Wenn heute in Landeszentralen, in der Bundeszentrale für politische Bildung, in Kommunen und in Bildungseinrichtungen wie etwa den Volkshochschulen überlegt wird, eigenständige Frauenfachbereiche, Frauenreferate, Frauenbüros oder Gleichstellungsstellen wieder abzuschaffen bzw. gar nicht erst mehr einzurichten und statt dessen das Gender Mainstreaming-Prinzip in Grundsatzreferaten oder Leitlinien zu verankern, ist das Grund genug, sich über das Verhältnis von institutionalisierter Frauenbildung und der aktuellen Gender Mainstreaming-Debatte und ihren möglichen Folgen für eine Geschlechterpolitik zu unterhalten.
Auf diesem Hintergrund entstand die etwas “flapsige” Fragestellung: Wird die Frauenbildung
weg-“gegendert?”
Antworten geben die beiden Forscherinnen Dr. Karin Derichs-Kunstmann, Forschungsinstitut für Arbeiterbildung Recklinghausen und Dr. Gerrit Kaschuba, TIFS – Tübinger Institut für frauenpolitische Sozialforschung e.V. auf Fragen von Christine Herfel, Frauenreferentin der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.
Was bedeutet die “Gender Mainstreaming” - Debatte heute für die politische Frauenbildung?
Gerrit K.: Ich finde wichtig, auf die Entstehungsgeschichten, auf Kontinuitäten und Entwicklungen sowohl von Gender Mainstreaming als auch von politischer Frauenbildung hinzuweisen.
Der Begriff des Gender Mainstreaming ist relativ neu, “geboren” auf der Weltfrauenkonferenz in Peking 1995. Die Idee ist aber keineswegs neu: Ihre Ursprünge liegen in internationalen Frauenbewegungen, die sich seit Jahrzehnten für eine frauen- und geschlechtergerechte Entwicklung einsetzen. Im internationalen Kontext der Entwicklungszusammenarbeit werden seit Beginn der 90er Jahre Instrumente zur Analyse der Geschlechterverhältnisse und zu deren Veränderung in Projekten und Institutionen entwickelt. Auf EU-Ebene schließlich wurde mit dem Amsterdamer Vertrag das Gender Mainstreaming – als politische Doppelstrategie gemeinsam mit Frauenförderung – verankert.
Politische Frauenbildung hat die hierarchischen Geschlechterverhältnisse und den Androzentrismus der Erwachsenenbildung seit Anfang der 70er Jahre im Kontext von Frauenforschung und -bewegung kritisiert und “frauengerechte” Konzepte entwickelt, die Inhalte, Methoden sowie Rahmenbedingungen umfassen. Männerbildungskonzepte sind vergleichsweise wesentlich geringer gesät. An diese eigenständigen Ansätze knüpft die aktuelle Diskussion um eine geschlechtergerechte Erwachsenenbildung an.
Karin D.: Eines der wichtigsten Themen von Frauenbildungsarbeit war immer die Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen in der Gesellschaft. Insofern ist für mich der Gender Mainstreaming-Ansatz eine fast zwangsläufige Fortsetzung von Debatten, die in der Frauenbewegung und Frauenbildungsarbeit seit nun mehr als 30 Jahren geführt werden. Wenn ich die Anlässe für eigenständige Frauenbildungsarbeit in den 70er Jahren richtig verstanden habe, bezog sich eine Kritik an der vorherrschenden Erwachsenenbildung darauf, dass Frauen nicht vorkamen, dass uns interessierende Fragestellungen nicht thematisiert wurden. Damit will der Gender-Ansatz in der Erwachsenenbildung aufräumen. Es soll überprüft werden, aus wessen Perspektive ein Thema betrachtet wird und wessen Interessen diskutiert werden. Insofern sind die Anknüpfungspunkte an die historische Entwicklung der Frauenbildungsarbeit meiner Meinung nach vielfältig vorhanden.
Besteht nun nicht die Gefahr, dass die Frauenbildung weg-“gegendert” wird?
