er bereits 1939 heimlich unter dem Titel "Der Totenwald" zu Papier. Die Veröffentlichung erfolgte erst 1945 im Kurt Desch-Verlag, München. Nach dem von überwältigender Empfindungs- und Mitleidensdichte geprägten Werk verdient auch seine "Rede an die deutsche Jugend", gehalten am 11. November 1945 im Münchner Schauspielhaus, die Aufmerksamkeit der Lehrer bei der Erarbeitung des Themenbereichs "Befreiung von Auschwitz/ Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus'" (Reihe "Europäische Dokumente", Kulturpolitische Schriftenreihe im Kurt-Desch-Verlag, München, Heft 1). An seinem verfallenden Geburtshaus in Kleinort (poln. Pierstawek) hängt heute eine Gedenktafel der polnischen Behörden, die u.a. sagt: "Er besang Masuren, war ein ehrenhafter Mensch, Antifaschist und Insasse des KZ Buchenwald." In der Bundesrepublik Deutschland hat man ihn fast vergessen. Im vorliegenden Text wird aus einer distanzierten Erzähler-Perspektive die Figur Johannes gezeigt. Johannes gehört zu den Zwangsarbeitern im Steinbruch des Lagers Buchenwald. Seine Erlebnisse, seine Stück für Stück zunehmenden Informationen über den Alltag des Lagers und seine Reflexionen darüber, geben auch dem Leser die Möglichkeit, literarisch vermittelt etwas von dieser Wirklichkeit nachzuerleben. Die kurze Momentaufnahme zeigt die Täter und vor allen Dingen die Opfer. Das zentrale Gestaltungsmittel ist die sechsmal vorliegende Anapher "Johannes sah". Dies zeigt einerseits die Absicht, Beispiele des Grauens aus der Sicht eines Augenzeugen zugeben, andererseits das Bemühen um genaue Verarbeitungund sprachliche Gestaltung des Erlebten. Der Frage, wie hier Betroffenheit und "Parteilichkeit" durch die Schreibweise erzeugt wird, könnte eigens nachgegangen werden. In Kombination mit Semprúns Erinnerungstext ließe sich ein Bogen zum Thema "Befreiung" schlagen. Noch eine kurze Zusatzbemerkung: Der vorliegende Text verweist auf das NS-Programm "Vernichtung durch Arbeit". Bezeichnenderweise geht es auch hier um den zynischen "Spaß" (S. 114, Z. 10), der mit den Häftlingen getrieben wird. In anfanghafter, anscheinend harmloser Form zeigt auch Bobrowski die ideologisch gesteuerte Menschenverachtung in seinem "Tänzer Malige": "Das ist so ein Spaß. Die Juden hat sich Anflug aus der Synagoge drüben geholt[..]. Und was hat das nun für einen Sinn [..]. Arbeiten lernen, meint Anflug. Maschke findet es komisch." (S. 31, Z. 28-33). Und auch in den Soldatenbriefen wird dies zum Thema: " Dem wurde vor kurzer Zeit ein Riegel vorgeschoben, der die Juden empfindlich traf. Sie sollten arbeiten! [..] zum Gaudium der Zuschauer." (Baustein 5, Brief v. 11.9.1940, Text S. 24). Mögliche Impulse für den
Unterricht/Arbeitsaufgaben:
|
||
Copyright © 1997 LpB Baden-Württemberg HOME |
Kontakt / Vorschläge / Verbesserungen bitte an: lpb@lpb-bw.de |