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Frauen zu stärkerem politisch-öffentlichen Engagement zu ermutigen heißt auch, sie darin zu bestärken, dass sie ihre Anliegen wahrnehmen, diese formulieren und sich selbstbewusst für deren Durchsetzung stark machen. Die nach wie vor geringe Präsenz von Frauen im gesellschaftlichen, politischen und beruflichen Raum hat – neben zahlreichen strukturellen Barrieren – häufig auch damit zu tun, dass es vielen Frauen schwer fällt, ihre Interessen deutlich zu artikulieren und zielstrebig auf
deren Realisierung hinzuarbeiten.
Das Bewusstsein, dass dies entsprechende sprachliche und kommunikative Kompetenzen von Frauen erfordert, führte dazu, dass bereits vor Gründung des Fachreferats Frauen vom Referat Erwachsenenbildung der
Landeszentrale für politische Bildung regelmäßig Rhetorik-Kurse für Frauen aus Frauenverbänden
angeboten wurden. Mit dem Arbeitsbeginn des Frauenreferats gingen diese stark nachgefragten Kurse in dessen Aufgabenbereich über und wurden – etwa unter dem Motto “Frauen melden sich zu Wort“ von jetzt ab stets von Frauen für Frauen ausgerichtet. Gerade in den Anfangszeiten der Arbeit im Fachreferat boten diese Seminare der Referatsleiterin gleichzeitig die Möglichkeit, mit vielen verschiedenen Frauen und Frauenverbänden in Kontakt zu kommen und damit den Grundstein für Folgeseminare und – häufig nach wie vor lebendige – Kooperationsbeziehungen zu legen. Rhetorik- und Kommunikationskursen kommt dabei zudem oft die Funktion von “Themen-Öffnern” zu: sie werden von den daran beteiligten Frauen bzw. den kooperierenden Verbänden auch als Art “Eintrittskarte in die Frauenbildung” genutzt.
Durchgeführt werden Seminare zu Rhetorik, Kommunikation und Durchsetzungsstrategien für ganz unterschiedliche Zielgruppen wie kommunalpolitisch engagierte Frauen, Frauen in Frauenverbänden, Berufsverbänden wie auch gemischten Organisationen, die im
Rahmen der Verbandspolitik ihre Interessen erfolgreich vertreten wollen, sowie für Studierende und Lehrende aus verschiedenen
Bereichen der Bildungs- arbeit, die – neben dem subjektiven “Gewinn” – als Multiplikatorinnen neues Wissen und Erkenntnisse an Frauen weitergeben werden. Kooperationspartnerinnen und Mit-Veranstalterinnen dieser Kurse sind meist
Frauenbeauftragte / Frauenvertreterinnen aus Kommunen, Schulen, Hochschulen oder Behörden, Frauenreferentinnen in Bildungswerken oder Frauenverbänden.
Themen-Entwicklungen
Idee und Ziel der Kommunikations- und Rhetorik-Seminare finden sich plakativ bereits in den Titeln entsprechender Veranstaltungen: “Mitreden kann frau lernen” heißt es dort oder selbstbewusst formuliert: “Ich stehe
meine Frau!”. “Warum unser Licht unter den Scheffel stellen?” fragt ein Rhetorikkurs für Meisterinnen in der Hauswirtschaft und
verdeutlicht damit auf prägnante Weise, dass Erfolg in der (Verbands-)Politik nicht nur mit Fähigkeit und Leistung, sondern auch mit Selbstdarstellung und Präsentation in der Öffentlichkeit zu tun hat. Die Notwendigkeit für Frauen, in der Öffentlichkeit laut(er) und hörbar(er) werden, spiegelt ein Seminar für in Verbänden aktive Frauen: “Klappern gehört zum Frauen-Handwerk”.
Im Vordergrund der Seminararbeit steht immer das persönliche Profil der Einzelnen im Alltag wie auch im “Rampenlicht” der Öffentlichkeit.1 Leitfrage aller Veranstaltungen ist: “Wie verschaffe ich mir Kompetenzen, wie vertrete ich meine Interessen überzeugend und stelle sie wirkungsvoll in der Öffentlichkeit dar?”
