Frauenbildung ist in der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg als politische Bildung strukturell im Fachreferat Frauen verankert. Gleichzeitig ist sie getragen von dem Gedanken einer Querschnittsaufgabe und umfasst im Verständnis und in der Tradition von emanzipatorischer Frauenbildung die herkömmlich in der Erwachsenenbildung getrennten Bereiche der berufsbezogenen, allgemeinen, kulturellen und politischen Bildung. Damit arbeitet das Fachreferat häufig Themen verbindend, vermittelnd und baut auf Zusammenarbeit innerhalb und – gemäß des Arbeitsauftrags – vor allem auch außerhalb der eigenen Institution. Der Kooperation mit verschiedenen Frauenverbänden kommt im Fachreferat dabei ebenso Bedeutung zu wie derjenigen mit autonomen Frauengruppen.
Grundlage der Arbeit des Fachreferats Frauen ist es, dass – bei aller Heterogenität der
Teilnehmerinnengruppen – die Themen von Veranstaltungen frauenspezifisch relevant sein sollen, das heißt, dass sich die Inhalte mit der Situation von Frauen bzw. mit
Frauenperspektiven auseinandersetzen müssen, und dass in der Regel Expertinnen – und nicht Experten – als Referentinnen eingeladen werden. Das bedeutet aber – so die Zielsetzung der
Referatsleiterin – keineswegs, dass alle Angebote der Landeszentrale für Frauen im Fachreferat Frauen anzusiedeln sind. Vielmehr zählt hier die jeweilige thematische Zuordnung und die (Weiter-) Entwicklung geschlechterdifferenzierender Perspektiven in anderen Fachreferaten der Landeszentrale, bei der das Frauenreferat bei Bedarf und Anfragen unterstützend wirkt.
Spezifische Frauenbildungsangebote richten sich an Multiplikatorinnen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, während sogenannte Offene Seminare für alle Bürgerinnen und ”Endverbraucherinnen” zugänglich sind.
Kennzeichnend für die 10jährige Arbeit des Fachreferats Frauen sind sowohl die
Kontinuitäten in der Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen und von Themenfeldern, aber auch die (Weiter-) Entwicklungen, das Aufgreifen neuer Themen, die ”Highlights” unter den Angeboten, die eine große Attraktivität für unterschiedlichste Frauen besitzen, sowie die ausgeprägte Form der Kooperationen mit Frauenverbänden und Frauengruppen.
Unser Unterfangen, die Arbeit des Fachreferats Frauen der Landeszentrale für politische Bildung seit seinen Anfängen zu dokumentieren, stellt eine große Herausforderung dar: Der Vielfalt der Zielgruppen,
Kooperationspartnerinnen, Veranstaltungsthemen und
–formen widerspricht es gerade zu, diese gesamt einfangen zu wollen und geschlossen wiederzugeben. Deshalb werden im folgenden Akzente gesetzt, keineswegs aber soll der Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden.
Ein breites Spektrum an Zielgruppen
Kontinuität zeichnet die Praxis des Fachreferats Frauen in Bezug auf die Zielgruppen in besonderer Weise aus: Sie bietet einen
fruchtbaren Boden, auf dem die Zusammenarbeit mit den verschiedenen
Kooperationspartnerinnen gedeihen kann. Dazu gehören viele der fast 60 im Landesfrauenrat Baden-Württembergs zusammengeschlossenen Verbände wie etwa der
Staatsbürgerinnenverband, der Akademikerinnenverband, die Landfrauenverbände, Hausfrauenverbände, kirchliche,
soziale sowie Berufsverbände. Die ehren- und hauptamtlich tätigen Frauen in diesen Verbänden sind wichtige Multiplikatorinnen für die Vertretung von Frauenpolitik und
Fraueninteressen in Baden-Württemberg. Unterstützung der Arbeit von Multiplikatorinnen leistet das Fachreferat ebenso in Bezug auf Frauengruppen und –zusammenschlüsse außerhalb der etablierten Frauenverbände sowie mit Vernetzungs- und Qualifizierungsangeboten für spezifische Berufsgruppen wie etwa die kommunalen Frauenbeauftragten, Lehrerinnen, Frauen in der politischen Frauen- und Mädchenbildung und Wissenschaftlerinnen. Dabei bietet das Frauenreferat vielfach auch Koordination und Unterstützung bei der Vernetzung dieser Gruppen.
Das Fachreferat Frauen ermöglicht seit seinem Bestehen in herausragender Weise Begegnungen zwischen Frauen verschiedener ”Kulturen”: zwischen Frauen aus Ost und West, verschiedener ethnischer Herkunft, verschiedener Generationen.
