10 Jahre
Fachreferat Frauen

1991- 2001 
Eine Dokumentation

Vernetzungs- und Qualifizierungsangebote für Multiplikatorinnen



INHALT

”Vernetzen - verbinden - verbünden” - 
Vernetzungs- und Qualifizierungsangebote für Multiplikatorinnen 



”Vernetzung” ist im Fachreferat Frauen der Landeszentrale für politische Bildung mehr als nur ein Schlagwort. Diese zunächst begriffliche ”Hülle” – vielerorts leer und bereits abgedroschen klingend – ist hier mit Leben und frauenpolitischem Anspruch gefüllt. Zu den zentralen Aufgabenbereichen des Frauenreferats gehört es, Vernetzungsmöglichkeiten vor allem für Multiplikatorinnen in der Frauenbildung, Mädchenarbeit/-bildung, Erziehung, Wissenschaft und Frauenpolitik zu schaffen bzw. Netzwerke in ihrer Arbeit durch Qualifizierungsangebote zu unterstützen. Mehrere Netzwerke sind unmittelbar im Kontext der 
Bildungsarbeit des Fachreferats Frauen entstanden bzw. haben durch das Frauenreferat entscheidende Gründungsimpulse erhalten. Dazu gehören vor allem die Fachkonferenz Frauenbildung (FKF), das Netzwert “Frauen verändern Schule”, das Netzwerk “Frauen in der öffentlichen Verwaltung” sowie das Stuttgarter FrauenNetzwerk. Die Entstehungs- geschichte der verschiedenen Netzwerke ist unterschiedlich, ebenso ihre Verbindung zum Fachreferat. Einige Netzwerke wurden mit tatkräftiger Unterstützung der Frauenreferentin ”gesponnen”, andere wiederum standen bereits in gutem “Wuchs” und suchten einen Ort für kontinuierliche ”Pflege” und Weiterentwicklung. Grundsätzlich aber geht es dabei immer um die Auseinandersetzung mit vorfindbaren geschlechtshierarchischen Strukturen und der Vergewisserung, Überprüfung und (Weiter-)Entwicklung emanzipatorischer Ziele und Veränderungsmöglichkeiten in den jeweiligen Arbeitsbereichen – individuell und kollektiv.

Multiplikatorinnen in der politischen Frauenbildung
Etwa 30 Repräsentantinnen der politischen Frauenbildung aus verschiedenen Institutionen Baden-Württembergs nahmen 1993 an einem Workshop mit dem Thema „Politische Frauenbildung - Balanceakte zwischen Ansprüchen und Wirklichkeit“ teil, den das Fachreferat gemeinsam mit der Evangelischen Arbeitsstelle für Erwachsenenbildung in Württemberg durchführte. Am Ende des Seminars stand als krönender Abschluss die Gründung eines trägerübergreifenden Forums, der ”Fachkonfe-renz Frauenbildung”, die von da an Frauenbildungsgeschichte in Baden-Württemberg schreiben sollte. Ziel dieses Forums ist die Koordinierung und Vernetzung von in der politischen Frauenbildung Tätigen. Nicht nur zur Initiierung, sondern auch zur kontinuierlichen Fortführung dieses Netzwerks, das seither einmal jährlich tagt, hat das Fachreferat Frauen wesentlich beigetragen. Die Fachtagungen beschäftigen sich beispielsweise damit, wie Interessen und Themen von Frauen eine größere bildungspolitische Relevanz verschafft werden kann, oder richten ihren Blick – so auf der 7. Fachkonferenz Frauenbildung 1999 mit dem Titel ”Zukünftige Frauenbildungsarbeit trotz Belastung – wie werden wir wieder politisch präsent?” – sowohl nach innen, auf die eigenen Strukturen und Arbeitsbedingungen politischer Frauenbildung, als auch auf die Frage der Einmischung und Beteiligung. Auch die eigene Fortbildung der Frauenbildnerinnen kommt dabei nicht zu kurz.