Gerrit K.: Diese Frage betrifft vor allem die politische und strukturelle Ebene. Sicherlich besteht eine Gefahr darin, und das zeigen die Beispiele, auf die Christine Herfel hingewiesen hat, in denen die “neue” Strategie des Gender Mainstreaming gegenüber eigenständigen Ansätzen von Frauenpolitik und Frauenbildung ausgespielt wird. Dabei werden stellenweise alte Vorurteile gegenüber Feminismus (“Emanzen” etc.) neu ausgegraben und mit Verweis auf Gender Mainstreaming – stellenweise im Chor mit VertreterInnen einer Gleichheitsrhetorik (“Wir haben doch bereits die Gleichheit zwischen den Geschlechtern erreicht”) – legitimiert. Rückenwind erhalten diese Urteile nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen. Insofern ist die – vor allem von jahrelang in Politik, Bildung und Forschung engagierten Frauen – geäußerte Sorge berechtigt, dass Gender Mainstreaming in Institutionen auf Kosten von eigenständiger Frauenbildung, Frauenprojekten und -referaten stattfindet – und dies im wortwörtlichen Sinne.
Gleichzeitig verhält es sich von der inhaltlichen und theoretischen Perspektive aus so, dass unsere gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen durchdrungen sind von hierarchisierenden Geschlechtszuschreibungen, ebenso unsere Wahrnehmung und unser Handeln, unsere geschlechtsbezogenen Interaktionen als Frauen, als Männer. Diese aktiven Zuschreibungsprozesse und Konstruktionen, die in verschiedenen Ländern und je nach Schicht, Milieu, Region, Generation anders aussehen können, werden in der Frauen- und Geschlechterforschung als “doing gender” bezeichnet. Die Diskussion um Gender, um das soziale und kulturelle Geschlecht, zielt nun darauf, diese Geschlechterkonstruktionen und Ungerechtigkeitsstrukturen aufzuzeigen und zur Veränderung unserer Wahrnehmung, unseres Denkens und Handelns, aber auch der Geschlechterverhältnisse und gesellschaftlichen Bedingungen insgesamt beizutragen. Damit knüpft die Gender-Debatte an Ansätze in der Frauenbildung an, die sich - in enger Verbindung mit den theoretischen Diskursen der Frauenforschung – mit dem hierarchischen Geschlechterverhältnis (und dabei auch dem Beitrag von Frauen) auseinandergesetzt haben. Insofern sehe ich in der Entwicklung auch Chancen.
Karin D.: Auch für mich ist die Diskussion um “Gender Mainstreaming” keine Alternative zur Frauenbildungsarbeit und es ist mir wichtig, dass wir beides getrennt diskutieren. Unglücklich und falsch finde ich die Diskussion immer an der Stelle, wo Gender-Perspektive und Frauenbildung alternativ gesetzt wird. Diese Diskussion lenkt davon ab, dass sich die politische Frauenbildungsarbeit dringend mit ihrer eigenen Perspektive beschäftigen muss. Das heißt für mich, Frauenbildungsarbeit muss sich mit ihren historischen Wurzeln auseinandersetzen und sich fragen, wo in der aktuellen gesellschaftspolitischen Situation ihr Stellenwert liegt, völlig unabhängig von Gender Mainstreaming.
Ich verstehe Gender Mainstreaming als einen Ansatz, der dazu dienen soll, die gesamte (politische) Bildung zu “gendern”, d.h. alle Dimensionen von Erwachsenenbildung, Formen, Inhalte und Rahmenbedingungen mit der Gender-Perspektive unter die Lupe zu nehmen. Wenn wir dieses intensiv tun, kommen wir zu erstaunlichen Ergebnissen: etwa dass der weiße Mittelschichtmann immer noch das Leitbild von politischer Bildung darstellt, dass nur wenige Materialien, die in der politischen Bildung Anwendung finden, dem kritischen Gender-Blick standhalten, dass Rollenbilder in Unterrichtsmaterialien und Sprache von Seminarankündigungen einer kritischen Überprüfung unterzogen werden müssen usw.
Was könnte die Frauenbildung konkret von der Diskussion um Gender Mainstreaming
gewinnen?
Karin D.: Frauenbildung gewinnt durch Gender Mainstreaming die Bestätigung vieler ihrer inhaltlichen Positionen.