Grundprämisse der vom Fachreferat Frauen veranstalteten Rhetorik- und Kommunikationsseminare ist daher, dass es sich dabei nie
einfach nur um Redeschulungen oder Trainings in Gesprächsführung handelt, sondern die entsprechenden Arbeitseinheiten immer in einen politischen Gesamtkontext eingebettet sind, der das hierarchische
Geschlechterverhältnis reflektiert: Sprache, aber auch das Sprech- und Kommunikationsverhalten von Individuen sind keineswegs neutral, sondern reflektieren gesellschaftliche Machtverhältnisse und Rollenzuschreibungen. Zum Konzept der Veranstaltungen gehört es daher, nicht nur “Moderieren, argumentieren und überzeugen” einzuüben oder sich pragmatisch “Politisch Handeln durch freies Reden” auf die Fahnen zu schreiben – genauso wichtig ist es Leiterin und Referentinnen, die Teilnehmerinnen zu befähigen, ihre Sprache wie auch ihr geschlechtsspezifisch geprägtes
Sprechverhalten zu analysieren und kritisch zu hinterfragen. Es geht um “Macht und Ohnmacht in der Sprache”, und vor dem Hintergrund, wie sehr Sprache Bewusstsein schafft, um die
Erkenntnis, dass eine gleichberechtigte Sprache existenziell ist für die Realisierung einer gleichberechtigten Gesellschaft.
Rhetorik- und Kommunikationsseminare sind ein Ansatzpunkt, um auf dem Weg zum
frauenpolitischen Ziel, die Anzahl von Frauen in gesellschaftlichen Führungspositionen zu
erhöhen, weiter zu kommen. Frauen, die sich in die unterschiedlichsten “Gefilde der Macht” aufgemacht haben, formulieren darüber
hinaus neue Bedürfnisse, auf die das Fachreferat mit neuen Veranstaltungen reagiert. Ein Blick auf die Entwicklung des Seminar-Angebots zeigt, dass seit Mitte der 90er Jahre die Auseinandersetzung mit “Stimme, Sprache, Kommunikation” nicht mehr an vorderster Stelle steht, sondern zunehmend Strategien der Konfliktbewältigung, konstruktive Problemlösungen und der faire Umgang in Auseinandersetzungen ins Blickfeld der politischen Frauenbildung rücken.2
Auch hier gelingt es dem Fachreferat Frauen der Landeszentrale für politische Bildung, die Anliegen sehr unterschiedlicher Zielgruppen zu “bedienen”, seien dies der Bedarf von Frauen in Leitungspositionen des Landesverbands der Lebenshilfe (“Frauen führen in sozialen Einrichtungen”), von jungen Verwaltungsbeamtinnen in Führungspositionen im öffentlichen Dienst, von politisch aktiven Frauen in kommunalen Gremien oder von Frauen, die in der Schulverwaltung “Erfolgreich führen” wollen.
Resonanz und Erfolge
Seit einem Jahrzehnt gehören Rhetorikkurse und Kommunikationstrainings – ergänzt um die Vermittlung von Führungsstrategien – zum kontinuierlichen Angebot des Frauenreferats. Als logische Konsequenz des dezidiert frauenpolitischen Ansatzes dieser Kurse sieht die
Referatsleiterin Christine Herfel die Entwicklung, dass den Teilnehmerinnen innerhalb dieser Seminare vieles zum Thema Frau-Sein in
unserer Gesellschaft deutlich wird und diese Erkenntnisse bei zahlreichen Teilnehmerinnen den Willen zu weiteren Veränderungen mobilisieren.
Verschiedene Rückmeldungen aus entsprechenden Veranstaltungen zeigen, dass Frauen danach gestärkt mit neuem Wissen und sich ihrer Kompetenzen neu bewusst in ihren
Alltag zurückkehren. Für nicht wenige Kursteilnehmerinnen waren nach Beobachtung der Referatsleiterin Rhetorik- und
Kommunikationskurse überdies Anlass zum Einstieg in ein stärkeres Engagement im Verband (etwa als Sprecherin oder Vorsitzende) oder in der Kommune (z.B. im Rahmen einer Kandidatur bei Wahlen) und damit willkommene “Mittel ” zur Förderung der politischen Partizipation von Frauen.
Anmerkungen
1 Deutlich wird dies bereits an den entsprechenden Seminartiteln, z.B. “Auftreten in der politischen Öffentlichkeit”, “Politische Kommunikation und Rhetorik im Alltag der Frauen” oder auch ein Angebot für arbeitslose Frauen unter dem Motto “Wie trete ich auf - Körperhaltung und
Selbstbewusstsein”.
2 Die Nachfrage von einzelnen Frauen, Frauenverbänden und -initiativen nach Kursen zum Thema Rhetorik und Kommunikation ist nach wie vor groß, kann vom Frauenreferat angesichts der vorhandenen Kapazitäten jedoch kaum abgedeckt werden. Einen Teil des Fortbildungsbedarfs insbesondere der Frauen übernimmt u. a. die Außenstelle Freiburg der LpB.
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