Das Fachreferat Frauen nimmt in der zweiten Hälfte der 90er Jahre auch mit den einzelnen in der Fachkonferenz zusammengeschlossenen Bildungseinrichtungen Kooperationen wahr – dazu zählen etwa eine Fortbildung für Programmplanerinnen und Dozentinnen innerhalb des Volkshochschulverbands Baden-Württemberg mit der Fragestellung „Frauenbildung – Befreiung wovon? Befreiung wohin?”, in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Familienbildungsstätten eine Weiterqualifizierung für Mitarbeiterinnen aus der Familienbildung zum Thema ”Frauenpolitik und Familienbildung – was haben sie miteinander zu tun?” oder mit dem Referatsbereich Frauen der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Schwerpunkt ”Solidarität unter Frauen”.

Ab Mitte der 90er Jahre ist eine Erweiterung in den Fortbildungsangeboten festzustellen, die sich dadurch auszeichnet, dass punktuell Frauen und Männer als MultiplikatorInnen angesprochen werden – so etwa geschehen in einem „Gender-Training“, das im Jahr 2000 Erwachsenenbildnern und Erwachsenenbildnerinnen die Gelegenheit zur Sensibilisierung und Qualifizierung für eine geschlechtergerechte Bildungsarbeit bot. Wenn hier vorwiegend von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Honorarkräften in der Frauenbildung die Rede ist, so soll damit keineswegs die Bedeutung der vielfältigen Angebote geschmälert werden, die das Fachreferat in Kooperation mit verschiedenen Frauenverbänden zur Qualifizierung von ehrenamtlichen Multiplikatorinnen – häufig auch für die Bildungsarbeit in den Verbänden im weitesten Sinn – angeboten hat.

Lehrerinnen und Multiplikatorinnen in der außerschulischen Mädchenarbeit
Einen beträchtlichen Raum im Bildungsangebot des Fachreferats Frauen nimmt in den vergangenen Jahren das Thema “Schule aus Frauenperspektive” ein. Die Themenspanne reicht von Frauenförderung in Bezug auf Lehrerinnen bis hin zur gezielten Förderung von Schülerinnen, von der Koedukationsdebatte und Feminismusfragen bis hin zur Berufsorientierung von Mädchen. Ab und zu gibt es in diesem Bereich Kooperationen zwischen den Fachreferaten Lehrerfortbildung, Didaktik der politischen Bildung und Frauenbildung in der Landeszentrale für politische Bildung. Allerdings zeigen Lehrerinnen ein deutlich größeres und beständigeres Interesse am Aufdecken von Geschlechterhierarchien und geschlechtsbezogenen Zuschreibungen in der Schule, was durch zahlreiche sehr gut nachgefragte Seminare zu belegen ist. Im Anschluss an ein gemischtgeschlechtliches Seminar zum Thema ”Schule und Gleichberechtigung – der heimliche Lehrplan der Geschlechtererziehung” gründeten engagierte Lehrerinnen 1992 das Netzwerk ”Frauen verändern Schule”. Mit diesem Netzwerk, das offen ist für Lehrerinnen aller Schularten, wurde ein Ort für den Austausch unter Frauen aus der Schule geschaffen, der Strategieentwicklung ermöglicht, um der ”patriarchalen Schulung der Geschlechter” zu entkommen. So formulierte bereits die Seminar-Ausschreibung 1992:

Es geht darum, den ‚heimlichen Lehrplan’, die Behinderung von Mädchen und das Festlegen von Geschlechtsrollen im Unterricht aufzuzeigen und Strategien der Gegensteuerung zu entwickeln (u.a. neue Lehrplaninhalte/-schwerpunkte, Verhaltensmuster). Die Bewältigung dieser wichtigen gesellschaftspolitischen Aufgabe erfordert auch eine Stärkung des Selbstbewusstseins der Lehrerinnen und ein gutes Netzwerk, welches bei der täglichen pädagogischen Arbeit Rückhalt bietet.” 
Zur Gründung, Weiterentwicklung und Stärkung dieses Netzwerkes, dem heute mehr als 230 Frauen angehören, hat das Fachreferat Frauen einen wesentlichen Beitrag geleistet.
Dass es nicht nur um unmittelbar schulbezogene Themen, sondern auch um die Auseinandersetzung von Pädagoginnen mit der eigenen Haltung gegenüber Frausein, Mädchensein und Emanzipation sowie um neuere theoretische Diskussionen aus der Frauenforschung geht, zeigt eine Fortbildung für Lehrerinnen zum ”Reizwort: Feminismus”, zu der das Netzwerk in Kooperation mit dem Frauenreferat 1997 einlud. 
Welchen Stellenwert haben Emanzipation und Feminismus in der gesellschaftlichen und der schulischen Wirklichkeit, wie gehen Lehrerinnen mit diesen Begriffen und ihrer Bedeutung um? (...) Für die Umsetzung im Schulalltag ist zur Zeit jedoch das größte Problem, wie wir die Schülerinnen und Kolleginnen für ihre Ungleichbehandlung in der Schule sensibilisieren. Feministin ist für sie oft ein ‚Unwort’ geworden. Denn: Eine Feministin ist nicht mehr ‚feminin‘. Oder?” (Seminar-Ausschreibung)