Gerrit K.: Visionär gesprochen muss sich politische, emanzipatorische Frauenbildung nicht legitimieren, sondern ist ein institutionalisierter Bestandteil der Erwachsenenbildung. Frauenbildnerinnen werden als Expertinnen mit ihrem Wissen in Gender Mainstreaming-Prozesse in ihren Bildungsinstitutionen einbezogen. Über Gender Mainstreaming hinaus bieten aktuelle Gender-Diskurse in der Frauen- und Geschlechterforschung der Frauenbildung durchaus weitere Differenzierungsmöglichkeiten und Impulse: mit der Auseinandersetzung und Hinterfragung von Zuschreibungen zu Weiblichkeit und Frausein, zu Männlichkeit und Mannsein, für die weitere Klärung der Frage künftiger Adressatinnen von Frauenbildung und ihrer Interessen an Bildungsangeboten etc.
Warum “stürzen” sich wieder mal die Frauen vorwiegend auf Gender Mainstreaming? Was erhoffen sie?
Gerrit K.: Ich frage mich, ob und welche Frauen sich darauf “stürzen”. Dabei entdecke ich
große Unterschiede: Es gibt einige Frauen, die sich von der Gender-Diskussion deutlich distanzieren. Eine zweite Gruppe springt auf den “Gender-Karren” auf, ohne sich vorher dezidiert für Fraueninteressen eingesetzt zu haben. Wieder andere setzen sich zwar mit der Gender-Diskussion auseinander, keineswegs aber in einer Art Goldgräberinnen-Rausch, sondern um Geschichtsklitterung zu vermeiden, um Kontinuität zu sichern und in diesem Sinne frauenpolitische Interessen in die Diskussion einzubringen.
Dass es wiederum vorwiegend Frauen sind, die sich für Gender als Querschnittsperspektive, für Gender Mainstreaming engagieren, hängt mit den existierenden Machtverhältnissen zusammen. Sie müssen sich aus politischen und beruflichen Gründen damit auseinandersetzen. Häufig ist die Rede davon, Frauen können dazugewinnen, Männer verlieren. Doch so einfach (und hoffnungslos für Männer zugleich) ist es auch wieder nicht.
Angesichts der derzeitigen Diskussion hoffen engagierte Frauen unterschiedlichster politischer Couleur, dass nun die Kategorie Geschlecht in den allgemeinen Diskurs etwa der Erwachsenenbildung Eingang halten und als Querschnittsperspektive in allen Bereichen, den Organisationsstrukturen sowie Bildungsangeboten, berücksichtigt werden muss. Die Entwicklung bietet Möglichkeiten zu neuen Bündnissen – auch mit engagierten Männern. Immer aber müssen wir kritisch hinterfragen, was die institutionenbezogenen und gesellschaftlichen Ziele sind: Transformation existierender Bedingungen oder Integration von Frauen in bestehende Bedingungen? Um welche Emanzipations- und Bildungsziele geht es?
Karin D.: Für mich wird an dieser Stelle eine Funktion von Erwachsenenbildung deutlich: Erwachsenenbildung will und muss sich mit aktuellen Diskussionen und Politikströmungen auseinandersetzen. Eine sich emanzipatorisch verstehende Erwachsenenbildung will sich mit diesen Fragen auseinandersetzen, weil sie die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung einer kritischen Reflektion unterziehen will. Dieses Motiv durchzieht die politische Bildung seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Und es durchzieht auch die Entwicklung der Frauenbildungsarbeit in den letzten 30 Jahren.
Viele Institutionen der Erwachsenenbildung haben Frauenbildung keineswegs deshalb in ihr Programm aufgenommen, weil sie so frauenbewegt waren und sich an die Spitze der Emanzipationsbewegung setzen wollten, sondern weil sie “angesagt” war. Damit sind wir bei einem zweiten Motiv der Erwachsenenbildung zur Einrichtung von Frauenbildungsarbeit, deren Marktgängigkeit. Die Marktorientierung der Erwachsenenbildung wird zwar vor allen Dingen seit den 90er Jahren beklagt, es gab sie allerdings längst vor dem Einzug der Betriebswirtschaft in die Bildungsarbeit. Angebote, die keine TeilnehmerInnen fanden, hielten sich nicht sehr lange im Programm. Im Gegenzug heißt das: Angebote, für die es potentielle TeilnehmerInnen gibt, nicht ins Programm zu nehmen, kann sich keine Einrichtung leisten. Also machten spätestens in den 80er Jahren alle Einrichtungen Frauenbildung, weil diese nachgefragt wurde und sich rechnete.
