10 Jahre
Fachreferat Frauen

1991- 2001 
Eine Dokumentation

Netzwerk „Frauen verändern Schule“



INHALT

Netzwerk „Frauen verändern Schule“
Lieber gut vernetzt als die Letzte am Seil... – 
Das Netzwerk „Frauen verändern Schule”
(Dorothee Wetzel)



Die Gruppe
Vom 24.-26.11.1992 veranstaltete Christine Herfel vom Fachreferat Frauen der Landeszentrale für politische Bildung ein Seminar, das für viele Teilnehmerinnen den Blick auf Schule und Unterricht grundlegend verändern sollte: „Schule und Gleichberechtigung - der heimliche Lehrplan der Geschlechtserziehung”. Nach Referaten von Dr. Uta Enders-Dragässer und Prof. Dr. Doris Knab wurde heftig diskutiert, und bei einigen Teilnehmerinnen stand fest, dass sie diese Anstöße weiterverfolgen wollten. So entstand die Idee, eine Gruppe zu gründen, die das Thema „Geschlechtsspezifisches Verhalten in der Schule“ weiterverfolgen würde. 
Obwohl bei diesem Seminar vier dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossene Männer dabei waren, entschieden wir uns dafür, dass das Netzwerk nur für Lehrerinnen offen sein sollte. Das hatte mehrere Gründe. Vor allem sollte die Gruppe ein Forum bilden, wo Lehrerinnen unabhängig von männlichen Kommentaren Thesen zu geschlechterdifferenzierendem Arbeiten in der Schule äußern konnten, sich als Referentinnen üben und Unterrichtsentwürfe erproben konnten. Einige der Mitgliedsfrauen arbeiteten von Anfang an auch in gemischtgeschlechtlichen Gruppen. Die Sensibilisierung der Kollegen für geschlechterdifferenziertes Arbeiten in der Schule ist nach wie vor ebenfalls ein Anliegen des Netzwerks. Schulintern, über pädagogische Tage zum geschlechtsspezifischen Unterrichten sowie über Fortbildungen werden von uns bewusst Kollegen angesprochen.
Dennoch hat sich gezeigt, dass Tagungen von und für Lehrerinnen eine Quelle der Kraft sein können. Nach vielen Seminaren und Fortbildungen, die das Netzwerk in der Zwischenzeit durchgeführt hat, war von Teilnehmerinnen immer wieder zu hören: „Ich habe für meinen Schulalltag neue Energie bekommen und fühle mich nicht mehr als Einzelkämpferin.“
Nach dieser ersten Tagung gab es einige Folgetreffen in Ostfildern-Nellingen und bald war auch der Name „Netzwerk Frauen verändern Schule“ gefunden, ein Tribut an den Zeitgeist, denn 1993 waren Netzwerke „in“. Bei einer langen Abendsitzung von Elisabeth Frank und Dorothee Wetzel entstand das Spinnennetz-Logo des Netzwerks, das auch in den Veranstaltungsprogrammen des Fachreferats Frauen der Landeszentrale für politische Bildung aufgenommen wurde.

Fortbildungen
Ein Schwerpunkt des Netzwerks waren von Anfang an Fortbildungen, die in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale, meistens mit dem Fachreferat Frauen und Christine Herfel, einige aber auch mit dem Referat Lehrerfortbildung und Ulrich Templ veranstaltet wurden. Netzwerkfrauen waren bei den folgenden Fortbildungen als Referentinnen und Organisatorinnen tätig:

  • Mädchen und Pubertät
  • Rhetorik I und II für Lehrerinnen
  • Mit den Kräften haushalten - Konflikt- und Stressbewältigung für Lehrerinnen
  • Frauen und Internet
  • Reizwort: Feminismus
  • Soziale Kompetenzen in der Schule
  • Globales Lernen in den Naturwissenschaften
  • Gender Mainstreaming in der Schule

Neben den Seminaren mit der Landeszentrale für politische Bildung arbeiten die Netzwerkfrauen auch bei Kongressen und Tagungen mit anderen Veranstalterinnen mit, so beim bundesweiten Kongress ”Frauen und Schule: Durchbruch zu einer feministischen Bildung“ mit der GEW Baden-Württemberg und dem Deutschen Akademikerinnenbund oder beim „Aktionskreis FrauenBilden“ zusammen mit dem - inzwischen leider aufgelösten - Deutschen Institut für Fernstudienforschung (DIFF) in Tübingen. Das Netzwerk organisierte zudem eigenständige Vortragsveranstaltungen, z.B. „Von Männerdiskussionen zu Frauengesprächen“ mit Prof. Dr. Senta Trömel-Plötz oder „Matriarchatstheorien in der Diskussion“ mit Sibylle Kästner.
Durch das 1996 verabschiedete Landesgleichberechtigungsgesetz ergab sich mit der kritischen Begleitung der Umsetzung dieses Gesetzes ein weiterer Arbeitsschwerpunkt. Viele Frauenvertreterinnen an Schulen sind mittlerweile Mitglieder des Netzwerkes, u.a. die Frauenvertreterin des Kultusministeriums und des Oberschulamtes Stuttgart sowie einige Frauenvertreterinnen Staatlicher Schulämter.
Als großer Vorteil des Netzwerkes erweist sich immer wieder, dass die Veranstaltungen Kolleginnen aus allen Schularten erreichen. Der Blick über die Schulartgrenzen ist für alle Kolleginnen aufschlussreich und im Bereich des geschlechtsspezifischen Arbeitens zeigen sich viele Gemeinsamkeiten.

Das Orga-Team und der ”Netzbrief”
Nach jeder Veranstaltung des Netzwerks kamen neue Mitgliedsfrauen hinzu und auch Christine Herfel knüpfte für uns noch manchen neuen „Knoten“. Deshalb war es unumgänglich, uns eine festere Organisationsstruktur zu geben. So entstand das Orga-Team, eine Gruppe von im Moment sechs aktiven Frauen, die sich um die Organisation von Fortbildungen, die Herausgabe des Netzbriefes sowie die Verwaltung von Mitgliedern und Finanzen kümmern. Allerdings kommen die Orga-Team-Kolleginnen manchmal an die Grenzen ihrer Kräfte – dies ist wohl in Frauenarbeitsgremien öfters der Fall. (Vielleicht sollten wir noch einmal die Fortbildung „Mit den Kräften haushalten“ durchführen...) Für eine Verstärkung bei ihren zweimonatlichen Sitzungen wäre das Orga-Team sehr dankbar.
Die Kommunikation innerhalb des Netzwerks erfolgt über den „Netzbrief“, in dem längere Beiträge, Unterrichtsentwürfe und Tagungsberichte abgedruckt werden, sowie über den „Infobrief“, der in unregelmäßigen Abständen erscheint und auf wichtige Ereignisse oder Veranstaltungen hinweist.

Fazit
Das Netzwerk „Frauen verändern Schule“ hat für zahlreiche Mitgliedsfrauen zu einer veränderten Haltung gegenüber ihrem schulischen und gesellschaftlichen Wirken geführt. Viele sind auch in anderen Zusammenhängen frauenpolitisch aktiv geworden und haben an Sicherheit und Kompetenz gewonnen.
Ein Ziel des Netzwerkes, nämlich ein Forum für Kolleginnen zum Austausch von Meinungen und zur Stärkung im schulischen Alltag zu werden, ist auf jeden Fall erreicht. Dafür danken wir Christine Herfel, die uns den entscheidenden Impuls zur Gründung gab.


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