Feministische Mädchenarbeit, Seminar mit FH-Studentinnen und Hauptschülerinnen im Haus auf der Alb, Dezember 1995

Angesichts geschlechterdiskriminierender Kontinuitäten in Schule, Ausbildung und Beruf sprechen verschiedene Seminare konkreten Handlungsbedarf an. Dazu gehört etwa das Seminar ”Schule und Berufswahl von Mädchen”, in dem Mitgliedsfrauen des Netzwerks und interessierte Lehrerinnen durchaus selbst-kritisch der Frage nachgingen, wie die Schule Mädchenwege in die Arbeitswelt fördert. Der Blick über Schulgrenzen hinaus, erlaubte auch eine Analyse der Auswirkungen von Berufsorientierungsangeboten der Schulen auf Mädchen. Auch die Förderung von Lehrerinnen ist im Fachreferat Frauen Programm: Zielgruppen entsprechender Veranstaltungen sind beispielsweise Frauenvertreterinnen an Schulen und Frauen in Führungspositionen im Bereich der Schulverwaltung (z.B. Seminar ”Ziele, Konflikte, Strategien – Umsetzung des Frauenförderplans in der Schulpraxis”). Unter dem Titel ”Erfolgreich führen” fand in Kooperation mit der Frauenvertreterin des Kultusministeriums im Jahr 2000 erstmals eine Fortbildung für Frauen in Führungspositionen zum Schwerpunkt Führungskompetenzen und Konfliktmanagement im Schulbereich statt. Der gegenseitige Informationsbedarf und Austausch der Beteiligten erweist sich dabei immer wieder als dringend notwendig.
Fortbildungen für Multiplikatorinnen in außerschulischen pädagogischen Arbeitsfeldern werden etwa für Mitarbeiterinnen in Kindergärten durchgeführt. So richtete sich beispielsweise das 1992 in Kooperation mit der Gleichstellungsstelle Stuttgart entwickelte Modellseminar ”Brave Mädchen – freche Jungen: Rollenklischees im Kindergarten” an Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen; in der Folge wurde es an verschiedenen Orten durchgeführt. 
In der zweiten Hälfte der 90er Jahre fanden – veranstaltet von der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Fachreferat Frauen – Fachtagungen für Multiplikatorinnen aus der Mädchenarbeit statt, in denen es um Fragen der Umsetzung der Geschlechterdifferenzierung in der Jugendhilfe, qualifizierte Mädchenarbeit und -politik sowie um Anforderungen an die Mädchenberufshilfe ging.