Neben langjährigen Kooperationen, auf die im folgenden näher eingegangen wird, existieren auch fruchtbare Kontakte mit Zielgruppen aus Berufsverbänden, Interessensvertretungen und
Selbsthilfegruppen.1

Autorinnen im Dialog, von links: Dr. Dorit Orgat, Israel, Dr. Sumaya
Farhat-Naser, Palästina, Christine Herfel, LpB und Barbara Hoffs,
Deutsch-Israelische Gesellschaft, Baden-Baden, März 1997
Vielfältige Inhalte und Formen
Das Bildungsangebot des Fachreferats Frauen ist bei Offenen Seminaren ebenso vielfältig wie bei Zielgruppen-Veranstaltungen. Hinsichtlich der Themen, Inhalte und Formen gibt es Kontinuitäten, die keineswegs statisch sind, sondern sich immer in Weiterentwicklung befinden:
Dazu zählen Angebote in den Bereichen Rhetorik und Kommunikation, kommunalpolitische Partizipation von Frauen, Koedukation und Gleichberechtigung in der Schule, aktuelle Fragen der politischen Frauenbildung und der Frauen- und Geschlechterforschung wie Machtverhältnisse, Differenz und Gleichheit zwischen den Geschlechtern, Geschichte, ländlicher Raum, interkulturelle Beziehungen, Themen rund um Erwerbstätigkeit, Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienleben, Frauen in Führungspositionen, Neue Technologien und Internet, Ehrenamt bis hin zur großangelegten “Glückssuche” oder den “Betrachtungen bei der Wende des Jahrhunderts”.
Wie ein roter Faden zieht sich durch die vielfältigen Angebote des Frauenreferats die Orientierung an aktuellen feministischen Diskussionen. Diese finden ihren Niederschlag sowohl im methodischen Vorgehen als auch in den Themenstellungen und Seminarausschreibungen. Aussagen über “die Frauen” werden beispielsweise zunehmend von
Differenzierungen in verschiedene Frauengruppen abgelöst, immer stärker findet sich auch die Einbeziehung der aktuellen Gender-Diskussion. Das Ansetzen an Kompetenzen von Frauen und die Bezugnahme von Frauen auf Frauen (“affidamento”) spielen eine entscheidende Rolle. Nicht zuletzt dieser Aspekt ist es, der – neben der Bearbeitung aktueller und spannender Themen – die Seminare des Frauenreferats für Kooperationspartnerinnen und Teilnehmerinnen so anziehend macht.
Vielfältig sind zudem die Formen der politischen Bildungsarbeit des Fachreferats Frauen: Sie reichen von Studienreisen, Begegnungen, großen Tagungen, Seminaren, Workshops und Zukunftswerkstätten bis hin zu Vorträgen und der Entwicklung modellhafter Seminare und Veranstaltungsreihen, in deren Rahmen auch ein buntes Spektrum didaktisch-methodischer Materialien entwickelt
wurde.2
Erfolge und Highlights
Erfolge stellen in der politischen Frauenbildung nicht in erster Linie Fakten oder die Entwicklung modellhafter Seminare dar. Sie lassen sich in der Regel nicht überprüfen wie dies bei Sprachkursen oder vielleicht allenfalls bei den Wirkungen der kommunalpolitischen Seminare des Fachreferats möglich ist. Wichtig sind vor allem die erlebte Solidarität unter Frauen, das Wissen um die Unterstützung durch andere sowie Begegnungen mit Vorbildfrauen zur Ermutigung. Von Teilnehmerinnen der Frauenbildungsangebote zunächst geäußerte Ängste vor Feminismus weichen während der Veranstaltungen meist der eindrücklichen positiven Erfahrung, mit anderen Frauen gemeinsam zu lernen. Motive und Erfolg können dabei häufig deckungsgleich sein: Frauen wollen etwas an ihrer Situation verändern und sie wollen an Gesellschaft partizipieren. Dazu gehören auch die Veranstaltungen des Frauenreferats selbst. Diese bieten eine Kontinuität in der Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Gruppierungen von Frauen, in den Kooperationsbeziehungen, stoßen innovative Themen und Weiterentwicklungen von Diskursen in breiten Kreisen von Teilnehmerinnen und Regionen des Landes an – und sparen nicht mit Höhepunkten.

Workshop "Betrachtungen bei der Wende des Jahrhunderts", u.a mit
Dr. Herrad Schenk, November 1999
Anmerkungen
1 Zu diesen Zielgruppen des Frauenreferats, die aus
Kooperationsbeziehungen mit den jeweiligen Interessensvertretungen, Berufsverbänden und Selbsthilfegruppen resultieren, gehören Frauen mit Behinderung, Arbeitslose, Mütter bzw. aktive Frauen aus Mütterzentren, Alleinerziehende, Frauen in Sport, Kunst, berufliche
Wiedereinsteigerinnen, Arzt-, Zahn- und Tierarzthelferinnen.
2 Zahlreiche frauenspezifische Features, kreative und lebendige Methoden des Kennenlernens etc. können im Fachreferat Frauen der Landeszentrale ausgeliehen werden.
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