Nun ist also Gender Mainstreaming angesagt und eine Erwachsenenbildungseinrichtung wie auch die in ihr arbeitenden Frauen, die sich an der aktuellen Diskussion orientieren, können sich diesem nicht entziehen. Das sollten wir erst einmal nicht abwerten. Es kommt darauf an, was daraus gemacht wird.
Und dass sich Frauen auf Gender Mainstreaming “stürzen”, kann wiederum nicht so sehr verwundern, denn bisher gingen alle davon aus, dass vor allen Dingen Frauen von der Gleichstellungspolitik einen Gewinn haben könnten.
Das Konzept Gender Mainstreaming richtet sich bewusst an Frauen und Männer. Welche Chancen bietet es den Männern? Welche
Risiken?
Gerrit K.: Die Auseinandersetzung mit Gender-Diskursen und Männlichkeitskonstruktionen bietet Männern die Möglichkeit zu erkennen, welche Einschränkungen sie durch die Normierungen in den gesellschaftlichen Männlichkeitszuschreibungen erleben. Nur bestimmte Formen von Männlichkeit werden in unserer Gesellschaft “belohnt”. Das bedeutet, dass Männer, die sich etwa ihren Kindern oder sonstigen sozialen Kontakten widmen wollen, die gleichgeschlechtlich orientiert sind oder die andere Vorstellungen vom Umgang mit Frauen und Männern haben, oder auch Männer, die sich für eine reflexive Männerbildung einsetzen, häufig in den Institutionen ausgegrenzt und abgewertet werden. Gender Mainstreaming als politische Strategie kann auf diesem Hintergrund auch für solche Männer zu einer Erweiterung ihrer Handlungsspielräume beitragen. Risiken des Gender Mainstreaming scheinen für einige Männer vor allem darin zu liegen, dass sie Angst vor damit einhergehendem Machtverlust haben.
Karin D.: Auch ich bin überzeugt, dass einige Gruppen von Männern bei konsequenter Anwendung eines Gender Mainstreaming-Konzeptes auf jeden Fall gewinnen können. Natürlich könnte Geschlechterdemokratie auch für fast alle Männer eine Entlastung sein, aber so weit, dieses zu erkennen, sind noch die wenigsten. Für die meisten bedeutet die herrschende geschlechtsbezogene Arbeitsteilung eine Entlastung, weil sie sich auf Beruf, Karriere, evtl. Politik und Freizeit konzentrieren können.
Risiken für andere Männer liegen auf der Kehrseite des eben Genannten: Beschäftigen wir uns auf der Basis eines konsequenten Gender-Ansatzes mit den Inhalten von (politischer) Erwachsenenbildung, so werden wir feststellen, wie stark diese auf ein bestimmtes männliches Rollenbild (weiß, männlich, Angestellter oder Beamter, Mittelschicht) orientiert ist. In dieser sozialen Gruppe sind sicher auch diejenigen Männer zu finden (u.a. die Kollegen in der Erwachsenenbildung und in der Wissenschaft), die etwas zu verlieren haben, nämlich Macht und – unhinterfragten – Einfluss.
Welcher Gewinn liegt möglicherweise im Gender Mainstreaming für eine geschlechterdemokratische Gesellschaft?
Karin D.: Gender Mainstreaming ist ein Instrument und Geschlechterdemokratie ist das Ziel. Insofern sind Gender Mainstreaming-Prozesse der notwendige Weg, um Geschlechterdemokratie zu erreichen. Es gibt inzwischen Einrichtungen, die versuchen, diese Prozesse einzuleiten, z.B. die Bundeszentrale für politische Bildung, einige Bundesministerien, die Heinrich-Böll-Stiftung und seit neuestem auch die Gewerkschaft Ver.di. Solange Geschlechterdemokratie nicht verwirklicht ist, werden in Bildungseinrichtungen umfassende Kriterien für Gender Mainstreaming benötigt. Es reicht nicht aus, dass sich die Unterrichtenden in den Einrichtungen einer ein- oder mehrmaligen Qualifizierung unterziehen. Es ist dringend notwendig, das Angebot von Einrichtungen unter Gender-Aspekten zu analysieren und neu zu konzipieren. Wirklich erfolgreich wird Gender Mainstreaming aber erst sein, wenn es Bestandteil von Qualitätsmanagement und Organisationsentwicklungsprozessen ist. Solange es folgenlos bleibt, ob sich jemand mit diesen Fragen beschäftigt, solange wird sich Gender Mainstreaming und gar Geschlechterdemokratie nicht durchsetzen.