Wissenschaftlerinnen und wissenschaftlich Interessierte in Aus-, Fort- und Weiterbildung
Die Aktivitäten des Fachreferats Frauen in diesem Bereich reichen von Ansätzen der Vernetzung von Frauenforschung in Baden-Württemberg bis zur Unterstützung von Tagungen zur Frauenförderung an Hochschulen in Baden-Württemberg. Einen ersten “Koordinierenden Seminartag” mit dem Ziel einer besseren Vernetzung und dem Austausch über Erfordernisse der Frauenforschung in Baden-Württemberg veranstaltete das Fachreferat 1991 für Frauenforscherinnen aus Hochschulen, aus außeruniversitären Einrichtungen und für freie Forschende. 40 Fachfrauen nahmen teil, das Frauenreferat wiederum erstellte einen Reader mit Forschungsfeldern und Schwerpunkten, der im Anschluss an die Tagung verschickt wurde. Mit dieser Initiative bot das Fachreferat Frauen Wissenschaftlerinnen sowohl aus außeruniversitären Zusammenschlüssen als auch aus Hochschulen Möglichkeiten, Vernetzungs- und Austauschzusammenhänge aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln. 
Was die Unterstützung der Arbeit von Frauen innerhalb von Hochschulen anbelangt, ist etwa die Kooperation mit der Landeskonferenz baden-württembergischer Frauenbeauftragter an wissenschaftlichen Hochschulen und Fachhochschulen zu nennen. Diese tagte 1994 erstmals im „Haus auf der Alb“, in den Folgejahren fanden weitere Tagungen statt. Zahlreiche frauenpolitische Sprecherinnen nutzen diese Foren, um sich gemeinsam über Ansätze und Schwerpunkte der aktuellen Frauenforschung sowie über Situation und Aktivitäten der Frauen in Forschung und Lehre sowie von Studentinnen an den Hochschulen des Landes auszutauschen. Der Verband Baden-Württembergischer Wissenschaftlerinnen richtete 1997 ebenfalls mit Unterstützung des Fachreferats ein Kolloquium aus, in dem es um Fragen der Institutionalisierung von Frauen- und Geschlechterforschung in Baden-Württemberg ging. 
Kooperationen mit außeruniversitären Einrichtungen wie dem Bildungszentrum und Archiv zur Frauengeschichte Baden-Württembergs e.V., dem Frauenmuseum Stuttgart e.V. und dem Verein Frauen & Geschichte Baden-Württemberg schlagen sich in verschiedenen Tagungen mit historisch forschenden und praktisch arbeitenden Frauen nieder. Ein weiteres Beispiel stellt eine Tagung des Tübinger Instituts für frauenpolitische Sozialforschung e.V. dar, auf der Wissenschaftlerinnen und Praktikerinnen aus verschiedenen Arbeitsfeldern in einen Verständigungsprozess über praxisorientierte Frauenforschung traten. Ein herausragendes Kooperationsprojekt war die „Frauenpolitische Abenduniversität“, die im April 1992 in Stuttgart startete. Ziel der Initiatorinnen war, interessierten Frauen im Raum Stuttgart zu ermöglichen, sich mit der individuellen und gesellschaftlichen Situation von Frauen sowie aktuellen Fragestellungen der Frauenforschung auseinander zu setzen. Bedeutende Wissenschaftlerinnen referierten vor ca. 200 Hörerinnen pro Abend zu brisanten Themen. „Wie männlich ist die Wissenschaft?“ war der Titel der ersten Vorlesungsreihe, in den folgenden Semestern stand die Abenduniversität unter den Themenschwerpunkten „Frei und gleich?“ sowie ”Herrenhaus Europa”.1 Dabei bediente sich diese Veranstaltungsreihe einer – vor allem auf den Hochschulkontext bezogen – interessanten Form: Um auch den informellen Austausch zu gewährleisten, war jeweils eine Stunde vor Beginn der Vorlesungen Zeit für Begegnungen eingeplant.2 

Ein weiteres Angebot des Fachreferats Frauen richtet sich an Multiplikatorinnen, die sich selbst in wissenschaftlicher Aus- bzw. Weiterbildung befinden: vor allem an Teilnehmerinnen der Frauenakademien in Baden-Württemberg. Die Geschichte dieser wissenschaftsorientierten Weiterbildung für Frauen in und nach der Familienphase skizziert eine Ausschreibung zur Begegnungskonferenz von den verschiedenen Frauenakademien in Baden-Württemberg ”Und deshalb bin ich nämlich so verrückt auf Frauenakademie!” im Jahr 1995:

Im Herbst 1986 startete an der Volkshochschule Ulm die erste Frauenakademie mit 25 Frauen. Bis heute haben über 400 Teilnehmerinnen allein in Ulm dieses Angebot wahrgenommen. Seit 1991 wird in Ludwigsburg und seit 1993 in Schwäbisch Hall dieser Studiengang mit großer Resonanz durchgeführt. Eine vierte ‚Ablegerin’ gibt es seit 1996 im Großraum Baden-Baden/Rastatt/Bühl. Die jeweiligen Konzeptionen unterschieden sich entsprechend den örtlichen Gegebenheiten. (...) Im Seminar geht es darum, die unterschiedlichen Erfahrungen wechselseitig nutzbar zu machen und die Konzeptionen auf ihre frauenpolitische Dimension zu überprüfen.” 

Diese Begegnungskonferenz steht in der Tradition vieler Seminare, die zunächst in Kooperation mit der ”Mutter der Frauenakademien”, der Einrichtung in Ulm stattfanden.3 Wochenend- bzw. Blockseminare in Zusammenarbeit mit dem Frauenreferat der Landeszentrale für politische Bildung beinhalten aufgrund der längeren Zeit des Beisammenseins für die Frauenakademie-Frauen eine wesentliche soziale Komponente: die Möglichkeit der Vertiefung, Erprobung und Entwicklung weiterer Aktivitäten.

Neben Vernetzung im wissenschaftlichen Bereich bietet das Fachreferat zudem für Studierende an wissenschaftlichen Hochschulen als künftige Pädagoginnen und Multiplikatorinnen immer wieder geschlechtersensibilisierende Fortbildungen an – so geschehen in 
Kooperationsseminaren mit der Fachhochschule Esslingen, bei denen Studentinnen ein Curriculum für feministische Bildungsarbeit mit Frauen und Mädchen entwickelten, oder bereits Anfang der 90er Jahre zum Thema Koedukation in der Schule in Kooperation mit der Universität Ulm im Rahmen eines Angebots für Lehramtsstudierende aus dem naturwissenschaftlichen Bereich: ”Ist eine Trennung in Mädchen- und Jungenschule sinnvoll?” 

Kommunale Frauenbeauftragte als Multiplikatorinnen
Zu den zentralen Zielgruppen, mit denen das Fachreferat Frauen der Landeszentrale für politische Bildung kontinuierliche und vielfältige Arbeitsbeziehungen pflegt, gehören die kommunalen Frauenbeauftragten in Baden-Württemberg. Die Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Frauenbeauftragten stellte in der Geschichte des Fachreferats Frauen eine der ersten Kooperationen dar und wird – ergänzt durch Kooperationen mit der Arbeitsgruppe der Frauenbeauftragten im Städtetag sowie dem Arbeitskreis Frauenbeauftragte des Landkreistags Baden-Württemberg – bis heute regelmäßig weitergeführt.4 
Seminare und Tagungen mit Frauenbeauftragten bilden gewissermaßen ein “Scharnier”: sie ermöglichen dem Frauenreferat auf der einen Seite Aufbau und Pflege von Kontakten zur institutionalisierten Frauenarbeit in Kommunen und Kreisen, zum anderen aber auch “die notwendige Nähe der Bildungseinrichtung Landeszentrale zu konkreten Problemen und Fragestellungen der Basis”, so der Jahresbericht 1992. Auf der Agenda stehen dabei neben dem gut funktionierenden Informationsfluss zwischen beiden Seiten sowohl Veranstaltungen, die kommunale Frauenbeauftragte mit Unterstützung des Frauenreferats der Landeszentrale für Frauen vor Ort durchführen (z.B. die Kursreihe “Unsere Stadt braucht Frauen”) als auch Seminare und Tagungen, die das Fachreferat Frauen zur Fortbildung von Frauenbeauftragten aus Baden-Württemberg durchführt. Das inhaltliche Spektrum dieser mindestens einmal jährlich durchgeführten Tagungen reicht von genuin kommunalpolitischen Themen (z. B. “Verwaltungsreform als Herausforderung für Frauenbeauftragte”) über spezifische Fragen zur Arbeit mit Frauen (“Frauenarbeit im ländlichen Raum”) bis hin zu aktuellen Fragen von Frauenförderplänen, der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung (u.a. Seminar “Machtstrategien in Organisationen. Effizient – kreativ – konstruktiv”). 
Neben Fortbildungen zu konkreten Fragestellungen bieten diese Seminare zudem Raum für die Auseinandersetzung mit Erkenntnissen aus der Frauenforschung und mit Fragen der Frauenförderung und Gleichstellungspolitik, die immer auch die kritische Auseinandersetzung mit entsprechenden Politik-Ansätzen beinhalten.
Sich mit einem Blick über die Ländergrenzen hinaus Bereicherung und Unterstützung für die eigene Arbeit zu holen, war Anliegen mehrerer Begegnungskonferenzen von kommunalen Frauenbeauftragten aus Baden-Württemberg, Österreich und der Schweiz, die – unterstützt durch das Fachreferat Frauen der Landeszentrale für politische Bildung – ab 1992 unter dem Motto “Frauen und Männer sind gleichberechtigt – ein Ländervergleich” stattfanden.