Gerrit K.: Wenn es gelänge, in Bildungsinstitutionen als Ausschnitt der Gesellschaft partizipative Formen der Entwicklung, Planung, Durchführung und Evaluierung von Gender-Perspektiven in allen Bereichen und auf allen Ebenen im Rahmen von Gender Mainstreaming-Prozessen zu erproben, läge eine Chance in der Benennung dessen, was die jeweiligen Institutionen unter “Geschlechterdemokratie” verstehen. Die Ziele und Formen, diese zu erreichen, können unterschiedlich sein, aber sie müssen im Prozess immer wieder transparent gemacht werden. Dabei geht es auch um die Entwicklung und Sicherung von Qualität. Eine wesentliche Voraussetzung für einen Gender Mainstreaming-Prozess im Kontext von Qualitätsentwicklung stellt aber m.E. eine durchgängige Sensibilisierung und Qualifizierung aller Beteiligten für die Geschlechterthematik in allen Fach- bzw. Bildungsbereichen und auf allen Ebenen in Form von sogenannten “Gender Trainings” dar. Und auch dafür sind Qualitätskriterien erforderlich.
Was bedeutet diese Diskussion für die Landeszentrale und das Fachreferat Frauen?
Gerrit K.: Die Frage, die sich nun stellt, ist, wie die Zusammenarbeit, die Beziehungen und die Strukturen in einer solchen Institution verändert werden können, sodass niemand aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einem Geschlecht benachteiligt wird. Dazu bietet sich angesichts aktueller Entwicklungen und Diskussionen in der Landeszentrale die Möglichkeit, Gender als Querschnittsperspektive auf alle Bereiche der Personal-, Organisations- und Programmentwicklung zu beziehen. Voraussetzung dafür ist eine Gender-Arbeitsgruppe bzw. Gender-Beauftragte, die diesen Prozess begleiten.
Notwendig ist m.E. auch in Zukunft ein eigenständiges Referat Frauen, um unterschiedlichste Frauengruppierungen und Frauenverbände ins Gespräch zu bringen, die vielfältigen Interessen aufgreifen zu können und Frauen in ihrer politischen Handlungsfähigkeit zu unterstützen. In Räumen der Frauenbildung können Frauen ihre eigene Beteiligung an der Konstruktion von Geschlechterzuschreibungen und Weiblichkeitsvorstellungen aufspüren, die nicht nur in Bezug auf Männer, sondern auch unter Frauen stattfinden, und sie können Alternativen bzw. Variationen entwickeln. Ebenso wäre eine kontuierliche, institutionalisierte Auseinandersetzung unter Männern mit Männlichkeitskonstruktionen als persönliche Sensibilisierung und fachliche Qualifizierung wünschenswert.
Des weiteren stellen bereits erwähnte “Gender Trainings” für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor allem in den pädagogischen, aber auch in allen anderen Bereichen der Institution, ein wichtiges Instrument zur Entwicklung “geschlechtergerechter” Lebens-/Arbeitsverhältnisse und Bildungspraxen dar.
Meiner Ansicht nach bietet die Landeszentrale als Institution mit hoher MultiplikatorInnenwirkung einen hervorragenden Ansatzpunkt für die (Weiter)Entwicklung von geschlechterdemokratischen Visionen und konkreten Handlungsentwürfen – für Frauen und Männer.
Karin D.: In einem ersten Schritt geht es darum, alle Beteiligten am Bildungsgeschehen (Leitung, Pädagogische MitarbeiterInnen, VerwaltungsmitarbeiterInnen, Unterrichtende) für diese Prozesse und ihren Anteil daran zu sensibilisieren. Gemeinsam sollten dann andere – geschlechterdemokratischere – Verhaltensmodelle entwickelt werden. Für die Landeszentrale würde es bedeuten, dass alle Fachreferate sich einem Gender Mainstreaming-Prozess unterziehen und bereit sind, das “doing gender” in ihrem Zuständigkeitsbereich zu erkennen und zu verändern. Mit Wirkung auf die Einrichtungen der Erwachsenenbildung kann ein derartiger Prozess in der Landeszentrale Vorbildwirkungen haben und Maßstäbe für andere Bildungseinrichtungen setzen.
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