LAG Kommunale Frauenbeauftragte Baden-Württemberg,
Seminar im Haus auf der Alb, Juli 1999

In der Zusammenarbeit mit kommunalen Frauenbeauftragten geht es der Referatsleiterin immer auch um die konstruktive Begleitung und Bestärkung der äußerst komplexen und von vielen Seiten kritisch beobachteten Arbeit von Frauenbeauftragten.5 Dass dieser Schwerpunkt des Fachreferats Frauen notwendig – und erfolgreich ist, fasst eine Frauenbeauftragte nach der Seminarteilnahme prägnant zusammen: “So ein Seminar gibt neue Kraft und stärkt uns für die Arbeit.” (Jahresbericht 1995)

Erfolge, Folgen, Ergebnisse 
Als wesentliche Pluspunkte der Arbeit des Fachreferats Frauen in der Landeszentrale für politische Bildung zeigen sich die Möglichkeiten der Initiierung und Unterstützung von Vernetzungszusammenhängen unter Multiplikatorinnen. Diese Vernetzungen wiederum wirken sich positiv auf den ”Zulauf” zu Angeboten des Fachreferats aus, indem über die Netzwerksysteme aktiviert und koordiniert werden kann, wobei hier – wie bei den Offenen Seminaren – ein Schneeball-Effekt eintritt, der auch Frauen außerhalb dieser Vernetzungen erreicht. Die Qualität der Fortbildungen für Multiplikatorinnen im pädagogischen und wissenschaftlichen Bereich liegt in ihrer – für Frauenbildung ”klassischen” – Ausrichtung: die Themen haben stets mit den teilnehmenden Frauen selbst zu tun, besonderes Augenmerk liegt auf der Art der Vermittlung und auf Begegnungen. Und auch hier spielt das Voneinander-Lernen eine wichtige Rolle. 
Nicht zuletzt ist das ”Haus auf der Alb” in Bad Urach ein Ort für Frauen geworden. Die Weiterentwicklung der Begegnungsmöglichkeiten in Form von gemeinsamen Arbeitseinheiten zwischen verschiedenen parallel tagenden Frauen-Seminaren und damit verschiedensten Gruppierungen von Frauen – und stellenweise auch Mädchen – zeigt dies eindrücklich. Die besondere Seminaratmosphäre, die diese Tagungsstätte bietet, kommt dem Anliegen der gegenseitigen Vernetzung und Stärkung entgegen. Gleichzeitig ermöglicht die Dezentralität einiger Angebote, die mit den verschiedenen Kooperationspartner/innen gegeben ist, die Verbreitung von Frauenthemen und geschlechterdifferenzierenden Sichtweisen an ganz unterschiedliche Zielgruppen vor Ort.

Anmerkungen
1 Kooperationspartnerinnen waren die Frauenbeauftragte der Universität Stuttgart, die Gleichstellungsstelle der Stadt Stuttgart und der Deutsche Akademikerinnenbund, Fachgruppe Stuttgart.
2 Um den Teilnehmerinnen der Frauenpolitischen Abenduniversität die Gelegenheit zur Anbindung der Auseinandersetzung mit feministischen Theorien an die eigene Person zu geben, veranstaltete die Landeszentrale in Zusammenarbeit mit den anderen Veranstalterinnen der Abenduniversität im Jahr 1993 einen Seminartag. 
3 Maßgeblich beteiligt an diesen Seminaren war bis in die erste Hälfte der 90er Jahre das Pädagogische Seminar der Universität Ulm, bei dem die wissenschaftliche Begleitung der Frauenakademie Ulm angesiedelt war. Christine Herfel war Mitglied im Beirat der wissenschaftlichen Begleitung des Forschungsprojektes „Frauenakademie“.
4 Die Frauenreferentin der Landeszentrale für politische Bildung wurde ab 1991 als „ständiger Gast“ zu den Arbeitstagungen der Arbeitsgemeinschaft der Frauenbeauftragten beim Städtetag Baden-Württemberg eingeladen.
5 Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, dessen Kommunalverfassung keine gesetzliche Verpflichtung zur Einrichtung von kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen enthält.


Copyright ©   2001  LpB Baden-Württemberg   HOME

Kontakt / Vorschläge / Verbesserungen bitte an: lpb@lpb-bw.de